{"id":43755,"date":"2026-07-29T12:34:25","date_gmt":"2026-07-29T12:34:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/43755\/"},"modified":"2026-07-29T12:34:25","modified_gmt":"2026-07-29T12:34:25","slug":"wassernot-in-muenchen-schaut-mal-nach-suedafrika-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/43755\/","title":{"rendered":"Wassernot in M\u00fcnchen? &#8222;Schaut mal nach S\u00fcdafrika&#8220; &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wasserknappheit in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00fcnchen<\/a>? Als Richard Betz im fernen <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/S%C3%BCdafrika\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">S\u00fcdafrika<\/a> neulich die S\u00fcddeutsche Zeitung las, rieb er sich verwundert die Augen. Noch mehr, als er Kommentare auf Facebook zur Verordnung der Stadt M\u00fcnchen sah: Einige Leser \u00e4u\u00dferten dort ihr Unverst\u00e4ndnis \u00fcber das Verbot, den privaten Rasen zu sprengen und den Pool im eigenen Garten nachzuf\u00fcllen. Blumenbeete d\u00fcrfen bis auf Weiteres nur nach 19 Uhr, wenn die sengende Sonne das <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Wasser\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wasser<\/a> nicht mehr sofort verdunsten l\u00e4sst, gegossen werden. Richard Betz, 48, hat in M\u00fcnchen studiert und promoviert, er lehrt Chemie an der Nelson-Mandela-Universit\u00e4t in Port Elizabeth. Seit 13 Jahren lebt er in S\u00fcdafrika. Wassernot kennen die Menschen dort seit vielen Jahren. Sie trifft die Armen viel h\u00e4rter als die Reichen, sagt er.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">SZ: Herr Betz, Sie verfolgen aufmerksam Nachrichten aus M\u00fcnchen. Was dachten Sie, als Sie von der Diskussion \u00fcber das Wassersparen h\u00f6rten?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Richard Betz: Wenn sich Leute schon aufregen, dass sie ihre Swimmingpools nicht mehr neu bef\u00fcllen und ihre Blumenbeete erst nach 19 Uhr gie\u00dfen d\u00fcrfen, dann kann ich nur sagen: Liebe M\u00fcnchner, lasst doch die Kirche im Dorf und schaut mal auf andere Regionen der Welt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Sie waren in Port Elizabeth schon ein paar Mal nahe am Day Zero, dem Tag, an dem \u00fcberhaupt kein Wasser mehr aus der Leitung kommt. Wie werden Sie darauf vorbereitet?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Mein Haus liegt ein paar Hundert Meter vom Strand entfernt. Wenn ich dort spazieren gehe, treffe ich auf digitale Anzeigen mit dem Stand der Wasserpegel. \u201eNoch 45 Tage bis zum Day Zero\u201c hei\u00dft es dann zum Beispiel, es wird heruntergez\u00e4hlt. In der Hochphase der Covid-Pandemie bestand kurzzeitig die Gefahr, dass die ganze Stadt innerhalb von 48 bis 96 Stunden komplett vom Wassernetz getrennt werden muss, weil die Speicher leer sind. Es hat zum Gl\u00fcck vorher geregnet. Aber die Gefahr ist immer da.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Gibt es Verordnungen der Regierung, um den Wasserverbrauch zu drosseln?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\"><a href=\"https:\/\/www.nelsonmandelabay.gov.za\/DataRepository\/Documents\/water-saving-tips-booklet-2023-web_cIWoz.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Es h\u00e4ngen \u00fcberall in der Stadt Poster,<\/a> man solle bitte Wasser sparen: m\u00f6glichst nur 50 Liter pro Kopf und Tag verbrauchen. Mit Vorschl\u00e4gen, wie viel davon f\u00fcr K\u00f6rperpflege, W\u00e4sche waschen, Kochen und so weiter zu verwenden w\u00e4ren. Kein Auto waschen, private Wege fegen statt abspritzen. Auch gibt es Appelle, beim Duschen die ersten paar Liter, die noch kalt sind, in einem Eimer aufzufangen und f\u00fcrs Blumengie\u00dfen oder Geschirrsp\u00fclen zu verwenden. Oder das Wasser, das aus der Waschmaschine kommt, f\u00fcr die Toilettensp\u00fclung nutzen. Und noch einiges mehr.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/22c8ffe6-7d57-4643-8c0f-188596c9e817.jpg\"   alt=\"Mit solchen Plakaten ruft die Verwaltung in Port Elizabeth die Bev\u00f6lkerung zum Wassersparen auf: Mit 50 Litern pro Tag k\u00f6nnte man demnach auskommen\u00a0\u2013 wenn man nur 90 Sekunden duscht.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Mit solchen Plakaten ruft die Verwaltung in Port Elizabeth die Bev\u00f6lkerung zum Wassersparen auf: Mit 50 Litern pro Tag k\u00f6nnte man demnach auskommen\u00a0\u2013 wenn man nur 90 Sekunden duscht. privat<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das sind freiwillige Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ja. Wir haben aber auch gestaffelte Wassertarife: Wer viel verbraucht, zahlt einen h\u00f6heren Liter-Preis. Und wer \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum zu viel Wasser verschwendet, dem wird ein sogenannter Restrictor eingebaut. Der schaltet dann einfach das Wasser bis zum n\u00e4chsten Morgen ab, sobald ein bestimmter Wert \u00fcberschritten ist.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Was ist mit den Swimming Pools, die wohlhabende S\u00fcdafrikaner so lieben?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die sind nat\u00fcrlich auch hier ein Reizthema. Sie d\u00fcrfen aber \u00fcberhaupt nicht mehr mit Leitungswasser bef\u00fcllt werden. Die meisten Poolbesitzer haben deshalb eigene Brunnen bohren lassen, das ist bisher f\u00fcr Privatpersonen nicht reguliert. Oder sie kaufen das Wasser, das dann mit Lastern gebracht wird. Fragen Sie mich nicht, was das kostet, ich wei\u00df es nicht.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Sie haben keinen Pool?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Mein Vermieter hat einen, den darf ich benutzen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/5b9e805a-712f-491a-b82c-5a7ac126534a.jpeg\"   alt=\"Das eigene Schwimmbad im Garten, davon tr\u00e4umen viele. Dabei ist ein privater Swimmingpool nicht immer eine ratsame Investition.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Das eigene Schwimmbad im Garten, davon tr\u00e4umen viele. Dabei ist ein privater Swimmingpool nicht immer eine ratsame Investition. via www.imago-images.de<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wenn sich jeder, der die M\u00f6glichkeit hat, einen Brunnen bohrt, sinkt auf Dauer der Grundwasserspiegel, das ist ja auch keine L\u00f6sung, oder?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Richtig. Aber angesichts der Gefahr, dass bald \u00fcberhaupt kein Wasser mehr aus der Leitung kommt, ist sich halt jeder selbst der N\u00e4chste.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Halten sich die Menschen denn an die Vorgaben zum Wassersparen?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das ist sehr unterschiedlich. Obwohl S\u00fcdafrika so wenig Regen abbekommt und das Problem schon sehr lange bekannt ist, ist der Wasserverbrauch mit aktuell etwa 220 Litern pro Tag pro Person ganz sch\u00f6n hoch.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Den Wert haben die M\u00fcnchner zuletzt an den hei\u00dfen Tagen auch fast erreicht.\u00a0<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In S\u00fcdafrika muss man allerdings wissen: Aufgrund der fr\u00fcheren Apartheid und der immer noch extremen sozialen Unterschiede sind die Ressourcen und der Landbesitz sehr ungleich verteilt. In manchen Townships, in denen die arme Bev\u00f6lkerung lebt, liegt der Verbrauch nur bei zehn bis 40 Litern pro Tag. In dem Mittelklasse-Viertel, in dem ich lebe, liegt er bei 400 Litern und in den Villenvierteln der Superreichen mit Pools und Parks bei mehreren Tausend Litern.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wissen Sie, was Sie selbst verbrauchen?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ich hab es gemessen, es sind ungef\u00e4hr 70 bis 100 Liter pro Tag. Damit liege ich noch deutlich unter dem normalen M\u00fcnchner Durchschnitt. Und unter dem, was mein Grundschullehrer in Bayern uns damals vorrechnete. Er zeigte uns Bilder und Grafiken, wie viel Wasser eine Familie verbraucht. Und ich war schon als Kind sehr beeindruckt zu sehen, wie viel bei einmal baden durch den Abfluss flie\u00dft. Und von den M\u00f6glichkeiten, wo wir \u00fcberall sparen k\u00f6nnen, um die Umwelt zu schonen. Das ist jetzt 40 Jahre her.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Dann sind Sie ja der perfekte Botschafter f\u00fcr das Thema. In S\u00fcdafrika ist jetzt Winter, also Regenzeit. Sind die Speicher voll?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ja. Aber es regnet hier auch im Winter selten. Und wenn es regnet, kann es schnell zu \u00dcberschwemmungen kommen. Port Elizabeth wird von mehreren gro\u00dfen Stauseen versorgt. Es wird t\u00e4glich in den Medien gemeldet, wie voll sie sind. Wenn sie unter 70 Prozent sinken, wird man nerv\u00f6s, weil man ja wei\u00df: Es wird so schnell nicht wieder regnen. Im Moment haben wir die Situation, dass einige Pumpstationen ausgefallen sind. Deshalb werden bestimmte Stadtviertel schon seit Wochen nur mit Tanklastern versorgt. Dort m\u00fcssen sich die Leute mit ihren Kanistern in die Schlange stellen. Das blieb mir bisher zum Gl\u00fcck erspart.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wie gehen die Leute mit so einer Situation um? In Kapstadt wurden im vergangenen Jahr bei dem Wassernotstand Polizei und Milit\u00e4r in Alarmbereitschaft versetzt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ich denke nicht, dass man gro\u00dfe Ausschreitungen bef\u00fcrchtete, es diente wohl eher dazu, f\u00fcr Ordnung zu sorgen. Bei Wahlen gibt es schon mal Proteste gegen Politiker, nach dem Motto: Seit 20 Jahren versprecht ihr uns das Gleiche, und es hat sich immer noch nichts verbessert. Aber im Alltag sind die S\u00fcdafrikaner unglaublich leidensf\u00e4hig und geduldig. Da kommen dann h\u00f6chstens in den sozialen Medien mal so Kommentare wie: Jetzt haben wir schon seit drei Wochen kein Wasser mehr, wann repariert ihr endlich das Pumpwerk? Aber das meiste nimmt man mit einem Schulterzucken hin: Das Leben geht schon irgendwie weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wasserknappheit in M\u00fcnchen? 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