{"id":44794,"date":"2026-08-04T02:26:31","date_gmt":"2026-08-04T02:26:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/44794\/"},"modified":"2026-08-04T02:26:31","modified_gmt":"2026-08-04T02:26:31","slug":"ceuta-krise-war-der-massenansturm-aus-marokko-orchestriert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/44794\/","title":{"rendered":"Ceuta-Krise: War der Massenansturm aus Marokko orchestriert?"},"content":{"rendered":"<p>Die Migrationskrise in Ceuta begann sich bereits am vergangenen <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/07\/30\/migrationskrise-ceuta\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mittwoch<\/a> abzuzeichnen. Am Donnerstag eskalierte die Lage, als Zehntausende Menschen illegal in die spanische Exklave str\u00f6mten. Daraufhin entsandte die Regierung die Armee. <\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Nach Angaben der staatlichen Sicherheitskr\u00e4fte \u00fcberquerten mehr als 70.000 Menschen von Marokko aus die Grenze nach <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/tag\/ceuta\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ceuta<\/a>. Es war der gr\u00f6\u00dfte dokumentierte Massenzustrom von Migranten auf spanisches Hoheitsgebiet. Aufnahmen zeigen Tausende Menschen, die zur autonomen Stadt schwimmen, an Wellenbrechern entlanglaufen oder \u00fcber steiles Gel\u00e4nde hinabklettern. <\/p>\n<p>Der Zustrom f\u00fchrte zu chaotischen Szenen. Polizei, Milit\u00e4r und Hilfsorganisationen mussten im Eiltempo zus\u00e4tzliche Kr\u00e4fte mobilisieren. Viele der Menschen, die die Grenze \u00fcberquerten, kehrten nach einigen Stunden nach Marokko zur\u00fcck, weil es in Ceuta an Unterk\u00fcnften und grundlegender Versorgung fehlte. B\u00fcrger berichten jedoch, dass noch immer Hunderte Menschen in der Stadt ausharren. <\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident von Ceuta, Juan Jes\u00fas Vivas, \u00fcbte scharfe Kritik und forderte eine Reform des Ausl\u00e4nderrechts, um schnelle R\u00fcckf\u00fchrungen von Menschen zu erm\u00f6glichen, die schwimmend die Grenze \u00fcberwinden. Spanien und Marokko erzielten in Rekordzeit eine <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/reel\/DbbAJAwEljr\/?utm%5Fsource=ig%5Fweb%5Fcopy%5Flink&amp;igsh=NTc4MTIwNjQ2YQ==\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Vereinbarung<\/a>, um in der Notlage die R\u00fcckf\u00fchrungen zu beschleunigen \u2013 in einer Stadt mit kaum 80.000 Einwohnern.<\/p>\n<p>Die spanische Regierung und die marokkanischen Beh\u00f6rden machen <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/08\/03\/ceuta-marokko-spanien-opferzahl\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ger\u00fcchte<\/a> in sozialen Netzwerken f\u00fcr die Massenbewegung verantwortlich. Demnach habe sich die Behauptung verbreitet, ein j\u00fcngstes Urteil des Obersten Gerichtshofs verbiete sofortige R\u00fcckf\u00fchrungen. Zudem verweisen beide Seiten auf das Vorgehen von Schleuserbanden. Rabat fasste die Lage mit den Worten zusammen: &#8222;Mafias, Desinformation und Missverst\u00e4ndnisse&#8220;. <\/p>\n<p>Beide Seiten liefern jedoch keine \u00fcberzeugende Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, warum die marokkanischen Sicherheitskr\u00e4fte nach Berichten aus der Region zun\u00e4chst gro\u00dfe Gruppen ungehindert bis an die Grenze vorr\u00fccken lie\u00dfen. Ebenso bleibt offen, wie Tausende Menschen aus Casablanca, Rabat, Tanger und Marrakesch in den Norden gelangen konnten, ohne dass Zufahrten oder Verkehrswege gesperrt wurden. Das anf\u00e4ngliche Verhalten der marokkanischen Beamten \u2013 sie stoppten den Zustrom erst Stunden sp\u00e4ter, offenbar infolge einer politischen Entscheidung \u2013 n\u00e4hrt den Verdacht einer gesteuerten Aktion. <\/p>\n<p>Die Massenbewegung begann am 30. Juli, dem Tag der Thronbesteigung von Mohammed VI. und dem marokkanischen Nationalfeiertag. Die Zeitung New York Times zitierte mehrere junge Marokkaner, die schilderten, wie Beh\u00f6rden sie ausdr\u00fccklich zum Grenz\u00fcbertritt in die spanische Exklave ermuntert h\u00e4tten. &#8222;Alaoui, 26 Jahre alt, berichtete, dass ihre Gruppe kurz vor der Grenze am Donnerstag von Beamten der marokkanischen Polizei gezielt in die richtige Richtung geschickt wurde. Sie wiederholten immer wieder: &#8218;Geh da entlang, geh da entlang'&#8220;, schreibt das US-Medium.<\/p>\n<p>Marokkanische Geheimdienstagenten unter den Grenz\u00fcberquerenden<\/p>\n<p>Abseits der offiziellen Darstellungen liefert die Auswertung der W\u00e4rmebild- und Hochleistungskameras, die an den Molen und am Grenzzaun von Ceuta installiert sind, einen entscheidenden Hinweis. Nach einem Bericht von El Espa\u00f1ol zeigen die Aufnahmen der Guardia Civil, dass sich Agenten des marokkanischen Nachrichtendienstes gezielt unter die Menschenmassen mischten, die die Grenzkontrollen \u00fcberwanden. <\/p>\n<p>Analysten der Guardia Civil identifizierten mehrere Geheimdienstmitarbeiter, die vor Ort in Zivil unterwegs waren. Sie bewegten sich inmitten der Menschen, lotsten sie, sammelten Informationen und koordinierten den Grenz\u00fcbertritt visuell.<\/p>\n<p>Dieser Befund spricht gegen die These eines rein spontanen Ph\u00e4nomens, das allein durch Ger\u00fcchte in sozialen Netzwerken ausgel\u00f6st wurde. Vielmehr deutet er darauf hin, dass staatliche Geheimdienste bei der Aktion eine Rolle gespielt haben. <\/p>\n<p>Die spanischen Nachrichtendienste hatten die Regierung zudem bereits Tage zuvor vor einer sich anbahnenden Krise in Ceuta <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/08\/02\/ceuta-geheimdienst-warnte-spaniens-regierung?utm%5Fsource=microsoft&amp;utm%5Fcampaign=feeds%5Feurope&amp;utm%5Fmedium=referral\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">gewarnt<\/a> \u2013 ausgerechnet zum Zeitpunkt der marokkanischen Thronfeier. Innenminister Fernando Grande-Marlaska h\u00e4lt dennoch an der Linie der Zentralregierung fest. Er bezeichnet Marokko weiterhin als \u201everl\u00e4sslichen Partner\u201c und weist entsprechende Warnungen zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Wer zieht in Marokko die F\u00e4den?<\/p>\n<p>Nach Informationen der spanischen Zeitung The Objective, die sich auf marokkanische Quellen mit Einblick in die Machtstrukturen des K\u00f6nigreichs beruft, gilt Fouad Ali El Himma als m\u00f6glicher Drahtzieher. In bestimmten Kreisen wird er als &#8222;Vizek\u00f6nig&#8220; Marokkos bezeichnet. El Himma ist seit der gemeinsamen Zeit am K\u00f6niglichen Kolleg ein enger Berater und Vertrauter von K\u00f6nig Mohammed VI. Er war zudem hoher Beamter im Innenministerium und gr\u00fcndete 2008 die Partei Authentizit\u00e4t und Modernit\u00e4t (PAM). Nach dieser Lesart nutzte El Himma die Migrationskrise mit einem doppelten Ziel: Er wollte die Regierung von Aziz Akhannouch schw\u00e4chen, der bei den Wahlen im September nicht mehr antritt, und zugleich die Position der PAM mit Blick auf den Urnengang am 23. September st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Der Zeitpunkt w\u00e4re demnach bewusst gew\u00e4hlt worden. Mohammed VI. hielt seine Rede zum 27. Jahrestag seiner Thronbesteigung am Mittwochabend und zeichnete das Bild eines stabilen und erfolgreichen Landes. Wenige Stunden sp\u00e4ter versuchten Tausende Marokkaner, \u00fcber Ceuta das Land zu verlassen.<\/p>\n<p>Der Kontrast zwischen der offiziellen Ansprache und den Bildern an der Grenze w\u00e4re aus dieser Perspektive die eigentliche Botschaft der Operation. Das Beispiel aus dem Jahr 2021 st\u00fctzt diese Hypothese. Damals gelangten rund 10.000 Menschen nach Ceuta, nachdem marokkanische Sicherheitskr\u00e4fte die Grenz\u00fcberwachung w\u00e4hrend einer diplomatischen Krise gelockert hatten. Ausl\u00f6ser war die Behandlung des Anf\u00fchrers der Polisario-Front, Brahim Ghali, in einem spanischen Krankenhaus. Die damalige Aktion zeigte, dass Rabat den Migrationsdruck gezielt erh\u00f6hen und wieder verringern kann \u2013 als politisches Druckmittel.<\/p>\n<p>Migration als Druckmittel: Rolle von Pedro S\u00e1nchez im Verh\u00e4ltnis zu Marokko<\/p>\n<p>Spanien erlebt seit Jahren Spannungen an seiner S\u00fcdgrenze. Die Ceuta-Krise l\u00e4sst sich jedoch nur vor dem Hintergrund der wechselvollen Geschichte von Zugest\u00e4ndnissen und Konflikten zwischen Madrid und Rabat sowie der Auseinandersetzungen zwischen der Regierung von Pedro S\u00e1nchez und europ\u00e4ischen Partnern \u00fcber die Migrationspolitik verstehen. 2022 erkannte S\u00e1nchez den marokkanischen Autonomieplan f\u00fcr die Westsahara an, den auch die USA unterst\u00fctzen. <\/p>\n<p>Damit vollzog Spanien einen historischen Kurswechsel gegen\u00fcber seiner bisherigen neutralen Haltung. In Rabat wurde der Schritt gefeiert, in Spanien hingegen scharf kritisiert \u2013 sowohl von der Polisario als auch von Teilen der Regierungskoalition. Hinzu kommt die von der spanischen Regierung vorangetriebene weitreichende Legalisierung von Migranten. Sie hat einen offenen Konflikt mit 22 EU-Staaten ausgel\u00f6st. Deren Staats- und Regierungschefs unterzeichneten einen <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/08\/01\/22-eu-staats-regierungschefs-krisentreffen-ceuta\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Brief<\/a>, in dem sie diese Politik ausdr\u00fccklich mit dem sogenannten Pull-Faktor und der Krise in Ceuta in Verbindung bringen. Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni begr\u00fcndete das Schreiben mit den Worten, &#8222;die Verteidigung der Grenzen ist eine gemeinsame Verantwortung&#8220;. <\/p>\n<p>Italien hatte erst in der vergangenen Woche <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/07\/31\/ceuta-migration-krise-italien-schengen-abkommen-spanien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">strengere Schengen-Kontrollen<\/a> f\u00fcr Nicht-EU-B\u00fcrger eingef\u00fchrt, die aus Spanien einreisen. Bemerkenswert ist zudem, dass die Europ\u00e4ische Union anbot, die Europ\u00e4ische Grenz- und K\u00fcstenwache Frontex in Ceuta einzusetzen. Die spanische Regierung lehnte dies trotz der dramatischen Lage ab. Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen begr\u00fc\u00dfte die R\u00fcckkehr der meisten Migranten nach Marokko. Die Spannungen zwischen Madrid und Br\u00fcssel bleiben jedoch bestehen. <\/p>\n<p>Pedro S\u00e1nchez schickte einen <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/08\/01\/ceuta-sanchez-eu-staaten-von-der-leyen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Brief nach Br\u00fcssel<\/a>, in dem er die &#8222;mangelnde Solidarit\u00e4t&#8220; einiger EU-Partner kritisiert. Die Verantwortung Marokkos f\u00fcr die Krise erw\u00e4hnt er darin nicht. Der sozialistische Regierungschef forderte zudem eine eilige Videokonferenz der Innenminister aller Mitgliedstaaten.<\/p>\n<p>Washingtons Rolle im Hintergrund<\/p>\n<p>Wenige Tage vor der Ceuta-Krise richtete US-Pr\u00e4sident Donald Trump anl\u00e4sslich des marokkanischen Thronfests eine Botschaft an K\u00f6nig Mohammed VI. <\/p>\n<p>Darin bekr\u00e4ftigte er die Anerkennung der marokkanischen Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber die Westsahara durch die USA und bezeichnete den marokkanischen Autonomieplan als &#8222;die einzige Grundlage f\u00fcr eine gerechte und dauerhafte L\u00f6sung&#8220;. Die Erkl\u00e4rung erfolgte kurz nachdem Marokko eine seiner wichtigsten Autobahnen nach dem US-Pr\u00e4sidenten benannt hatte.<\/p>\n<p>Im April 2026 billigte eine Kommission des US-Kongresses einen Haushaltsentwurf mit einer unverbindlichen Empfehlung. Darin wird das US-Au\u00dfenministerium aufgefordert, eine Debatte \u00fcber Ceuta und Melilla zu er\u00f6ffnen, da die beiden Exklaven laut dem Text &#8222;auf marokkanischem Gebiet&#8220; l\u00e4gen. Der Vorschlag erhielt 35 Ja-Stimmen \u2013 allesamt von Republikanern \u2013 und 27 Nein-Stimmen.<\/p>\n<p>Der republikanische Abgeordnete Thomas Massie war der einzige Vertreter seiner Partei, der gegen den Haushaltsentwurf mit der Passage zu Ceuta und Melilla stimmte. Auf der Plattform X warnte Massie seine Parteikollegen davor, &#8222;in falsche Emp\u00f6rung \u00fcber die Migrationskrise&#8220; zu verfallen. <\/p>\n<p>Er erinnerte sie daran, dass sie selbst wenige Wochen zuvor f\u00fcr diese symbolische Souver\u00e4nit\u00e4ts\u00fcbertragung gestimmt hatten. Die fr\u00fchere Abgeordnete Marjorie Taylor Greene formulierte ihre Kritik noch drastischer: &#8222;Die Republikaner haben 40 Millionen Dollar an Steuergeldern an Marokko gezahlt, damit es Spanien \u00fcberf\u00e4llt. Und dann gaben sie vor, Grenzschutz sei ihnen wichtig.&#8220;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Ceuta-Krise nutzte die Trump-Regierung ihren <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/07\/31\/migrantenkrise-trump-ceuta-invasion\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Einfluss<\/a>, um vor den Risiken illegaler Migration zu warnen und Gesetze zu kritisieren, die den Zustrom von Migranten ihrer Ansicht nach nicht ausreichend eind\u00e4mmen. Sie machte die \u201eextreme Linke\u201c f\u00fcr die Lage verantwortlich. Zu den wenigen Stimmen, die ausdr\u00fccklich auf die Verantwortung Marokkos verwiesen, geh\u00f6rte die republikanische Abgeordnete Anna Paulina Luna.<\/p>\n<p>Die Ann\u00e4herung der Republikanischen Partei an Marokko folgt nach <a href=\"https:\/\/x.com\/alandete\/status\/2083958020116013443?s=46&amp;t=de1hEzS1%5F3ghURDpQrmqiQ\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow\">Einsch\u00e4tzung<\/a> des Journalisten David Alandete einer klaren strategischen Logik: Rabat zeigt sich bereit, nahezu alles zu tun, um seine Beziehungen zu Washington zu vertiefen. Dazu z\u00e4hlen die Anerkennung Israels, die Nutzung des Hafens von Tanger f\u00fcr Waffentransporte, die Benennung einer Stra\u00dfe in der Westsahara nach Donald Trump sowie eine enge milit\u00e4rische Zusammenarbeit. <\/p>\n<p>Gleichzeitig gilt die Regierung von Pedro S\u00e1nchez seit 2018 als schwieriger Partner f\u00fcr Washington. Die Beziehungen sind von Konflikten \u00fcber den Gaza-Krieg, die Verteidigungsausgaben innerhalb der NATO und die Anerkennung Pal\u00e4stinas gepr\u00e4gt. Nach Alandete ist in Washington unbestritten, dass Marokko irregul\u00e4re Migration regelm\u00e4\u00dfig als Druckmittel einsetzt. Der politische Wille, S\u00e1nchez gegen\u00fcber Rabat in dieser Frage zu unterst\u00fctzen, fehle jedoch. <\/p>\n<p>Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie unterschiedlich spanische Regierungen auf marokkanischen Druck reagierten: 1967 warnte Diktator Francisco Franco in einem Brief an US-Pr\u00e4sident Lyndon B. Johnson vor den Folgen einer Aufr\u00fcstung Marokkos. Er bezeichnete das Land als &#8222;aggressive und destabilisierende Nation&#8220;. Jahrzehnte sp\u00e4ter reagierte Adolfo Su\u00e1rez auf marokkanische Drohungen, Ceuta und Melilla zu annektieren, mit einer direkten Warnung: &#8222;Du wei\u00dft, dass wir Rabat in 48 Stunden bombardieren k\u00f6nnten.&#8220; Zwei sehr unterschiedliche Ans\u00e4tze im Umgang mit dem Druck des s\u00fcdlichen Nachbarn \u2013 und ein deutlicher Kontrast zur heutigen Regierungslinie.<\/p>\n<p>Gibraltar als Schl\u00fcssel: Geopolitische Hypothese zum Kampf um die Meerenge<\/p>\n<p>Mehrere europ\u00e4ische Geopolitik-Experten, darunter der Franzose Laurent Ozon (Quelle auf Spanisch) und der Historiker \u00c9douard Husson, <a href=\"https:\/\/x.com\/LaurentOzon\/status\/2083712780738179337?s=20\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow\">pl\u00e4dieren<\/a> seit einigen Tagen f\u00fcr eine breitere Sicht auf die Ceuta-Krise \u2013 \u00fcber Migration und interne Machtk\u00e4mpfe in Marokko hinaus. Ihre zentrale These: Der Golf von Hormus steht infolge des Konflikts zwischen Israel und Iran unter Spannung, w\u00e4hrend auch das Rote Meer und der Suezkanal zunehmend unter Druck geraten. <\/p>\n<p>In dieser Lage gewinnt die <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/07\/15\/gibraltars-grenzzaun-verschwindet-300-jahre-geschichte\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Meerenge von Gibraltar<\/a> \u2013 deren Hoheitsgew\u00e4sser vollst\u00e4ndig zu Spanien geh\u00f6ren, da sie im Vertrag von Utrecht nicht abgetreten wurden \u2013 au\u00dfergew\u00f6hnliche strategische Bedeutung. Sie ist der einzige sichere Zugang zum Mittelmeer f\u00fcr den internationalen Schiffsverkehr. Nach dieser Lesart wollen die USA und Israel einen alternativen Korridor \u00fcber Marokko sichern, der nicht von Spanien und damit auch nicht von europ\u00e4ischen B\u00fcndnisstrukturen abh\u00e4ngt. Ceuta w\u00e4re in diesem Szenario ein Schl\u00fcsselpunkt: Mit der Kontrolle \u00fcber die Stadt k\u00f6nnte Rabat \u2013 als Stellvertreter der Achse Washington\u2013Tel Aviv \u2013 Spaniens Hoheit \u00fcber den Zugang zum Mittelmeer infrage stellen. <\/p>\n<p>Ozon betont zudem, dass europ\u00e4ische Rechtsparteien mit einer harten Anti-Migrationslinie sowie bestimmte Medien de facto dazu beitragen k\u00f6nnten, Spanien zu isolieren, indem sie die Debatte auf die spanische Migrationspolitik verengen. Dadurch w\u00fcrden sie die gemeinsamen europ\u00e4ischen Interessen am Erhalt der spanischen Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber Ceuta ausblenden. Diese Hypothese wird derzeit in Teilen geopolitischer Kreise Europas intensiv diskutiert. <\/p>\n<p>Offizielle Dokumente, die sie belegen, gibt es allerdings nicht. Sie ist daher als Interpretationsrahmen einzelner Analysten zu verstehen. Fest steht hingegen, dass Marokko derzeit Milliardenbetr\u00e4ge in den Bau von Stadien f\u00fcr die Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft 2030 investiert, die Spanien und Marokko unter der F\u00fchrung der Regierung S\u00e1nchez gemeinsam ausrichten werden. Zugleich sehen sich viele Marokkaner gezwungen, an fremden Grenzen ihr Gl\u00fcck zu suchen, \u201eum ein besseres Leben zu erreichen\u201c. Das Alaouitenreich \u00fcbt seit Jahren systematischen Migrationsdruck auf die spanischen Grenzen aus und nutzt diesen regelm\u00e4\u00dfig als diplomatisches Druckmittel.<\/p>\n<p>Ceuta-Krise vorerst beendet, Konflikt bleibt<\/p>\n<p>Die Ceuta-Krise ist kein isoliertes Ereignis. Sie reiht sich in eine Entwicklung ein, zu der der Pr\u00e4zedenzfall von 2021, die spanische Kehrtwende in der Westsahara-Frage, das <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/02\/12\/wie-marokko-das-mobiltelefon-von-pedro-sanchez-ausspionierte\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Aussp\u00e4hen<\/a> spanischer Regierungstelefone mit der Software Pegasus von marokkanischem Boden aus, ignorierte Warnungen des CNI, die weitreichende Legalisierung von Migranten sowie der schleichende Verlust spanischen Einflusses in Washington und Br\u00fcssel geh\u00f6ren. <\/p>\n<p>Fest steht: Marokko hat erneut gezeigt, dass es den Migrationsstrom nach Belieben \u00f6ffnen und wieder schlie\u00dfen kann. Nach Angaben aus Polizei- und Geheimdienstkreisen lagen der spanischen Regierung rechtzeitig Warnungen vor, sie reagierte jedoch nicht. Mindestens 88 Menschen kamen beim Versuch, die Grenze zu \u00fcberwinden, ums Leben. Hunderte halten sich weiterhin in Ceuta auf, ohne dass eine kurzfristige L\u00f6sung in Sicht ist. Viele Einwohner machen ihrem \u00c4rger \u00fcber die Reaktion der Regierung Luft. Sie berichten, dass sie sich unsicher und von der Politik im Stich gelassen f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Auch K\u00f6nig Felipe VI. richtete eine Solidarit\u00e4tsbotschaft an die Bev\u00f6lkerung von Ceuta. Er \u00e4u\u00dferte seine \u201eEmp\u00f6rung\u201c und erinnerte daran, dass &#8222;der Staat f\u00fcr die Sicherheit von Ceuta und Melilla Verantwortung tr\u00e4gt&#8220;. <\/p>\n<p>Offen bleibt die Frage, ob Spanien noch die F\u00e4higkeit und den politischen Willen hat, seine S\u00fcdgrenze zu sichern, ohne vom Wohlwollen Marokkos abh\u00e4ngig zu sein. Ebenso unklar ist, ob die Europ\u00e4ische Union als geschlossener Block handeln wird, wenn sich Situationen wie in Ceuta wiederholen \u2013 in Spanien oder an anderen Brennpunkten des Kontinents. Die j\u00fcngere Entwicklung deutet darauf hin, dass sich diese Abh\u00e4ngigkeit Schritt f\u00fcr Schritt verfestigt \u2013 Wahl f\u00fcr Wahl, Zugest\u00e4ndnis f\u00fcr Zugest\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>  <script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Migrationskrise in Ceuta begann sich bereits am vergangenen Mittwoch abzuzeichnen. 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