{"id":46589,"date":"2026-08-14T20:48:12","date_gmt":"2026-08-14T20:48:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/46589\/"},"modified":"2026-08-14T20:48:12","modified_gmt":"2026-08-14T20:48:12","slug":"wie-die-grenze-von-ceuta-dichtgemacht-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/46589\/","title":{"rendered":"Wie die Grenze von Ceuta dichtgemacht wird"},"content":{"rendered":"<p>Marokko hat die spanische Exklave Ceuta mit einem zus\u00e4tzlichen Aufgebot an Sicherheitskr\u00e4ften gesichert. Schon auf der Stra\u00dfe zur Grenze hat die Polizei Checkpoints errichtet und Wasserwerfer platziert. Direkt am \u00dcbergang reihen sich auf der marokkanischen Seite der Kontrollstation Dutzende Polizeifahrzeuge aneinander, auf den H\u00fcgeln patrouillieren Polizisten. Szenen wie vor zwei Wochen, als rund 70.000 Menschen von Marokko nach Ceuta flohen, will die Regierung in Rabat erkennbar verhindern.<\/p>\n<p>Die Sorge ist gro\u00df, dass Ceuta erneut Ziel von Fl\u00fcchtenden werden k\u00f6nnte, seitdem in Sozialen Medien Aufrufe f\u00fcr eine neue Migrationswelle an diesem Wochenende kursieren. Die EU-Kommission hat Meta und andere Plattformbetreiber zwar aufgefordert, entsprechende Posts zu l\u00f6schen. Migranten in Ceuta berichteten CORRECTIV \u00fcber entsprechende Nachrichten. In diesen wird zur Flucht aufgerufen.<\/p>\n<p>Gegenseitige Schuldzuweisungen<\/p>\n<p>Die Fl\u00fcchtlingswelle vor zwei Wochen hatte zu einem Konflikt zwischen Spanien und Marokko gef\u00fchrt. Beide Seiten wiesen sich gegenseitig die Schuld daran zu. Bislang sind die Hintergr\u00fcnde f\u00fcr die pl\u00f6tzliche Migrationsbewegung ungekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Eine Wiederholung wollen beide Staaten erkennbar verhindern. In Ceuta selbst halten sich noch einige tausend Fl\u00fcchtlinge auf, darunter viele Minderj\u00e4hrige und Frauen. Ein Sprecher des spanischen Innenministeriums betonte, dass alle pr\u00e4ventiven Ma\u00dfnahmen ergriffen worden seien, um die Grenze zu sch\u00fctzen. Eine illegale Einreise von Migranten soll verhindert werden, wie der Sprecher sagte. Die Regierung hat nach fr\u00fcheren Angaben zus\u00e4tzliche Milit\u00e4rkr\u00e4fte in die Exklave geschickt.<\/p>\n<p>Marokko hat den Sicherungsring tief in das eigene Gebiet gestaffelt: In der Gemeinde Fnideq, etwa vier Kilometer vor der Grenze, ist die Polizeipr\u00e4senz hoch. Auf einem Parkplatz der K\u00fcstenstadt stehen mehrere Polizeibusse, Polizisten mit Schutzausr\u00fcstung vertreiben sich die Zeit. Davon abgesehen herrscht reges Treiben, in den Einkaufsstra\u00dfen dr\u00e4ngen sich Menschen dicht an dicht, hier gibt es marokkanisches Streetfood und an St\u00e4nden Fake-Fu\u00dfballtrikots zu kaufen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-285241\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/ceuta-1.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"288\"\/>Die spanische Seite der Grenze in Ceuta mit Blick Richtung Marokko. Quelle: Max Bernhard\/CORRECTIV.<\/p>\n<p>Auf der spanischen Seite ist die Pr\u00e4senz von Sicherheitskr\u00e4ften weniger gro\u00df. Lediglich vor gr\u00f6\u00dferen Superm\u00e4rkten und am Strand stehen Soldaten und Polizisten. Ein Grenztor in Strandn\u00e4he ist ge\u00f6ffnet, davor steht ein einzelner Polizei-Jeep. Marokkanerinnen und Marokkaner, die freiwillig zur\u00fcckkehren wollen, sollen hier ohne Fragen \u00fcber die Grenze in ihr Heimatland zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Rund 600 Personen sollen in den vergangenen Tagen laut Medienberichten freiwillig zur\u00fcckgekehrt sein.<\/p>\n<p>Viele Menschen sind aber geblieben. Am Strand kampieren Gefl\u00fcchtete, die vor allem aus der Subsahara gekommen sein sollen, in behelfsm\u00e4\u00dfigen Behausungen oder unter dem freien Himmel. Am Playa del Trampolin versorgt das Rote Kreuz die Betroffenen mit Wasser und Essen. Die Mehrheit der Migranten seien M\u00e4nner und Jungen, berichtet ein Taxifahrer im Gespr\u00e4ch mit CORRECTIV. Er habe aber auch Frauen und M\u00e4dchen bei der Grenz\u00fcberquerung beobachtet.<\/p>\n<p>Die Notunterkunft vor der Lagerhalle<\/p>\n<p>Unweit des Grenzzauns steht im Industriegebiet Tarajal in einer Lagerhalle eine Unterkunft f\u00fcr minderj\u00e4hrige Gefl\u00fcchtete. Schon vor den Ereignissen vor zwei Wochen soll diese laut Augenzeugen voller Menschen gewesen sein. Familien und alleinreisende Minderj\u00e4hrige schlafen dort deshalb auf der Stra\u00dfe.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-285243\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/ceuta-2.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"341\"\/>Szene aus dem Industriegebiet. Quelle: Max Bernhard\/CORRECTIV.<\/p>\n<p>Einer der Jungen dort ist Mohammed, der sagt, er sei 17. Mit ein paar anderen schl\u00e4ft er auf Pappkartons; vor der Sonne sch\u00fctzt die Jungen an die Wand gelehnte Metall-Absperrungen, \u00fcber die ein Tuch gespannt ist. Wie Mohammed berichtet, bekommen sie einmal am Tag etwas zu Essen. Der j\u00fcngste in der Gruppe, Oussama, sagt, er sei 14 Jahre alt. Sie alle kommen aus der gleichen Nachbarschaft im etwa 40 Kilometer entfernten Tetouan. Der Gro\u00dfteil hat die Grenze am 30. Juli \u00fcberquert, zwei kamen schon davor. Die Zahl der Menschen, die die Grenze \u00fcberquerten, stieg schon in den Tagen vor der Massen\u00fcberquerung an.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-285249\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/ceuta-3.jpg\" alt=\"\" width=\"288\" height=\"512\"\/>Eine Unterkunft f\u00fcr Minderj\u00e4hrige soll schon vor den Ereignissen von Ende Juli \u00fcberf\u00fcllt gewesen sein. Jetzt schlafen junge M\u00e4nner hier unter freiem Himmel. Quelle: Max Bernhard\/CORRECTIV.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-285253\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/ceuta-4.jpg\" alt=\"\" width=\"384\" height=\"512\"\/>Die Jugendlichen schlafen auf Pappkartons und sch\u00fctzen sich mit T\u00fcchern vor der Sonne. Quelle: Max Bernhard\/CORRECTIV.<\/p>\n<p>Mohammed erkl\u00e4rt, er habe am Morgen des 30. Juli Beitr\u00e4ge von Freunden auf Instagram gesehen, dass sie die Grenze \u00fcberquert h\u00e4tten. Andere Freunde in Ceuta h\u00e4tten ihm dann best\u00e4tigt, dass die Grenze offen sei. Daraufhin sei er mit anderen Jugendlichen in ein Taxi Richtung Grenze gestiegen. Etwa drei Kilometer vor der Grenze seien sie vom Milit\u00e4r gestoppt worden. Ein Soldat habe ihnen gesagt, sie sollten am Strand zu Fu\u00df weitergehen.<\/p>\n<p>Massenpanik<\/p>\n<p>Die Jungen erz\u00e4hlen, wie es bei der Grenz\u00fcberquerung durch das Meer zu einer Massenpanik gekommen sei, Menschen seien unter das Wasser gedr\u00fcckt worden. In den Tagen danach h\u00e4tten sich viele von ihnen zun\u00e4chst in einem Wald versteckt. R\u00fcckkehr sei f\u00fcr sie keine Option, in Marokko gebe es keine Arbeit und das Bildungssystem sei schlecht, berichten die Minderj\u00e4hrigen.<\/p>\n<p>Salim, 18, kommt aus dem etwa 200 Kilometer entfernten Fes. Auch er erz\u00e4hlt, er habe auf Instagram gesehen, dass die Grenze offen sei. Die Motivation, Marokko zu verlassen, habe er aber schon lange gehabt, er habe vier j\u00fcngere Br\u00fcder und keine M\u00f6glichkeit, dort genug Geld f\u00fcr sie und seine Eltern zu verdienen.<\/p>\n<p>Im Beitrag, den er zeigt, sind Menschen zu sehen, die durch ein Tor auf der spanischen Seite in Ceuta rennen. Es ist direkt neben dem Tor, durch das die jetzt Gefl\u00fcchteten zur\u00fcckkehren sollen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-285263\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/ceuta-5.jpg\" alt=\"\" width=\"288\" height=\"512\"\/>Der 18-j\u00e4hrige Salim zeigt ein Video, das ihn zum Aufbruch motiviert haben soll. Quelle: Max Bernhard\/CORRECTIV.<\/p>\n<p>Wie viele jetzt noch in Ceuta sind, ist unklar. Das spanische Innenministerium teilte CORRECTIV am Freitagnachmittag mit, seine Sicherheitskr\u00e4fte h\u00e4tten ihre Sch\u00e4tzung der Zahl der noch in Ceuta verbliebenen erwachsenen irregul\u00e4ren Migranten auf 5.000 nach oben korrigiert; hinzu k\u00e4men 1.989 Minderj\u00e4hrige, die von der Nationalpolizei registriert wurden.<\/p>\n<p>Zuvor hatte Spaniens Regierung die Zahl der Fl\u00fcchtlinge in Ceuta auf 2.500 bis 3.000 Fl\u00fcchtlinge gesch\u00e4tzt \u2013 der B\u00fcrgermeister der Exklave sagte schon vor Tagen, er gehe eher von 9.000 aus. Auf der Stra\u00dfe sch\u00e4tzen die Menschen, es seien noch mehr.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Redigatur und Faktencheck: Anette Dowideit, Martin Murphy<\/p>\n<p>CORRECTIV im Postfach<\/p>\n<p class=\"has-greyscale-100-color has-text-color has-link-color wp-elements-6cf9f66b5be7ba45f9e9ad942184ddc6 wp-block-paragraph\">Lesen Sie von Macht und Missbrauch. Aber auch von Menschen und Momenten, die zeigen, dass wir es als Gesellschaft besser k\u00f6nnen. T\u00e4glich im CORRECTIV Spotlight.<\/p>\n<p style=\"font-family: 'Source Sans Pro', sans-serif; font-weight: 12; font-size: 12px; color: #FFFFFF; line-height: 1.4; margin: 0;\">\n  \u24d8<br \/>\n Mit der Anmeldung willigen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten gem\u00e4\u00df unserer <a href=\"https:\/\/correctiv.org\/kontakt\/datenschutz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" style=\"color: #FFFFFF; text-decoration: underline;\" data-wpel-link=\"internal\"><br \/>\n    Datenschutzerkl\u00e4rung<br \/>\n <\/a>  ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Marokko hat die spanische Exklave Ceuta mit einem zus\u00e4tzlichen Aufgebot an Sicherheitskr\u00e4ften gesichert. 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