{"id":3852,"date":"2026-04-19T21:42:40","date_gmt":"2026-04-19T21:42:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3852\/"},"modified":"2026-04-19T21:42:40","modified_gmt":"2026-04-19T21:42:40","slug":"ueberspringt-ostafrika-die-verbrenner-aera","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/3852\/","title":{"rendered":"\u00dcberspringt Ostafrika die Verbrenner\u2011\u00c4ra?"},"content":{"rendered":"<p>Die Elektromobilit\u00e4t verbreitet sich seit einigen Jahren rasant. Doch obwohl Kalifornien hier gemeinhin als Vorreiter gilt und in <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/gesellschaft\/a-ha-so-gehts\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Norwegen<\/a> fast nur noch Autos mit E\u2011Antrieb verkauft werden, sind es \u00fcberraschende Newcomer, die seit kurzem in der Elektromobilit\u00e4t die Richtung vorgeben.<\/p>\n<p>Denn w\u00e4hrend Europa noch den Abschied vom Verbrenner-Aus <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/verkehr\/pyrrhus-auf-dem-gaspedal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">diskutiert<\/a>, w\u00e4chst der globale Markt f\u00fcr elektrisch betriebene Fahrzeuge weiter. Und Europa und die USA f\u00fchren dieses Wachstum <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/finanzen-wirtschaft\/quaschning-erklaert-china-haengt-uns-ab\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">nicht mehr<\/a> an.<\/p>\n<p class=\"add-placeholder-rectangle\">\u00a0<\/p>\n<p>Stattdessen etablieren sich verschiedene Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder als die neuen Anf\u00fchrer der E\u2011Mobilit\u00e4t. Das s\u00fcdostasiatische Staatenb\u00fcndnis <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ASEAN\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Asean<\/a>, zu dem unter anderem <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/international\/suedostasien-setzt-endlich-auf-erneuerbare\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Vietnam und Singapur<\/a> z\u00e4hlen, steht an der Spitze dieser Bewegung. In den beiden L\u00e4ndern sind bereits rund 40 Prozent der Neuwagenverk\u00e4ufe elektrisch, mehr als aktuell in der EU.<\/p>\n<p>&#8222;Wir befinden uns an einem entscheidenden Wendepunkt&#8220;, kommentiert <a href=\"https:\/\/ember-energy.org\/people\/euan-graham\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Euan Graham<\/a> vom Londoner Energie-Thinktank Ember. &#8222;Im Jahr 2025 hat sich der Schwerpunkt verlagert. Die Schwellenl\u00e4nder holen nicht l\u00e4nger auf, sondern f\u00fchren den Wandel hin zur Elektromobilit\u00e4t an.&#8220;<\/p>\n<p>Und auch auf dem afrikanischen Kontinent verdoppelten sich die Verk\u00e4ufe von E\u2011Autos im Jahr 2024, wie der <a href=\"https:\/\/www.iea.org\/reports\/global-ev-outlook-2025\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">&#8222;Global EV Outlook 2025&#8220;<\/a> der Internationalen Energieagentur zeigt.<\/p>\n<p>Die L\u00e4nder Ostafrikas, darunter \u00c4thiopien, Tansania und Ruanda, f\u00fchren diese Entwicklung an. Laut einer <a href=\"https:\/\/www.agora-verkehrswende.org\/fileadmin\/Projekte\/2025\/East_Africa\/139_Scaling_eMob-EastA.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Analyse<\/a> des Thinktanks Agora Verkehrswende z\u00e4hlen sie zu den gr\u00f6\u00dften Absatzm\u00e4rkten f\u00fcr elektrische Autos, Busse und Roller auf dem Kontinent.<\/p>\n<p>&#8222;Elektrofahrzeuge gelten als Chance, lokale Wertsch\u00f6pfung zu generieren und Afrikas reichhaltige Rohstoffvorkommen sowie sein gro\u00dfes Potenzial an erneuerbarer Energie zu nutzen&#8220;, sagt <a href=\"https:\/\/www.agora-verkehrswende.de\/ueber-uns\/team\/johannes-oetjen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Johannes Oetjen<\/a>, Agora-Experte f\u00fcr internationale Klima- und Verkehrspolitik und Mitautor der Untersuchung.<\/p>\n<p>Leapfrogging zur Elektromobilit\u00e4t?<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Europa, China oder Vietnam haben ostafrikanische L\u00e4nder wie \u00c4thiopien dabei die M\u00f6glichkeit, das Verbrennerzeitalter fast g\u00e4nzlich zu \u00fcberspringen und sich direkt elektrisch zu motorisieren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Leapfrogging\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">&#8222;Leapfrogging&#8220;<\/a> nennt sich dieses Ph\u00e4nomen auf Englisch. Gemeint ist der Effekt, dass Regionen ganze Entwicklungsstufen einer Technologie \u00fcberspringen und direkt auf fortgeschrittene L\u00f6sungen setzen. Auf diese Weise verbreitete sich in Afrika der Mobilfunk. Ohne je fl\u00e4chendeckendes Festnetz gehabt zu haben, nutzen heute fast alle Afrikaner:innen Mobiltelefone\u00a0\u2013 in der kenianischen Hauptstadt Nairobi genauso wie im entlegensten Dorf in Ruanda.<\/p>\n<p>&#8222;Wir sehen f\u00fcr diese L\u00e4nder die Chance, technologische Spr\u00fcnge zu machen, wie wir sie im Telekommunikationssektor erlebt haben&#8220;, so Johannes Oetjen.<\/p>\n<p>Motorradtaxis in Kigali:\u00a0Ruanda hat die Neuzulassung von gewerblich genutzten Motorr\u00e4dern mit Verbrennungsmotor gestoppt. (Bild: <a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/kigali-rwanda-september-3-2025-street-2685425003\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Brian Scantlebury\/\u200bShutterstock<\/a>)<\/p>\n<p>F\u00fcr erfolgreiches Leapfrogging darf die Technologie, in dem Fall also fossile Verbrenner-Fahrzeuge, noch nicht auf dem Markt etabliert sein\u00a0\u2013 sonst kann sie ja nicht mehr \u00fcbersprungen werden. Viele afrikanische L\u00e4nder sind aber laut Mobilit\u00e4tsforscher Oetjen in dieser Hinsicht &#8222;gut aufgestellt&#8220;.<\/p>\n<p>Konkret existieren in Ostafrika der Analyse zufolge nur 30 Autos pro 1.000 Einwohner:innen. Zum Vergleich: <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/verkehr\/alternativen-fuer-die-stehzeuge-gesucht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">In Deutschland<\/a> sind es laut Statistischem Bundesamt fast 600, also das Zwanzigfache.<\/p>\n<p>Die meisten ostafrikanischen L\u00e4nder beziehen zudem einen vergleichsweise hohen Anteil ihres Stroms aus erneuerbaren Quellen. In Kenia stammen fast 90 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien, in Uganda und Ruanda \u00fcber die H\u00e4lfte. \u00c4thiopien versorgt sich vor allem dank des neuen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Grand-Ethiopian-Renaissance-Talsperre\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Mega-Staudamms<\/a> am Blauen Nil g\u00e4nzlich mit erneuerbarem Strom. Auch in Uganda und Ruanda stammt ein Gro\u00dfteil des erneuerbaren Stroms aus <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/strom\/sind-kilowatt-aus-wasserkraft-gute-kilowatt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Wasserkraft<\/a>.<\/p>\n<p>Entsprechend erschwinglich ist der Ladestrom f\u00fcr E\u2011Mobilit\u00e4t\u00a0\u2013 besonders im Vergleich zu Diesel und Benzin. In Kenia kostet der Strom f\u00fcr die Pkw-Fahrt dadurch ein Viertel des Benzinpreises, in \u00c4thiopien nur ein F\u00fcnfzigstel. Die Preise in Tansania, Ruanda und Uganda liegen irgendwo dazwischen.<\/p>\n<p>Oetjen: &#8222;Afrika hat beste Voraussetzungen daf\u00fcr, das Zeitalter des Verbrennungsmotors zu \u00fcberspringen, wenn in den n\u00e4chsten Jahren die Mobilit\u00e4t und die Motorisierung wie erwartet zunehmen.&#8220;<\/p>\n<p>Andere L\u00e4nder, andere Fortschritte<\/p>\n<p>Ob die guten Voraussetzungen, die Verbrenner-\u00c4ra zu \u00fcberspringen, sich in den jeweiligen L\u00e4ndern in Resultate \u00fcbersetzen, h\u00e4ngt besonders von zuk\u00fcnftigen politischen Entscheidungen ab. Konkrete Aussagen zur Verbreitung der E\u2011Mobilit\u00e4t in Ostafrika lassen sich allerdings, so die Analyse, &#8222;aufgrund fehlender systematischer Datenerhebung&#8220; kaum treffen.<\/p>\n<p>Klar ist aber: W\u00e4hrend Kenia und Tansania ihre Ambitionen f\u00fcr mehr Elektromobilit\u00e4t noch entwickeln, liegen in Uganda und Ruanda konkrete Pl\u00e4ne vor. \u00c4thiopien scheint den Verbrenner sogar schon \u00fcbersprungen zu haben. Denn Anfang 2024 hat die dortige <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/energie\/verkehrswende-aethiopien-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Regierung verboten<\/a>, Verbrennerautos zu importieren. Da das Land keine eigene Automobilindustrie besitzt, herrscht dort seitdem faktisch ein &#8222;Verbrennerverbot&#8220;.<\/p>\n<p>Dadurch konnte \u00c4thiopien den Absatz von E\u2011Fahrzeugen in j\u00fcngster Zeit steigern. Insgesamt gut 100.000 elektrische Fahrzeuge rollen \u00fcber die Stra\u00dfen der Nation, ein Anteil von sieben Prozent. Zudem machten in \u00c4thiopien E\u2011Fahrzeuge im Jahr 2024 etwa 60 Prozent der Neuzulassungen aus. Zum Vergleich: In Deutschland waren es knapp 20 Prozent, wie das Kraftfahrt-Bundesamt mitteilte.<\/p>\n<p>Ruanda priorisiert derweil die Elektrifizierung von Motorr\u00e4dern. Denn viel mehr Menschen gelangen auf zwei R\u00e4dern von Ort zu Ort als mit dem Auto. Durch sogenanntes <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Retrofitting#Vehicles\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Retrofitting<\/a>, bei dem nur der Verbrennungs- durch einen E\u2011Motor ausgetauscht wird, gestaltet sich die Umstellung einfach.<\/p>\n<p>Zweir\u00e4drige Fahrzeuge ben\u00f6tigen zudem wesentlich kleinere Akkus. Diese lassen sich manuell gut austauschen. Statt das Gef\u00e4hrt an der Lades\u00e4ule aufzutanken, kann der Akku somit an einer Sammelstelle getauscht werden.<\/p>\n<p>Seit Anfang des Jahres 2025 werden in Ruanda keine Motorr\u00e4der mit Verbrennungsmotor mehr f\u00fcr gewerbliche Zwecke zugelassen. Das Ziel f\u00fcr 2035: 70 Prozent E\u2011Anteil f\u00fcr alle Zweiradfahrzeuge.<\/p>\n<p>Gleichzeitig existieren zahlreiche H\u00fcrden f\u00fcr den Elektroboom in Ostafrika. &#8222;Eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen f\u00fcr die Verbreitung von Elektromobilit\u00e4t in Afrika ist zweifellos der Zugang zu Finanzierungsm\u00f6glichkeiten&#8220;, erkl\u00e4rt Oetjen. &#8222;Gerade die Kreditkosten sind f\u00fcr Verbraucher und Unternehmen teilweise <a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/finanzen-wirtschaft\/horrend-teure-kredite-bremsen-afrikas-energiewende\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">unerschwinglich hoch<\/a>, was den Fahrzeugzugang und die Branchenentwicklung bremst.&#8220;<\/p>\n<p>So berichten Werkst\u00e4tten von Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Ersatzteilen. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur f\u00fcr E\u2011Pkws und \u2011Busse au\u00dferhalb der Hauptst\u00e4dte l\u00e4sst laut Berichten zu w\u00fcnschen \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Insgesamt bleibt Oetjen optimistisch. &#8222;<a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/strom\/mangel-an-grossbatterien-gefaehrdet-energiewende\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Sinkende<\/a> globale Batteriepreise, das Aufkommen von Batterie-als-Service-Angeboten und wachsendes Marktvertrauen deuten auf einen positiven Trend f\u00fcr die Zukunft hin.&#8220;<\/p>\n<p>Anzeige<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/klimareporter.de\/component\/banners\/click\/107\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" title=\"Umweltfestival 7. Juni. 2026\"><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1776634960_473_2026-03-30-Banner-300x250-2.jpg\" alt=\"Umweltfestival 7. Juni. 2026\" width=\"300\" height=\"250\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Elektromobilit\u00e4t verbreitet sich seit einigen Jahren rasant. 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