{"id":3492,"date":"2026-04-19T16:57:58","date_gmt":"2026-04-19T16:57:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3492\/"},"modified":"2026-04-19T16:57:58","modified_gmt":"2026-04-19T16:57:58","slug":"jahrhundertregen-in-spanien-portugal-und-marokko-neun-stuerme-in-serie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3492\/","title":{"rendered":"Jahrhundertregen in Spanien, Portugal und Marokko: Neun St\u00fcrme in Serie"},"content":{"rendered":"<p>Es scheint gar nicht enden zu wollen\u00a0\u2013 fast alle f\u00fcnf Tage trifft ein neuer Sturm die L\u00e4nder Portugal, Marokko und Spanien. Was viele zun\u00e4chst nur als kurzes Wintertief wahrnahmen, entwickelte sich zu <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/afrika\/sturm-marokko-spanien-portugal-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">einer Ausnahmesituation<\/a>, die ganze Regionen an ihre Belastungsgrenze bringt.<\/p>\n<p>Nachdem insgesamt neun St\u00fcrme die Iberische Halbinsel und Nordmarokko trafen, treten dort jetzt die Fl\u00fcsse \u00fcber die Ufer und \u00fcberschwemmen Stra\u00dfen, Felder und ganze Wohngebiete.<\/p>\n<p class=\"add-placeholder-rectangle\">\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;\u00dcber 50 Menschen verloren ihr Leben. Hunderttausende wurden aus ihren H\u00e4usern evakuiert, in einigen Regionen kam es zu Stromausf\u00e4llen, und viele \u00f6ffentliche Dienste wie Verkehr und Schulen wurden eingestellt&#8220;, macht <a href=\"https:\/\/cvnet.cpd.ua.es\/curriculum-breve\/es\/garcia-garcia-david\/8010\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">David Garc\u00eda-Garc\u00eda<\/a> von der Universit\u00e4t Alicante in Spanien die Schwere der Ereignisse deutlich.<\/p>\n<p>Auch Wohnh\u00e4user und Infrastruktur in Iberien und Nordmarokko sind durch die Niederschl\u00e4ge zunehmend bedroht. &#8222;Wenn innerhalb weniger Tage die Regenmenge eines ganzen Jahres f\u00e4llt, ersch\u00fcttert das auch unsere Infrastruktur und sch\u00e4digt unsere B\u00f6den&#8220;, sagt Klimaforscher Garc\u00eda-Garc\u00eda bei einem Medientermin der internationalen Forschungsgruppe <a href=\"https:\/\/www.worldweatherattribution.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">World Weather Attribution<\/a> (WWA).<\/p>\n<p>Die wirtschaftlichen <a href=\"https:\/\/www.worldweatherattribution.org\/increasingly-severe-rainstorms-pose-growing-risk-for-people-and-structures-build-in-the-floodplains\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Sch\u00e4den sind immens<\/a>. &#8222;Spanien hat neun Milliarden f\u00fcr den Wiederaufbau und die Deckung landwirtschaftlicher Verluste bereitgestellt, Portugal 6,5 Milliarden und Marokko 280 Millionen&#8220;, so Garc\u00eda-Garc\u00eda.<\/p>\n<p>Besonders stark betroffen <a href=\"https:\/\/murciatoday.com\/entire_town_of_grazalema_evacuated_as_record_rainfall_triggers_fears_over_unstable_ground_1000259590-a.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">war Grazalema<\/a> in S\u00fcdspanien. Innerhalb weniger Tage fiel in dem Bergort mehr Niederschlag als sonst in einem ganzen Jahr. Auch in Teilen Marokkos und Portugals waren die Tagesniederschlagsmengen teilweise so extrem, wie sie h\u00f6chstens einmal in 100 Jahren erwartet werden.<\/p>\n<p>Atmosph\u00e4rische Blockierungen und Fl\u00fcsse<\/p>\n<p>Die Fluten in Spanien, Portugal und Marokko sind vor allem durch die Kombination zweier Wetterph\u00e4nomene entstanden. Zum einen bildeten aufsteigende Luftmassen eine sogenannte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Atmosph%C3%A4rische_Blockierung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">atmosph\u00e4rische Blockierung<\/a>. &#8222;Das ist ein Hochdruckgebiet, welches die Richtung von St\u00fcrmen effektiv umleitet&#8220;, erl\u00e4utert <a href=\"https:\/\/www.reading.ac.uk\/ges\/staff\/theodore-keeping\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Theodore Keeping<\/a> vom Imperial College London im Medientermin.<\/p>\n<p>Bei den aktuellen Regenf\u00e4llen leitete diese Blockierung die vom Nordatlantik einstr\u00f6menden Winde\u00a0\u2013 die sogenannte Weststr\u00f6mung\u00a0\u2013 von der Region \u00fcber Skandinavien in Richtung Westeuropa ab.<\/p>\n<p>Zum anderen heizten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Atmosph%C3%A4rischer_Fluss\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">&#8222;atmosph\u00e4rische Fl\u00fcsse&#8220;<\/a>\u00a0\u2013 bis zu Tausende Kilometer lange B\u00e4nder aus feuchtigkeitsges\u00e4ttigter Luft, welche Wasser von einem Ort in der Atmosph\u00e4re zum anderen transportieren\u00a0\u2013 diese St\u00fcrme zus\u00e4tzlich an.<\/p>\n<p>Die atmosph\u00e4rischen Fl\u00fcsse, die die Sturmfronten mit sich f\u00fchrten, transportierten Feuchtigkeit vom Atlantik in Richtung Iberien und Nordmarokko. Da sie dann noch \u00fcber einen sehr warmen Teil des Ozeans hinwegzogen, brachten sie mehr Feuchtigkeit mit als bei einem k\u00fchleren Ozean\u00a0\u2013 denn w\u00e4rmere Luft kann gr\u00f6\u00dfere Mengen an Wasser aufnehmen.<\/p>\n<p>&#8222;Und wenn diese Feuchtigkeit auf Land trifft, f\u00e4llt mehr Regen. So entstehen die Starkregenereignisse&#8220;, erkl\u00e4rt Klimaforscherin <a href=\"https:\/\/profiles.imperial.ac.uk\/c.barnes22\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Clair Barnes<\/a> beim WWA-Medientermin.<\/p>\n<p>Klimawandel machte Regen um elf Prozent st\u00e4rker <\/p>\n<p>Wie bei zahlreichen weiteren <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/erdsystem\/klimawandel-machte-hitzewelle-toedlicher\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Hitzewellen<\/a>, <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/erdsystem\/pakistan-werden-hunderte-flutopfer-zur-neuen-normalitaet\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Fluten<\/a> und <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/erdsystem\/wenn-die-fluesse-im-garten-eden-trockenfallen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">D\u00fcrreperioden<\/a> ist auch bei den aktuellen sintflutartigen Regenf\u00e4llen und \u00dcberschwemmungen im westlichen Mittelmeerraum der vom Menschen verursachte Klimawandel mitverantwortlich. Zu diesem Schluss kamen die WWA-Forscher:innen jetzt in einer\u00a0<a href=\"https:\/\/spiral.imperial.ac.uk\/entities\/publication\/f397650e-2ef9-49ed-9d45-a43bc6fcc4e7\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Studie<\/a>.<\/p>\n<p>Um zu quantifizieren, wie gro\u00df der Einfluss des Klimawandels in diesem Fall war, nutzten sie Computersimulationen. Darin verglichen sie\u00a0\u2013 vereinfacht gesagt\u00a0\u2013 das heutige Klima bei einer globalen Erw\u00e4rmung von rund 1,3 Grad mit den klimatischen Bedingungen der vorindustriellen Zeit. Anschlie\u00dfend pr\u00fcften sie, wie viel h\u00e4ufiger und st\u00e4rker ein derartiges Unwetter im heutigen Klima auftritt.<\/p>\n<p>&#8222;Allerdings haben wir nicht die l\u00e4ngerfristigen Niederschl\u00e4ge betrachtet. Denn statt einer <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/gesellschaft\/zig-milliarden-weggespuelt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">anhaltenden Regenperiode<\/a> rief hier eine Abfolge von eint\u00e4gigen Ereignissen die Auswirkungen hervor&#8220;, erkl\u00e4rt Klimaforscherin Barnes im Mediengespr\u00e4ch. Entsprechend untersuchte das WWA-Team eint\u00e4gigen Starkregen.<\/p>\n<p>Es zeigte sich, dass die extremsten eint\u00e4gigen Niederschlagsereignisse um etwa ein Drittel intensiver waren als noch vor der Erw\u00e4rmung des Planeten um 1,3 Grad Celsius.<\/p>\n<p>Der menschliche Einfluss auf diese Ver\u00e4nderung war ma\u00dfgeblich: Die Niederschlagsintensit\u00e4t in der untersuchten n\u00f6rdlichen Katastrophenregion, die sich direkt auf die CO2-Emissionen zur\u00fcckf\u00fchren l\u00e4sst, stieg um etwa elf Prozent. Im s\u00fcdlichen Gebiet konnten die Klimamodelle den beobachteten Trend nicht reproduzieren.<\/p>\n<p>&#8222;Das sollte uns eine Warnung sein&#8220;, sagt Clair Barnes. &#8222;Wir wissen, dass eine w\u00e4rmere Atmosph\u00e4re gr\u00f6\u00dfere Mengen an Feuchtigkeit enth\u00e4lt. Je mehr Kohlendioxid wir aussto\u00dfen, desto gef\u00e4hrlicher wird das Risiko f\u00fcr Winterst\u00fcrme wie diese.&#8220;<\/p>\n<p>WWA-Leiterin <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friederike_Otto\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Friederike Otto<\/a> betont, die Menschheit habe mittlerweile <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/erdsystem\/extremwetter-haengen-linear-mit-der-globalen-erwaermung-zusammen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">das\u00a0Wissen<\/a> und auch <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/international\/wir-muessen-die-aermsten-ins-zentrum-der-politik-stellen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">die\u00a0Mittel<\/a>, um eine weitere Zuspitzung der Situation zu verhindern, es fehle aber der Wille, die gesellschaftlichen Systeme zum Besseren zu ver\u00e4ndern. &#8222;Es lohnt sich, f\u00fcr jeden weiteren Bruchteil eines Grades Erw\u00e4rmung zu k\u00e4mpfen, sonst werden solche Regenf\u00e4lle nur noch schlimmer werden&#8220;, so Otto.<\/p>\n<p>Klimaanpassung dringend n\u00f6tig<\/p>\n<p>Um mit den schon erreichten 1,3 Grad globaler Erw\u00e4rmung zurechtzukommen, sei zuk\u00fcnftig neben funktionierenden Fr\u00fchwarnsystemen auch mehr <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/klimakonferenzen\/letztmalig-60-millionen-fuer-anpassung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Klimaanpassung<\/a> in Spanien, Marokko und Portugal notwendig, mahnen die Forschenden.<\/p>\n<p>&#8222;Diese Studie best\u00e4tigt, dass die durch unsere kollektiven CO2-Emissionen verursachte Erw\u00e4rmung der Atmosph\u00e4re zu extremeren und intensiveren Niederschl\u00e4gen f\u00fchrt, auf die sich die Entscheidungstr\u00e4ger vorbereiten m\u00fcssen, um Leben, Lebensgrundlagen und Infrastruktur in unserer Region zu sch\u00fctzen&#8220;, fasst Klimaforscher David Garc\u00eda-Garc\u00eda zusammen.<\/p>\n<p>Zwar k\u00f6nnen Spanien, <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/europaeische-union\/klimaanpassung-warum-fortschritt-kein-zufall-ist\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Portugal<\/a> und Marokko Fortschritte im Katastrophenmanagement vorweisen, doch m\u00fcssen die nationalen und kommunalen Fr\u00fchwarnsysteme noch besser aufeinander abgestimmt werden.<\/p>\n<p class=\"placeholder-article-bottom\">\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/MajaVahlberg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Maja Vahlberg<\/a>, die das Klimazentrum des Roten Kreuzes ber\u00e4t, fordert deshalb, in lokale Kapazit\u00e4ten zu investieren. Au\u00dferdem m\u00fcsse die Stadtplanung eine Zukunft ber\u00fccksichtigen, in der sich das, was als &#8222;extrem&#8220; gilt, mit jedem Jahr ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Vahlberg weiter: &#8222;Wir k\u00e4mpfen nicht nur gegen den Klimawandel, sondern auch gegen eine humanit\u00e4re Krise, die durch den Klimawandel verursacht wird.&#8220;<\/p>\n<p>Redaktioneller Hinweis: Friederike Otto ist Herausgeberratsmitglied von Klimareporter\u00b0.<\/p>\n<p>Anzeige<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/component\/banners\/click\/107\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" title=\"Umweltfestival 7. Juni. 2026\"><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/2026-03-30-Banner-300x250-2.jpg\" alt=\"Umweltfestival 7. Juni. 2026\" width=\"300\" height=\"250\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/a><\/p>\n<p>\t\t<script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es scheint gar nicht enden zu wollen\u00a0\u2013 fast alle f\u00fcnf Tage trifft ein neuer Sturm die L\u00e4nder Portugal,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3493,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[2406,1049,2402,2405,351,2404,95,96,761,1544,2403,2407,2408],"class_list":{"0":"post-3492","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-marokko","8":"tag-attributionsforschung","9":"tag-extremwetter","10":"tag-flutkatastrophen","11":"tag-forschung","12":"tag-hochwasser","13":"tag-klimaforschung","14":"tag-marokko","15":"tag-morocco","16":"tag-portugal","17":"tag-spanien","18":"tag-starkregen","19":"tag-stu00fcrme","20":"tag-wirbelstu00fcrme"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3492","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3492"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3492\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3493"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3492"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3492"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3492"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}