{"id":46978,"date":"2026-08-17T12:23:08","date_gmt":"2026-08-17T12:23:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/46978\/"},"modified":"2026-08-17T12:23:08","modified_gmt":"2026-08-17T12:23:08","slug":"nigeria-multi-krise-im-nordosten-vatican-news","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/46978\/","title":{"rendered":"Nigeria: Multi-Krise im Nordosten &#8211; Vatican News"},"content":{"rendered":"<p>In Afrikas bev\u00f6lkerungsreichstem Land Nigeria \u2013 es hat rund 250 Millionen Einwohner \u2013 versch\u00e4rft sich eine Hungerkrise, die schon l\u00e4nger schwelte. Sie trifft besonders die Menschen im Nordosten, die auch unter den bewaffneten Konflikten und Vertreibungen leiden. <\/p>\n<p>Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation \u201eAction contre la Faim\u201c sind heute mehr als 36 Millionen Nigerianer von Ern\u00e4hrungsunsicherheit betroffen, das sind drei Millionen mehr als im vergangenen Jahr. Besonders hart trifft die Krise Kinder: Sechs Millionen Kinder unter f\u00fcnf Jahren leiden an Mangelern\u00e4hrung. Hinzu kommen mehr als 800.000 schwangere und stillende Frauen, die ebenfalls von Ern\u00e4hrungsunsicherheit und Mangelern\u00e4hrung betroffen sind.<\/p>\n<p>Konflikt und Vertreibung <\/p>\n<p>Das Zentrum der Krise liegt weiter im Nordosten des Landes, vor allem in den Bundesstaaten Borno, Adamawa und Yobe. Auch Teile des Nordwestens und des Nordzentrums geh\u00f6ren zu den stark betroffenen Gebieten. Thierno Samba Diallo, L\u00e4nderdirektor von \u201eAction contre la Faim\u201c in Nigeria, nennt mehrere Ursachen: den seit rund anderthalb Jahrzehnten anhaltenden Konflikt im Nordosten, bewaffnete nichtstaatliche Gruppen, Vertreibung, geringe landwirtschaftliche Produktion und fehlenden Zugang zu fruchtbaren Fl\u00e4chen. Zwischen zwei und drei Millionen Menschen leben nach seiner Sch\u00e4tzung weiterhin als Binnenvertriebene. Gewalt und Vertreibung treffen dabei unmittelbar die wichtigsten Lebensgrundlagen vieler Familien. \u201eWenn es einen Konflikt gibt, fehlt der Zugang. Die Menschen ziehen fort. Sie leben nicht an ihrem Herkunftsort\u201c, erkl\u00e4rt Diallo.<\/p>\n<p>Bodennutzung als Lebensgrundlage <\/p>\n<p>Landwirtschaft und Viehzucht sichern im Norden allerdings f\u00fcr viele Haushalte Nahrung und Einkommen. Wer fliehen muss oder sich aus Angst vor Gewalt nicht frei bewegen kann, erreicht die Felder oft nicht rechtzeitig. \u201eWenn das der Fall ist, haben sie keinen Zugang zu den Feldern\u201c, erkl\u00e4rt Diallo. \u201eLandwirtschaft und Viehzucht: Bei Konflikten sind das die ersten Lebensgrundlagen, die betroffen sind.\u201c Damit fehlen Ernten und zugleich Einnahmen f\u00fcr medizinische Versorgung, Schulbildung und andere grundlegende Ausgaben. In Gebieten unter Kontrolle nichtstaatlicher Gruppen m\u00fcssen Landwirte laut Diallo teils Abgaben oder andere Zahlungen leisten, um dort bleiben und arbeiten zu k\u00f6nnen. Verd\u00e4chtigen bewaffnete Gruppen sie der Zusammenarbeit mit der Gegenseite, geraten sie zudem selbst ins Visier. Die Folgen reichen bis zur Mangelern\u00e4hrung bei Kindern.<\/p>\n<p>Zur wachsenden Not kommen sinkende Mittel f\u00fcr humanit\u00e4re Hilfe. Diallo verweist auf globale K\u00fcrzungen seit dem vergangenen Jahr und auf den Wegfall von USAID-Finanzierungen. Diese Gelder h\u00e4tten nach seinen Angaben fast die H\u00e4lfte der humanit\u00e4ren Finanzierung weltweit ausgemacht. Weitere bilaterale und multilaterale Geber k\u00fcrzten ebenfalls. \u201eDas bedeutet, dass sich die Lage leider versch\u00e4rft. Die Bed\u00fcrfnisse steigen, aber die Mittel f\u00fcr die Antwort und f\u00fcr die Finanzierung gehen gleichzeitig ebenfalls zur\u00fcck\u201c, so Diallo. F\u00fcr Hilfsorganisationen w\u00e4chst damit die L\u00fccke zwischen Bedarf und verf\u00fcgbaren Mitteln.<\/p>\n<p>Weniger Hilfsmittel und der Klimawandel <\/p>\n<p>\u201eMit den Klimaver\u00e4nderungen schaffen es die Menschen nicht, genug zu produzieren\u201c<\/p>\n<p>Auch Klimaver\u00e4nderungen erschweren den Anbau. Diallo zufolge brauchen Landwirte verbessertes Saatgut, das an ver\u00e4nderte Klimabedingungen angepasst ist. Viele Familien haben keinen Zugang zu solchen Mitteln. Traditionelle Zeitpunkte f\u00fcr Aussaat und Anbau passen nach seinen Angaben immer weniger zu den tats\u00e4chlichen Wetterbedingungen. \u201eMit den Klimaver\u00e4nderungen schaffen es die Menschen nicht, genug zu produzieren, selbst dort, wo sie produzieren konnten. Wenn Sie keinen Zugang zu verbessertem Saatgut haben, bedeutet das, dass Sie sich nicht an die Klimaver\u00e4nderungen anpassen. Der Stress nimmt zu, die Klimast\u00f6rungen wirken sich weiter aus, die Temperaturen steigen\u201c, erkl\u00e4rt Diallo.<\/p>\n<p>Als Beispiel nennt er das Tschadseebecken. In den vergangenen 60 Jahren habe es mehr als 80 Prozent seiner Wasserkapazit\u00e4t verloren. Konflikt und Instabilit\u00e4t versch\u00e4rfen die Folgen zus\u00e4tzlich, weil Wartung und Anpassungsma\u00dfnahmen erschwert werden. Die Bev\u00f6lkerung rund um das Becken tr\u00e4gt nach Diallos Darstellung zugleich die Last von Gewalt und klimatischen Ver\u00e4nderungen. \u201eFrieden und Stabilit\u00e4t sind deshalb eine Voraussetzung daf\u00fcr, dass sich die Menschen an ver\u00e4nderte Umweltbedingungen anpassen und geeignete Mittel einsetzen k\u00f6nnen\u201c, so der Fachmann.<\/p>\n<p>Der Staat in der Pflicht <\/p>\n<p>\u201eDie Hauptverantwortung f\u00fcr das Wohlergehen der Bev\u00f6lkerung liegt bei der Regierung\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr eine dauerhafte Antwort sieht Diallo zuerst den nigerianischen Staat in der Pflicht. Zugleich fordert er internationale Zusammenarbeit, die humanit\u00e4re Hilfe, wirtschaftliche Entwicklung und nachhaltige Entwicklung miteinander verbindet &#8211; ein neuer Ansatz also. \u201eEs geht um den \u00dcbergang von humanit\u00e4rer Hilfe und Entwicklung hin zu etwas, das st\u00e4rker von lokalen Akteuren und den Regierenden getragen wird\u201c, erkl\u00e4rt Diallo.<\/p>\n<p>Zu einem solchen Ansatz z\u00e4hlen nach seinen Angaben Ern\u00e4hrungssicherung, die St\u00e4rkung der Lebensgrundlagen, Wasserversorgung und Sanit\u00e4rversorgung, soziale Sicherung sowie psychosoziale Hilfe. Einige Vertriebene leben seit zehn oder 15 Jahren fern ihrer Heimat. Diallo fordert deshalb Finanzierungen, die mehrere Bereiche zugleich erfassen und langfristig angelegt sind. Humanit\u00e4re Hilfe, Resilienz und nachhaltige Entwicklung sollen dabei zusammenwirken.<\/p>\n<p>Das Interview mit Thierno Samba Diallo f\u00fchrte Augustine Asta. \u00a0<\/p>\n<p>(vatican news \u2013 gs)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Afrikas bev\u00f6lkerungsreichstem Land Nigeria \u2013 es hat rund 250 Millionen Einwohner \u2013 versch\u00e4rft sich eine Hungerkrise, die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":46979,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[8],"tags":[529,205,786,1300,77,283,229],"class_list":["post-46978","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-nigeria","tag-armut","tag-gewalt","tag-hilfswerke","tag-klimawandel","tag-nigeria","tag-politik","tag-solidaritaet"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/117110833395735964","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/46978","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=46978"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/46978\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/46979"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=46978"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=46978"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=46978"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}