{"id":3576,"date":"2026-04-19T18:01:48","date_gmt":"2026-04-19T18:01:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3576\/"},"modified":"2026-04-19T18:01:48","modified_gmt":"2026-04-19T18:01:48","slug":"hno-chefarzt-prof-goetz-lehnerdt-berichtet-von-seinem-bereits-neunten-einsatz-in-namibia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3576\/","title":{"rendered":"HNO-Chefarzt Prof. G\u00f6tz Lehnerdt berichtet von seinem bereits neunten Einsatz in Namibia"},"content":{"rendered":"<p class=\"initial richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Seit meiner Kindheit kenne ich es durch verwandtschaftliche Beziehungen, 23 Mal bin ich bereits dort gewesen. Doch meine Reisen haben heute ein klares Ziel: das staatliche Zentralkrankenhaus in der Hauptstadt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Gemeinsam mit meinem Kollegen Prof. J\u00fcrgen Lautermann aus Halle \u2013 wir waren fr\u00fcher zusammen an der Essener Uniklinik \u2013 und unserem An\u00e4sthesie-Chefarzt Dr. Christian Adam haben wir dort im Rahmen eines \u201eEar Camps\u201c gearbeitet. Es war mein neunter Einsatz dieser Art seit 2003.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Mancher mag sich fragen: Warum konzentriert man sich in einem Land, in dem es an vielem fehlt, auf die Ohrenchirurgie? Sind Geburtshilfe, Unfallchirurgie oder die Versorgung von Infektionskrankheiten nicht dringlicher? Ja, das sind sie. Aber das Geh\u00f6r ist die Br\u00fccke zur Welt. Wer nicht h\u00f6rt, findet keinen Anschluss. F\u00fcr Kinder bedeutet ein zerst\u00f6rtes Geh\u00f6r oft das Ende ihrer Bildungschancen, f\u00fcr Erwachsene die soziale Isolation.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In Namibia ist die medizinische Situation im Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO) herausfordernd. W\u00e4hrend wir fr\u00fcher im Norden des Landes operiert haben, konzentrieren wir uns nun auf Windhoek. Der Grund ist pragmatisch: Die Versorgungslage im Norden hat sich leider verschlechtert. Im staatlichen Krankenhaus der Hauptstadt haben wir eine Kooperation, die eine bessere Voruntersuchung und \u2013 was noch wichtiger ist \u2013 eine verl\u00e4ssliche Nachsorge der Patienten erm\u00f6glicht. Ein operiertes Ohr braucht Betreuung, damit der Heilungserfolg von Dauer ist.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Unsere Arbeit vor Ort ist hoch spezialisiertes Handwerk. Wir behandeln vor allem Menschen mit chronischen Ohrentz\u00fcndungen. Dabei ist oft das Trommelfell zerst\u00f6rt und der Knochen hinter dem Ohr durch Entz\u00fcndungsprozesse oder sogenannten \u201eKnochenfra\u00df\u201c zersetzt. Das beeintr\u00e4chtigt nicht nur das Geh\u00f6r massiv, sondern kann auch gef\u00e4hrlich werden. In \u00fcber 22 Jahren haben wir fast 400 solcher Operationen durchgef\u00fchrt. M\u00f6glich wird dies durch ein starkes Fundament: \u00dcber 50\u2005000 Euro an Spendengeldern konnten wir \u00fcber die Jahre durch Fundraising sammeln, um Material und Logistik zu finanzieren.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Was den aktuellen Aufenthalt zu einem der spannendsten \u00fcberhaupt machte, war die enorme Dynamik unter den Kollegen. Wir waren nicht als \u201eLehrer\u201c da, die alles besser wissen, sondern als Teil eines Teams. Insgesamt 14 \u00c4rzte mit v\u00f6llig unterschiedlichen Ausbildungsstufen waren dabei. Manche kamen aus Windhoek, andere aus peripheren Krankenh\u00e4usern oder sogar aus Simbabwe und \u00c4thiopien.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Besonders beeindruckend ist die Entwicklung der namibischen Mediziner. Erst seit 2010 ist es \u00fcberhaupt m\u00f6glich, innerhalb des Landes Medizin zu studieren. Wir haben junge Kollegen erlebt, die gerade erst Fu\u00df fassen, und solche, die bereits erfahrene Operateure sind. In einer intensiven Woche aus Vortr\u00e4gen, Live-Operationen und \u201eHands-on\u201c-Training<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">am Mikroskop haben wir voneinander gelernt. Unser Ziel ist dabei die Nachhaltigkeit. Wir wollen das System st\u00e4rken, damit die Expertise im staatlichen Sektor bleibt und nicht in die Privatwirtschaft abwandert. Nur so erreicht die Hilfe auch diejenigen, die sie sich sonst niemals leisten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Wenn man so lange an einem Projekt arbeitet, schlie\u00dfen sich manchmal Kreise, die man kaum f\u00fcr m\u00f6glich h\u00e4lt. 2019 trafen wir eine junge Medizinstudentin. Es stellte sich heraus, dass wir genau dieses M\u00e4dchen im Jahr 2003 bei unserem ersten Einsatz im Norden operiert hatten. Damals retteten wir ihr Geh\u00f6r \u2013 heute schl\u00e4gt sie selbst den Weg der \u00c4rztin<\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">ein. In solchen Momenten sp\u00fcrt man: Es geht um weit mehr als um einen medizinischen Eingriff. Es geht um Lebenswege.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Jetzt hat uns der Alltag im St. Petrus Krankenhaus wieder. Doch die Eindr\u00fccke aus Windhoek wirken nach. Es ist das Bewusstsein, dass medizinische Exzellenz und menschliche Empathie keine Grenzen kennen sollten \u2013 egal, ob in Wuppertal oder in Namibia.<\/p>\n<p class=\"italic richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Prof. G\u00f6tz Lehnerdt ist Chefarzt der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie am Krankenhaus St. Petrus<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit meiner Kindheit kenne ich es durch verwandtschaftliche Beziehungen, 23 Mal bin ich bereits dort gewesen. 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