{"id":37670,"date":"2026-07-01T09:34:19","date_gmt":"2026-07-01T09:34:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/37670\/"},"modified":"2026-07-01T09:34:19","modified_gmt":"2026-07-01T09:34:19","slug":"kriegsverbrechen-im-sudan-amnesty-international-beklagt-was-folgte-war-ein-massaker-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/37670\/","title":{"rendered":"Kriegsverbrechen im Sudan: Amnesty International beklagt &#8211; \u201eWas folgte, war ein Massaker\u201c &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Da ist zum Beispiel die Geschichte von Zubeida, heute 15 Jahre alt. Nachdem die Truppen der Rapid Support Forces (RSF) al-Faschir am 26. Oktober 2025 eingenommen hatten, floh sie aus der Stadt, gemeinsam mit etwa 25 Verwandten und Nachbarn. An dem Erdwall, den die Belagerer um die Stadt errichtet hatten, wurden sie von RSF-K\u00e4mpfern aufgehalten. Diese trennten die M\u00e4nner und Jungen vom Rest der Gruppe, befragten sie und erschossen sie dann, unter ihnen Zubeidas zehnj\u00e4hriger Nachbar.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Dann waren die Frauen und M\u00e4dchen an der Reihe. Einige wurden mit Schwertern get\u00f6tet, nachdem sie sich gegen sexuelle \u00dcbergriffe gewehrt hatten, andere wurden an einem Baum aufgeh\u00e4ngt. Vier <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Kinder\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kinder<\/a> wurden erschossen, weil sie geschrien hatten, nachdem sie den Tod ihrer M\u00fctter hatten mitansehen m\u00fcssen. Allein Zubeida \u00fcberlebte. Sie wurde verschont, nachdem sie behauptet hatte, dass sie zur H\u00e4lfte arabisch und ihr Vater ein RSF-K\u00e4mpfer sei.<\/p>\n<p>Das dunkelste der zahlreichen dunklen Kapitel dieses B\u00fcrgerkriegs<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zubeidas Geschichte findet sich in einem neuen <a href=\"https:\/\/pressecloud.amnesty.de\/s\/dgNdWJFxTZg8yQQ?dir=\/&amp;editing=false&amp;openfile=true\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Bericht, den die Menschenrechtsorganisation Amnesty International an diesem Mittwoch ver\u00f6ffentlicht<\/a>: \u201eCity Under Siege, Children Under Fire\u201c, zu Deutsch: Stadt unter Belagerung, Kinder unter Beschuss. Er widmet sich dem dunkelsten der zahlreichen dunklen Kapitel des seit 2023 anhaltenden B\u00fcrgerkriegs im <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Sudan\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sudan<\/a>: der Belagerung und der Einnahme von al-Faschir, der Hauptstadt der Region Nord-Darfur, durch die RSF. Die Miliz unter Anf\u00fchrer Mohammed Hamdan Dagalo alias Hemeti beherrscht seitdem fast den gesamten Westen des afrikanischen Landes, w\u00e4hrend die sudanesische Armee (SAF) den Osten und die Hauptstadt Khartum kontrolliert.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der Bericht besticht weniger dadurch, dass er viel Neues zu bieten h\u00e4tte. Die <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2026\/16\/kriegsverbrechen-al-faschir-sudan-darfur-rsf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Gr\u00e4uel, die die RSF in Darfur ver\u00fcbt haben, sind schon vielfach beschrieben<\/a> worden \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/projekte\/artikel\/politik\/sudan-verlorene-kinder-al-faschir-e584473\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">auch in der <\/a><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/projekte\/artikel\/politik\/sudan-verlorene-kinder-al-faschir-e584473\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">S\u00fcddeutschen Zeitung<\/a> \u2013 und zeichneten sich in Ans\u00e4tzen bereits\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/projekte\/artikel\/politik\/sudan-al-faschir-buergerkrieg-rsf-miliz-massenmord-e586240\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in den Tagen nach der Eroberung al-Faschirs Ende Oktober 2025<\/a>\u00a0ab.<\/p>\n<p>Amnesty zufolge wurden viele Kinder, auch kleine, ermordet, M\u00e4dchen vergewaltigt, Jungen zu Kindersoldaten gemacht<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Sein Wert ist vielmehr dokumentarischer Natur, auch im Hinblick auf eine m\u00f6gliche Aufarbeitung der Ereignisse vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Bis auf einzelne Ausnahmen\u00a0\u2013 etwa einen Kurzbesuch der Organisation \u00c4rzte ohne Grenzen im Januar, die hinterher von einer \u201eGeisterstadt\u201c sprach\u00a0\u2013 verweigern die RSF der Welt\u00f6ffentlichkeit den Zugang nach al-Faschir. Was sich dort ereignete und bis heute ereignet, k\u00f6nnen Journalisten, Forscher oder Juristen nur mittelbar in Erfahrung bringen, durch Gespr\u00e4che mit \u00dcberlebenden, denen die Flucht gelungen ist. Der Amnesty-Bericht ist mit mehr als 200 Seiten, basierend auf mehr als 200 Interviews, der bislang wohl umfassendste Versuch, das Schweigen \u00fcber die Verbrechen in Darfur zu durchbrechen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Anhand der Zeugenaussagen zeichnet er die Entwicklung vom Beginn des Krieges im April 2023 bis in die Gegenwart nach. Die Unterwerfung und Zerst\u00f6rung der D\u00f6rfer Darfurs durch die RSF; die Belagerung al-Faschirs ab Mai 2024, die f\u00fcr die damals 1,5 Millionen Bewohner eine Hungersnot und fast t\u00e4gliche Bombenangriffe mit sich brachte; das W\u00fcten der RSF-K\u00e4mpfer in der eroberten Stadt, in der sie Zivilisten ermordeten, folterten und vergewaltigten. \u201eWas folgte, war ein Massaker\u201c, h\u00e4lt es der Bericht fest.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">UN-Angaben zufolge wurden nach der Einnahme al-Faschirs 4400 Menschen in der Stadt get\u00f6tet; weitere 1600 Menschen starben, als sie wie die 15-j\u00e4hrige Zubeida und ihre Gruppe zu fliehen versuchten. Die Gewalt richtete sich vor allem gegen die nicht arabischen Bev\u00f6lkerungsgruppen Darfurs wie die Zaghawa, die Berti oder die Gimir. Amnesty International spricht von \u201eethnischen S\u00e4uberungen\u201c.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Massaker k\u00f6nnte unmittelbar bevorstehen \u2013 gut 500 Kilometer \u00f6stlich von al-Faschir<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Aus der langen Liste an <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Kriegsverbrechen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kriegsverbrechen<\/a> und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die die Organisation den RSF zur Last legt, wird ein Komplex besonders ausgef\u00fchrt: das Vorgehen gegen Kinder. Kinder seien von der Hungersnot in al-Faschir besonders betroffen gewesen, viele, auch kleine Kinder, seien ermordet, M\u00e4dchen vergewaltigt worden. Und vor allem \u00e4ltere Jungen seien zudem als Kindersoldaten rekrutiert und zum K\u00e4mpfen gezwungen worden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eDer Konflikt in Sudan hat sich zu einem Krieg gegen die Zivilbev\u00f6lkerung entwickelt, bei dem Kinder durch die RSF zur Zielscheibe gemacht werden\u201c, sagt Julia Duchrow, Generalsekret\u00e4rin der deutschen Sektion von Amnesty International. \u201eWir fordern die internationale Gemeinschaft auf, endlich zu handeln, um den seit drei Jahren andauernden Krieg zu beenden.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Solche Appelle begleiten den Krieg in Sudan schon seit drei Jahren, ohne dass sich etwas ver\u00e4ndern w\u00fcrde. Mit der Folge, dass das n\u00e4chste Massaker, das n\u00e4chste al-Faschir, wom\u00f6glich unmittelbar bevorsteht. Der UN-Sicherheitsrat, ebenso wie andere Organisationen und Regierungen, ver\u00f6ffentlichten zuletzt eindringliche Warnungen, dass die RSF al-Ubayyid einkreisten, die Hauptstadt der Region Nord-Kordofan, gut 500 Kilometer \u00f6stlich von al-Faschir. Es bestehe die \u201eunmittelbare Gefahr massenhafter Gr\u00e4ueltaten\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Da ist zum Beispiel die Geschichte von Zubeida, heute 15 Jahre alt. 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