{"id":46699,"date":"2026-08-15T15:06:10","date_gmt":"2026-08-15T15:06:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/46699\/"},"modified":"2026-08-15T15:06:10","modified_gmt":"2026-08-15T15:06:10","slug":"erdgas-aus-nigeria-welche-risiken-die-neue-mega-pipeline-birgt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/46699\/","title":{"rendered":"Erdgas aus Nigeria? Welche Risiken die neue Mega-Pipeline birgt"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Williamson_ijeh__cropped_-28ae4f55eb330743.jpeg\"  width=\"5748\" height=\"3229\"  alt=\"komplexe Industrieanlagen vor blauem Himmel\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"caption akwa-caption__text\">Moderne Gasverfl\u00fcssigungsanlage auf Bonny Island, River State, Nigeria. <\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0Williamson ijeh (cropped), <a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/river-state-bonny-island-nigeria-june-2800628471?trackingId=5d2e646e-8365-4316-abce-b4e973d6a77c&amp;listId=searchResults\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener nofollow\">shutterstock<\/a>)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Gas aus Nigeria auch f\u00fcr Europa: Trotz ECOWAS-Zustimmung ist die Finanzierung der Pipeline unklar. Das Gas flie\u00dft fr\u00fchestens 2031.<\/p>\n<p>Westafrikas Staats- und Regierungschefs haben im Mai 2026 in Freetown eines der ambitioniertesten Infrastrukturprojekte des Kontinents offiziell <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/energy\/west-africas-ecowas-bloc-signs-agreement-backing-nigeria-morocco-atlantic-gas-2026-07-19\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">abgesegnet<\/a>: Die Nigeria-Marokko-Atlantik-Gaspipeline soll k\u00fcnftig 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr von Nigeria entlang der Atlantikk\u00fcste bis nach Marokko transportieren und von dort nach Europa weiterleiten.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Doch ob das Gas tats\u00e4chlich jemals flie\u00dfen wird, ist h\u00f6chst ungewiss. Die Kosten werden auf 25 Milliarden US-Dollar gesch\u00e4tzt, die Bauzeit soll mehr als 20 Jahre betragen, und die Finanzierung ist nach wie vor nicht gesichert.<\/p>\n<p>Wer leiht NNPC und ONHYM 25 Milliarden US-Dollar?<\/p>\n<p>Das Projekt wird von der Nigerian National Petroleum Company (NNPC) und der marokkanischen Bergbau- und Kohlenwasserstoffbeh\u00f6rde ONHYM <a href=\"https:\/\/african.business\/2026\/05\/energy-resources\/nigeria-and-morocco-seek-us-funding-for-atlantic-gas-pipeline\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">gemeinsam geleitet<\/a>.<\/p>\n<p>Machbarkeitsstudien und technische Planungen sind nach Angaben der Projektbetreiber <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/cwyr5rpglngo\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">abgeschlossen<\/a>. Der Islamische Entwicklungsbank und der OPEC-Fonds f\u00fcr internationale Entwicklung hatten zusammen knapp 60 Millionen US-Dollar f\u00fcr diese Vorstudien bereitgestellt.<\/p>\n<p>Doch wer die eigentlichen Baukosten von 25 Milliarden Dollar tragen soll, bleibt bislang unklar. Konkrete Zusagen gibt es bisher nicht.<\/p>\n<p>Ein Marathon \u00fcber zwei Jahrzehnte<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Die geplante Route der Nigeria-Marokko-Pipeline w\u00fcrde 13 L\u00e4nder durchqueren: Nigeria, Benin, Togo, Ghana, Elfenbeink\u00fcste, Liberia, Sierra Leone, Guinea, Guinea-Bissau, Gambia, Senegal, Mauretanien sowie Marokko und Westsahara.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>Von den 30 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr ist die H\u00e4lfte f\u00fcr die Versorgung der durchquerten westafrikanischen L\u00e4nder vorgesehen, um Stromerzeugung, D\u00fcngemittelproduktion und industrielle Entwicklung zu f\u00f6rdern. Die andere H\u00e4lfte soll \u00fcber die bestehende Maghreb-Europa-Pipeline durch Spanien ins europ\u00e4ische Gasnetz eingespeist werden.<\/p>\n<p>Das Projekt soll in Etappen <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/sustainability\/boards-policy-regulation\/intergovernmental-deal-25-billion-nigeria-morocco-gas-pipeline-due-this-year-2026-04-13\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">realisiert<\/a> werden. Laut Amina Benkhadra von ONHYM werden zun\u00e4chst Abschnitte gebaut, die Marokko mit Gasfeldern vor Mauretanien und Senegal verbinden, sowie ein Segment zwischen Ghana und der Elfenbeink\u00fcste.<\/p>\n<p>Erst danach w\u00fcrde Ghana an Nigerias Gasfelder angeschlossen. Erstes Gas aus den Anfangsphasen wird f\u00fcr 2031 erwartet, die vollst\u00e4ndige Fertigstellung nicht vor 2046.<\/p>\n<p>Das Projekt h\u00e4ngt nicht von einer einzigen globalen Investitionsentscheidung ab, denn jedes Segment ist als eigenst\u00e4ndiges System konzipiert, um fr\u00fchzeitig Wert zu schaffen. Denn immerhin leben entlang der Pipeline etwa 400 Millionen Westafrikaner, deren Energiehunger nur wachsen wird.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>IEEFA prognostiziert schrumpfende EU-Gasimporte<\/p>\n<p>Europa braucht dagegen immer weniger Erdgas. Zwar haben europ\u00e4ische Regierungen nach dem Wegfall russischer Gaslieferungen gro\u00dfes Interesse an afrikanischen Alternativen bekundet. Das Institute for Energy Economics and Financial Analysis <a href=\"https:\/\/ieefa.org\/resources\/eu-gas-imports-fall-25-2030-demand-reduction-target-exceeded-once-again\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">prognostiziert<\/a>, dass europ\u00e4ische Gasimporte bis 2030 um weitere 25 Prozent zur\u00fcckgehen werden.<\/p>\n<p>Und aus energiepolitischer Sicht bedeuten Gasimporte nicht zwingend Unterst\u00fctzung f\u00fcr Pipeline-Infrastruktur. Pipelines binden die Abnehmer langfristig an bestimmte Lieferanten. Fl\u00fcssiggas (LNG), das per Schiff transportiert wird, bietet \u2013 gegen einen Aufpreis \u2013 mehr Flexibilit\u00e4t beim Wechsel zwischen verschiedenen Anbietern.<\/p>\n<p>Bisher hat weder die Europ\u00e4ische Kommission noch irgendeine nationale Regierung in Europa feste Zusagen gemacht.<\/p>\n<p>Sicherheitsrisiken und die neue EU-Methan-Verordnung<\/p>\n<p>Selbst wenn die Finanzierung gesichert werden kann, bleiben erhebliche Herausforderungen. Die Sicherheit einer Pipeline, die sich \u00fcber tausende Kilometer erstreckt, muss durch 13 L\u00e4nder hindurch gew\u00e4hrleistet werden.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>Charles Majomi betont die Bedeutung der Einbindung lokaler Gemeinschaften und den Einsatz von Drohnen zur \u00dcberwachung. Auch die politische Stabilit\u00e4t in allen beteiligten Staaten \u00fcber einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten ist aus historischer Perspektive keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem k\u00f6nnte sich aus den <a href=\"https:\/\/www.bafa.de\/DE\/Aussenwirtschaft\/Methanverordnung\/Methanverordnung_node.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">EU-Methan-Vorschriften<\/a> ergeben, die ab 2030 strenge Grenzwerte f\u00fcr Methan-Emissionen bei Gasimporten vorschreiben. Nigerias Gasproduktion ist derzeit mit extremen Methanemissionen verbunden, was hohe Strafzahlungen nach sich ziehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Konkurrenz durch andere Routen<\/p>\n<p>Die Nigeria-Marokko-Pipeline ist zudem nicht das einzige Projekt, mit dem Nigeria seine enormen Gasreserven \u2013 nach offiziellen Angaben 206,53 Billionen Kubikfu\u00df \u2013 in Wert setzen will. Bereits 2022 unterzeichnete Abuja mit Algerien und Niger ein Abkommen zu einer Trans-Sahara-Pipeline, die nach Europa f\u00fchren soll.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich plant Algerien eine spezielle Wasserstoff-Pipeline nach Deutschland, die ebenfalls in Konkurrenz zu Erdgasimporten aus der Atlantik-Route stehen k\u00f6nnte. Und schlie\u00dflich exportiert Nigeria bereits heute Fl\u00fcssiggas \u00fcber die Nigerian Liquefied Natural Gas Company \u2013 ein flexibleres Gesch\u00e4ftsmodell als Pipeline-Transport.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>Traum oder Illusion?<\/p>\n<p>Ob die Nigeria-Marokko-Atlantik-Gaspipeline jemals Realit\u00e4t wird, h\u00e4ngt von zahlreichen Faktoren ab: Finanzierung, europ\u00e4ische Gasnachfrage, politische Stabilit\u00e4t, Sicherheit und Konkurrenz durch alternative Projekte.<\/p>\n<p>Die politische Unterst\u00fctzung durch ECOWAS und die abgeschlossenen technischen Studien sind positive Signale. Doch ohne konkrete Finanzierungszusagen und angesichts der schrumpfenden Gasnachfrage in Europa bleibt das Projekt vorerst eine Vision.<\/p>\n<p>Doch selbst im optimistischsten Szenario wird das erste Gas fr\u00fchestens 2031 flie\u00dfen. Sollte es jedoch dazu kommen, w\u00fcrde dies die wirtschaftliche und geopolitische Bedeutung Nigerias und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft schlagartig vervielfachen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Moderne Gasverfl\u00fcssigungsanlage auf Bonny Island, River State, Nigeria. 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