{"id":4564,"date":"2026-04-20T08:02:08","date_gmt":"2026-04-20T08:02:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4564\/"},"modified":"2026-04-20T08:02:08","modified_gmt":"2026-04-20T08:02:08","slug":"meinl-reisinger-in-aethiopien-verbrannte-erde-leere-teller-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4564\/","title":{"rendered":"Meinl-Reisinger in \u00c4thiopien: Verbrannte Erde, leere Teller \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Die akute Ern\u00e4hrungsunsicherheit in \u00c4thiopien ist eine Nachwirkung des zweij\u00e4hrigen Krieges in der Region Tigray. Mehr als zehn Millionen Menschen sind betroffen. <\/p>\n<p>Au\u00dfenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) besucht heute Addis Abeba im Zuge des \u201eEU-Ethiopia Business Forum\u201c. Trotz Reform-Versprechen der Regierung pr\u00e4gte eine jahrelange Hungersnot den Norden des Landes. Eine Folge des Tigray-Krieges, f\u00fcr die es bis heute keine Gerechtigkeit gibt.<\/p>\n<p>Mehr als zehn Millionen Menschen sind nach Angaben des UNO World Food Programme (Stand 2025) im Norden \u00c4thiopiens aktuell von \u201eschwerer Ern\u00e4hrungsunsicherheit\u201c betroffen. Die Lage ist seit Jahren ernst. Unternommen werde allerdings wenig, von Seiten der Regierung w\u00fcrden die Zust\u00e4nde nicht als Krise anerkannt, so berichtet es Al Jazeera. Im Jahr 2024 soll Premier Abiy Ahmed noch im Rahmen einer Parlamentssitzung beteuert haben, niemand im Land w\u00fcrde an Hunger sterben.<\/p>\n<p>Im selben Jahr erhielt Ahmed einen Preis von der UNO-Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) f\u00fcr sein Engagement im Bereich Ern\u00e4hrungssicherheit. \u201eDas hat mich schockiert\u201c, erkl\u00e4rt Rebecca Bakos Blumenthal, Leiterin f\u00fcr Hungersn\u00f6te und humanit\u00e4re Krisen bei Global Rights Compliance im Gespr\u00e4ch mit der APA. Laut der Menschenrechtlerin sei die akute Ern\u00e4hrungsunsicherheit eine Nachwirkung des zweij\u00e4hrigen Krieges in der Region Tigray. Dieser hatte sich zwischen der Zentralregierung und der Tigray People&#8217;s Liberation Front abgespielt und endete erst 2022 durch ein Friedensabkommen. Der Tigray-Konflikt l\u00f6ste eine Hungersnot im Land aus, von der sich die Region bis heute nicht erholt hat.<\/p>\n<p>Einer Untersuchung der Menschenrechtsorganisation zufolge, soll diese Nahrungsknappheit bewusst herbeigef\u00fchrt worden sein. Der Einsatz von Hunger als Kriegsmittel sei laut der Juristin das bewusste Vorenthalten von Unentbehrlichem f\u00fcrs \u00dcberleben, wie Wasser und Lebensmitteln. Dazu z\u00e4hle jedes Verhalten, das den Zugang der Zivilbev\u00f6lkerung zu diesen einschr\u00e4nkt und k\u00f6nne auch die Behinderung humanit\u00e4rer Hilfe beinhalten.<\/p>\n<p>Im 2022 ver\u00f6ffentlichten Bericht von Global Rights Compliance wird der Einsatz von solchen Aushungerungstaktiken als \u201eein Kennzeichen des Konflikts\u201c in Tigray bezeichnet. Langfristige Folgen davon sind: verbrannte Erde und brutale Angriffe auf Einrichtungen, die f\u00fcr das \u00dcberleben der Zivilbev\u00f6lkerung unverzichtbar sind, wie Bauernh\u00f6fe, landwirtschaftliche Ressourcen, Wasserversorgung, Bew\u00e4sserungsanlagen, Getreidelager und Einrichtungen zur Nahrungsmittelproduktion. Zerst\u00f6rt und gepl\u00fcndert sollen dabei auch humanit\u00e4re Hilfseinrichtungen geworden sein. Aushungertaktiken seien dem Bericht nach auf beiden Seiten des Konflikts angewendet worden, in einer Vielzahl der darin adressierten F\u00e4lle wird jedoch die Zentralregierung als verantwortlich gesehen.<\/p>\n<p>Konsequenzen f\u00fcr diese Kriegshandlungen habe es laut Bakos Blumenthal seither keine gegeben: \u201eMit dem Friedensabkommen, das damals vorlag, gab es weder Gerechtigkeit noch Rechenschaft f\u00fcr die Taten.\u201c Hunger als Kriegswaffe in internationalen und nationalen Konflikten wird als Teil des R\u00f6mischen Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs als Kriegsverbrechen anerkannt. Da \u00c4thiopien keine Vertragspartei des Internationalen Strafgerichtshofs ist, hat dieser jedoch keine Gerichtsbarkeit \u00fcber auf \u00e4thiopischem Territorium begangene Verbrechen. Im Land selbst gebe es Bakos Blumenthal zufolge weder die Kapazit\u00e4ten noch den politischen Willen die T\u00e4ter von Verbrechen, die w\u00e4hrend des Konflikts in Tigray und den benachbarten Regionen begangen wurden, zur Rechenschaft zu ziehen.<\/p>\n<p>Eine strafrechtliche Verfolgung solcher F\u00e4lle in Drittstaaten k\u00f6nne dazu beitragen, die T\u00e4ter zur Rechenschaft zu ziehen und Opfern zu helfen. \u201eDamit ein Land wieder aufgebaut werden kann, muss es Wiedergutmachung f\u00fcr die Opfer geben\u201c, erkl\u00e4rt die Menschenrechtlerin. F\u00fchrt aber aus: \u201eDas muss nicht unbedingt in Form von Strafverfolgung geschehen. Auch Entsch\u00e4digungen k\u00f6nnen viel bewirken.\u201c Diplomatische Besuche von Politikerinnen und Politikern aus dem Ausland &#8211; wie der \u00f6sterreichischen Au\u00dfenministerin Beate Meinl-Reisinger &#8211; k\u00f6nnen jedenfalls Aufmerksamkeit auf die aktuelle Situation lenken. Laut Bakos Blumenthal muss die Berichterstattung dabei auch vergessene Zusammenh\u00e4nge in den Blick r\u00fccken. (APA)<\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die akute Ern\u00e4hrungsunsicherheit in \u00c4thiopien ist eine Nachwirkung des zweij\u00e4hrigen Krieges in der Region Tigray. 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