{"id":4515,"date":"2026-04-20T07:13:59","date_gmt":"2026-04-20T07:13:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4515\/"},"modified":"2026-04-20T07:13:59","modified_gmt":"2026-04-20T07:13:59","slug":"wasserstoff-aus-der-wueste-was-namibia-wirklich-liefern-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4515\/","title":{"rendered":"Wasserstoff aus der W\u00fcste: Was Namibia wirklich liefern kann"},"content":{"rendered":"<p>Sonne, Wind, aber wenig Wasser: Namibia k\u00f6nnte Wasserstoff-Lieferant werden. Neue Studien zeigen Potenziale und Probleme.<\/p>\n<p>        <img width=\"1200\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/stock-image-12857022-el0-e1756724835867-1200x600.jpg\" class=\"single__post-image wp-post-image\" alt=\"Namibia\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>Namibia m\u00f6chte sich als Exporteur von gr\u00fcnem Wasserstoff positionieren. Drei aktuelle Studien besch\u00e4ftigen sich mit den Chancen und Risiken. <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: Smarterpix \/ EcoPic<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/9568038ce7aa4ab795569ecf8134a48e.gif\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"\" class=\"vg-wort-pixel\" style=\"position: absolute;\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\"\/><\/p>\n<p>Namibia ist ein Land der Gegens\u00e4tze. Es hat mehr Sonnenstunden als die meisten Regionen der Welt, kr\u00e4ftige Winde vom Atlantik \u2013 und gleichzeitig extreme Trockenheit. Genau diese Mischung macht es zum Hoffnungstr\u00e4ger der globalen Energiewende. Gr\u00fcne Molek\u00fcle aus der W\u00fcste k\u00f6nnten in Zukunft Tanker und Fabriken in Europa antreiben. Doch der Traum vom gro\u00dfen Exportgesch\u00e4ft ist komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Neue Studien zeigen, dass Chancen und Risiken eng beieinander liegen.<\/p>\n<p>Warum Namibia ins Rampenlicht r\u00fcckt<\/p>\n<p>Das Land im s\u00fcdlichen Afrika importiert bislang einen Gro\u00dfteil seines Stroms aus Nachbarstaaten. Gleichzeitig bietet es ideale Voraussetzungen f\u00fcr erneuerbare Energien: viel Sonne, stetigen Wind und weite Fl\u00e4chen. Die Kosten f\u00fcr Photovoltaik und Windkraft liegen deutlich unter europ\u00e4ischen Werten. F\u00fcr Deutschland und die EU ist Namibia daher ein m\u00f6glicher Partner, um k\u00fcnftig gro\u00dfe Mengen an gr\u00fcnem Wasserstoff oder abgeleiteten Produkten wie Ammoniak und Methanol zu beziehen.<\/p>\n<p>\u201eNeben gr\u00fcnem Ammoniak und gr\u00fcnem Stahl umfasst Power-to-X auch die Herstellung nachhaltiger Alternativen zu petrochemischen Produkten wie E-Methanol oder E-Diesel\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Chokri Boumrifak, Mitautor einer der neuen Studien. Der Begriff Power-to-X (PtX) beschreibt die Umwandlung von Strom aus erneuerbaren Energien in chemische Energietr\u00e4ger, die transportiert und vielseitig eingesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie alles begann<\/p>\n<p>Namibia hat die Wasserstoffproduktion bewusst in seine Entwicklungsstrategie aufgenommen. Im M\u00e4rz 2021 wurde sie im Harambee Prosperity Plan II als Motor f\u00fcr wirtschaftliche Diversifizierung verankert. Kurz darauf schrieb die Investitionsbeh\u00f6rde NIPDB im Rahmen der Southern Corridor Development Initiative Projekte aus.<\/p>\n<p>Den Zuschlag erhielt im November 2021 das Joint Venture Hyphen Hydrogen Energy, das im Tsau \u01c1Khaeb Nationalpark eine Gro\u00dfanlage mit Wind- und Solarparks sowie Elektrolyse aufbauen will. Ziel: j\u00e4hrlich 300.000 Tonnen Wasserstoff, \u00fcberwiegend weiterverarbeitet zu 1,7 Millionen Tonnen Ammoniak.<\/p>\n<p>Parallel sicherte die Regierung politische und finanzielle Rahmenbedingungen \u2013 mit internationalen Partnerschaften (Deutschland, EU), einer eigenen Wasserstoffstrategie, dem Green Hydrogen Council und Beteiligungen \u00fcber den Welwitschia Sovereign Fund sowie den Finanzierungsfonds SDG Namibia One.<\/p>\n<p>Was produziert werden k\u00f6nnte<\/p>\n<p>Namibia k\u00f6nnte k\u00fcnftig deutlich mehr herstellen als nur reinen Wasserstoff. Besonders attraktiv ist Ammoniak, ein Vorprodukt f\u00fcr D\u00fcngemittel und Sprengstoffe, das im Bergbau und in der Landwirtschaft gebraucht wird. Diesel wiederum spielt eine zentrale Rolle im Transport, in der Fischerei und im Bergbau.<\/p>\n<p>Dr. Robin Ruff betont: \u201eDiesel ist ein weit verbreiteter Energietr\u00e4ger im Transport, Bergbau, in der Landwirtschaft und der Fischerei.\u201c Hier zeigt sich: Namibia k\u00f6nnte nicht nur f\u00fcr den Export produzieren, sondern auch die eigene Wirtschaft versorgen.<\/p>\n<p>Kurzfristig w\u00e4ren diese PtX-Produkte zwar teuer. Doch mit technologischem Fortschritt k\u00f6nnten die Preise sinken und auch namibische Industrien profitieren.<\/p>\n<p>Wasser \u2013 der limitierende Faktor<\/p>\n<p>So gro\u00df die Energieressourcen sind, so knapp ist das Wasser. Besonders die Region ||Kharas im S\u00fcden des Landes, wo Orte wie L\u00fcderitz und Aus im Fokus der Wasserstoffprojekte stehen, leidet unter chronischem Wassermangel. Grundwasserreserven sind begrenzt und durch \u00dcbernutzung gef\u00e4hrdet. Alte Leitungsnetze verlieren gro\u00dfe Mengen. Viele D\u00f6rfer sind nur unregelm\u00e4\u00dfig versorgt.<\/p>\n<p>Gleichzeitig w\u00e4chst die Nachfrage: Bev\u00f6lkerung, Industrie und die geplante Wasserstoffproduktion brauchen mehr Wasser. Klimawandel und sinkende Niederschl\u00e4ge versch\u00e4rfen das Problem.<\/p>\n<p>Studien schlagen deshalb einen modularen Ansatz vor: Schrittweise Investitionen in die Infrastruktur, angepasst an die wachsende Nachfrage. So k\u00f6nnten kurzfristige Bedarfe gedeckt werden, ohne das System zu \u00fcberlasten. Meerwasserentsalzung gilt als unvermeidbar. Doch sie ist energieintensiv und muss mit erneuerbaren Energien betrieben werden, um die Klimabilanz nicht zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p>Die untersch\u00e4tzte Ressource Sole<\/p>\n<p>Wo Entsalzungsanlagen arbeiten, f\u00e4llt Sole an \u2013 hochkonzentriertes Salzwasser, das bisher meist ins Meer zur\u00fcckgeleitet wird. Forschende sehen darin jedoch einen Rohstoffpool. \u201eM\u00f6gliche Marktchancen liegen in Natriumchlorid, Soda, Natriumhydrogencarbonat sowie langfristig in der R\u00fcckgewinnung von Magnesium und Lithium\u201c, hei\u00dft es in einer der Analysen.<\/p>\n<p>Aus der Nebenstr\u00f6mung k\u00f6nnte so eine \u201eSole-\u00d6konomie\u201c entstehen. Lithium etwa ist ein Schl\u00fcsselrohstoff f\u00fcr Batterien. W\u00fcrde Namibia diese Materialien zur\u00fcckgewinnen, lie\u00dfe sich die Wertsch\u00f6pfung vor Ort erh\u00f6hen. Allerdings stehen Pilotprojekte noch am Anfang, die Verfahren sind teuer und technisch anspruchsvoll.<\/p>\n<p>Logistik und Export \u2013 ohne H\u00e4fen geht nichts<\/p>\n<p>F\u00fcr den Export muss Namibia seine Infrastruktur massiv ausbauen. Haupth\u00e4fen sind Walvis Bay und L\u00fcderitz. Von dort aus lie\u00dfen sich Ammoniak oder synthetische Kraftstoffe verschiffen \u2013 beides einfacher als reiner Wasserstoff, der nur unter extremem Druck oder in verfl\u00fcssigter Form transportiert werden kann.<\/p>\n<p>Doch die H\u00e4fen brauchen neue Terminals, Pipelines, Speicher und Netze. All das erfordert Milliardeninvestitionen. Ohne ausl\u00e4ndische Partner wird es kaum gehen.<\/p>\n<p>Arbeitspl\u00e4tze und Wertsch\u00f6pfung<\/p>\n<p>Die Regierung in Windhoek verbindet mit dem Wasserstoffboom gro\u00dfe Hoffnungen. Bau, Betrieb und Wartung von Anlagen k\u00f6nnten tausende Jobs schaffen. Auch Zulieferer*innen und Dienstleistende vor Ort k\u00f6nnten profitieren.<\/p>\n<p>Allerdings warnen Fachleute vor einer einseitigen Exportstrategie. Wenn internationale Konzerne dominieren, bleibt die Wertsch\u00f6pfung m\u00f6glicherweise nicht im Land. Entscheidend wird sein, ob Namibia eine eigene Industrie aufbauen kann \u2013 zum Beispiel Stahlwerke oder D\u00fcngemittelproduktion, die gr\u00fcnen Wasserstoff direkt nutzt.<\/p>\n<p>Internationale Partner \u2013 Chance und Risiko<\/p>\n<p>Deutschland ist bereits mit Projekten pr\u00e4sent. Entwicklungsbanken und EU-Programme pr\u00fcfen Investitionen. Das ist Chance und Risiko zugleich. Einerseits k\u00f6nnten Gelder, Know-how und M\u00e4rkte gesichert werden. Andererseits w\u00e4chst die Gefahr, dass Namibia in eine Abh\u00e4ngigkeit von ausl\u00e4ndischen Investoren ger\u00e4t.<\/p>\n<p>Die Studien fordern deshalb klare nationale Strategien. Nur so kann das Land selbst bestimmen, welche Projekte Vorrang haben und wie die Gewinne verteilt werden.<\/p>\n<p>Umwelt und Gesellschaft im Blick behalten<\/p>\n<p>Neue Industrieanlagen bedeuten auch Belastungen. Entsalzungsanlagen ver\u00e4ndern K\u00fcsten\u00f6kosysteme, gro\u00dfe Solar- und Windparks beanspruchen Fl\u00e4chen. Wenn Arbeitskr\u00e4fte in die Regionen ziehen, w\u00e4chst der Druck auf St\u00e4dte und Infrastruktur.<\/p>\n<p>Die Studien empfehlen daher eine fr\u00fchzeitige Beteiligung der Bev\u00f6lkerung. Transparenz soll verhindern, dass Projekte an Protesten scheitern. Nachhaltige Landnutzung und Schutz der Artenvielfalt m\u00fcssen ebenfalls ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Zahlen und Szenarien<\/p>\n<p>Analysen zeigen, dass Namibia langfristig mehrere Millionen Tonnen gr\u00fcnen Wasserstoff pro Jahr herstellen k\u00f6nnte. Die Kosten k\u00f6nnten bis 2030 soweit sinken, dass die Produktion international wettbewerbsf\u00e4hig wird \u2013 insbesondere im Vergleich zu fossilen Alternativen. Erste Pilotprojekte laufen bereits, darunter Anlagen in der N\u00e4he von L\u00fcderitz.<\/p>\n<p>Die Vision: Namibia deckt nicht nur den eigenen Energiebedarf, sondern liefert gro\u00dfe Mengen an klimaneutralen Energietr\u00e4gern nach Europa und dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p>Was jetzt n\u00f6tig ist<\/p>\n<p>Die Weichen m\u00fcssen jetzt gestellt werden. Die Berichte empfehlen:<\/p>\n<p>Entwicklung einer klaren Wasserstoffstrategie.<br \/>\nAusbau von Entsalzungs- und Abwasserrecyclinganlagen.<br \/>\nModernisierung von Netzen, um Wasserverluste zu reduzieren.<br \/>\nInvestitionen in H\u00e4fen, Terminals und Speicher.<br \/>\nInstitutionelle Reformen, die Verantwortlichkeiten klarer regeln.<br \/>\nInternationale Kooperationen \u2013 aber auf Augenh\u00f6he.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/dechema.de\/GreeNH2_Namibia.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hier geht es zu den Studien<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sonne, Wind, aber wenig Wasser: Namibia k\u00f6nnte Wasserstoff-Lieferant werden. Neue Studien zeigen Potenziale und Probleme. 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