{"id":4271,"date":"2026-04-20T03:39:36","date_gmt":"2026-04-20T03:39:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4271\/"},"modified":"2026-04-20T03:39:36","modified_gmt":"2026-04-20T03:39:36","slug":"malis-bevoelkerung-zwischen-hammer-und-amboss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4271\/","title":{"rendered":"Malis Bev\u00f6lkerung &#8222;zwischen Hammer und Amboss&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/mali-kundgebung-100.jpg\" alt=\"Junta-Unterst\u00fctzer auf einer von der malischen Regierung organisierten Kundgebung schwenken Fahnen von Mali, Niger und Burkina Faso.\" title=\"Junta-Unterst\u00fctzer auf einer von der malischen Regierung organisierten Kundgebung schwenken Fahnen von Mali, Niger und Burkina Faso. | REUTERS\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 11.04.2024 \u2022 10:49 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        In Mali scheint sich die Bef\u00fcrchtung zu best\u00e4tigen, dass die Instabilit\u00e4t nach dem Abzug der UN-Mission noch gr\u00f6\u00dfer wird. Ist Mali auf dem Weg zu einem gescheiterten Staat?\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/kai-kuestner-108.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Kai K\u00fcstner\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/kuestner-103.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Schon w\u00e4hrend die Bundeswehr in Mali vergangenes Jahr ihre Container packte, mehrten sich die Vorboten f\u00fcr eine deutlich verschlechterte Sicherheitslage: Die Zahl der Anschl\u00e4ge, die Intensit\u00e4t der K\u00e4mpfe zwischen malischer Armee und Terrormilizen nahm massiv zu.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nun, da die Deutschen und die UN-Blauhelme nicht mehr da sind, scheinen sich alle unheilvollen Vorhersagen, die Konfliktparteien k\u00f6nnten mit ungehinderter Wucht aufeinanderprallen, zu best\u00e4tigen: &#8222;Wir haben hier wirklich Angst&#8220;, gesteht Mohamed Camara aus der Region S\u00e9gou im Zentrum Malis. &#8222;Wir haben Angst vor den Terroristen und vor den K\u00e4mpfen mit der malischen Armee.&#8220;<\/p>\n<p>    UN-Experte: Regierung entgleitet Kontrolle<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und glaubt man Experten wie Alioune Tine, dann hat der 40-j\u00e4hrige Lehrer auch allen Grund dazu, sich zu f\u00fcrchten. Ende M\u00e4rz stellte der Analyst, der seit Jahren im Auftrag der Vereinten Nationen die Lage im Land beobachtet und bewertet, bei der UN in Genf seinen aktuellen Bericht vor.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Darin berichtet er von einer &#8222;raschen und anhaltenden Verschlechterung der Sicherheitslage in fast allen Regionen Malis&#8220;. Und von Gebieten, die &#8222;der Kontrolle der malischen Beh\u00f6rden zu entgleiten&#8220; scheinen. Die Leidtragenden seien die Zivilisten, die wie &#8222;zwischen Hammer und Amboss eingeklemmt&#8220; seien, so der unabh\u00e4ngige Experte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das kann die Studentin Kadidia Aldjoubarkoye, die im Norden des Landes in der Region Timbuktu lebt, nur best\u00e4tigen: Sie berichtet davon, dass hier die Terroristen die Zahl ihrer Anschl\u00e4ge verst\u00e4rken und es zunehmend Zusammenst\u00f6\u00dfe der Extremisten mit der Armee gebe: &#8222;Das erzeugt ein Klima der Unsicherheit in der Region.&#8220; Und auch der 33-j\u00e4hrige Ankoundja Tembelli aus Bankass in Zentralmali klagt: &#8222;Hier bei uns ist die Gefahr sehr hoch. Wir k\u00f6nnen noch nicht einmal in unsere D\u00f6rfer gelangen.&#8220;<\/p>\n<p>    Blauhelme als Puffer<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">All das ist eine Entwicklung, die sich schon abzeichnete, als die Blauhelme, darunter zeitweise bis zu 1.200 Deutsche, das Land verlie\u00dfen. Einer schleichenden Ausbreitung der Terrorgruppen hatten auch sie nichts entgegensetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch hatten die ausl\u00e4ndischen Truppen hier und da Inseln der Stabilit\u00e4t geschaffen und wie ein Puffer gewirkt zwischen dem, was UN-Experte Tine &#8222;Hammer und Amboss&#8220; nennt: zwischen malischen Regierungstruppen und ihren russischen Verb\u00fcndeten auf der einen sowie Terrormilizen von IS oder Al-Kaida und Tuareg-Separatisten auf der anderen Seite.<\/p>\n<p>    Wachsender Einfluss russischer S\u00f6ldner<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bei ihrem Kampf gegen die sich ausbreitenden Terrorgruppen setzt die malische Armee seit einiger Zeit auf russische S\u00f6ldner der ehemaligen Gruppe &#8222;Wagner&#8220; &#8211; was auch einer der Gr\u00fcnde daf\u00fcr war, dass sich der Westen und die durch Putsch an die Macht gelangte Regierung voneinander entfremdet hatten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die russischen S\u00f6ldner hatten den malischen Truppen zweifelsohne zu einem ihrer gr\u00f6\u00dften Prestige-Erfolge der vergangenen Monate verholfen: die Eroberung der strategisch wichtigen Stadt Kidal im Norden des Landes. Worauf auch nicht ohne Stolz der politische Beobachter und Sachbuchautor Ali Ndiya aus Mali verweist: &#8222;Kidal ist eine Stadt, die seit zw\u00f6lf Jahren nicht unter Kontrolle der Regierung war.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bei Ndiya ist deutlich herauszuh\u00f6ren, dass er den Blauhelmen der Vereinten Nationen kaum eine Tr\u00e4ne nachweint. Weil sich die Tuareg-Separatisten aus Kidal zur\u00fcckzogen, hat dies zumindest in dieser Region f\u00fcr ein vor\u00fcbergehendes Abflauen der K\u00e4mpfe gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>    Menschenrechtsverletzungen nehmen zu<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nun beklagt aber UN-Experte Tine in seinem aktuellen Report auch eine beunruhigende Zunahme von Menschenrechtsverletzungen &#8211; vor allem von Seiten der Terroristen, aber nicht nur. Und die Organisation Human Rights Watch berichtet, dass Mitte Februar &#8211; und das sind nur zwei Beispiele &#8211; die malische Armee bei Drohnenangriffen auf eine Hochzeitsfeier und eine Trauerfeier mindestens 14 Zivilisten, darunter auch Kinder, get\u00f6tet habe.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nach Angaben von Human Rights Watch leisten bei solcherlei Angriffen auch die russischen S\u00f6ldner oft einen fatalen Beitrag: Sie unterst\u00fctzen regelm\u00e4\u00dfig bei Drohnenangriffen und sollen auch an Exekutionen von Zivilisten beteiligt gewesen sein.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Buchautor Ndiya hat bez\u00fcglich dieser Vorw\u00fcrfe eine etwas andere Sicht: &#8222;Was wir als Malier vor allem wollen, ist die Integrit\u00e4t unseres Staatsgebietes. Man kann kein Omelette herstellen, ohne Eier zu zerschlagen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und auch die malische Milit\u00e4rregierungen weist die im UN-Bericht erhobenen Bedenken als &#8222;nicht verifiziert und \u00fcbertrieben alarmistisch&#8220; zur\u00fcck. Nun wird es nach dem Abzug von Bundeswehr und den anderen Blauhelmen angesichts des Schrumpfens sicherer R\u00e4ume immer schwerer, die Einhaltung von Menschenrechten unabh\u00e4ngig zu \u00fcberwachen.<\/p>\n<p>    Die Sorgen nehmen zu<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In westlichen Sicherheitskreisen traut jedenfalls kaum einer den vermutlich aus 20.000 bis 30.000 Mann bestehenden malischen Streitkr\u00e4ften zu, die Terrorgruppen dauerhaft in Schach zu halten und langfristig f\u00fcr Frieden im Land zu sorgen. Auch dann nicht, wenn die Sicherheitskr\u00e4fte sich von Russland helfen lassen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Schon kurz nach Abzug der Bundeswehr kursierten Fotos, auf denen russische S\u00f6ldner eine Goldmine im nordmalischen Gao in Besitz nahmen. Also genau da, wo die Deutschen jahrelang f\u00fcr Sicherheit zu sorgen suchten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ob sich aber das malisch-russische Tauschgesch\u00e4ft &#8211; Geld und Bodensch\u00e4tze gegen Hilfe &#8211; beim Anti-Terrorkampf f\u00fcr den Sahel-Staat auszahlt, ist zweifelhaft. Nach wie vor ist die Gefahr nicht gebannt, dass Mali nach dem R\u00fcckzug des Westens zu einem &#8222;gescheiterten Staat&#8220;, einem &#8222;failed state&#8220; wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 11.04.2024 \u2022 10:49 Uhr In Mali scheint sich die Bef\u00fcrchtung zu best\u00e4tigen, dass die Instabilit\u00e4t nach dem&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4272,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[237],"tags":[2603,309,2685],"class_list":{"0":"post-4271","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-mali","8":"tag-bundeswehr","9":"tag-mali","10":"tag-minusma"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116434957928475159","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4271","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4271"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4271\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4272"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4271"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4271"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4271"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}