{"id":44696,"date":"2026-08-03T10:02:07","date_gmt":"2026-08-03T10:02:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/44696\/"},"modified":"2026-08-03T10:02:07","modified_gmt":"2026-08-03T10:02:07","slug":"ist-das-ende-der-wuestenloewen-gekommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/44696\/","title":{"rendered":"Ist das Ende der W\u00fcstenl\u00f6wen gekommen?"},"content":{"rendered":"<p>Matto Barfuss filmt die W\u00fcstenl\u00f6wen seit 2018. Schon zu Beginn der ersten Film-Exkursionen war er wenig optimistisch, denn es gab schon damals nur ein sehr fragiles Rudel sowie einzelne L\u00f6wen weit verbreitet in einem unvorstellbar weitl\u00e4ufigem Gebiet.<\/p>\n<p>Aktuell gibt es noch f\u00fcnf bis maximal zehn wirkliche W\u00fcstenl\u00f6wen. Da diese L\u00f6wen sich noch dazu verwandtschaftlich sehr nahe stehen und auch kein intaktes Rudel mehr vorhanden ist, muss man davon ausgehen, dass die W\u00fcstenl\u00f6wen in sehr naher Zeit Geschichte werden.<\/p>\n<p>Sehr still ist es nun auch um das W\u00fcstenl\u00f6wen-Schutzprojekt des Wissenschaftlers Dr. Philip Stander geworden. Auf der Homepage der Organisation enden die Sichtungsreports Ende 2024. Dr. Philip Stander stattete nahezu alle noch vorhandenen W\u00fcstenl\u00f6wen mit GPS-f\u00e4higen Halsb\u00e4ndern aus. Ziel war es, nicht nur die Wanderungen der L\u00f6wen aufzuzeichnen, sondern eine Art Fr\u00fchwarnsystem aufzubauen, sollten die L\u00f6wen sich zu nahe an menschliche Siedlungen ann\u00e4hern.<\/p>\n<p>Hauptproblem sind n\u00e4mlich die Konflikte mit Farmern. Es ist ein rein nat\u00fcrlicher Mechanismus, dass L\u00f6wen an Vieh herangehen. Aus ihrer Sicht sind das gehandicapte Tiere, die prim\u00e4r gejagt bzw. ausgesondert werden m\u00fcssen. Das ist ein angeborenes Verhaltensmuster.<\/p>\n<p>W\u00fcstenl\u00f6wen sind hochspezialisiert. Sie bleiben lange mit der Mutter, denn nur ein perfekt ausgebildeter L\u00f6we hat eine Chance, in einem so kargen Lebensraum zu \u00fcberleben. Die L\u00f6wen leben von Tieren, die weitestgehend ohne Wasser auskommen. Giraffen, Oryxe und Springb\u00f6cke sind die wichtigsten Beutetiere. Letztlich muss aber alles versucht werden. Deshalb jagen sie auch an der Atlantikk\u00fcste in einer Robbenkolonie.<\/p>\n<p>Wichtig f\u00fcr die L\u00f6wen ist aber genauso ein intaktes Rudel, das in Notsituationen einem Individuum auch ein sozialen Netz bietet. Kranke oder sehr alte L\u00f6wen werden vom Rudel mit versorgt. Dieser R\u00fcckhalt ist eigentlich im Laufe der Jahre 2023 und 2024 verloren gegangen. Bis Ende 2022 filmte Matto Barfuss noch ein kleines Rudel, in dem Ende 2020 vier neuen Babys geboren wurden. Von diesen \u00fcberlebten zwei. Eine L\u00f6win aus dem Rudel, n\u00e4mlich die Schwester der Mutter, zog schlie\u00dflich mit dem verbliebenen Nachwuchs Richtung Atlantikk\u00fcste. Ihre sichtlich alternde Schwester blieb in einem W\u00fcstental zur\u00fcck.<\/p>\n<p>2024 im Juni erlegte diese L\u00f6win allein eine fast ausgewachsenen Giraffe. &#8222;Ich dachte mir, oh, M\u00e4dchen deine Z\u00e4hne sind nicht mehr gut&#8220;, erz\u00e4hlt Matto Barfuss. &#8222;Mir war klar, dass sie ohne Rudel nicht mehr lange \u00fcberleben w\u00fcrde, denn sie baute in jeglicher Hinsicht stark ab.&#8220;<\/p>\n<p>2025 erlangte diese L\u00f6win dann eine traurige Ber\u00fchmtheit. Anfang Juni t\u00f6tete sie einen namibischen Unternehmer, der ironischerweise das W\u00fcstenl\u00f6wen-Projekt \u00fcber viele Jahre sehr aktiv sponserte. Was war passiert? Die L\u00f6win war am Verhungern. In dieser Situation lauerte sie ihrem Opfer auf, als der fr\u00fchmorgens gegen vier Uhr vom Dachzelt seines Gel\u00e4ndewagens herunterkletterte. Sie brach ihm das Genick. Er war auf der Stelle tot. Nachdem die L\u00f6win am darauffolgenden Tag in einem nahegelegenen Zeltcamp eindrang, wurde sie schlie\u00dflich Stunden sp\u00e4ter geschossen.<\/p>\n<p>Aktuell passieren sehr paradoxe Dinge in Namibia. Dort braucht man die W\u00fcstenl\u00f6wen als Marketing f\u00fcr Tourismus. Wohl aus diesem Grund werden nun auch L\u00f6wen vom Etoshapark als W\u00fcstenl\u00f6wen bezeichnet, was per Definition falsch ist. Alle diese L\u00f6wen leben in maximal semi-ariden Gebieten und k\u00f6nnten in der W\u00fcste an der Skelettk\u00fcste nicht \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Der Etoshapark-Nationalpark ist knapp 23.000 Quadratkilometer gro\u00df. Als in den siebziger Jahren im Norden Namibias Siedlungen f\u00fcr die einheimische Bev\u00f6lkerung errichtet wurden, hat man den Park mit einem circa 850 Kilometer langen Zaun eingez\u00e4unt, und zwar sogar &#8222;elefantensicher&#8220;. Nun ist der Zaun nahezu nicht mehr existent. Die L\u00f6wen und auch Elefanten wandern folgerichtig auch ins Umland.<\/p>\n<p>Da die Farmer mit dieser neuen Situation nicht umgehen k\u00f6nnen und keine geeigneten Ma\u00dfnahmen kennen, sich effektiv vor Schaden zu sch\u00fctzen, kursieren nun seit einiger Zeit die Meldungen und Behauptungen, dass im Nordwesten Namibias viel zu viele &#8222;W\u00fcstenl\u00f6wen&#8220; leben. Farmer appellierten in einem Treffen mit dem Umweltminister vor wenigen Tagen, L\u00f6wenbest\u00e4nde zu reduzieren. Dabei wird nun offiziell falsch (!)) kommuniziert, dass es sich dabei um W\u00fcstenl\u00f6wen handelt.<\/p>\n<p>Die Jagdverb\u00e4nde machen sich diese Propaganda ebenso zu eigen und fordern mehr Absch\u00fcsse f\u00fcr Troph\u00e4enjagd. Angesichts der Tatsache, dass die L\u00f6wenbest\u00e4nde in Afrika seit den 1960er Jahren um mehr als 95 Prozent zur\u00fcck gegangen sind, ist das nat\u00fcrlich eine fatale und zumindest einseitig opportunistische Kampagne gegen L\u00f6wen. F\u00fcr die W\u00fcstenl\u00f6wen ist das auf jeden Fall der ber\u00fchmt- ber\u00fcchtigte Sargnagel.<\/p>\n<p>Namibia muss sich nun entscheiden, ob es nachhaltigen Tourismus in den Fokus setzt. Touristen erwarten nicht nur tolle Landschaften, sondern L\u00f6wen geh\u00f6ren als Symboltiere f\u00fcr den Kontinent mit dazu. Die W\u00fcstenl\u00f6wen sind nicht mehr zu retten. Aber deren nahe verwandte in der semi-ariden Nachbarschaft k\u00f6nnten dem Nordwesten des Landes eine langfristige Perspektive geben. Sie sind auf jeden Fall ein h\u00f6herer wirtschaftlicher Faktor als die dort ans\u00e4ssigen Farmbetriebe. Es besteht aber dringender Handlungsbedarf, das mit tragf\u00e4higen Konzepten zu unterlegen.<\/p>\n<p>Die Matto Barfuss Stiftung arbeitet mit dem Projekt &#8222;Bildung f\u00fcr Artenschutz&#8220; daran, Mensch-Tierkonflikte auf dem Bildungsweg einzud\u00e4mmen und Konzepte zu unterst\u00fctzen, Wildlife nachhaltig als wirtschaftlichen Wert zu etablieren.<\/p>\n<p>Weitere Infos: http:\/\/www.matto-barfuss.com<\/p>\n<p>(Ende)<\/p>\n<p>Aussender: Matto Barfuss Stiftung Ansprechpartner: Matto Barfuss Tel.: +49 7844 911456 E-Mail: mail@matto-barfuss.de Website: www.matto-barfuss-stiftung.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Matto Barfuss filmt die W\u00fcstenl\u00f6wen seit 2018. 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