{"id":40336,"date":"2026-07-08T16:00:50","date_gmt":"2026-07-08T16:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/40336\/"},"modified":"2026-07-08T16:00:50","modified_gmt":"2026-07-08T16:00:50","slug":"niger-sitzt-auf-1-800-tonnen-uran-fest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/40336\/","title":{"rendered":"Niger sitzt auf 1.800 Tonnen Uran fest"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Niger kann seinen verstaatlichten Uranbestand trotz politischer Kontrolle \u00fcber die Soma\u00efr nicht frei auf dem Weltmarkt verkaufen. Die Lage besteht seit der Nationalisierung des Unternehmens im Juni 2025. Mehr als 1.800 Tonnen Uran-Konzentrat mit einem gesch\u00e4tzten Wert von rund 380 Millionen Dollar liegen weiter im Land. Ein internationales Schiedsverfahren des franz\u00f6sischen Konzerns Orano blockiert m\u00f6gliche Verk\u00e4ufe und macht K\u00e4ufer vorsichtig.<\/p>\n<p>Niamey \u00fcbernimmt die Kontrolle \u00fcber die Soma\u00efr<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die nigrischen Beh\u00f6rden hatten im Juni 2025 die Soma\u00efr nationalisiert, die die Uranmine von Arlit betreibt. Orano hielt zuvor 63,4 Prozent an dem Unternehmen. Die Mine z\u00e4hlt zu den politisch und wirtschaftlich wichtigsten Rohstoffanlagen des Landes.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung war Teil einer schrittweisen Konfrontation zwischen Niamey und dem franz\u00f6sischen Konzern. Der lokale Direktor von Orano wurde festgenommen. Am 14. November 2025 reiste General Abdourahamane Tiani nach Arlit und enth\u00fcllte dort die Plaque zur Nationalisierung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 18. Mai 2026 versch\u00e4rfte die nigrische Regierung den Kurs weiter. Der Ministerrat entzog Orano Mining die Konzession in Arlit. Diese war urspr\u00fcnglich 1968 an die franz\u00f6sische Kommission f\u00fcr Atomenergie vergeben worden und geh\u00f6rte damit zu den \u00e4ltesten ausl\u00e4ndischen Bergbauarrangements auf dem afrikanischen Kontinent.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Niamey begr\u00fcndete den Entzug mit nicht gezahlten Fl\u00e4chenabgaben. Zugleich wurde eine nationale Gesellschaft geschaffen, die den Betrieb \u00fcbernehmen soll.<\/p>\n<p>Orano setzt auf internationale Schiedsverfahren<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frankreich und Orano verlagerten den Konflikt auf die internationale Rechtsebene. Das Verfahren l\u00e4uft vor dem Internationalen Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten, das zur Weltbank-Gruppe geh\u00f6rt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 23. September 2025 erhielt Orano dort eine Anordnung, die es den nigrischen Beh\u00f6rden untersagt, das von der Soma\u00efr produzierte Uran zu verkaufen, zu \u00fcbertragen oder den Transfer an Dritte zu erm\u00f6glichen. Der Konzern leitete inzwischen ein weiteres Schiedsverfahren vor derselben Instanz ein.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese juristische Blockade wirkt direkt auf den Markt. Potenzielle K\u00e4ufer m\u00fcssen damit rechnen, in einen internationalen Rechtsstreit hineingezogen zu werden. Der nigrische Bergbauminister Ousmane Abarchi sprach am 4. Mai 2026 von einem \u201equasi-juristischen Harc\u00e8lement\u201c. Zugleich r\u00e4umte er ein, dass die Verfahren die Vermarktung blockieren, obwohl Niamey Gespr\u00e4che mit aus seiner Sicht ernsthaften K\u00e4ufern f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Lagerbest\u00e4nde ohne sicheren Exportweg<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lage wird durch die Geografie Nigers versch\u00e4rft. Das Land hat keinen eigenen Zugang zum Meer und ist f\u00fcr Rohstoffexporte auf Transitrouten \u00fcber Nachbarstaaten angewiesen. Nach der Verschlechterung der Beziehungen zu Benin und Togo fehlen verl\u00e4ssliche Zug\u00e4nge zu regionalen H\u00e4fen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Teil des Uranbestands soll am internationalen Flughafen von Niamey lagern. <a href=\"https:\/\/fokus-afrika.de\/schuesse-und-explosionen-am-flughafen-niamey-nahe-uranium-lager\/\" type=\"post\" id=\"24120\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Im November 2025 soll ein Konvoi mit etwa 1.000 Tonnen Uran von Arlit aus \u00fcber Burkina Faso in Richtung Togo aufgebrochen sein.<\/a> Orano bezeichnete diese Bewegung als Versto\u00df gegen die Anordnung des Schiedsgerichts.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Februar 2026 bot General Tiani an, Frankreich rund 95 Tonnen Uran zu \u00fcbergeben. Diese Menge entspricht der Beteiligung Oranos an der Soma\u00efr. Der Konzern wertete den Schritt als m\u00f6gliches Signal f\u00fcr Verhandlungen. Eine formelle Einigung wurde seitdem nicht bekannt.<\/p>\n<p>Umweltvorw\u00fcrfe erh\u00f6hen den Druck auf Orano<br \/>\n<img data-od-replaced- data-od-xpath=\"\/HTML\/BODY\/DIV[@id='page']\/*[1][self::DIV]\/*[3][self::MAIN]\/*[1][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[3][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[2][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[17][self::DIV]\/*[1][self::FIGURE]\/*[1][self::IMG]\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/\ub2c8\uc81c\ub974_\uc6b0\ub77c\ub284\uad11\uc0b0_1451-jpeg.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-27796 size-full\"  \/><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Niamey verbindet den Streit um Eigentum und Exportrechte inzwischen auch mit Umweltvorw\u00fcrfen. Am 4. Februar 2026 k\u00fcndigte der nigrische Justizminister eine Klage gegen Orano wegen \u201e\u00f6kologischer Katastrophe\u201c an. Hintergrund ist die Entdeckung von 400 F\u00e4ssern mit radioaktivem Material auf einem fr\u00fcheren Standort im Departement Arlit.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Expertenausschuss soll Umwelt-, Gesundheits- und Steuerverst\u00f6\u00dfe dokumentieren. Die nigrischen Beh\u00f6rden wollen die Vorw\u00fcrfe auch vor franz\u00f6sischen und internationalen Instanzen vorbringen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Niamey verweist zudem auf die Verteilung der Einnahmen aus jahrzehntelanger Uranf\u00f6rderung. Nach nigrischer Darstellung gingen zwischen 1971 und 2024 rund 86 Prozent der Erl\u00f6se an Orano, w\u00e4hrend Niger 9,2 Prozent erhalten habe.<\/p>\n<p>Uranstreit bleibt von Schiedsverfahren abh\u00e4ngig<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Konflikt zeigt die zwei Ebenen der Auseinandersetzung. Politisch hat Niger die Kontrolle \u00fcber die Soma\u00efr und die Arlit-Konzession \u00fcbernommen. Wirtschaftlich bleibt der Spielraum begrenzt, solange K\u00e4ufer, Transportwege und internationale Schiedsverfahren nicht gekl\u00e4rt sind.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die n\u00e4chste Anh\u00f6rung vor dem Schiedsgericht wurde von den beteiligten Parteien noch nicht \u00f6ffentlich terminiert. Bis dahin bleibt der Uranbestand in Niger blockiert, w\u00e4hrend Niamey und Orano um Eigentum, Entsch\u00e4digung, Umweltverantwortung und Exportrechte streiten.<\/p>\n<p><img data-od-xpath=\"\/HTML\/BODY\/DIV[@id='page']\/*[1][self::DIV]\/*[3][self::MAIN]\/*[1][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[3][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[2][self::DIV]\/*[1][self::DIV]\/*[22][self::IMG]\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"metis-img-pixel\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/8fccf410ad0143af9536deb664b6d092.gif\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Niger kann seinen verstaatlichten Uranbestand trotz politischer Kontrolle \u00fcber die Soma\u00efr nicht frei auf dem Weltmarkt verkaufen. 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