{"id":45632,"date":"2026-08-08T17:19:08","date_gmt":"2026-08-08T17:19:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/45632\/"},"modified":"2026-08-08T17:19:08","modified_gmt":"2026-08-08T17:19:08","slug":"mein-chef-war-fassungslos-warum-allan-mutagwaba-seinen-sicheren-job-fuer-kaffee-aufgab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/45632\/","title":{"rendered":"\u201eMein Chef war fassungslos\u201c: Warum Allan Mutagwaba seinen sicheren Job f\u00fcr Kaffee aufgab"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Herr Mutagwaba, Sie hatten als Berater f\u00fcr Konzerne wie Bosch und Porsche einen sicheren, gut bezahlten Job. Wie hat Ihr damaliger Chef reagiert, als Sie gek\u00fcndigt haben, um Kaffee zu verkaufen?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    ALLAN MUTAGWABA: Mein Chef war fassungslos. Er konnte nicht verstehen, dass ich so einen sicheren Job einfach hinschmei\u00dfe, ohne zu wissen, ob das neue Projekt \u00fcberhaupt funktioniert. Er hat mir damals sogar angeboten: \u201eAllan, ich gebe dir eine Chance. Du darfst k\u00fcndigen, aber ich halte dir die T\u00fcr f\u00fcr sechs Monate offen.\u201c Danach w\u00fcrde er mich nicht mehr zur\u00fccknehmen. Ich habe mich f\u00fcr das Angebot bedankt, aber ich wusste: Ich will meinen eigenen Weg gehen. Und das habe ich bis heute nicht bereut.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Dabei hatten Sie mit Kaffee eigentlich gar nichts am Hut. Stimmt es, dass Sie das Getr\u00e4nk fr\u00fcher nicht einmal mochten?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    MUTAGWABA: Ich habe fr\u00fcher nie Kaffee getrunken, er war mir immer zu bitter. In Tansania, wo ich herkomme, trinken wir eigentlich nur Tee. Kaffee wurde bei uns nur produziert und verkauft \u2013 wir wussten als Kinder nicht einmal, wo der eigentlich hingeht. Der entscheidende Moment kam erst in Deutschland auf einer Autofahrt. Im Radio hie\u00df es, die Deutschen trinken 160 Liter Kaffee im Jahr. Das ist so viel wie eine Badewanne! Da dachte ich mir: Wow, man k\u00f6nnte eigentlich etwas mit Kaffee machen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Den endg\u00fcltigen Ansto\u00df gab dann aber ein Urlaub in Norwegen im Jahr 2015. Was ist dort passiert?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    MUTAGWABA: Wir haben dort eine Familie getroffen, die pl\u00f6tzlich anfing, von Kaffee aus meiner Heimat zu schw\u00e4rmen. Die Frau zeigte mir Fotos auf Facebook \u2013 und das war exakt das Dorf in Tansania, aus dem ich komme. Das konnte kein Zufall sein. Ich sagte zu meiner Frau: Wir m\u00fcssen nach Tansania fliegen. Wir haben dann die allerersten 20 Kilo Rohkaffee in unseren Reisekoffern mit nach Deutschland gebracht. Die Z\u00f6llner am Flughafen hatten so etwas noch nie gesehen.\n  <\/p>\n<p>      <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/cafe-mak-so-bringt-allan-mutagwaba-kaffee-aus-tansania-nach-augsburg-114737387\" class=\"hidden  &#010;                md:block md:mr-5 md:min-w-[140px]  aspect-photo md:aspect-tv lg:aspect-tv w-fullXXX relative self-start inline overflow-hidden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"\" alt=\"Betreibt das Caf\u00e9 Mak in der Augsburger Innenstadt: Allan Mutagwaba.\" title=\"Betreibt das Caf\u00e9 Mak in der Augsburger Innenstadt: Allan Mutagwaba.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><br \/>\n   <\/a><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Hinter Ihrem Weg nach Deutschland steckt eine bewegte Lebensgeschichte. Im Jahr 2005 haben Sie Ihre Mutter bei einem Autounfall verloren \u2013 ausgerechnet, als sie Papiere f\u00fcr Ihr geplantes Auslandsstudium besorgen wollte.<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    MUTAGWABA: Das war der Schock meines Lebens. Ich bin damals traumatisiert nach Deutschland gekommen. Ich kannte hier niemanden, war sehr einsam, habe mich zur\u00fcckgezogen und ein Alkoholproblem entwickelt. Das ist meine Realit\u00e4t, ich erz\u00e4hle das gerne und verstecke es nicht. Dass ich aus diesem Loch wieder herausgekommen bin, Freunde gefunden habe und heute hier stehe, ist f\u00fcr mich pure Gnade.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Heute betreiben Sie gemeinsam mit Ihrer Frau ein Caf\u00e9 und verkaufen importierten Kaffee, den Sie von 30 Familien aus Ihrer Heimat beziehen. Sie zahlen den Bauern den zwei- bis dreifachen Marktpreis und spenden f\u00fcr soziale Projekte in Tansania. Wie rechnet sich das, wenn man gleichzeitig Miete in der Augsburger Innenstadt zahlen muss?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    MUTAGWABA: Es ist sehr schwierig. Ehrlich gesagt habe ich es bis heute nicht geschafft, mir selbst ein Gehalt auszuzahlen. Wenn man strikt nach den Regeln eines normalen Gesch\u00e4fts geht, m\u00fcsste man eigentlich \u201eStopp\u201c sagen. Ich muss Miete zahlen, den Kaffee teurer einkaufen und selbst \u00fcberleben. Milliard\u00e4r werde ich damit nicht. Privat fahre ich Fahrrad und das h\u00e4lt mich gesund. Aber dass ich mit einem Porsche herumfahren kann \u2013 daf\u00fcr muss ich noch deutlich l\u00e4nger arbeiten. Doch es ist f\u00fcr uns eine Leidenschaft, und in Tansania konnten wir bereits einige Projekte umsetzen. Wir haben von dem Geld etwa Schulr\u00e4ume gebaut und einen Brunnen bohren lassen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Sie haben angek\u00fcndigt, dass Sie mit Ihrer Familie in ein paar Jahren nach Tansania ziehen m\u00f6chten. Was wird dann aus dem Caf\u00e9 in Augsburg?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    MUTAGWABA: Wir w\u00fcrden das Caf\u00e9 definitiv behalten. Es ist eine wichtige Anlaufstelle und so etwas wie eine Br\u00fccke zwischen Augsburg und Arusha. Dort m\u00f6chten wir eine gro\u00dfe Kaffeefarm aufbauen und ein Ausbildungszentrum f\u00fcr die junge Generation gr\u00fcnden.\n  <\/p>\n<p>    Zur Person<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Allan Mutagwaba betreibt gemeinsam mit seiner Frau seit 2018 das Caf\u00e9 \u201eMAK Afrika\u201c in der Karlstra\u00dfe 7. Der geb\u00fcrtige Tansanier kam zum Studieren nach Deutschland und absolvierte an der Hochschule Augsburg seinen Master.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Dieses Interview ist ein Auszug aus der aktuellen Folge unseres <a href=\"https:\/\/azol.de\/ams\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" class=\"underline \">Interview-Podcasts \u201eAugsburg, meine Stadt\u201c<\/a>. Das komplette Gespr\u00e4ch k\u00f6nnen Sie unter <a href=\"https:\/\/azol.de\/114737387\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" class=\"underline \">azol.de\/mutagwaba<\/a> anschauen oder h\u00f6ren.\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herr Mutagwaba, Sie hatten als Berater f\u00fcr Konzerne wie Bosch und Porsche einen sicheren, gut bezahlten Job. 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