{"id":45805,"date":"2026-08-10T10:02:08","date_gmt":"2026-08-10T10:02:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/45805\/"},"modified":"2026-08-10T10:02:08","modified_gmt":"2026-08-10T10:02:08","slug":"unfreiwillige-rekrutierung-student-aus-aequatorialguinea-an-putins-front","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/45805\/","title":{"rendered":"Unfreiwillige Rekrutierung: Student aus \u00c4quatorialguinea an Putins Front"},"content":{"rendered":"<p>Ein junger Student aus \u00c4quatorialguinea reiste mit dem Ziel nach Russland, eine Ausbildung zum Leibw\u00e4chter zu absolvieren. Kurz darauf befand er sich jedoch unerwartet an der Front im Krieg gegen die Ukraine. Seine Erz\u00e4hlungen geben Einblick in die mutma\u00dflich systematische Anwerbung ahnungsloser Afrikaner f\u00fcr die russischen Streitkr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Daniel Angel Masie Nchama bemerkte, dass er an der Front war, \u201eals eine Rakete unser Fahrzeug traf\u201c. Der 22-J\u00e4hrige wurde Ende 2025 zwangsverpflichtet, um die russischen Truppen zu unterst\u00fctzen, und k\u00e4mpfte fast zwei Monate lang als einer von Hunderten Afrikanern in der Ukraine. Zur\u00fcck im einfachen Elternhaus in Malabo berichtet der ehemalige Informatikstudent von der klirrenden K\u00e4lte, dem Hunger, der Angst und seiner Flucht aus Russland.<\/p>\n<p>Auf der Suche nach einem besseren Leben im Ausland lie\u00df er sich unwissentlich von einem Kameruner namens \u201eFabrice\u201c \u00fcberzeugen, nach Russland zu reisen, erz\u00e4hlt Nchama. Im Dezember 2025 startete er in dem Glauben, dort eine milit\u00e4rische Schulung zu erhalten, um sp\u00e4ter als Leibw\u00e4chter zu arbeiten.<\/p>\n<p>Bei seiner Ankunft wurden ihm und anderen afrikanischen Bewerbern Dokumente auf Russisch vorgelegt, die sie unterschreiben sollten, beschreibt der junge Mann. Als er versuchte, die Inhalte mit seinem Handy zu \u00fcbersetzen, legte ein russischer Soldat demonstrativ seine Waffe auf den Tisch. \u201eDas war eine Drohgeb\u00e4rde. Wir mussten unterschreiben\u201c, berichtet der 22-J\u00e4hrige. Danach wurden ihnen die P\u00e4sse abgenommen und nicht zur\u00fcckgegeben.<\/p>\n<p>Nach lediglich zwei Wochen einer \u201erudiment\u00e4ren Ausbildung\u201c anstelle der versprochenen acht Monate wurde die Gruppe in die Ukraine verlegt. Neben ihm befanden sich Kolumbianer und zahlreiche Afrikaner dort, darunter ein weiterer \u00c4quatorialguineer sowie M\u00e4nner aus Kamerun, Nigeria und Libyen, erz\u00e4hlt Nchama.<\/p>\n<p>Afrikaner als Zielgruppe<\/p>\n<p>Die ukrainischen Beh\u00f6rden gehen davon aus, dass bisher rund 1800 Afrikaner von russischen Truppen zwangsverpflichtet wurden. Mitte Februar ver\u00f6ffentlichte das Investigativ-Kollektiv All Eyes on Wagner die Namen von 1417 Afrikanern, die zwischen Januar 2023 und September 2025 f\u00fcr den Krieg in der Ukraine rekrutiert wurden. \u00dcber 300 von ihnen sind demnach bereits gefallen. Die Mehrheit stammt aus \u00c4gypten, Kamerun und Ghana.<\/p>\n<p>Nchama berichtet mit belegter Stimme, dass ihm erst bewusst wurde, an der Front zu sein, als eine Rakete ihr Fahrzeug traf und zwei seiner Kameraden get\u00f6tet wurden. Anfangs war er einer Einheit mit 424 Soldaten in Donezk im Osten der Ukraine zugeteilt. Innerhalb von zwei Wochen seien alle anderen gefallen \u2013 Nchama ist nach eigenen Angaben der einzige \u00dcberlebende dieser Einheit.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter wurde er einem anderen Bataillon in Wolnowacha in der Region Donezk zugewiesen, das er einen Monat und neun Tage lang anf\u00fchrte. \u201eUnser Auftrag war, sechs ukrainische D\u00f6rfer einzunehmen\u201c, schildert Nchama. \u201eVon 566 Rekruten \u00fcberlebten am Ende nur drei von uns.\u201c<\/p>\n<p>Student berichtet von extremen Bedingungen<\/p>\n<p>Die Bedingungen seien nach Nchamas Darstellung \u00e4u\u00dferst hart gewesen, gepr\u00e4gt von K\u00e4lte und Hunger. Neun Tage lang habe seine Einheit ohne Nahrung auskommen m\u00fcssen. \u201eWir erlegten ein Reh und a\u00dfen es roh, so verzweifelt waren wir\u201c, erinnert er sich. Zudem h\u00e4tten sie st\u00e4ndig unter Druck gestanden: \u201eWenn man eine Anweisung nicht ausf\u00fchrte, konnte man damit rechnen, dass jemand geschickt wurde, um einen zu t\u00f6ten.\u201c<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz kontaktierte Nchama schlie\u00dflich seine Eltern, die daraufhin die Medien in seiner Heimat einschalteten. Seine Geschichte sorgte in \u00c4quatorialguinea f\u00fcr gro\u00dfes Aufsehen, und die Regierung k\u00fcndigte sofort \u201ediplomatische Ma\u00dfnahmen\u201c zur Freilassung an.<\/p>\n<p>Nach weiteren elf Tagen an der Front, in denen es ununterbrochen Angriffe ukrainischer Drohnen gab, durfte Nchama von der Ukraine nach Russland zur\u00fcckkehren. Dort boten ihm seine Vorgesetzten die russische Staatsb\u00fcrgerschaft und eine Anstellung als regul\u00e4rer Soldat an: \u201eSie versprachen mir ein Haus und ein Auto\u201c, berichtet der 22-J\u00e4hrige und zeigt drei erhaltene Orden. Um zu entkommen, erfand er eine Notl\u00fcge: \u201eIch sagte, ich w\u00fcrde das Wochenende bei einem Freund verbringen und gab mir sogar einen anderen Namen.\u201c<\/p>\n<p>Stattdessen holte ihn der Botschafter \u00c4quatorialguineas ab und nahm ihn mit zu sich nach Hause. Nach wenigen Tagen erhielt Nchama einen Passierschein, mit dem er Russland verlassen und in seine Heimat zur\u00fcckkehren konnte. Sein Vater richtet angesichts des erlebten Leids eine Warnung an andere junge Afrikaner und ihre Familien: \u201eDiese Versprechen f\u00fchren direkt in den sicheren Tod\u201c, mahnt er eindringlich.<\/p>\n<p>\t\tPost Navigation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein junger Student aus \u00c4quatorialguinea reiste mit dem Ziel nach Russland, eine Ausbildung zum Leibw\u00e4chter zu absolvieren. 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