{"id":37929,"date":"2026-07-01T21:28:29","date_gmt":"2026-07-01T21:28:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/37929\/"},"modified":"2026-07-01T21:28:29","modified_gmt":"2026-07-01T21:28:29","slug":"sudan-uno-schlaegt-alarm-tageszeitung-junge-welt-22-06-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/37929\/","title":{"rendered":"Sudan: UNO schl\u00e4gt Alarm, Tageszeitung junge Welt, 22.06.2026"},"content":{"rendered":"<p>Drohnen, D\u00fcrre, Diplomatie, die bisher ins Leere l\u00e4uft: Sudan kommt nicht zur Ruhe. W\u00e4hrend der Iran oder die Ukraine westliche Schlagzeilen dominieren, verschlechtert sich die humanit\u00e4re Lage in dem Land am Nil erneut dramatisch. Das Weltern\u00e4hrungsprogramm der Vereinten Nationen hat erst am Mittwoch eindringlich gewarnt: Im Sudan ist wie auch in Gaza oder dem Jemen die h\u00f6chste Risikokategorie f\u00fcr eine Hungernot erreicht, die ohne sofortige Hilfe nicht mehr abzuwenden ist.<\/p>\n<p>Parallel dazu haben die Vereinten Nationen ihre Statistik zum eskalierenden Drohnenkrieg pr\u00e4zisiert: Zwischen Januar und Mai dieses Jahres wurden demnach mehr als 1.000 Zivilisten durch Drohnenangriffe get\u00f6tet \u2013 ein Anstieg um 81 Prozent. Die Zahl der Drohnentoten hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verf\u00fcnffacht.<\/p>\n<p>Seit 2023 bek\u00e4mpfen sich im Sudan die Schnellen Eingreiftruppen (RSF) unter Mohammed Hamdan Daglo, genannt Hemedti, und die Sudanesischen Streitkr\u00e4fte (SAF) unter dem De-facto-Pr\u00e4sidenten Abd Al-Fattah Al-Burhan, die zuvor zweimal gemeinsam geputscht hatten. Hinter den Kulissen stehen sich dabei Regionalm\u00e4chte sowie ihre jeweiligen Interessen gegen\u00fcber: Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate st\u00fctzen laut UNO die RSF, w\u00e4hrend \u00c4gypten, der Iran, die T\u00fcrkei und Russland die nominelle Regierung des Landes pr\u00e4ferieren. Die Rolle der USA kann man als gespalten kennzeichnen: Sanktionen gegen die RSF bei gleichzeitiger Sch\u00fctzenhilfe f\u00fcr Israel und seine Verb\u00fcndeten.<\/p>\n<p>Analysten sprechen inzwischen von einer \u00bbUkrainisierung\u00ab im Sudan: Drohnen bestimmen das milit\u00e4rische Geschehen auch weit jenseits der Frontlinie, ausl\u00e4ndische Waffenlieferungen entscheiden \u00fcber den Verlauf. Aus dem im westlichen Medien gerne als \u00bbB\u00fcrgerkrieg\u00ab betitelten Konflikt ist ein Stellvertreterkrieg mit modernster Technik geworden.<\/p>\n<p>Die eingesetzten Drohnen spiegeln die geopolitischen Bruchlinien wider: Burhans Armee verwendet iranische \u00bbMohadscher-6\u00ab- und t\u00fcrkische \u00bbBayraktar\u00ab-Drohnen. Die RSF setzen hingegen Berichten zufolge serbische VTOL-, chinesische \u00bbWing-Loong-II\u00ab- und FH-95-Drohnen ein, die, wie Satellitenaufnahmen belegen, wahrscheinlich ohne chinesische Zustimmung \u00fcber Abu Dhabi und den Tschad ins Land kommen. Einen entscheidenden Vorteil besitzt die sudanesische Regierung: Sie fertigt eigene Drohnen oder Kamikazevarianten aus ausl\u00e4ndischen Bauteilen. Das staatliche R\u00fcstungsunternehmen Defence Industries System stellte 2025 mit der \u00bbSafruk\u00ab zudem die wohl erste im Sudan entwickelte Drohne vor. Die RSF hingegen verf\u00fcgen \u00fcber keine heimische Produktion und sind somit auf intakte Lieferketten angewiesen.<\/p>\n<p>Diese Abh\u00e4ngigkeit schl\u00e4gt sich auch milit\u00e4risch nieder. Die RSF haben 2025 schwere Niederlagen erlitten: Die Hauptstadt Khartum ist weitgehend verloren, kontrolliert werden noch Gebiete am Stadtrand sowie Teile Darfurs und Kordofans. Analysten halten eine Bodenoffensive der Regierungstruppen im Sommer f\u00fcr wahrscheinlich. Doch mittels der Drohnen bleiben die RSF im gesamten Land milit\u00e4risch pr\u00e4sent \u2013 und gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Westliche Staaten, darunter Deutschland, Norwegen und Frankreich, haben am Donnerstag vor dem UN-Menschenrechtsrat in ungewohnt scharfen Worten einen bevorstehenden RSF-Vorsto\u00df auf Al-Obeid in Nordkordofan verurteilt und vor \u00e4hnlichen Folgen wie bei der Einnahme Al-Faschers gewarnt. Dem schloss sich am Sonnabend auch der Weltsicherheitsrat an. Zuvor hatten die RSF bei Al-Obeid Tankstellen, Wohnbl\u00f6cke und Friedh\u00f6fe gezielt angegriffen und 15 bis 20 Zivilisten get\u00f6tet. Offenbar ist systematischer Terror gegen die Bev\u00f6lkerung die dahinterstehende Strategie.<\/p>\n<p>Unterdessen keimte kurzzeitig Hoffnung auf einen Friedensschluss auf. Unter Vermittlung eines Quintetts aus Afrikanischer Union, Arabischer Liga, EU und UNO hatten Anfang Juni im \u00e4thiopischen Addis Abeba Konsultationen mit rangniederen Akteuren beider Seiten stattgefunden \u2013 ein Versuch der \u00bbAfrikanisierung\u00ab nach dem bisherigen Scheitern US-gef\u00fchrter Verhandlungen in Genf wie Dschidda. Das Ergebnis: Man arbeite an einem Vorbereitungskomitee f\u00fcr einen sp\u00e4teren umfassenden innersudanesischen Dialog. Die Gespr\u00e4che stehen im Widerspruch zu den anhaltenden K\u00e4mpfen \u2013 denn beide Seiten rechnen weiterhin mit einem milit\u00e4rischen Sieg, und Burhan, der auf dem Schlachtfeld Oberwasser hat, steht Verhandlungen grunds\u00e4tzlich skeptisch gegen\u00fcber, seitdem bekanntwurde, dass die USA seine Regierung durch einen \u00dcbergangsrat ersetzen wollen. Der gr\u00f6\u00dfte Drohnenkrieg au\u00dferhalb Europas tobt weiter \u2013 mit offenem Ende. Denn auch der aktuelle afrikanische Vermittlungsversuch erscheint nicht sehr vielversprechend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Drohnen, D\u00fcrre, Diplomatie, die bisher ins Leere l\u00e4uft: Sudan kommt nicht zur Ruhe. 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