{"id":45976,"date":"2026-08-11T11:21:18","date_gmt":"2026-08-11T11:21:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/45976\/"},"modified":"2026-08-11T11:21:18","modified_gmt":"2026-08-11T11:21:18","slug":"machtkampf-im-kongo-us-rohstoff-deals-heizen-die-gewalt-im-osten-weiter-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/45976\/","title":{"rendered":"Machtkampf im Kongo: US-Rohstoff-Deals heizen die Gewalt im Osten weiter an"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Voir_le_CONGO-c9a05b857dd658e0.jpeg\"  width=\"5280\" height=\"2967\"  alt=\"Bilck auf eine Stadt am See aus der Vogelperspektive\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\">Goma am Kivu-See. Die Stadt steht seit Anfang 2025 unter Kontrolle der M23.<\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0Voir le CONGO, <a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/drone-photography-goma-city-dr-congo-2666799805?trackingId=51bfade5-cfe0-459d-8025-77ea180f23fc&amp;listId=searchResults\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">shutterstock<\/a>)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Die USA sichern sich Kobalt und Kupfer im Kongo. Doch die Friedensdiplomatie scheitert: Die M23-Miliz terrorisiert die Region Ostkongo weiter.<\/p>\n<p>Im Dezember 2025 unterzeichneten die USA und die kongolesische Regierung ein <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/strategic-partnership-agreement-between-the-government-of-the-united-states-of-america-and-the-government-of-the-democratic-republic-of-the-congo\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">strategisches Partnerschaftsabkommen<\/a>. Darin sicherten sich Washington und US-Unternehmen bevorzugten Zugang zu diesen kritischen Mineralien.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Das Abkommen wurde als Teil einer umfassenderen Friedensdiplomatie <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=RNkPUaIqHWw\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">inszeniert<\/a>. Zuvor, im Juni 2025 hatten die Demokratischen Republik Kongo und das Nachbarland Ruanda ein <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/peace-agreement-between-the-democratic-republic-of-the-congo-and-the-republic-of-rwanda\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Friedensabkommen<\/a> unterzeichnet, das einen Waffenstillstand und den Abzug ruandischer Truppen aus dem Ostkongo vorsah.<\/p>\n<p>Die Vereinbarungen sollten einen <a href=\"https:\/\/www.kas.de\/en\/web\/auslandsinformationen\/artikel\/detail\/-\/content\/on-the-ongoing-conflict-in-eastern-congo\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">jahrzehntelangen Konflikt<\/a> beenden, der mehr als sechs Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Doch so ist es leider nicht gelaufen.<\/p>\n<p>Ruandas Rolle<\/p>\n<p>Die Vereinbarung geht jedoch am Kern der Sache vorbei, denn Ruanda und die DR Kongo f\u00fchren keinen Krieg gegeneinander. Aber Ruanda unterst\u00fctzt die M23-Miliz, die weite Teile des Ostens der DR Kongo kontrolliert.<\/p>\n<p>Kigali <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/cgly1yrd9j3o\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">unterst\u00fctzt<\/a> die Gruppe mit Logistik, Ausr\u00fcstung und mit bis zu 4.000 Soldaten. Dies macht Ruanda zu einer Besatzungsmacht und rechtlich mitverantwortlich f\u00fcr die \u00dcbergriffe der Miliz, wie Human Rights Watch <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/news\/2026\/06\/17\/trump-declared-peace-in-congo-this-is-the-reality\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">feststellt<\/a>.<\/p>\n<p>Die Strategie scheint darauf ausgelegt, die Kontrolle der sogenannten Alliance Fleuve Congo \u2013 einer politisch-milit\u00e4rischen Allianz, zu der die M23 geh\u00f6rt \u2013 zu festigen. Trotz des R\u00fcckzugs der M23 aus einigen Gebieten gibt es keine Anzeichen daf\u00fcr, dass der Konflikt in der DR Kongo vorbei ist.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Die Terrorherrschaft der M23 geht weiter<\/p>\n<p>So stand denn &#8222;General&#8220; Sultani Makenga auch im Februar 2026 noch vor Tausenden neu ausgebildeten Rekruten in einem Trainingslager im Ostkongo, berichtet Human Rights Watch. Makenga ist milit\u00e4rischer Anf\u00fchrer der M23-Miliz.<\/p>\n<p>Ruandische Truppen waren um die Trainingslager positioniert und bereit, jeden zu erschie\u00dfen, der zu fliehen versuchte. Rekruten berichteten von Ideologie-Sitzungen, in denen sie Lieder sangen und die kongolesische F\u00fchrung kritisierten.<\/p>\n<p>Die M23 f\u00fchrt Hinrichtungen durch, bestraft brutal und behandelt Rekruten unmenschlich, um Loyalit\u00e4t zu erzwingen. Die M23 rekrutierte auch 2026 Tausende gefangener kongolesischer Soldaten und Zivilisten zwangsweise \u2013 manche waren erst zw\u00f6lf Jahre alt.<\/p>\n<p>US-Konzerne mit Absichtserkl\u00e4rungen<\/p>\n<p>Die Demokratische Republik Kongo verf\u00fcgt \u00fcber mehr als die H\u00e4lfte der weltweiten Kobaltreserve und riesige Kupfervorkommen. Beide Metalle sind f\u00fcr Batterien, Milit\u00e4rtechnik und die Energiewende zentral. Ihren Krieg finanziert die M23 jedoch vor allem mit dem Abbau von Gold und Coltan.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>Die USA haben bisher vor allem durch das Mineralienabkommen vom Dezember 2025 profitiert, das US-Unternehmen gr\u00f6\u00dferen Zugang zu den riesigen Bodensch\u00e4tzen des Kongo verschaffen soll.<\/p>\n<p>Anfang Februar 2026 wurde bekannt, dass das US-amerikanische Orion Critical Mineral Consortium eine Absichtserkl\u00e4rung im Wert von neun Milliarden US-Dollar unterzeichnen wird, um einen 40-Prozent-Anteil an kongolesischen Minen des anglo-schweizerischen Konzerns Glencore zu erwerben.<\/p>\n<p>Ende M\u00e4rz kaufte das US-Unternehmen Virtus Minerals die kongolesische Gruppe Chemaf f\u00fcr 700 Millionen US-Dollar.<\/p>\n<p>China spielt die erste Geige<\/p>\n<p>Diese Gesch\u00e4fte stecken allerdings noch in den Kinderschuhen. Sie sind im Vergleich zu chinesischen Bergbauinvestitionen im Kongo noch unbedeutend.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>Chinesische Unternehmen halten Anteile an 15 der gr\u00f6\u00dften Kupfer- und Kobaltminen des Landes, darunter Tenke Fungurume, die weltgr\u00f6\u00dfte Kobaltmine. Im Rahmen eines Mineralien-f\u00fcr-Infrastruktur-Abkommens von 2007 sicherten sich chinesische Firmen Rechte an Mineralvorkommen im Wert von etwa 93 Milliarden US-Dollar im Austausch f\u00fcr Infrastrukturzusagen von drei Milliarden US-Dollar.<\/p>\n<p>Die Zeitschrift Responsible Statecraft <a href=\"https:\/\/responsiblestatecraft.org\/trump-congo-drc\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">sch\u00e4tzt<\/a> die Fortschritte der US-Bergbauunternehmen als noch zu begrenzt, zu schlecht vorbereitet und in mancher Hinsicht zu undurchsichtig ein, um Chinas fest verankerte Position im Sektor zu ersch\u00fcttern.<\/p>\n<p>Kinshasa hofft auf die USA und heizt den Konflikt an<\/p>\n<p>F\u00fcr die kongolesische Regierung ist die sichtbarste Gegenleistung der verst\u00e4rkte US-Druck auf Ruanda und seine Verb\u00fcndeten \u2013 vor allem durch eine Reihe von US-Sanktionen gegen Kigali. Doch diese Schritte haben die grundlegenden Realit\u00e4ten vor Ort noch nicht ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Die Hoffnung, dass verst\u00e4rkte US-Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Demokratische Republik Kongo es deren Streitkr\u00e4ften erm\u00f6glichen wird, die M23 und ihre ruandischen Unterst\u00fctzer zu schlagen, hat jene in Kinshasa ermutigt, die eine milit\u00e4rische L\u00f6sung des Konflikts anstreben. Die au\u00dfergerichtliche <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/africa\/m23-rebel-spokesperson-killed-drone-strike-eastern-congo-officials-say-2026-02-24\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">T\u00f6tung<\/a> des M23-Sprechers Willy Ngoma mittels einer Drohne hat diese Fraktion noch best\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Und auch, wenn dieses Vertrauen in die US-Administration sicher \u00fcbertrieben ist, pr\u00e4gt es doch die Entscheidungsfindung, wie der Beginn einer neuen Offensive der kongolesischen Armee Ende Februar zeigt. Parallel dazu gehen die Gespr\u00e4che zwischen Kinshasa und der M23 in Katar allerdings weiter.<\/p>\n<p>Auch der Umstand, dass Felix Tshisekedi, der kongolesische Pr\u00e4sident, jetzt eine dritte Amtszeit anstrebt, passt in dieses Bild. Tshisekedi <a href=\"https:\/\/responsiblestatecraft.org\/congo-minerals-deal\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">begr\u00fcndet<\/a> diesen Schritt mit Kinshasas Trump-Deal. Der Pr\u00e4sident verst\u00f6\u00dft mit diesem Vorsto\u00df zwar gegen den aktuellen Wortlaut der kongolesischen Verfassung, aber er hat die R\u00fcckendeckung des Obersten Gerichtshofes. <\/p>\n<p>Die M23 versucht, an Kinshasa vorbei zu verhandeln<\/p>\n<p>Das von den USA verhandelte Abkommen hat zwei entscheidende Schw\u00e4chen: Die Gr\u00f6\u00dfte L\u00fccke ist, dass die M23 nicht an den Verhandlungen teilgenommen hat und deshalb nicht an die Vereinbarungen gebunden ist. Folglich fehlen auch Ma\u00dfnahmen, die sicherstellen, dass die M23 die Kampfhandlungen einstellt.<\/p>\n<p>Die Stiftung Wissenschaft und Politik <a href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/assets\/afrika\/publications\/policybrief\/MTA_PB_51_Eickhoff_Great_Lakes.pdf\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">weist darauf hin<\/a>, dass die Gruppe mittlerweile einen eigenen Kommunikationskanal mit Washington aufzubauen sucht, um \u00fcber die Mineralvorkommen in den von ihr kontrollierten Abbaust\u00e4tten zu verhandeln.<\/p>\n<p>Bisher jedoch liegen die Auswirkungen des US-Engagements in der Demokratischen Republik Kongo weitaus weniger in dem, was es geliefert hat, als in den Erwartungen, die es erzeugt hat. Diese pr\u00e4gen vor allem die milit\u00e4rischen Ambitionen Kinshasas \u2013 was die Gewalt im Osten tendenziell noch anheizt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Goma am Kivu-See. Die Stadt steht seit Anfang 2025 unter Kontrolle der M23. 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