{"id":44476,"date":"2026-08-01T18:44:11","date_gmt":"2026-08-01T18:44:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/44476\/"},"modified":"2026-08-01T18:44:11","modified_gmt":"2026-08-01T18:44:11","slug":"madrid-ceuta-migranten-kehren-enttaeuscht-nach-marokko-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/44476\/","title":{"rendered":"Madrid\/Ceuta: Migranten kehren entt\u00e4uscht nach Marokko zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Aus dem Traum von Europa wurde binnen weniger Stunden bittere Ern\u00fcchterung. \u201eMan hat uns gesagt, in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/spanien\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Spanien<\/a> w\u00fcrden wir aufgenommen. Das stimmte nicht\u201c, h\u00f6rt man immer wieder von den jungen Marokkanern. Viele hatten geglaubt, sie w\u00fcrden in <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/ceuta\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ceuta<\/a> registriert, in Aufnahmezentren untergebracht und man werde ihnen die Weiterreise auf das spanische Festland erlauben. Entsprechende Ger\u00fcchte hatten sich in den vergangenen Tagen rasend schnell \u00fcber soziale Netzwerke in Marokko verbreitet.<\/p>\n<p>Grenzstadt v\u00f6llig \u00fcberfordert      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Stattdessen fanden die Neuank\u00f6mmlinge eine v\u00f6llig \u00fcberforderte Grenzstadt vor. Die wenigen Aufnahmeeinrichtungen Ceutas waren bereits nach kurzer Zeit hoffnungslos \u00fcberf\u00fcllt. Tausende mussten im Freien \u00fcbernachten \u2013 in Parks, auf Gehwegen, an Str\u00e4nden oder zwischen den H\u00fcgeln oberhalb der Stadt. Weil zahlreiche Gesch\u00e4fte, Bars und Superm\u00e4rkte aus Sicherheitsgr\u00fcnden geschlossen blieben, konnten selbst diejenigen kaum Lebensmittel kaufen, die Geld hatten.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eWir gehen zur\u00fcck, weil es nichts zu essen gibt\u201c, erz\u00e4hlt ein junges Ehepaar aus Nordmarokko, das mitsamt einer kleinen Tochter in die Stadt gekommen war. \u201eNiemand hat uns geholfen\u201c, erg\u00e4nzt ein junger Mann namens Mohammed. \u201eMan hat uns erz\u00e4hlt, wir bek\u00e4men Papiere f\u00fcr Spanien. Das war eine L\u00fcge.\u201c<\/p>\n<p>Fast 48.000 Menschen haben Ceuta wieder verlessen      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">So endet die gr\u00f6\u00dfte Migrationswelle, die Ceuta jemals erlebt hat, fast so schnell, wie sie begonnen hatte. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums waren bis Samstag bereits mehr als 48.000 der gesch\u00e4tzt rund 50.000 Menschen, die seit Donnerstag irregul\u00e4r in die spanische Exklave in Nordafrika gelangt waren, wieder nach Marokko zur\u00fcckgekehrt. Keiner von ihnen durfte auf das spanische Festland weiterreisen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In Ceuta herrscht an diesem Samstag eine angespannte Ruhe. Die Grenzstadt versucht, nach dem Schock wieder zur Normalit\u00e4t zur\u00fcckzufinden. Neue Grenz\u00fcbertritte wurden nicht mehr registriert. Die marokkanischen Sicherheitskr\u00e4fte, die ihre Kontrollposten w\u00e4hrend des Massenansturms zeitweise weitgehend ger\u00e4umt hatten, sichern inzwischen wieder die Grenzanlagen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auf spanischer Seite begannen Arbeiter bereits mit einer sichtbaren Konsequenz der Krise: Am Grenzdamm am spanischen Strand El Tarajal wird eine rund 500 Meter lange Bojensperre installiert, die k\u00fcnftig auch im Wasser eine eindeutig erkennbare Grenzlinie markieren soll.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Hintergrund ist ein Urteil des Obersten Gerichtshofs Spaniens, wonach Migranten, die schwimmend nach Ceuta gelangen, nicht unmittelbar zur\u00fcckgewiesen werden d\u00fcrfen, weil sie keine physische Grenzanlage \u00fcberwunden haben. Dieses Urteil, das vor Kurzem bekannt wurde, soll zum Massenansturm irregul\u00e4rer Immigranten aus Marokko beigetragen haben \u2013 die meisten kamen \u00fcbers Meer. Mit den Bojen will <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/madrid\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Madrid<\/a> diese rechtliche L\u00fccke nun schlie\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Vor der K\u00fcste suchen Polizeitaucher weiter nach Vermissten. Immer wieder bergen sie Leichen aus dem Wasser rund um den Grenzdamm. Im Laufe des Samstags stieg die Zahl der Todesopfer nach Angaben des spanischen Innenministeriums auf 67. Sie waren beim Versuch ertrunken, die wenigen Hundert Meter bis zur spanischen K\u00fcste schwimmend zur\u00fcckzulegen. Es ist die t\u00f6dlichste Migrationskatastrophe, die sich jemals an dieser Grenze ereignet hat.<\/p>\n<p>Langsam kehrt der Alltag zur\u00fcck      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die Stra\u00dfen Ceutas beginnen sich derweil langsam zu leeren. Wo noch am Freitag Tausende junge M\u00e4nner orientierungslos umherirrten, kehrt langsam der Alltag zur\u00fcck. Doch die Spuren des Ausnahmezustands sind noch \u00fcberall sichtbar. M\u00fcllberge t\u00fcrmen sich auf Gehwegen und in Parks. Leere Konservendosen, Joghurtbecher, Plastikt\u00fcten und Kleidungsreste liegen verstreut zwischen den Palmen. Reinigungstrupps versuchen wieder Ordnung herzustellen. Viele Gesch\u00e4fte und Restaurants der Stadt blieben auch am Samstag geschlossen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auch auf der marokkanischen Seite hinterlie\u00df die Massenbewegung ein Bild des Chaos. Tausende R\u00fcckkehrer strandeten in der marokkanischen Grenzstadt Castillejos. Viele suchten dort nach einem Bus oder Taxi in ihre Heimatorte. Auch hier blieben aus Angst vor Ausschreitungen zahlreiche Gesch\u00e4fte und Restaurants geschlossen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Die spanische Regierung wertet den R\u00fcckstrom der Immigranten als Zeichen daf\u00fcr, dass die mit Marokko ausgehandelten Ma\u00dfnahmen Wirkung zeigen. Madrid und Rabat hatten die rasche R\u00fcckf\u00fchrung der irregul\u00e4ren Einwanderer vereinbart. Spaniens Innenministerium betonte, kein einziger der Migranten habe Ceuta in Richtung spanisches Festland verlassen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Gleichzeitig vermied Spaniens Ministerpr\u00e4sident Pedro S\u00e1nchez jede \u00f6ffentliche Konfrontation mit Rabat. Zu wichtig ist f\u00fcr Spanien die Kooperation mit dem s\u00fcdlichen Nachbarn bei der Sicherung der europ\u00e4ischen Au\u00dfengrenze. Statt Vorw\u00fcrfe zu erheben, lobte er die inzwischen wieder funktionierende Zusammenarbeit mit den marokkanischen Beh\u00f6rden und machte vor allem Schleusernetzwerke f\u00fcr die Massenbewegung verantwortlich.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Warum es \u00fcberhaupt zu dem beispiellosen Massenansturm kommen konnte, ist allerdings auch nach dem Abflauen der Krise nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt. Nach Darstellung der spanischen Regierung nutzten die Schleuser das Urteil des Obersten Gerichtshofs in Madrid gezielt aus. Das Gericht hatte Anfang Juli die sofortige Zur\u00fcckweisungen von Migranten, die \u00fcbers Meer nach Ceuta gelangen, ausgeschlossen. In den sozialen Netzwerken Marokkos wurde daraus das Ger\u00fccht, dass jeder, der schwimmend spanischen Boden erreiche, automatisch Aufenthaltspapiere bekomme.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Dass sich dann innerhalb von 24 Stunden rund 50.000 Menschen von Marokko aus auf den Weg nach Ceuta machen konnten, l\u00e4sst sich damit allein kaum erkl\u00e4ren. Auch in der spanischen Regierung wird intern einger\u00e4umt, dass ein solcher Ansturm ohne die zumindest zeitweilige Passivit\u00e4t der marokkanischen Sicherheitskr\u00e4fte kaum m\u00f6glich gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">B\u00f6se Zungen behaupten, dass die Eskalation an der marokkanisch-spanischen Grenze in Ceuta durchaus von Marokko gewollt war. Die F\u00fchrung des nordafrikanischen Landes bezeichnet Ceuta und die etwa 400 Kilometer entfernte Schwesterstadt <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/melilla\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Melilla<\/a> an der marokkanischen K\u00fcste als \u201ebesetzte Gebiete\u201c und erhebt schon l\u00e4nger Anspruch auf diese spanischen Territorien. Spanien weist den marokkanischen Besitzanspruch zur\u00fcck mit der Erkl\u00e4rung, dass Melilla und Ceuta jahrhundertelang zu Spanien geh\u00f6ren.  <\/p>\n<p>Strategischer Wert f\u00fcr Spanien      <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Beide St\u00e4dte, die f\u00fcr Spanien als \u201eTor zu Afrika\u201c und zur Kontrolle des Mittelmeeres gro\u00dfen strategischen Wert haben, sind Reste der europ\u00e4ischen Kolonialpolitik. Melilla wurde vor \u00fcber 500 Jahren durch Spanien von den Arabern erobert und geh\u00f6rt seitdem zur spanischen Krone. Ceuta wurde im Mittelalter zun\u00e4chst durch die Portugiesen eingenommen und fiel im 16. Jahrhundert zusammen mit <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/portugal\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Portugal<\/a> an Spanien.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In beiden Garnisonsst\u00e4dten, die in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder gegen arabische Angriffe verteidigt wurden, leben heute jeweils ann\u00e4hernd 84.000 Einwohner. Doch der kulturelle Einfluss der arabischen Nachbarn ist deutlich sp\u00fcrbar: Ein Drittel der Bewohner in Ceuta wie in Melilla sind islamischen Glaubens. Auch die Wirtschaft der beiden spanischen Vorposten, die zur EU geh\u00f6ren, ist vom marokkanischen Nachbarn abh\u00e4ngig. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Aus dem Traum von Europa wurde binnen weniger Stunden bittere Ern\u00fcchterung. \u201eMan hat uns gesagt, in Spanien w\u00fcrden&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":44477,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[10],"tags":[1615,17016,17167,17168,10883,6705,95,1074,96,17169,1544,17054,17166,17057],"class_list":["post-44476","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-marokko","tag-ceuta","tag-exklave","tag-grenzstadt","tag-immigranten","tag-madrid","tag-marokkanisch","tag-marokko","tag-migranten","tag-morocco","tag-nordmarokko","tag-spanien","tag-spanische","tag-spanischen","tag-spanischer"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/117021734496451257","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44476","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=44476"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44476\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/44477"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=44476"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=44476"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=44476"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}