{"id":4198,"date":"2026-04-20T02:40:25","date_gmt":"2026-04-20T02:40:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4198\/"},"modified":"2026-04-20T02:40:25","modified_gmt":"2026-04-20T02:40:25","slug":"nachwuchs-fuer-den-klassenkampf-mdr-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4198\/","title":{"rendered":"Nachwuchs f\u00fcr den Klassenkampf | MDR.DE"},"content":{"rendered":"<p>DDR-Provinz 1982. Die Sta\u00dffurter sind Zementstaub in der Luft und Risse in den H\u00e4usern gewohnt. Durch die Kaligruben unter der Stadt senken sich ganze Stra\u00dfenz\u00fcge ab. Es gibt wahrlich sch\u00f6nere Pl\u00e4tzchen im Sozialismus. Doch genau hier, gleich neben dem &#8222;Fernsehger\u00e4tewerk Friedrich Engels&#8220; &#8211; der Geburtsst\u00e4tte des DDR-Fernsehers &#8211; lie\u00df Margot Honecker ein lebendiges Zeichen der Solidarit\u00e4t errichten: Die &#8222;Schule der Freundschaft&#8220;. Ab 1982 lebten 900 Sch\u00fcler aus Mosambik und ab 1985 zus\u00e4tzlich 400 namibische Sch\u00fcler in einer Plattenbausiedlung am Rande der kleinen Industriestadt. <\/p>\n<p>Es war ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Modellprojekt: die leistungsst\u00e4rksten Sch\u00fcler wurden aus allen Landesteilen Mosambiks eingeladen, um f\u00fcr sechs Jahre in der DDR zu lernen. Sie sollten die sozialistische Facharbeiterelite f\u00fcr ihren jungen sozialistischen Nationalstaat werden. Nach au\u00dfen hin demonstriert die Schule die Leistungsf\u00e4higkeit des DDR-Schulsystems und die oft beschworene sozialistische V\u00f6lkerfreundschaft. Aber eigentlich dient das Prestigeobjekt Margot Honeckers den wirtschaftlichen Interessen des Arbeiter- und Bauernstaats. <\/p>\n<p>Die Dokumentation verfolgt die Lebenslinien einzelner Sch\u00fcler in Mosambik und Deutschland. Ehemalige Lehrer, Erzieher und die vielen Zutr\u00e4ger der Staatssicherheit liefern eine vielschichtige Innenansicht der &#8222;Schule der Freundschaft&#8220;. War es f\u00fcr die Sch\u00fcler ein gef\u00e4hrliches Experiment, das r\u00fccksichtslos mit den Lebenserwartungen und Lebenschancen der Kinder spielte? Was ist aus ihnen geworden?<\/p>\n<p>In der Stadt selbst prallen in den 1980er Jahren Welten aufeinander. Aus Kindern werden schnell Teenager, die Fragen stellen, die gegen die allumfassende Erziehung aufbegehren, sich kleine Freiheiten erobern, etwa nachts aus dem zun\u00e4chst abgeschotteten Internatsgel\u00e4nde ausbrechen. F\u00fcr sie ist die Schule eine Chance auf Bildung, die viele ohne das Projekt nie gehabt h\u00e4tten, doch ab 1986 kippt die Stimmung. Viele Sch\u00fcler werden in Ausbildungsberufe gezwungen, f\u00fcr die es in Mosambik gar keine Perspektiven gibt. Denn Mosambik hat den sozialistischen Weg verlassen und befindet sich im B\u00fcrgerkrieg. Doch die Sch\u00fcler sollen davon nichts erfahren. Sie sollen sich dem Plan f\u00fcgen.<\/p>\n<p>Auch in der Sta\u00dffurter Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst der Unmut. Neid und Missgunst bricht sich immer wieder Bahn: Die Sch\u00fcler w\u00fcrden in Watte gepackt und bei der Vergabe begehrter Waren bevorzugt. Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen deutschen und mosambikanischen Jugendlichen nehmen zu, die Konflikte eskalieren 1987. Carlos Conceicao wird von einer Br\u00fccke gesto\u00dfen und stirbt. &#8222;Da ist nur ein St\u00fcck Kohle in die Bode gefallen&#8220;, kommentiert ein deutscher Jugendlicher im Nachhinein den Tod des mosambikanischen Jungen. Die rassistischen Angriffe rufen Wut und \u00c4ngste unter den Sch\u00fclern hervor. &#8222;Jeder von uns dachte, er k\u00f6nnte der N\u00e4chste sein&#8220;, erinnert sich Paulino Miguel. <\/p>\n<p>Doch die dramatischste Wendung in ihrem Leben steht ihnen noch bevor: die R\u00fcckkehr ins Heimatland. Ohne jegliche Zukunftschancen f\u00fcr die Mehrheit der vermeintlichen Vorzeige-Sch\u00fcler hinterl\u00e4sst sie bei vielen tiefe Wunden. Historiker Mathias Tullner f\u00e4llt ein hartes Urteil: &#8222;Das Experiment ist grandios gescheitert. Diese Sch\u00fcler waren Spielball von politischen und wirtschaftlichen Interessen, von ideologischer Verbohrtheit, und sie sind dann in eine M\u00fchle hineingekommen, in der sie meistens tragisch endeten.&#8220;<\/p>\n<p>Dieser Film ist eine Ko-Produktion der elbmotion und des MDR und wurde gef\u00f6rdert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"DDR-Provinz 1982. Die Sta\u00dffurter sind Zementstaub in der Luft und Risse in den H\u00e4usern gewohnt. 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