{"id":4279,"date":"2026-04-20T03:46:26","date_gmt":"2026-04-20T03:46:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4279\/"},"modified":"2026-04-20T03:46:26","modified_gmt":"2026-04-20T03:46:26","slug":"wie-der-sudan-fuer-seine-bewohner-zur-hoelle-auf-erden-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4279\/","title":{"rendered":"Wie der Sudan f\u00fcr seine Bewohner zur H\u00f6lle auf Erden wurde"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Der Arzt erinnert sich genau an die N\u00e4chte in El Fasher. An das leise Atmen der Patienten, das entfernte Surren von Drohnen \u00fcber der Stadt. Und an die Dunkelheit. Jede Lichtquelle h\u00e4tte sie zu einem Ziel gemacht. Also arbeitete Muhammed Ismail Abdulrahman, 33, im Halbdunkel in einem eingegrabenen Container, tastete sich mit den H\u00e4nden vor, w\u00e4hrend er Wunden versorgte, Blutungen stoppte, improvisierte Eingriffe durchf\u00fchrte. OP-Handschuhe wurden ausgekocht und wiederverwendet, Instrumente notd\u00fcrftig gereinigt.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Lange war El Fasher der letzte <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/konflikte-who-mehr-als-60-tote-bei-angriff-auf-krankenhaus-im-sudan-113793253\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">St\u00fctzpunkt von Sudans Armee in Darfur<\/a>, einer Region im Westen des Sudan, die fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfer ist als Deutschland. Ihr Kriegsgegner, die paramilit\u00e4rische Rapid Support Forces (RSF), kontrollierte mit verb\u00fcndeten Milizen gro\u00dfe Teile des restlichen Darfur. Es war lange absehbar, dass das Land zumindest mittelfristig auf eine Spaltung zusteuert \u2013 sp\u00e4testens, wenn auch El Fasher f\u00e4llt.\n  <\/p>\n<p>            Menschen im Sudan leiden Hunger<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    18 Monate lang belagerte die RSF die Stadt. Die Menschen hungerten, schabten Salzreste aus den \u00d6fen zerst\u00f6rter B\u00e4ckereien, a\u00dfen Tierfutter. Abdulrahman bildete 280 Zivilisten in Erster Hilfe aus \u2013 M\u00e4nner und Frauen, die pl\u00f6tzlich die ersten Helfer waren, wenn nach Angriffen niemand sonst mehr kam. \u201eWir haben getan, was wir konnten\u201c, sagt er. Doch als die Miliz im vergangenen Jahr ihre Offensive auf El Fasher massiv verst\u00e4rkte und dabei zahlreiche Massaker ver\u00fcbt wurden, blieb Zehntausenden nur die Flucht. Darunter der Arzt.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Nun sitzt er Hunderte Kilometer weiter im Schatten eines notd\u00fcrftigen Zelts in Afad, einem Lager f\u00fcr Binnenvertriebene im Norden des Sudan. Kinder laufen barfu\u00df zwischen den H\u00fctten. Seine Nachbarin h\u00e4lt zwei Kleinkinder an der Hand, die sie w\u00e4hrend der Flucht bei einer get\u00f6teten Mutter fand \u2013 eines hatte sich noch an ihre Brust geklammert. Fast jeder hier hat eine solche Geschichte zu erz\u00e4hlen.\n  <\/p>\n<p>            Konfliktparteien begehen schwere Menschenrechtsverletzungen<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Lage im Sudan gilt als gr\u00f6\u00dfte humanit\u00e4re Katastrophe der Welt &#8211; und als eines der gef\u00e4hrlichsten Einsatzgebiete f\u00fcr Helfer. Seit Beginn des Krieges vor drei Jahren wurden etwa elf Millionen Sudanesen vertrieben, mehr als vier Millionen flohen in Nachbarl\u00e4nder. Zehntausende starben. Mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung ist auf Nothilfe angewiesen. Beiden Konfliktparteien werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/images.mgpd.de\/img\/113979979\/crop\/c16_9-w100\/985512073\/991320813\/586489490.jpg\" alt=\"Blick auf das Fl\u00fcchtlingslager Aboutengu\u00e9. Derzeit leben etwa 47.000 Fl\u00fcchtlinge aus West-Darfur in dem Fl\u00fcchtlingslager im Osten des Tschad nahe der Grenze zum Sudan. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder.\" title=\"Blick auf das Fl\u00fcchtlingslager Aboutengu\u00e9. Derzeit leben etwa 47.000 Fl\u00fcchtlinge aus West-Darfur in dem Fl\u00fcchtlingslager im Osten des Tschad nahe der Grenze zum Sudan. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Blick auf das Fl\u00fcchtlingslager Aboutengu\u00e9. Derzeit leben etwa 47.000 Fl\u00fcchtlinge aus West-Darfur in dem Fl\u00fcchtlingslager im Osten des Tschad nahe der Grenze zum Sudan. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder.<br \/>\n    Foto: Eva Krafczyk, dpa<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Blick auf das Fl\u00fcchtlingslager Aboutengu\u00e9. Derzeit leben etwa 47.000 Fl\u00fcchtlinge aus West-Darfur in dem Fl\u00fcchtlingslager im Osten des Tschad nahe der Grenze zum Sudan. Die meisten von ihnen sind Frauen und Kinder.<br \/>\n    Foto: Eva Krafczyk, dpa<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Auch in Europa schaut man mit wachsender Sorge auf den Krieg. Die <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/syrischer-praesident-in-berlin-merz-und-al-scharaa-werben-fuer-rueckkehr-von-fluechtlingen-113869382\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Ankunftszahlen sudanesischer Fl\u00fcchtlinge<\/a> dort nahmen zuletzt zu, wenn auch weiterhin auf eher niedrigem Niveau. Im Jahr 2025 waren es 14.208 \u2013 ein Anstieg von \u00fcber 200 Prozent im Vergleich zu 2024. Gener\u00e4le der Armee dr\u00e4ngen auf die R\u00fcckkehr der Menschen in die von ihnen kontrollierten Gebiete wie die Hauptstadt Khartum. Die Forderung wirkt wie Heuchelei. Die Milit\u00e4rs lassen ihre eigenen Familien oft im Ausland, meist in \u00c4gypten.\n  <\/p>\n<p>            RSF k\u00e4mpft gegen die Armee<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Milit\u00e4risch sind die Fronten verh\u00e4rtet. Die RSF h\u00e4lt Darfur im Westen, die Armee den Osten und Teile des Zentrums. Dort, besonders in Kordofan, bek\u00e4mpfen sich die beiden Kriegsparteien weiter \u2013 ohne R\u00fccksicht auf Zivilisten. Daran wird auch die Sudan-Konferenz wenig \u00e4ndern, die an diesem Mittwoch in Berlin stattfindet. Zu viele \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse wirken auf beide Kriegsparteien ein: Die RSF erh\u00e4lt Unterst\u00fctzung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und in geringerem Ma\u00dfe aus \u00c4thiopien, die Armee vor allem aus \u00c4gypten sowie durch Waffenlieferungen aus dem Iran. Zudem haben sowohl RSF als auch die Armee ihre Einnahmen aus der Goldproduktion stark erh\u00f6ht.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Sudans Armee, die sich als Regierung des Landes betrachtet, hat Deutschland in einem Memorandum am Freitag sogar offiziell aufgefordert, die Konferenz abzusagen. Sie war \u2013 wie auch die RSF \u2013 nicht eingeladen worden. In einem dem Ausw\u00e4rtigen Amt \u00fcbergebenen Memorandum kritisierte Sudans Botschafterin, man werde damit einer \u201eTerrormiliz\u201c gleichgestellt. Der Ausschluss der Regierung sei eine \u201eVerletzung der staatlichen Souver\u00e4nit\u00e4t\u201c, hie\u00df es weiter.\n  <\/p>\n<p>            \u00c4rger \u00fcber Sudan-Konferenz in Berlin<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Schon vor einer \u00e4hnlichen Sudan-Konferenz in Paris vor einem Jahr gab es vergleichbare T\u00f6ne. Allerdings droht man diesmal dar\u00fcber hinaus mit einem \u201e\u00dcberdenken der Beziehungen\u201c zu den beteiligten Geberl\u00e4ndern. Die sind ohnehin schon kompliziert genug. Schon die Drohung d\u00fcrfte die humanit\u00e4ren Hilfsleistungen weiter erschweren.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Abgesehen von den USA ist der politische Einfluss westlicher Staaten ohnehin eingeschr\u00e4nkt. In Berlin werden Politiker relevanter L\u00e4nder sowie <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/warum-die-uno-fluechtlingshilfe-wegen-des-iran-krieges-mit-mehr-vertriebenen-rechnet-113741980\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Vertreter der UN<\/a> und der sudanesischen Zivilgesellschaft erwartet. \u201eDie Konferenz ist keine Friedenskonferenz\u201c, sagt Gerrit Kurtz von der Stiftung Wissenschaft und Politik. \u201eNiemand sollte seine Erwartungen zu hoch schrauben.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Auch in Khartum kommen weiter t\u00e4glich Hunderte Fl\u00fcchtlinge an, die meisten aus der Kordofan-Region. Maryam, eine \u00e4ltere Frau mit gepunktetem Hidschab, dem traditionellen Kopftuch, sitzt ruhig auf einem Plastikstuhl, w\u00e4hrend sie von ihrer Flucht erz\u00e4hlt. Vier Tage sei sie zu Fu\u00df gegangen, sagt sie, aus der Gegend um Dilling. \u201eWir hatten kein Geld, keine Hilfe.\u201c Manche h\u00e4tten es nicht geschafft.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    In den Bergen h\u00e4tten sie vor Hunger gekochtes Gras gegessen. \u201eEinige konnten es nicht vertragen\u201c, sagt sie. Durchfall, Erbrechen. Aber es gab nichts anderes. Ihr Sohn wurde bei einem Drohnenangriff verletzt. Ein Cousin starb. F\u00fcnf Enkelinnen hat sie, einige bei ihr, andere irgendwo auf der Flucht \u2013 sie wei\u00df nicht, ob sie noch leben.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Viele erz\u00e4hlen von \u00e4hnlichen Schicksalen. Tagwa, 35, kam vor einem Jahr mit ihren drei T\u00f6chtern. Sie erinnert sich an Stra\u00dfensperren, an bewaffnete M\u00e4nner der RSF, die sie anhielten, ihre Taschen durchsuchten und ihre Telefone nahmen. \u201eSie nehmen alles\u201c, sagt sie. Geld, Schmuck, Kontakte. Und die jungen M\u00e4nner. Ihr Schwager wurde entf\u00fchrt, die Familie musste L\u00f6segeld zahlen. \u201eDas passiert dort jeden Tag\u201c, sagt sie.\n  <\/p>\n<p>    Christian Putsch<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<p>    Sudan<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<p>    Berlin<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Arzt erinnert sich genau an die N\u00e4chte in El Fasher. 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