{"id":3605,"date":"2026-04-19T18:33:45","date_gmt":"2026-04-19T18:33:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3605\/"},"modified":"2026-04-19T18:33:45","modified_gmt":"2026-04-19T18:33:45","slug":"simbabwe-der-hohe-preis-der-altkleiderflut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3605\/","title":{"rendered":"Simbabwe: Der hohe Preis der Altkleiderflut"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Farai Shawn Matiashe | 4. November 2025<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mutare (IPS\/afr). Auf dem beliebten Second-Hand-Markt in Sakubva, einem dicht besiedelten Vorort der Stadt Mutare im Osten von Simbabwe, betreibt Shamiso Marambanyika einen kleinen Laden. \u201eDie kann ich dir f\u00fcr f\u00fcnf Dollar geben\u201c, sagt sie zu einem Mann, der sich f\u00fcr eine Jeans interessiert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Marambanyika ist 38 Jahre alt und Mutter von drei Kindern. In ihrem Sortiment finden sich vor allem gebrauchte Markenst\u00fccke von Labels wie Marks &amp; Spencer oder Levi\u2019s. Diese Kleidung wurde urspr\u00fcnglich in westlichen L\u00e4ndern entsorgt, nach Afrika verschifft und schlie\u00dflich \u00fcber Mutare nach Simbabwe geschmuggelt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die illegal importierten Kleidungsst\u00fccke sind g\u00fcnstig \u2013 auf dem Markt in Sakubva bekommt man drei T-Shirts f\u00fcr nur einen US-Dollar. Doch der Preisvorteil hat eine Schattenseite: Die lokale Textilindustrie ger\u00e4t zunehmend unter Druck, viele Traditionsunternehmen stehen vor dem Aus.<\/p>\n<p>Ein Traditionsunternehmen am Ende: der Fall Truworths<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Beispiel ist die Modekette Truworths Zimbabwe, gegr\u00fcndet 1957. In ihren besten Zeiten um die Jahrtausendwende betrieb das Unternehmen 101 Filialen im ganzen Land. Doch ab 2010 geriet Simbabwe in eine wirtschaftliche Schieflage: W\u00e4hrungschaos, eine hohe Verschuldung, Lieferengp\u00e4sse und die zunehmende Second-Hand-Konkurrenz f\u00fchrten zum Niedergang.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2024 waren nur noch 26 Filialen \u00fcbrig. Schlie\u00dflich folgte die Insolvenz. Im Sp\u00e4therbst 2024 \u00fcbernahm ein Konsortium die Firma zu einem symbolischen Kaufpreis von einem US-Dollar. Im Juli 2025 wurde Truworths Zimbabwe von der B\u00f6rse genommen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Bekithemba Ndebele best\u00e4tigte gegen\u00fcber IPS, dass das Unternehmen aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden verkauft werden musste, wollte aber keine weiteren Einzelheiten nennen. Bereits im Vorjahr hatte er in der Wochenzeitung \u201e<a href=\"https:\/\/www.theindependent.co.zw\/opinion\/article\/200019994\/candid-comment-it-just-does-not-make-any-sense-at-all\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">The Zimbabwe Independent<\/a>\u201c scharfe Kritik ge\u00fcbt: \u201eUnser Land ist zu einer M\u00fclldeponie f\u00fcr Altkleider geworden. Was Sie hier sehen, ist das Verschleudern von Second-Hand-Ware zu l\u00e4cherlichen Preisen \u2013 oft unter den Herstellungskosten.\u201c<\/p>\n<p>\u00dcberleben auf dem Sakubva-Markt<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Markt in Sakubva gibt es \u00fcber 1.000 Verkaufsst\u00e4nde, viele davon mit Second-Hand-Ware. Die hohe Nachfrage erkl\u00e4rt sich aus der weit verbreiteten Armut im Land.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Journalist und Menschenrechtler Rashweat Mukundu bringt das Dilemma auf den Punkt: \u201eViele Menschen haben keine andere Wahl, als Second-Hand-Kleidung zu kaufen, weil sie sich neue Kleidung aus dem regul\u00e4ren Einzelhandel einfach nicht leisten k\u00f6nnen.\u201c Im Laden kostet eine Jeans mindestens 20 US-Dollar.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">H\u00e4ndlerin Shamiso Marambanyika stammt aus einem Dorf im Bezirk Buhera in der Provinz Manicaland im Osten Simbabwes. Nachdem sie vergeblich nach Arbeit gesucht hatte, begann sie 2023 mit dem Handel von Second-Hand-Kleidung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle zwei Wochen kauft sie von einem Zwischenh\u00e4ndler aus Mosambik einen 45 Kilogramm schweren Ballen mit rund 100 gebrauchten Jeans aus westlichen L\u00e4ndern \u2013 f\u00fcr etwa 115 US-Dollar. \u201eDie Preise variieren je nach Qualit\u00e4t der Jeans\u201c, erkl\u00e4rt sie. Nach Abzug der Standgeb\u00fchren, die bei 22 US-Dollar im Monat liegen, bleiben ihr im Schnitt 55 US-Dollar Gewinn.<\/p>\n<p>Lokaler Designer im Existenzkampf<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Modedesigner Anesu Mugabe, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Mugga Clothing in Harare, stellt Arbeitskleidung und moderne Streetwear her. F\u00fcr lokale Produzent*innen sei es unm\u00f6glich, mit den Preisen der Second-Hand-Konkurrenz mitzuhalten, sagt er.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eMan kann eine gebrauchte Jeans f\u00fcr zwei US-Dollar kaufen\u201c, z\u00fcrnt Mugabe. \u201eDas hat bei uns zu erheblichen Umsatzr\u00fcckg\u00e4ngen gef\u00fchrt. Viele Betriebe mussten ihre Produktion verkleinern oder ganz schlie\u00dfen.\u201c Sein Unternehmen habe sich als \u00dcberlebensstrategie auf Firmenbekleidung spezialisiert.<\/p>\n<p>Ein Verbot mit Folgen, aber ohne L\u00f6sung<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die heimische Textilindustrie zu sch\u00fctzen, verh\u00e4ngte Simbabwe 2015 ein Importverbot f\u00fcr Second-Hand-Kleidung. Doch das Verbot lie\u00df sich kaum durchsetzen und stie\u00df auf Widerstand von H\u00e4ndler*innen, deren Einkommen davon abhingen. 2017 wurde es daher durch Importz\u00f6lle ersetzt \u2013 ohne Erfolg: Der Schmuggel florierte weiter.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im August 2025 untersagte die Regierung den Verkauf von Second-Hand-Waren auf Nachtm\u00e4rkten und in zentralen Gesch\u00e4ftsbezirken von St\u00e4dten wie Harare. Kommunalminister Daniel Garwe begr\u00fcndete den Schritt damit, dass der Handel mit Gebrauchtware steuerzahlende Unternehmen sch\u00e4dige. Das Verbot f\u00fchrte zu heftigen Protesten von Stra\u00dfenh\u00e4ndler*innen. <\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Shamiso Marambanyika verkauft auf dem Markt in Sakubva dennoch weiter. Von ihrem Einkommen bezahlt sie die Schulgeb\u00fchren ihrer drei Kinder. Sollte die Regierung Strafen eintreiben, sieht sie keine Zukunft: \u201eDann werde ich das Gesch\u00e4ft schlie\u00dfen und in mein Dorf zur\u00fcckkehren.\u201c (Ende)<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Titelbild: Auf dem Markt von Sakubva in Mutare gibt es westliche Second-Hand-Kleidung in H\u00fclle und F\u00fclle. (Foto: Farai Shawn Matiashe\/IPS)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Von Farai Shawn Matiashe | 4. November 2025 Mutare (IPS\/afr). 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