{"id":44978,"date":"2026-08-05T03:24:15","date_gmt":"2026-08-05T03:24:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/44978\/"},"modified":"2026-08-05T03:24:15","modified_gmt":"2026-08-05T03:24:15","slug":"eu-innenminister-nach-aussen-wird-besaenftigt-aber-innen-brodelt-es","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/44978\/","title":{"rendered":"EU-Innenminister: Nach au\u00dfen wird bes\u00e4nftigt, aber innen brodelt es"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">\u00bbWir werden nat\u00fcrlich aus dieser Sache lernen\u00ab, sagt EU-Migrationskommissar Magnus Brunner. Er ist am Dienstagnachmittag vor die Kameras getreten, um von einer Sondersitzung der europ\u00e4ischen Innenminister zu berichten. Mitten in der Sommerpause sind an diesem Tag Regierungsvertreter aus allen 27 EU-Mitgliedsstaaten per Videokonferenz zusammengekommen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Es geht um die Aufarbeitung der Szenen, die sich Ende vergangener Woche in den spanischen Exklaven <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/ceuta\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ceuta<\/a> und Melilla abgespielt haben. Aber auch um das, was ihnen auf politischer Ebene folgte: gegenseitige Schuldzuweisungen, Ermahnungen, Ab- und Ausgrenzung. Das Gegenteil also eines geeinten Europas. Und das Gegenteil dessen, was Brunner und seine Amtskollegen aus den Mitgliedsstaaten nun nach ihrer Sitzung zu pr\u00e4sentieren versuchen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Mehrere Zehntausend Menschen gelangten Ende vergangener Woche binnen k\u00fcrzester Zeit von Marokko aus nach Ceuta und <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/melilla\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Melilla<\/a>. Die meisten schwammen. Mindestens 75 Menschen, so die aktuelle Einsch\u00e4tzung der spanischen Beh\u00f6rden, sind dabei ertrunken.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Es waren nur Stunden, in denen sich all das abspielte. Aber sie stellten Europa auf den Kopf. Im Wasser treibende Schuhe; junge M\u00e4nner, die mit hochgereckten Armen ihre Ankunft auf EU-Territorium feierten; Minderj\u00e4hrige, die verzweifelt weinten;\u00a0Soldaten, die zu Hilfe gerufen wurden: Solche Bilder hatte man in Europa unbedingt vermeiden wollen. Sie zeigen eine <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/europaeische-union\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU<\/a>, die erpressbar ist. Mit einer Waffe namens Migration.\n<\/p>\n<p>Mehr zum Thema<\/p>\n<p>            Lage in Ceuta        <\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-08\/minderjaehrige-ceuta-begleitung-migration-familie\" data-ct-label=\"Minderj\u00e4hrige in Ceuta: \u00bbViva Espa\u00f1a! Fuck Morocco!\u00ab\" data-uuid=\"9faa328e-64dc-4c7a-ab50-0f41fda90d69\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    Minderj\u00e4hrige in Ceuta:<br \/>\n                        \u00bbViva Espa\u00f1a! Fuck Morocco!\u00ab<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-08\/europaeische-aussengrenzen-ceuta-migration-asylpolitik-geas\" data-ct-label=\"Europ\u00e4ische Au\u00dfengrenzen: Wer bricht hier die Regeln?\" data-uuid=\"a8bb5745-40e8-4ec7-a938-66e4a42e7ade\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    Europ\u00e4ische Au\u00dfengrenzen:<br \/>\n                        Wer bricht hier die Regeln?<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/2026-08\/migration-spanien-ceuta-asylpolitik-marokko\" data-ct-label=\"Migration in Spanien: Spanien galt lange als Modellfall f\u00fcr Migration. Dann passierte Ceuta\" data-uuid=\"555d9acf-a75d-4bb7-8298-c59eca776234\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    Migration in Spanien:<br \/>\n                        Spanien galt lange als Modellfall f\u00fcr Migration. Dann passierte Ceuta<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                    \u00bbEgoistisch\u00ab und \u00bbpolarisierend\u00ab            <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Entsprechend gereizt fielen die Reaktionen aus. Die Bilder aus Ceuta seien \u00bbinakzeptabel\u00ab, postete Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen auf X. \u00bbWir k\u00f6nnen nicht erlauben, dass jemand in unsere Union kommt, ohne sich an unsere Regeln zu halten.\u00ab Darin \u2013 genauer gesagt in der Formulierung \u00bberlauben\u00ab \u2013 <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/2026-08\/migration-spanien-ceuta-asylpolitik-marokko\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">schwang Kritik an Spanien mit, das entgegen dem europ\u00e4ischen Trend zuletzt eine vergleichsweise liberale Migrationspolitik verfolgt hatte<\/a>.<br aria-hidden=\"true\"\/>22 europ\u00e4ische Staats- und Regierungschefs, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz, verfassten einen offenen Brief. Darin warfen sie der spanischen Regierung vor, irregul\u00e4re Migration bef\u00f6rdert zu haben. Und sie drohten mit vor\u00fcbergehenden Grenzkontrollen, also einer Aussetzung des Schengenabkommens. Italien setzte die Drohung sogar in die Tat um \u2013 und zwar zu einem Zeitpunkt, als ein Gro\u00dfteil der in den spanischen Exklaven angekommenen Migranten bereits auf dem R\u00fcckweg nach Marokko war.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0Lea Dohle<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Was jetzt? \u2013 Der t\u00e4gliche Morgen\u00fcberblick<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Starten Sie mit unserem kurzen Nachrichten-Newsletter in den Tag. Erhalten Sie zudem freitags das digitale Magazin ZEIT am Wochenende.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Ceuta und Melilla liegen nicht auf dem europ\u00e4ischen Festland, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-07\/ceuta-melilla-exklaven-spanien-marokko-faq\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">sondern in Nordafrika<\/a>. Die Weiterreise Zehntausender Migrantinnen und Migranten auf den Kontinent w\u00e4re ohnehin an zus\u00e4tzlichen Kontrollen gescheitert, kein Einziger erreichte das Festland und dementsprechend keine anderen EU-Staaten. Auch deshalb reagierte der spanische Premierminister Pedro S\u00e1nchez auf das Schreiben seiner Amtskollegen seinerseits mit einem Brief, in dem er deren Reaktion \u00bbegoistisch\u00ab und \u00bbpolarisierend\u00ab nannte. Ein Regierungschef, der den anderen die Verbreitung von Falschinformationen vorwirft: So etwas gibt es in der EU nicht oft.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das Treffen der Innenminister am Dienstag war auch der Versuch, diese Wogen zu gl\u00e4tten. Und tats\u00e4chlich: Statt Kritik an <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/spanien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Spanien<\/a> ist pl\u00f6tzlich vor allem Positives zu h\u00f6ren. EU-Kommissar Brunner dankte der Regierung von S\u00e1nchez daf\u00fcr, dass sie \u00bbdie Ordnung wiederhergestellt\u00ab habe. Mehr als 95 Prozent der insgesamt mehr als 70.000 Menschen, die Ceuta und Melilla in den vergangenen Tagen erreichten, kehrten laut den spanischen Beh\u00f6rden wieder in ihre Heimatl\u00e4nder zur\u00fcck. Wie viele sich davon freiwillig auf den Weg machten und wie viele zur\u00fcckgewiesen wurden, ist unklar.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Was von Ceuta und Melilla h\u00e4ngen bleibt, ist vor allem die europ\u00e4ische Spaltung \u2013 und wie unmittelbar sie zutage trat. Unter der Oberfl\u00e4che brodelt es weiter. Denn die EU ist jetzt nicht nur auf der Suche nach Antworten auf diesen Vorfall: Es wird deutlich, dass sie sich erst mal darauf einigen muss, was \u00fcberhaupt die Frage ist.\n<\/p>\n<p>            Mehr Abschreckung oder mehr Geschlossenheit?            <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Muss es jetzt darum gehen, die europ\u00e4ische Migrationspolitik noch weiter zu versch\u00e4rfen, die EU noch abschreckender zu machen? Das suggerieren \u00c4u\u00dferungen wie die von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), der nach dem Ministertreffen zu Ceuta erkl\u00e4rte, man m\u00fcsse die Au\u00dfengrenzen \u00bbauch mit physischen Barrieren\u00ab weiter ausbauen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Vor wenigen Wochen erst sind die <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2026\/26\/eu-asylpolitik-migration-mauretanien-frontex-geas\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Reformen des Gemeinsamen Europ\u00e4ischen Asylsystems (GEAS)<\/a> in Kraft getreten. Das sieht die Auslagerung von Asylverfahren an die Au\u00dfengrenzen vor und eine bessere Zusammenarbeit unter den einzelnen Staaten. Allerdings setzen nicht alle Mitglieder sie gleicherma\u00dfen um, das bem\u00e4ngelt die EU-Kommission und das zeigen <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-08\/europaeische-aussengrenzen-ceuta-migration-asylpolitik-geas\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Recherchen der ZEIT<\/a>. Das betrifft aber nicht Spanien, sondern ausgerechnet Italien, dessen Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni sich am lautesten mit Kritik an Spanien hervorgetan hatte.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Ungeachtet dessen soll die italienische Regierung bei dem Treffen der Innenminister noch einmal auf die Umsetzung sogenannter \u00bbReturn Hubs\u00ab gedr\u00e4ngt haben. Eine kleine Gruppe von EU-Mitgliedsl\u00e4ndern plant Zentren au\u00dferhalb der EU, in die Migranten gebracht werden sollen, die nicht in ihre Heimatl\u00e4nder abgeschoben werden k\u00f6nnen. Auch Deutschland geh\u00f6rt dazu. Beim n\u00e4chsten EU-Gipfel im Herbst d\u00fcrfte diese Debatte weitergef\u00fchrt werden. Dabei werfen  die Ereignisse von Ceuta und Melilla einmal mehr die Frage auf, ob die Zusammenarbeit mit Drittstaaten funktionieren kann. Die Rolle der marokkanischen Beh\u00f6rden ist noch nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt; es ist offen, ob sie die Menschen durchgelassen oder sogar ermutigt haben.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Oder muss es jetzt vielmehr darum gehen, an der Geschlossenheit <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/europa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europas<\/a> zu arbeiten? Dass sich Migration als Waffe benutzen l\u00e4sst, ist schlie\u00dflich schon lange bekannt. 2021 war es das Regime in Belarus, das Migranten an die Ostgrenze der EU brachte und ihnen versprach, dort w\u00fcrden sie aufgenommen werden. In Ceuta gelangten im selben Jahr schon einmal mehrere Tausend Menschen \u00fcber die Grenze. Und ein Jahr zuvor hatte die T\u00fcrkei sprichw\u00f6rtlich die europ\u00e4ischen Grenzen getestet und erkl\u00e4rt, Fl\u00fcchtende Richtung Europa nicht mehr aufzuhalten.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">EU-Kommissar Brunner sagte am Dienstag, Europa habe den Stresstest bestanden. Ob er recht hat, ob die EU wirklich gelernt hat aus diesen Tagen, wird sich erst noch zeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00bbWir werden nat\u00fcrlich aus dieser Sache lernen\u00ab, sagt EU-Migrationskommissar Magnus Brunner. 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