{"id":35200,"date":"2026-06-26T05:51:11","date_gmt":"2026-06-26T05:51:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/35200\/"},"modified":"2026-06-26T05:51:11","modified_gmt":"2026-06-26T05:51:11","slug":"klimawandel-duerren-verschaerfen-religioese-konflikte-in-nigeria-ressourcen-zweitrangig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/35200\/","title":{"rendered":"Klimawandel: D\u00fcrren versch\u00e4rfen religi\u00f6se Konflikte in Nigeria \u2013 Ressourcen zweitrangig"},"content":{"rendered":"<p> <img decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/klimawandel-durren-verscharfen-religiose-konflikte-in-nigeria-ressourcen-zweitrangig-1782246624434_1.jpeg\"  width=\"768\" height=\"432\" alt=\"Junge Fulani-Jungen gehen nicht zur Schule, sondern werden in Adamawa, Nordostnigeria, zu Vollzeit-Viehz\u00fcchtern ausgebildet. Bild: Wikimedia Commons\/Neptunian83\/CC BY-SA 4.0\" title=\"Junge Fulani-Jungen gehen nicht zur Schule, sondern werden in Adamawa, Nordostnigeria, zu Vollzeit-Viehz\u00fcchtern ausgebildet.\"\/>Junge Fulani-Jungen gehen nicht zur Schule, sondern werden in Adamawa, Nordostnigeria, zu Vollzeit-Viehz\u00fcchtern ausgebildet. Bild: Wikimedia Commons\/Neptunian83\/CC BY-SA 4.0   <img decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/lisa-seyde.jpg\" alt=\"Lisa Seyde\" width=\"40\" height=\"40\"\/>    <a class=\"nombre text-hv\" href=\"https:\/\/www.daswetter.com\/autor\/lisa-seyde\/\" title=\"Lisa Seyde\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lisa Seyde<\/a>     26.06.2026 &#8211; 06:13 Uhr   4 min   <\/p>\n<p>Der Klimawandel verst\u00e4rkt in vielen Teilen der Welt bestehende Krisen. Eine neue Untersuchung des Wissenschaftszentrums Berlin f\u00fcr Sozialforschung (WZB) konnte nun am Beispiel Nigerias zeigen, dass D\u00fcrren bestehende religi\u00f6se Spannungen versch\u00e4rfen und dadurch gewaltsame Auseinandersetzungen beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt der Studie standen Konflikte zwischen sesshaften Bauern und nomadischen Viehhirten, die \u00fcberwiegend der muslimischen Volksgruppe der Fulani angeh\u00f6ren. <\/p>\n<p>Solche Auseinandersetzungen haben in Nigeria seit Ende der 1990er Jahre drastisch zugenommen. Nach Angaben der Forscher kamen dabei mehr als 15.000 Menschen ums Leben. Nur der Konflikt zwischen der Terrorgruppe Boko Haram und den nigerianischen Streitkr\u00e4ften forderte in den vergangenen Jahrzehnten noch mehr Opfer.<\/p>\n<p>Gewalt nicht automatisch durch D\u00fcrre<\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Untersuchung werteten die Wissenschaftler Daten aus rund 300 Regionen Nigerias f\u00fcr den Zeitraum von 1997 bis 2020 aus. Mithilfe eines standardisierten D\u00fcrreindex analysierten sie klimatische Ver\u00e4nderungen. Die religi\u00f6se Zusammensetzung der Bev\u00f6lkerung wurde anhand der Verbreitung von Kirchen und Moscheen erfasst. Erg\u00e4nzend befragte das Forschungsteam rund 1600 Menschen im Bundesstaat Kaduna, einer besonders konfliktbelasteten Region im Zentrum des Landes.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" fetchpriority=\"low\" class=\"lazy \" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/klimawandel-durren-verscharfen-religiose-konflikte-in-nigeria-ressourcen-zweitrangig-1782246647481_1.png\"  width=\"768\" height=\"432\" alt=\"Karte Nigerias mit Verteilung von Moscheen und Kirchen. Bild: Koopmans, Meierrieks &amp; Tuki, 2026\" title=\"Karte Nigerias mit Verteilung von Moscheen und Kirchen.\"\/>Karte Nigerias mit Verteilung von Moscheen und Kirchen. Bild: Koopmans, Meierrieks &amp; Tuki, 2026<\/p>\n<p>Dabei kam heraus, dass D\u00fcrren zwar den Wettbewerb um Wasser und nutzbare Fl\u00e4chen versch\u00e4rfen. Dennoch f\u00fchren Trockenperioden nicht automatisch zu Gewalt. In Regionen Nordnigerias, in denen sowohl Hirten als auch sesshafte Gemeinschaften \u00fcberwiegend muslimisch sind, steigt das Konfliktrisiko trotz D\u00fcrre nicht signifikant an.<\/p>\n<p>Anders sieht es in den religi\u00f6s gemischten Gebieten des sogenannten Middle Belt aus, der \u00dcbergangszone zwischen Nord- und S\u00fcdnigeria. Dort treffen muslimische Hirten h\u00e4ufig auf christliche Bauern. In diesen Regionen erh\u00f6hen D\u00fcrren die Wahrscheinlichkeit gewaltsamer Konflikte deutlich.<\/p>\n<p>Religionen vertiefen Ressourcenkonflikte<\/p>\n<p>Die Studie kommt zu dem Schluss, dass erst beide Faktoren zusammen \u2013 \u00f6kologische Belastung und religi\u00f6se Gegens\u00e4tze \u2013 gr\u00f6\u00dfere Konflikte entstehen lassen. Wo bereits Misstrauen zwischen den Gemeinschaften herrscht, wirken knapper werdende Ressourcen wie ein zus\u00e4tzlicher Ausl\u00f6ser.<\/p>\n<p>Die Befragung in Kaduna best\u00e4tigt den Zusammenhang. Christliche Teilnehmer nannten h\u00e4ufiger religi\u00f6se Motive als Ursache der Gewalt und \u00e4u\u00dferten deutlich st\u00e4rkeres Misstrauen gegen\u00fcber den Fulani. <\/p>\n<p><a class=\"imagen \" href=\"https:\/\/www.daswetter.com\/nachrichten\/aktuelles\/okavango-der-fluss-der-in-der-wuste-versiegt-um-afrika-leben-zu-schenken.html\" title=\"Okavango, der Fluss, der in der W\u00fcste versiegt, um Afrika Leben zu schenken\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" fetchpriority=\"low\" class=\"lazy img-body non-editable\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/okavango-el-rio-que-muere-en-el-desierto-para-dar-vida-a-africa-1780399566520_320.jpeg\"  width=\"320\" height=\"225\"\/><\/a><\/p>\n<p>Muslimische Befragte sahen dagegen vor allem Umweltprobleme und den Wettbewerb um Land und Wasser als Ausl\u00f6ser. Die unterschiedlichen Wahrnehmungen erschweren eine friedliche Konfliktl\u00f6sung zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<p>Die Forscher denken, dass ihre Ergebnisse nicht nur f\u00fcr Nigeria relevant sind. \u00c4hnliche Entwicklungen k\u00f6nnten auch in anderen Teilen Afrikas auftreten, insbesondere in der von zunehmender Trockenheit betroffenen Sahelzone, der \u00dcbergangszone zwischen Sahara und der s\u00fcdlich anschlie\u00dfenden Savanne. Dort f\u00fchren Klimawandel, Bev\u00f6lkerungswachstum und soziale Spannungen ebenfalls zu wachsendem Druck auf nat\u00fcrliche Ressourcen.<\/p>\n<p><a class=\"imagen \" href=\"https:\/\/www.daswetter.com\/nachrichten\/wissenschaft\/hitze-und-durre-treffen-milliarden-menschen-weltweit-verscharft-der-klimawandel-kombinierte-extreme.html\" title=\"Hitze und D\u00fcrre treffen Milliarden Menschen weltweit: Versch\u00e4rft der Klimawandel kombinierte Extreme?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" fetchpriority=\"low\" class=\"lazy img-body non-editable\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/hitze-und-durre-treffen-milliarden-menschen-weltweit-verscharft-der-klimawandel-kombinierte-extreme-.jpeg\"  width=\"320\" height=\"225\"\/><\/a><\/p>\n<p>Um eine weitere Eskalation zu verhindern, empfehlen die Wissenschaftler Investitionen in Wasser- und Landmanagement. Alternative Einkommensm\u00f6glichkeiten f\u00fcr betroffene Bev\u00f6lkerungsgruppen sowie Fr\u00fchwarnsysteme f\u00fcr Klimakrisen w\u00e4ren demnach ebenfalls hilfreich. <\/p>\n<p>Ebenso wichtig seien Programme zur Vertrauensbildung und Konfliktvermittlung in religi\u00f6s gemischten Regionen. Denn nur wenn \u00f6kologische und gesellschaftliche Ursachen gemeinsam angegangen werden, lasse sich verhindern, dass aus Umweltkrisen gewaltsame Konflikte entstehen.<\/p>\n<p>Artikelreferenz<\/p>\n<p class=\"article-reference__body\">Koopmans, R., Meierrieks, D., &amp; Tuki, D. (2026). <a href=\"https:\/\/hdl.handle.net\/10419\/336794\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">The Role of Droughts and Religious Cleavages in Pastoralist Conflict in Nigeria<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Junge Fulani-Jungen gehen nicht zur Schule, sondern werden in Adamawa, Nordostnigeria, zu Vollzeit-Viehz\u00fcchtern ausgebildet. 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