{"id":45043,"date":"2026-08-05T11:37:11","date_gmt":"2026-08-05T11:37:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/45043\/"},"modified":"2026-08-05T11:37:11","modified_gmt":"2026-08-05T11:37:11","slug":"geopolitischer-poker-wie-marokko-mit-einem-mega-hafen-fakten-schafft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/45043\/","title":{"rendered":"Geopolitischer Poker: Wie Marokko mit einem Mega-Hafen Fakten schafft"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/OSCAR_GONZALEZ_FUENTES_cropped_-31e399ccd826fc89.jpeg\"  width=\"4096\" height=\"2301\"  alt=\"Menschen wehen sahrauische Fahnen\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\">Demonstration f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit der Westsahara 2023 in Madrid.<\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0OSCAR GONZALEZ FUENTES (cropped), <a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/protesters-during-demonstration-human-rights-international-2386958565?trackingId=6444bcf8-404d-4942-b29c-8d1a86f93574&amp;listId=searchResults\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">shutterstock<\/a>)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Marokko baut in der Westsahara einen Tiefwasserhafen. Das Projekt ist v\u00f6lkerrechtlich umstritten. Kritiker werfen Rabat die Ausbeutung der Region vor.<\/p>\n<p>Etwa 40 Kilometer n\u00f6rdlich der Stadt <a href=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/place\/Ad-Dakhla+73000\/@23.8659566,-13.9228044,6z\/data=!4m6!3m5!1s0xc2248393aa06243:0x2572dbf2ee5f0172!8m2!3d23.7221111!4d-15.9347384!16zL20vMDIzXzN2?hl=de&amp;entry=ttu&amp;g_ep=EgoyMDI2MDYwMS4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Dakhla<\/a> entsteht derzeit einer der gr\u00f6\u00dften H\u00e4fen Afrikas. Das Projekt umfasst einen Tiefwasserhafen mit drei gro\u00dfen Becken und einer Industriezone von 1.650 Hektar.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.marokko.com\/aktuelles\/infos\/dakhla-atlantique-marokkos-neues-tor-zur-atlantischen-zukunft\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Laut<\/a> marokko.com ist die Vision Rabats, den abgelegenen Ort als maritime Drehscheibe zwischen Afrika, Europa und Amerika zu etablieren. Nach Angaben des marokkanischen Ministeriums f\u00fcr Ausr\u00fcstung und Wasserwirtschaft soll der Hafen nach seiner Fertigstellung \u00fcber 35 Millionen Tonnen Fracht pro Jahr umschlagen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Projekt wird von zwei marokkanischen Bauunternehmen <a href=\"https:\/\/de.innovando.news\/dakhla-porto-atlantico-avvenire-sahara\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">realisiert<\/a>, und die Investitionssumme auf mehrere Milliarden Euro beziffert. Bis 2028 soll der Bau abgeschlossen sein, die ersten Anlagen 2029 in Betrieb gehen.<\/p>\n<p>Dakhla Atlantique: Die drei Becken des Mega-Projekts<\/p>\n<p>Der Hafen besteht aus drei funktional getrennten Bereichen. Ein Becken f\u00fcr den kommerziellen Verkehr, das zweite f\u00fcr die Fischerei und das dritte Becken soll Schiffsreparaturen vorbehalten bleiben. Derzeit liegt der Baufortschritt nach offiziellen Angaben zwischen 30 und 40 Prozent.<\/p>\n<p>Rundherum soll ein Logistik- und Industriegebiet entstehen. Rabat verspricht sich davon die Schaffung tausender Arbeitspl\u00e4tze sowie die Ansiedlung von Unternehmen aus den Bereichen Fischerei, Landwirtschaft, Bergbau und Energie mitten in der W\u00fcste. 2014 lebten rund 100.000 Menschen in Dakhla.<\/p>\n<p>Wasserstoff f\u00fcr Europa? Der gr\u00fcne Energie-Plan in der W\u00fcste<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Zudem soll ein 40-Megawatt-Windpark einen erheblichen Teil des Energiebedarfs der neuen Anlagen decken. Zus\u00e4tzlich sind Solaranlagen vorgesehen. Denn die Region um Dakhla verf\u00fcgt \u00fcber hohes Wind- und Solarpotenzial.<\/p>\n<p>Marokko will dort denn auch gro\u00dffl\u00e4chige Anlagen zur Produktion von gr\u00fcnem Wasserstoff errichten. Der neue Hafen soll schlie\u00dflich auch als Exportplattform f\u00fcr diesen Energietr\u00e4ger nach Europa und zu anderen M\u00e4rkten dienen.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>&#8222;Hoheitsgebiet ohne Selbstregierung&#8220;<\/p>\n<p>Der Hafen wird jedoch in der Westsahara gebaut, einem Gebiet, dessen v\u00f6lkerrechtlicher Status seit Jahrzehnten ungekl\u00e4rt ist. Die Vereinten Nationen stufen die Region als &#8222;Hoheitsgebiet ohne Selbstregierung&#8220; ein.<\/p>\n<p>Die Westsahara ist reich an nat\u00fcrlichen Ressourcen. Die Region verf\u00fcgt \u00fcber eines der gr\u00f6\u00dften Phosphatvorkommen der Welt. Vor der K\u00fcste werden gro\u00dfe Erd\u00f6lvorkommen vermutet. Der Fischreichtum an der Atlantikk\u00fcste ist enorm.<\/p>\n<p>Kritiker werfen Marokko vor, die Sahrauis von den wirtschaftlichen Ertr\u00e4gen auszuschlie\u00dfen. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International kritisieren zudem, dass marokkanische Beh\u00f6rden rigoros auch gegen Gruppen und Personen vorgehen, die Selbstbestimmung mit friedlichen Mitteln fordern.<\/p>\n<p>Extraktionswirtschaft<\/p>\n<p>Der neue Hafen ist sicher geeignet, die Ressourcen in der Region weit effektiver auszubeuten, als bisher. Und das ist ja wohl auch der Plan. Denn eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Region muss eine Chim\u00e4re bleiben.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>Das Hinterland ist praktisch menschenleer und mehr als eine wirtschaftliche Exklave kann aus diesem Projekt nicht hervorgehen. Ob diese sich dauerhaft selbst finanzieren kann, wird sich erst noch erweisen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Bestenfalls k\u00f6nnte Dakhla zu so etwas wie dem 400 km s\u00fcdlich gelegenen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nouadhibou\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Nouadhibou<\/a> mutieren. Nouadhibou hat 170.000 Einwohner, ist der gr\u00f6\u00dfte Hafen des benachbarten Mauretaniens und Zielpunkt des ber\u00fchmt gewordenen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bahnstrecke_Nouadhibou%E2%80%93M%E2%80%99Haoudat\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Eisenerzzuges<\/a>.<\/p>\n<p>Die Sahrauis verlieren an Boden<\/p>\n<p>Rabat betrachtet die Westsahara als Teil seines Territoriums. Einen gro\u00dfen Fortschritt auf dem Weg zur Einverleibung der Westsahara erzielte Marokko 2020: W\u00e4hrend Pr\u00e4sident Donald Trump erster Amtszeit erkannten die USA Marokkos Souver\u00e4nit\u00e4tsanspruch \u00fcber die Westsahara an.<\/p>\n<p>Im Gegenzug trat Marokko den Abraham-Abkommen bei. Heute arbeiten Marokko und Israel <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/marokko-milit%C3%A4rische-zusammenarbeit-mit-israel-trotz-protesten\/a-75421440\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">auch milit\u00e4risch<\/a> zusammen.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>Seit 2020 ist die Zahl der L\u00e4nder, die die &#8222;Demokratische Arabische Republik Sahara&#8220; anerkennen, deutlich gesunken: von 84 im Jahr 2021 auf 47 im Jahr 2024.<\/p>\n<p>UN-Resolution 2797: Der internationale Kurswechsel zugunsten Rabats<\/p>\n<p>2022 sprach sich Spanien f\u00fcr den von Marokko vorgeschlagenen Autonomieplan aus, der die Westsahara als autonome Region unter marokkanischer Souver\u00e4nit\u00e4t vorsieht; 2023 erkannte Israel die Westsahara als Teil Marokkos an. 2024 folgte Frankreich, 2025 Gro\u00dfbritannien. Berlin und Br\u00fcssel haben diesen Schritt bisher nicht vollzogen.<\/p>\n<p>Ende Oktober 2025 unterst\u00fctzte der UN-Sicherheitsrat in der <a href=\"https:\/\/digitallibrary.un.org\/record\/4093660?utm_source=openai&amp;v=pdf\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Resolution 2797<\/a> Marokkos Autonomieplan als Verhandlungsbasis. Algerien blieb der Abstimmung fern und kritisierte, die Resolution beachte das v\u00f6lkerrechtlich verbriefte Recht auf Selbstbestimmung der Sahrauis nicht ausreichend. China, Russland und Pakistan enthielten sich.<\/p>\n<p>Jahrzehntelanger Konflikt<\/p>\n<p>Die Befreiungsfront Polisario, 1973 gegr\u00fcndet, k\u00e4mpft seitdem f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit der Westsahara. Sie rief 1976 die &#8222;Demokratische Arabische Republik Sahara&#8220; aus und f\u00fchrte jahrelang Krieg gegen Marokko.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>1991 wurde ein Waffenstillstand geschlossen, der bis heute von der UN-Mission MINURSO \u00fcberwacht wird, an der auch deutsche Soldaten beteiligt sind.<\/p>\n<p>Das von den Vereinten Nationen gefordertes Referendum \u00fcber die Zukunft des Gebiets kam nie zustande. Das marokkanische K\u00f6nigshaus und die Polisario konnten sich nicht \u00fcber die Modalit\u00e4ten einigen.<\/p>\n<p>Verstreute Bev\u00f6lkerung<\/p>\n<p>Heute leben nach Sch\u00e4tzungen der Vereinten Nationen etwa 597.000 Menschen in der Westsahara. Nur noch etwa 105.000 Sahrauis leben in dem von Marokko kontrollierten Gebiet. Die urspr\u00fcngliche Bev\u00f6lkerung wurde zur Minderheit im eigenen Land.<\/p>\n<p>Zwischen 165.000 und 200.000 Sahrauis leben in f\u00fcnf Fl\u00fcchtlingslagern in Algerien, nahe der Grenze zur Westsahara. Die Lager befinden sich in der W\u00fcste, Landwirtschaft ist dort praktisch unm\u00f6glich. Die Menschen sind in gro\u00dfem Ma\u00df auf internationale Hilfe angewiesen.<\/p>\n<p>Weitere etwa 50.000 Sahrauis sind in andere L\u00e4nder geflohen, insbesondere nach Europa. Die Polisario kontrolliert eine &#8222;Freie Zone&#8220; im Osten und S\u00fcden der Westsahara, in der etwa 50.000 Menschen leben. Marokko hat entlang der Waffenstillstandslinie eine befestigte und verminte Grenzanlage errichtet, die das Gebiet teilt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Demonstration f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit der Westsahara 2023 in Madrid. 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