{"id":45526,"date":"2026-08-07T18:25:13","date_gmt":"2026-08-07T18:25:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/45526\/"},"modified":"2026-08-07T18:25:13","modified_gmt":"2026-08-07T18:25:13","slug":"ost-tschad-jede-fuenfte-schwangere-mangelernaehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/45526\/","title":{"rendered":"Ost-Tschad: Jede f\u00fcnfte Schwangere mangelern\u00e4hrt"},"content":{"rendered":"<p>N&#8217;djamena\/Berlin, 31. Juli 2026. Jede f\u00fcnfte schwangere und stillende Frau, die von Januar bis Juni 2026 von \u00c4rzte ohne Grenzen in der Grenzstadt Adr\u00e9 im Osten des Tschad untersucht wurde, war akut mangelern\u00e4hrt. Drei Viertel von ihnen geh\u00f6rten dabei der tschadischen Aufnahmegemeinschaft an, die infolge kritischer Finanzierungsl\u00fccken von lokalen Lebensmittelverteilungen ausgeschlossen ist. Angesichts der Mittelk\u00fcrzungen k\u00f6nnen hierbei nur registrierte Gefl\u00fcchtete aus dem Sudan versorgt werden.\u00a0<\/p>\n<p>Nachdem sie monatelang unerbittlicher Gewalt im Sudan ausgesetzt waren, kommen die Gefl\u00fcchteten k\u00f6rperlich am Ende, mangelern\u00e4hrt und traumatisiert in Adr\u00e9 an. Dort sehen sie sich jedoch mit einer harten Realit\u00e4t konfrontiert: Sie finden sich in Gebieten wieder, in denen die tschadische Bev\u00f6lkerung bereits in Armut lebt und humanit\u00e4re Helfer*innen nach wie vor rar sind.<\/p>\n<p>L\u00e9a Ledru, Projektkoordinatorin von \u00c4rzte ohne Grenzen in Adr\u00e9<\/p>\n<p>Zwischen Januar und Juni 2026 untersuchte \u00c4rzte ohne Grenzen in Adr\u00e9 5785 stillende und schwangere Frauen. Mehr als jede F\u00fcnfte (21,2 Prozent) war akut mangelern\u00e4hrt. Dies liegt deutlich \u00fcber der Schwelle von 15 Prozent, ab der von einer kritischen humanit\u00e4ren Krise ausgegangen wird. F\u00fcnf Prozent der Frauen litten sogar an schwerer akuter Mangelern\u00e4hrung, die das Risiko f\u00fcr Fehlgeburten, Blutungen und Fr\u00fchgeburten drastisch erh\u00f6ht.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Seit Beginn des Krieges im Sudan sind mehr als 930.000 Sudanes*innen in den Tschad geflohen, \u00fcber 80 Prozent davon sind Frauen und Kinder. Mehr als 700.000 kamen in Adr\u00e9 an. Seit April 2023 haben das UNHCR und die tschadischen Beh\u00f6rden 646.216 Menschen aus den Transitlagern an der Grenze ins Landesinnere umgesiedelt. Die Aufnahmegemeinde in Adr\u00e9 ist von den allgemeinen Lebensmittelverteilungen ausgeschlossen, obwohl die lokalen Marktpreise in die H\u00f6he geschossen sind.\u00a0<\/p>\n<p>Chronische Unterfinanzierung hat das Weltern\u00e4hrungsprogramm (WFP) gezwungen, Priorit\u00e4ten zu setzen. Finanzielle Engp\u00e4sse f\u00fchrten im Mai und Juni zu Lieferschwierigkeiten von Hilfsg\u00fctern zur Behandlung von akuter Mangelern\u00e4hrung. Die Ende Juni gelieferten Vorr\u00e4te werden voraussichtlich im September aufgebraucht sein, wobei keine Klarheit \u00fcber die Lieferung weiterer Hilfsg\u00fcter besteht.\u00a0<\/p>\n<p>Im Gefl\u00fcchtetencamp in Metch\u00e9 werden bis Ende September mehr als 10.000 neue Gefl\u00fcchtete aus Adr\u00e9 erwartet. Mehr als 43.000 Gefl\u00fcchtete leben dort bereits. Derzeit sind \u00c4rzte ohne Grenzen und Action Contre la Faim (ACF) die einzigen Gesundheitsversorger im Camp. Zudem nehmen die Teams mangelern\u00e4hrte Kinder aus Arkoum und Allacha auf. Pro Person und Tag stehen nur acht Liter Wasser f\u00fcr den Gesamtbedarf zur Verf\u00fcgung, was deutlich unter dem WHO-Minimum von 20 Litern liegt. In Camps, in denen es an sauberem Wasser und an Latrinen mangelt, breiten sich Krankheiten rasch aus \u2013 sowohl unter den Gefl\u00fcchteten als auch in den tschadischen Gemeinden. Die Zahl der Durchfallerkrankungen ist in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2026 drastisch gestiegen. Im vergangenen Jahr kam es bereits zu einem Cholera-Ausbruch. \u00a0<\/p>\n<p>\u00c4rzte ohne Grenzen fordert internationale Geber auf, die Nothilfepl\u00e4ne f\u00fcr den Tschad f\u00fcr 2026 zu finanzieren und die Aufnahmegemeinschaften von Gefl\u00fcchteten wie in Adr\u00e9 ausdr\u00fccklich in die Nahrungsmittelhilfe einzubeziehen. Angesichts drastischer Mittelk\u00fcrzungen betont \u00c4rzte ohne Grenzen, dass die tschadischen Beh\u00f6rden und das Fl\u00fcchtlingswerk der Vereinten Nationen UNHCR gew\u00e4hrleisten m\u00fcssen, dass die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Gesundheitsdiensten den Notfallstandards entspricht, bevor weitere Umsiedlungen nach Metch\u00e9 und Arkoum vorgenommen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"N&#8217;djamena\/Berlin, 31. Juli 2026. Jede f\u00fcnfte schwangere und stillende Frau, die von Januar bis Juni 2026 von \u00c4rzte&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":45527,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[242],"tags":[365,364],"class_list":["post-45526","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-tschad","tag-chad","tag-tschad"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/117055633918756519","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45526","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=45526"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45526\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/45527"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=45526"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=45526"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=45526"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}