{"id":45884,"date":"2026-08-10T18:55:14","date_gmt":"2026-08-10T18:55:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/45884\/"},"modified":"2026-08-10T18:55:14","modified_gmt":"2026-08-10T18:55:14","slug":"ukraine-krieg-nichtsahnender-ex-student-landet-ploetzlich-in-russlands-armee-an-der-front","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/45884\/","title":{"rendered":"Ukraine-Krieg: Nichtsahnender Ex-Student landet pl\u00f6tzlich in Russlands Armee an der Front"},"content":{"rendered":"<p>Ein 22-J\u00e4hriger aus \u00c4quatorialguinea wollte in Russland als Leibw\u00e4chter arbeiten. Stattdessen wurde er an die Front in der Ukraine geschickt. Nun berichtet er, wie er zum K\u00e4mpfen gezwungen wurde.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Dass er an der Front war, merkte Daniel Angel Masie Nchama, \u201eals eine Rakete uns traf\u201c. Der 22-J\u00e4hrige aus \u00c4quatorialguinea wurde Ende 2025 zur Unterst\u00fctzung der russischen Streitkr\u00e4fte zwangsrekrutiert und k\u00e4mpfte als einer von hunderten Afrikanern fast zwei Monate lang in der Ukraine. Zur\u00fcck im bescheidenen Haus seiner Eltern in Malabo berichtet der ehemalige Informatikstudent der Nachrichtenagentur AFP von der eisigen K\u00e4lte, dem Hunger, der Angst und schlie\u00dflich der Flucht aus Russland.<\/p>\n<p>Auf der Suche nach einem Leben im Ausland habe er sich nichtsahnend von einem Kameruner namens \u201eFabrice\u201c \u00fcberzeugen lassen, nach Russland zu gehen, berichtet Nchama. Im Dezember 2025 reiste er in dem Glauben los, in Russland eine milit\u00e4rische Ausbildung zu erhalten, um eine Arbeit als Leibw\u00e4chter anzutreten.<\/p>\n<p>Bei seiner Ankunft wurden ihm und anderen potenziellen Rekruten aus Afrika Dokumente auf Russisch zum Unterschreiben vorgelegt, schildert der junge \u00c4quatorialguineer. Als er versuchte, die Papiere mithilfe seines Handys zu \u00fcbersetzen, legte ein russischer Soldat demonstrativ seine Waffe auf den Tisch. \u201eEs war eine Drohung. Wir mussten unterzeichnen\u201c, sagt der 22-J\u00e4hrige. Anschlie\u00dfend wurden den Afrikanern ihre P\u00e4sse abgenommen und nie wieder zur\u00fcckgegeben.<\/p>\n<p>Nach zwei Wochen \u201erudiment\u00e4rer Ausbildung\u201c statt der urspr\u00fcnglich versprochenen acht Monate wurde die Gruppe in die Ukraine verlegt. Mit ihm seien Kolumbianer und \u201eviele Afrikaner\u201c gewesen, darunter ein weiterer \u00c4quatorialguineer, sowie M\u00e4nner aus Kamerun, Nigeria und Libyen, sagt Nchama.<\/p>\n<p>Afrikanische Rekruten f\u00fcr Russlands Krieg<\/p>\n<p>Die ukrainischen Beh\u00f6rden sch\u00e4tzen, dass bislang etwa 1800 Afrikaner f\u00fcr die russischen Truppen verpflichtet wurden. Mitte Februar ver\u00f6ffentlichte das Investigativ-Kollektiv \u201eAll Eyes on Wagner\u201c die Namen von 1417 Afrikanern, die Moskau zwischen Januar 2023 und September 2025 f\u00fcr den Kampf in der Ukraine rekrutiert hatte. Von diesen Rekruten seien mehr als 300 get\u00f6tet worden. Die meisten von ihnen stammen demnach aus \u00c4gypten, Kamerun und Ghana.<\/p>\n<p>Als eine Rakete ihr Fahrzeug getroffen und zwei seiner Kameraden get\u00f6tet habe, sei ihm klar geworden, dass er an der Front war, berichtet Nchama mit belegter Stimme. Zun\u00e4chst war er einem Bataillon mit 424 Soldaten in Donezk im Osten der Ukraine zugeteilt. Innerhalb von zwei Wochen seien alle anderen get\u00f6tet worden \u2013 nach seinen Worten ist Nchama der einzige \u00dcberlebende der Einheit.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend wurde er einem anderen Bataillon in Wolnowacha in der Region Donezk zugeteilt. Einen Monat und neun Tage lang f\u00fchrte er die Einheit an.\u00a0\u201eUnser Auftrag war, sechs ukrainische D\u00f6rfer einzunehmen\u201c, schildert Nchama. \u201eVon 566 Rekruten waren am Ende nur drei von uns \u00fcbrig.\u201c<\/p>\n<p>Die Lebensbedingungen waren nach Nchamas Schilderungen hart und gepr\u00e4gt von K\u00e4lte und Hunger. Neun Tage lang habe seine Einheit \u00fcberhaupt nichts zu essen bekommen. \u201eWir haben ein Reh erlegt und es roh gegessen, so hungrig waren wir\u201c, schildert er. Zudem h\u00e4tten er und seine Kameraden st\u00e4ndig unter Druck gestanden: \u201eWenn sie dir sagten: \u201aMach das\u2018 und du hast es nicht getan, konnten sie jemanden schicken, um dich zu t\u00f6ten.\u201c<\/p>\n<p>Regierung schaltet sich nach Hilferuf ein<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz alarmierte Nchama schlie\u00dflich seine Eltern, und diese schalteten die Medien in seiner Heimat ein.\u00a0Nchamas Geschichte sorgte in \u00c4quatorialguinea landesweit f\u00fcr Aufsehen, die Regierung k\u00fcndigte umgehend \u201ediplomatische Schritte\u201c an, um seine Freilassung zu erreichen.<\/p>\n<p>Nach weiteren elf Tagen an der Front mit unabl\u00e4ssigen Angriffen ukrainischer Drohnen durfte Nchama schlie\u00dflich von der Ukraine nach Russland reisen. Dort boten ihm seine Vorgesetzten die russische Staatsb\u00fcrgerschaft und eine Stellung als regul\u00e4rer Soldat an: \u201eSie versprachen mir ein Haus, ein Auto\u201c, sagt der 22-J\u00e4hrige und zeigt drei Orden, die ihm verliehen wurden. Er griff zu einer Notl\u00fcge, um zu entkommen: \u201eIch sagte, ich w\u00fcrde das Wochenende bei einem Freund verbringen. Ich habe mir sogar einen Namen ausgedacht\u201c.<\/p>\n<p>Stattdessen holte ihn \u00c4quatorialguineas Botschafter ab und nahm ihn mit zu sich nach Hause. Nach wenigen Tagen konnte Nchama Russland mit einem Passierschein verlassen und nach \u00c4quatorialguinea zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Nchamas Vater hat angesichts der Leidenszeit seines Sohnes eine Botschaft an andere junge Afrikaner und deren Familien, nicht auf zwielichtige Werber hereinzufallen: \u201eDiese Versprechen bedeuten den sicheren Tod\u201c, warnt er.<\/p>\n<p>AFP\/ceb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein 22-J\u00e4hriger aus \u00c4quatorialguinea wollte in Russland als Leibw\u00e4chter arbeiten. 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