{"id":43517,"date":"2026-07-28T06:10:12","date_gmt":"2026-07-28T06:10:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/43517\/"},"modified":"2026-07-28T06:10:12","modified_gmt":"2026-07-28T06:10:12","slug":"ebola-in-der-dr-kongo-sie-jagen-das-virus-schneller-als-je-zuvor-sind-sie-schnell-genug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/43517\/","title":{"rendered":"Ebola in der DR Kongo: Sie jagen das Virus schneller als je zuvor. Sind sie schnell genug?"},"content":{"rendered":"<p>    Inhalt<br \/>\n    <a class=\"article-toc__fullview z-text-button\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesundheit\/2026-07\/ebola-demokratische-republik-kongo-forschung-gegenmittel-impfstoff\/komplettansicht\" data-ct-label=\"all\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n        Auf einer Seite lesen<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>            Inhalt        <\/p>\n<p>Seite 1Sie jagen das Virus schneller als je zuvor. Sind sie schnell genug?<\/p>\n<p>                                            <a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesundheit\/2026-07\/ebola-demokratische-republik-kongo-forschung-gegenmittel-impfstoff\/seite-2\" data-ct-label=\"2\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                    Seite 2Warum der Ausbruch so schwer einzud\u00e4mmen ist<br \/>\n                <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Amanda Rojek wei\u00df noch sehr genau, wie es sich anf\u00fchlt, alles zu geben, und doch viel zu langsam zu sein. 2015 k\u00e4mpfte Westafrika mit dem gr\u00f6\u00dften Ebola-Ausbruch, den die Welt jemals erlebt hatte. Die Australierin schrieb gerade an ihrer Dissertation im Bereich Globale Gesundheit an der Universit\u00e4t Oxford. Doch nun wurden dringend Mediziner gesucht, die Forschung in der Krisenregion \u00fcbernehmen k\u00f6nnten. Rojek bekam das Angebot, eine Studie mit einem experimentellen Medikament in Sierra Leone zu leiten.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Es war eine Zeit hektischer Improvisation. Internationale Forscherteams versuchten, in Westafrika klinische Studien aus dem Boden zu stampfen, w\u00e4hrend das Virus sich immer weiter ausbreitete \u2013 dabei gab es nicht einmal einen Konsens dar\u00fcber, wie man unter solchen Bedingungen \u00fcberhaupt seri\u00f6s forschen konnte. \u00bbWir haben so lange gebraucht, \u00fcberhaupt anzufangen, dass wir erst gegen Ende des Ausbruchs zu einem Ergebnis kamen\u00ab, erinnert sich Rojek. Das von ihrer Gruppe untersuchte Mittel half nicht. \u00bbIch war v\u00f6llig deprimiert.\u00ab\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Mehr als zehn Jahre nach ihrer Erfahrung in Sierra Leone leitet Rojek nun erneut eine klinische Studie in einem gro\u00dfen Ebola-Ausbruch, dieses Mal in der Demokratischen Republik <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/kongo\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kongo<\/a>. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesundheit\/2026-07\/ebola-dr-kongo-ausbreitung-uganda-bundibugyo-virus\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Mehr als 3.200 F\u00e4lle hat das Land bereits gemeldet, mehr als 1.400 Menschen sind gestorben.<\/a> T\u00e4glich werden Dutzende neue Infektionen best\u00e4tigt. \u00bbEs handelt sich bereits um den drittgr\u00f6\u00dften Ebola-Ausbruch aller Zeiten\u00ab, erkl\u00e4rte der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Tedros Adhanom Ghebreyesus k\u00fcrzlich. \u00bbUnd er hat sich in den vergangenen Monaten schneller ausgeweitet als jeder fr\u00fchere Ausbruch.\u00ab\n<\/p>\n<p>                            Die Medizinerin Amanda Rojek ist eine der Leiterinnen der PARTNERS-Studie, die derzeit in Bunia in der N\u00e4he des Ausbruchszentrums ein experimentelles Medikament erprobt.             \u00a9\u00a0University of Oxford<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Eigentlich steht die Welt <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/ebola\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ebola<\/a> nicht mehr so hilflos gegen\u00fcber wie damals in Sierra Leone und den Nachbarl\u00e4ndern Guinea und Liberia. Denn inzwischen gibt es zwei zugelassene Medikamente und auch einen Impfstoff. Nur sind die Mittel alle gegen Ebola-Zaire gerichtet. Das ist die Variante des Virus, die am h\u00e4ufigsten zu Ausbr\u00fcchen f\u00fchrt. Doch im Kongo verbreitet sich nun eine andere Spezies: Bundibugyo. Dagegen gibt es bislang keine Impfstoffe und keine Medikamente. Und so ist nun, wie damals in Westafrika, ein Wettlauf gegen die Zeit entbrannt, um in klinischen Studien ein wirksames Instrument gegen das Virus zu finden.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Forscher haben in der Zwischenzeit vieles dazugelernt, sie haben Kooperationen aufgebaut, Studienprotokolle vorbereitet, den Ernstfall geprobt. Auch Amanda Rojek hatte nach dem Ausbruch in Westafrika ihr Promotionsthema ge\u00e4ndert und sich mit der Verbesserung der Forschung unter solch extremen Bedingungen besch\u00e4ftigt. Das alles hilft jetzt.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0unsplash.com<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Das tut mir gut \u2013 Der ZEIT-Gesundheitsnewsletter<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Einmal die Woche sammeln wir f\u00fcr Sie im ZEIT-Gesundheitsnewsletter die spannendsten Texte zu allem, was guttut. Darunter Tipps aus Psychologie und Medizin, Sport und Ern\u00e4hrung.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a><br \/>\n     zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Als die Demokratische Republik Kongo am 15. Mai den neuen Ebola-Ausbruch best\u00e4tigte, kamen Rojek und andere Wissenschaftler, die schon lange solche Studien vorbereiten, noch am selben Abend zu einer Videokonferenz zusammen und entschieden, zwei Wirkstoffe so bald wie m\u00f6glich zu testen: <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesundheit\/2026-05\/behandlung-ebola-patienten-berlin-charite\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">MBP-134, ein Cocktail aus zwei monoklonalen Antik\u00f6rpern, die aus dem Blut eines \u00dcberlebenden der Ebola-Epidemie in Westafrika isoliert wurden<\/a>, und Remdesivir, ein antivirales Medikament, das bereits gegen Sars-CoV-2 sowie mehrere andere Viren eingesetzt wurde, allerdings mit gemischten Ergebnissen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Kaum sechs Wochen sp\u00e4ter, am 1. Juli, begann die sogenannte PARTNERS-Studie in einer Klinik nahe dem Ausbruchszentrum in Bunia. \u00bbWir hoffen, dass wir die Studie bald auf weitere Standorte ausdehnen k\u00f6nnen\u00ab, sagt Rojek, die die Studie gemeinsam mit dem kongolesischen Forscher Placide Mbala leitet. Teilnehmer werden nach dem Zufallsprinzip in eine von vier Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erh\u00e4lt MBP-134. Die Antik\u00f6rper in dem Medikament binden an ein Eiwei\u00df auf der Oberfl\u00e4che von Ebolaviren und sollen so verhindern, dass die Erreger in menschliche Zellen eindringen. Eine zweite Gruppe erh\u00e4lt Remdesivir. Das Mittel wird im K\u00f6rper in ein Molek\u00fcl namens GS-443902 umgewandelt, das einem Baustein im Viruserbgut \u00e4hnelt. Wenn das Virus versucht, sich zu vermehren, baut es den falschen Baustein in die Kopie seines Erbguts ein und der Prozess wird abgebrochen. \u00bbEs ist, als w\u00fcrde jemand ein St\u00fcck Pappe in den Kopierer stecken und dadurch alles blockieren\u00ab, sagt Armand Sprecher von \u00c4rzte ohne Grenzen. Eine dritte Gruppe erh\u00e4lt beide Medikamente, eine vierte erh\u00e4lt keines von beiden.\n<\/p>\n<p>        Was ist Ebola?<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Ebola ist eine schwere Infektionskrankheit, die durch Viren der Gattung Ebolavirus ausgel\u00f6st wird.\u00a0Es gibt <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/SharedDocs\/FAQs\/DE\/Ebola\/Ebola.html#\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mehrere Spezies des Virus<\/a>, darunter Zaire, Sudan und Bundibugyo.\u00a0Der aktuelle Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo wird vom selteneren  Bundibugyo-Typus ausgel\u00f6st, mit dem bisher nur zwei Ausbr\u00fcche dokumentiert waren.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das Virus wird durch direkten Kontakt mit K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten wie Blut, Stuhl oder Erbrochenem von infizierten Personen \u00fcbertragen. Eine \u00dcbertragung durch die Luft, wie bei Sars-CoV-2 oder der Grippe, ist f\u00fcr Ebola-Ausbr\u00fcche nicht dokumentiert. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Symptome betr\u00e4gt meist zwei Tage bis drei Wochen. Infizierte sind ab Symptombeginn ansteckend; das Virus kann sich jedoch auch nach dem Tod weiterverbreiten, etwa bei engem Kontakt mit Verstorbenen im Rahmen von Beerdigungsritualen.\u00a0\n<\/p>\n<p>        Wie gef\u00e4hrlich ist Ebola?<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Zu Beginn \u00e4hneln die Beschwerden mit Fieber, Glieder- oder Muskelschmerzen und starker M\u00fcdigkeit oft anderen Virusinfektionen. Im weiteren Verlauf k\u00f6nnen \u00dcbelkeit, Erbrechen und Durchfall hinzukommen; schwere Verl\u00e4ufe k\u00f6nnen unter anderem mit Atemnot, Krampfanf\u00e4llen und Organversagen einhergehen und zum Tod f\u00fchren.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Ebola ist laut der Weltgesundheitsorganisation WHO <a href=\"https:\/\/www.who.int\/news-room\/fact-sheets\/detail\/ebola-disease\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in etwa der H\u00e4lfte der F\u00e4lle t\u00f6dlich<\/a>. Die Sterblichkeit variiert jedoch je nach Virusspezies zwischen 25 und 90 Prozent. Ebola-Bundibugyo hat mit sch\u00e4tzungsweise <a href=\"https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0399077X1400208X\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">30 bis 50 Prozent<\/a> eine etwas geringere Letalit\u00e4t als etwa Ebola-Zaire. Entscheidend f\u00fcr die \u00dcberlebenschancen des Einzelnen ist eine fr\u00fche unterst\u00fctzende Behandlung, insbesondere Fl\u00fcssigkeits- und Elektrolytgabe sowie die Behandlung von Komplikationen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Es gibt zugelassene <a href=\"https:\/\/www.pei.de\/DE\/arzneimittel\/impfstoffe\/ebola\/ebola-node.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ebola-Impfstoffe,<\/a> allerdings nur gegen das Zaire-Ebolavirus, jene Spezies, die sich bei den <a href=\"https:\/\/www.rki.de\/DE\/Themen\/Infektionskrankheiten\/Infektionskrankheiten-A-Z\/E\/Ebola\/Karte.html?nn=16911056\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">gro\u00dfen Ebola-Ausbr\u00fcchen 2014 und 2018<\/a> verbreitet hat. Gegen das aktuell zirkulierende Bundibugyo-Ebolavirus gibt es derzeit keinen zugelassenen Impfstoff; die Entwicklung entsprechender Impfstoffe befindet sich noch in einem fr\u00fchen Stadium. Ob die bereits gegen Zaire-Ebolavirus zugelassenen Impfstoffe auch gegen Bundibugyo ausreichend sch\u00fctzen, ist derzeit nicht durch belastbare Daten belegt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Am 15. Juli begann au\u00dferdem eine zweite gro\u00df angelegte Studie namens EBO-PEP. Darin wird eine ganz neue Herangehensweise erprobt: Menschen, die direkten Kontakt mit Ebola-Patienten oder Ebola-Toten hatten, erhalten zehn Tage lang zweimal t\u00e4glich das Medikament Obeldesivir. Das soll verhindern, dass bei ihnen die Krankheit ausbricht. Post-Expositions-Prophylaxe oder PEP nennt sich das Prinzip, das zum Beispiel auch bei HIV, Tollwut oder Hepatitis B eingesetzt wird. Obeldesivir wird im K\u00f6rper genau wie Remdesivir  in GS-443902 umgewandelt, aber w\u00e4hrend Remdesivir ebenso wie MBP-134 als Infusion verabreicht wird, wird Obeldesivir oral eingenommen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Sollte die Pille wirklich Ebola verhindern k\u00f6nnen, k\u00f6nnte das die Bek\u00e4mpfung solcher Ausbr\u00fcche grundlegend ver\u00e4ndern, sagt Sprecher. \u00bbDas w\u00e4re ein Durchbruch\u00ab, sagt er.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Es sei \u00bbbemerkenswert, wie schnell diese klinischen Studien nun anlaufen\u00ab, sagt Isaac Bogoch, ein Experte f\u00fcr Infektionskrankheiten am Toronto General Hospital. Und doch: Es wird Monate dauern, bis sie ein Ergebnis liefern. Und selbst wenn eine oder mehrere der Therapien den Test bestehen, werden sie ihre volle Wirkung nur entfalten k\u00f6nnen, falls der Ausbruch bis dahin besser unter Kontrolle ist. Denn jenseits der Forschung hinkt die Bek\u00e4mpfung dem Virus bisher gnadenlos hinterher.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt Auf einer Seite lesen Inhalt Seite 1Sie jagen das Virus schneller als je zuvor. 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