{"id":42996,"date":"2026-07-23T11:32:09","date_gmt":"2026-07-23T11:32:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/42996\/"},"modified":"2026-07-23T11:32:09","modified_gmt":"2026-07-23T11:32:09","slug":"ich-arbeite-fast-immer-undercover","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/42996\/","title":{"rendered":"\u00bbIch arbeite fast immer undercover\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>zenith: Wie hat sich Ihre Arbeit als Journalistin im Sudan in den vergangenen drei Jahren ver\u00e4ndert?<\/p>\n<p>Zeinab Mohammed Salih: Seit Beginn des Krieges arbeite ich als Freelancerin f\u00fcr britische Medien \u2013 ohne Team, bin immer allein unterwegs und fast immer undercover. RSF und SAF nehmen Journalistinnen und Journalisten ins Visier. Daher ist es zu gef\u00e4hrlich, mich als Reporterin zu erkennen zu geben. Das hei\u00dft auch, dass ich meistens ohne meine Schutzweste auf den Stra\u00dfen unterwegs bin. Auch dann, wenn in der Nachbarstra\u00dfe aktiv gek\u00e4mpft wird. Sie w\u00e4re zu auff\u00e4llig und w\u00fcrde mich direkt entlarven. Gleiches gilt f\u00fcr Kameras, daher muss ich mich auf das Schreiben beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Wieso berichten Sie weiter, trotz der Lebensgefahr, in die Sie sich t\u00e4glich begeben?<\/p>\n<p>Ich habe das Gef\u00fchl, das ich eine gewisse Verantwortung trage, \u00fcber den Krieg zu berichten \u2013 weil es sonst niemand macht. Und das, was man in den Sozialen Medien oder in den Nachrichten sieht, entspricht oft nicht dem, was die Menschen hier im Sudan sehen und erleben.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00bbIch habe mit vielen Opfern der systematischen Vergewaltigungen in El Geneina gesprochen und \u00fcber sie berichtet\u00ab<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Von wem erhalten Sie Ihre Informationen?<\/p>\n<p>Ich fahre in die Regionen, in denen gerade aktiv gek\u00e4mpft wird und spreche mit den Menschen dort. So bekomme ich auch mit, was vor Ort passiert \u2013 auch wie Menschen get\u00f6tet werden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Sie sind auch einige Male nach Darfur gereist, wo die K\u00e4mpfe am heftigsten toben. Was haben Sie dort erlebt?<\/p>\n<p>Ich war l\u00e4ngere Zeit in El Geneina, dem Schauplatz zweier Massaker im Jahr 2023. Mit den RSF verbundene arabischen Milizen durchk\u00e4mmten systematisch ganze Nachbarschaften. Ich habe mit vielen Opfern der damit einhergehenden Vergewaltigungen gesprochen und \u00fcber sie berichtet. Das war sehr heftig. Ich war auch einige Male in El Fascher w\u00e4hrend der Belagerung und noch vor der Einnahme durch die RSF im letzten November.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Wie kann man unter diesen Bedingungen \u00fcberhaupt im Sudan arbeiten?<\/p>\n<p>Andere Journalistinnen und Journalisten, die noch berichten, sind mit einer der beiden Kriegsparteien assoziiert. Nur wenige sind \u00fcbriggeblieben, die wie ich unabh\u00e4ngig berichten. Dadurch bin ich nat\u00fcrlich auch ein Ziel. Ich erhalte immer wieder Todesdrohungen. Diese allgegenw\u00e4rtige Gefahr hat mich vor zwei Jahren dazu bewogen, den Sudan als meinen Lebensmittelpunkt zu verlassen. Ich reise aber immer wieder f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in verschiedene Gebiete, um aus dem Land zu berichten.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00bbDas Urteil gegen Hemedti ist rein symbolischer Natur. Sobald beide Kriegsparteien eine Einigung erzielen, werden solche Anklagen fallen gelassen\u00ab<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Was ist mit den anderen Journalistinnen und Journalisten passiert?<\/p>\n<p>Viele von ihnen haben in Khartum gearbeitet. Dort hat der Krieg begonnen und viele haben dadurch ihren Job verloren. Aber in fast jeder Stadt und jedem Dorf treffe ich auf Reporterinnen und Reporter, die \u00fcber den Krieg berichten k\u00f6nnten. Ihnen fehlt nur die Finanzierung, um dem Beruf nachzugehen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>In den westlichen Medien wird wenig \u00fcber den Sudan berichtet. Woran glauben Sie liegt das?<\/p>\n<p>Internationale Medien haben es schwer, \u00fcberhaupt ins Land reinzukommen. Dazu ist der Sudan sehr gro\u00df, es passiert vieles gleichzeitig, ich kann also verstehen, wieso die Berichterstattung schnell an Grenzen st\u00f6\u00dft. Aber wenn das Interesse westlicher Medien am Sudan gr\u00f6\u00dfer w\u00e4re, lie\u00dfen sich trotzdem Wege finden, um von vor Ort berichten. Auch Sprachbarrieren k\u00f6nnten heutzutage dank neuer Technologien relativ einfach umgangen werden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>In der vergangenen Woche hat ein sudanesisches Gericht RSF-Chef Muhammad Hamdan Daglo, bekannt als \u00bbHemedti\u00ab, zum Tode verurteilt. Was bedeutet solch ein Urteil?<\/p>\n<p>Es ist rein symbolischer Natur. Sobald beide Kriegsparteien eine Einigung erzielen, werden solche Anklagen fallen gelassen. Die Menschen im Sudan sind schon daran gew\u00f6hnt und reagieren gar nicht mehr darauf, weil sie wissen, dass sich dadurch nichts ver\u00e4ndern wird.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00bbH\u00e4tte man im Westen\u00a0Sanktionen gegen die VAE verh\u00e4ngen wollen, h\u00e4tte man es l\u00e4ngst getan\u00ab<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>In der vergangenen Woche hat die EU ein Embargo gegen Goldimporte aus dem Sudan verh\u00e4ngt. Bringt das etwas?<\/p>\n<p>Solange westliche Staaten weiter Waffen an regionale M\u00e4chte wie \u00c4gypten oder die Vereinigten Arabischen Emirate liefern, wird auch ein Goldembargo nichts ver\u00e4ndern. Zudem das Gold dann eben \u00fcber andere Wege aus dem Sudan nach Kairo oder Dubai geschmuggelt wird.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Sind Sanktionen gegen die VAE wegen der Verstrickung in den Krieg realistisch?<\/p>\n<p>Laut Amnesty International werden auch deutsche und franz\u00f6sische Waffen in die Emirate exportiert, die dann im Sudan zum Einsatz kommen. Der Krieg tobt mittlerweile im vierten Jahr. H\u00e4tte man im Westen\u00a0Sanktionen gegen die VAE verh\u00e4ngen wollen, h\u00e4tte man es l\u00e4ngst getan.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Wie kann dieser Krieg beendet werden?<\/p>\n<p>Beide Parteien k\u00f6nnen milit\u00e4risch nicht siegen und nur ein Abkommen kann diesen Krieg beenden. Aber realistisch wird er noch viele Jahre andauern, da sich beide Seiten nicht \u00fcber den Weg trauen. Eine internationale Intervention k\u00f6nnte helfen, den Krieg zu beenden. In diese Richtung sehe ich aber bis jetzt keine Ambitionen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"media-element file-original-with-credits-right\" title=\"Interview zu Berichterstattung zum Krieg im Sudan \" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/3_0.png\" alt=\"Interview zu Berichterstattung zum Krieg im Sudan \" width=\"144\" height=\"115\" data-delta=\"1\" data-fid=\"20082\" data-media-element=\"1\"\/>Zeinab Mohammed Salih arbeitet als freischaffende Journalistin vor allem f\u00fcr britische Medien. Sie geh\u00f6rt zu den wenigen Journalistinnen, die noch im Sudan aktiv sind. F\u00fcr ihre Arbeit wurde sie 2026 mit dem ICFJ Knight International Journalism Award ausgezeichnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"zenith: Wie hat sich Ihre Arbeit als Journalistin im Sudan in den vergangenen drei Jahren ver\u00e4ndert? 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