{"id":4711,"date":"2026-04-20T09:58:34","date_gmt":"2026-04-20T09:58:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4711\/"},"modified":"2026-04-20T09:58:34","modified_gmt":"2026-04-20T09:58:34","slug":"brillenpinguine-in-suedafrika-drohen-zu-verhungern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4711\/","title":{"rendered":"Brillenpinguine in S\u00fcdafrika drohen zu verhungern"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/pinguine-boulder-kolonie-100.jpg\" alt=\"2 Pinguine am Strand der Boulder Pinguinkolonie in der N\u00e4he von Kapstadt.\" title=\"2 Pinguine am Strand der Boulder Pinguinkolonie in der N\u00e4he von Kapstadt. | AFP\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 06.01.2026 \u2022 04:39 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        In den 1950er-Jahren gab es vor der K\u00fcste S\u00fcdafrikas noch 140.000 Brutpaare, inzwischen sind es nicht mal mehr 10.000. Brillenpinguine drohen in der Wildnis in den kommenden Jahren auszusterben.\n    <\/p>\n<p>Von Kristin Becker, SWR, zzt. ARD Johannesburg\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es ist ein eindr\u00fcckliches Spektakel auf dem Indischen Ozean vor der K\u00fcste S\u00fcdafrikas: Das Meer glitzert in der Morgensonne, und Hunderte von V\u00f6geln kreisen aufgeregt \u00fcber der Beute. Mit bis zu 120 km\/h sto\u00dfen Kapt\u00f6lpel mit ihren spitzen Schn\u00e4beln senkrecht ins Wasser. Sturmtaucher und M\u00f6wen segeln gierig \u00fcber der Oberfl\u00e4che. Auch Delfine und Wale sind da und treiben die Fische von unten zusammen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein gro\u00dfes Festmahl stehe an, bei dem die verschiedenen Tiere gemeinsam Fische jagen, erkl\u00e4rt Rob Francis. Der Skipper und Meeressch\u00fctzer ist fast jeden Tag auf dem Ozean, um Touristen die Sch\u00f6nheit seiner Heimat zu zeigen. Aber er macht sich gro\u00dfe Sorgen, denn immer \u00f6fter fehlt einer bei den Fischgelagen auf dem Meer: der Brillenpinguin.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Er ist die einzige Pinguinart, die an afrikanischen K\u00fcsten lebt, in Namibia und vor allem S\u00fcdafrika, und er ist akut gef\u00e4hrdet. 2024 hat die Weltnaturschutzorganisation die Brillenpinguine als vom Aussterben bedroht eingestuft.<\/p>\n<p>    &#8222;So hungrig, dass sie alleine losziehen&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wo fr\u00fcher Zehntausende von Tieren lebten, herrscht inzwischen Leere: Noch vor wenigen Jahren gab es auf der kleinen Insel St. Croix vor der K\u00fcste der s\u00fcdafrikanischen Hafenstadt Gqeberha eine der gr\u00f6\u00dften Brutkolonien der Brillenpinguine. Francis zeigt ein Foto von 2002: Dicht an dicht stehen Pinguine auf den Inselklippen. Inzwischen sieht man dort kaum noch Tiere, nur ab und an eine kleinere Gruppe.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch im Wasser schwimmen an diesem Tag nur vereinzelt drei, vier Tiere. Eigentlich sollten sie in gr\u00f6\u00dferen Gruppen unterwegs sein, um sich gegenseitig Schutz zu bieten. &#8222;Es sind einfach inzwischen so wenige, und manche sind offenbar so hungrig, dass sie alleine losziehen, auch wenn das gef\u00e4hrlich ist&#8220;, sagt Francis.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Gerade ist Mauserzeit, die Pinguine verlieren ihre Federn und m\u00fcssen eigentlich rund drei Wochen an Land warten, bis ihr Federkleid nachgewachsen und wieder wasserfest ist. In der Zeit ist Fasten angesagt. Hei\u00dft: m\u00f6glichst viel Reserve anfressen und danach wieder richtig reinhauen. Doch haben die Tiere immer gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten, genug Futter zu finden.<\/p>\n<p>    Studien belegen Ausma\u00df<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Die Brillenpinguine sind sehr w\u00e4hlerische Esser&#8220;, erkl\u00e4rt Zoologe Carl Havemann von der S\u00fcdafrikanischen Stiftung f\u00fcr den Erhalt der K\u00fcstenv\u00f6gel (SANCOBB). &#8222;Sie ern\u00e4hren sich vorwiegend von Sardinen und Sardellen.&#8220; Wenn es davon nicht genug gibt, haben sie ein Problem. Zwei neue Studien zeigen, dass die Brillenpinguine seit drei Jahrzehnten vom R\u00fcckgang ihrer Beutefische und der Konkurrenz mit kommerzieller Fischerei schwer betroffen sind.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><a href=\"https:\/\/besjournals.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1111\/1365-2664.70199\" title=\"BES-Studie Pinguine \" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Forscherteams aus Gro\u00dfbritannien und S\u00fcdafrika werteten Daten von Pinguinkolonien in der N\u00e4he von Kapstadt aus<\/a> und fanden ein wiederkehrendes Muster: In Jahren, in denen das Meer wenig hergab, r\u00fcckten sich Tiere und Fangflotten bedenklich nahe. 2016, ein Jahr mit sehr geringem Fischvorkommen, suchte etwa jeder f\u00fcnfte Pinguin dort nach Nahrung, wo gleichzeitig Fischereischiffe unterwegs waren. In Zeiten reichhaltigerer Best\u00e4nde entspannte sich die Lage: Dann lag die \u00dcberschneidung bei gerade einmal vier Prozent.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Besonders dramatisch war die Situation zwischen 2004 und 2011: In dieser Zeit sank der Vorrat an Sardinen im Meer vor der Westk\u00fcste S\u00fcdafrikas best\u00e4ndig auf weniger als ein Viertel dessen, was er einst war &#8211; ein extremer R\u00fcckgang, der die dort lebenden Brillenpinguine an den Rand des Abgrunds brachte. <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/abs\/10.2989\/00306525.2025.2568382\" title=\"T&amp;F-Studie Pinguine\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Die Forscher und Forscherinnen sch\u00e4tzen, dass in diesen acht Jahren 62.000 Tiere verhungerten<\/a>, rund 95 Prozent der Pinguine, die 2004 noch auf dortigen Inseln br\u00fcteten.<\/p>\n<p>    Brillenpinguine k\u00f6nnten schon bald aussterben<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr die Not der Brillenpinguine: Klimabedingte Verschiebungen von Wassertemperatur und Salzgehalt machen es f\u00fcr Sardinen schwerer, in den klassischen Laichgebieten zu \u00fcberleben, w\u00e4hrend zugleich industrielle Fischereiflotten die Best\u00e4nde weiter dezimieren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bei einem solchen Nahrungsmangel reicht schon eine kurze Phase ohne Futter &#8211; etwa w\u00e4hrend der Mauser &#8211; aus, um ganze Pinguinpopulationen auszul\u00f6schen. Dazu kommen Umweltverschmutzungen durch ausgelaufenes Schiffs\u00f6l, das den V\u00f6geln die Federn verklebt, und der L\u00e4rm, den die Betankung gro\u00dfer Frachter auf dem Meer erzeugt, und der die Pinguine enorm st\u00f6rt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Folgen seien \u00fcberall zu sp\u00fcren, auch in den Kolonien bei Gqeberha, sagt Havemann. &#8222;Wir verlieren jedes Jahr acht Prozent der Population. Wenn es so weitergeht, k\u00f6nnten die Brillenpinguine in den n\u00e4chsten neun Jahren in der Wildnis aussterben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Regelm\u00e4\u00dfig finden Helfer wie Francis tote Tiere im Wasser. Auch an diesem Tag. Auf den ersten Blick l\u00e4sst sich nicht sagen, woran der Pinguin gestorben ist, aber er ist abgemagert, hat eine verletzte Flosse und ist offenbar w\u00e4hrend der Mauser ins Wasser gegangen. M\u00f6glicherweise konnte er vor dem Federwechsel nicht genug Fett zulegen und musste deshalb jagen gehen, auch wenn er in der Mauser besonders leichte Beute f\u00fcr Haie und Robben ist. Francis nimmt den toten Pinguin mit an Land und \u00fcbergibt ihn an Experten von SANCOBB. Sie wollen untersuchen, woran das Tier gestorben ist.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Zwei Pinguine in der Auffangstation: Die meisten, die hier aufgep\u00e4ppelt werden, kommen mit Verletzungen und Untergewicht.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aktuell ist die Sorge, dass sich die Vogelgrippe in den Pinguinkolonien ausbreiten und die Art weiter dezimieren k\u00f6nnte. Die gemeinn\u00fctzige Organisation k\u00fcmmert sich seit 1968 um Seev\u00f6gel mit zwei Auffangstationen in Kapstadt und Gqeberha, besonders im Fokus sind die Brillenpinguine.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im Reha-Gehege in Gqeberha checkt Meeresbiologin Quaraesha Shaik Patient &#8222;AP165\u201c, einen munteren erwachsenen Pinguin. Die Tiere sollen sich nicht an Menschen gew\u00f6hnen &#8211; und umgekehrt. Deshalb herrscht w\u00e4hrend der Behandlungen Sprechverbot, zumindest f\u00fcr die menschlichen Betreuerinnen. Die Pinguine geben dagegen lautstark Auskunft, wenn ihnen etwas nicht passt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die meisten, die hier aufgep\u00e4ppelt werden, kommen mit Verletzungen und Untergewicht. Immer wieder m\u00fcssen den Tieren F\u00fc\u00dfe amputiert werden, weil Angriffe etwa durch Haie zu schwere Wunden hinterlassen haben. &#8222;Sie sind sehr widerstandsf\u00e4hige und starke V\u00f6gel&#8220;, erkl\u00e4rt Shaik, &#8222;und k\u00f6nnen sogar mit nur einem Fu\u00df in der Wildnis \u00fcberleben, weil sie sich im Wasser ausschlie\u00dflich auf ihre Flossen verlassen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aber trotz der Robustheit: Die Anzahl der Brillenpinguine ist drastisch zur\u00fcckgegangen. W\u00e4hrend es in den 1950er-Jahren noch 140.000 Brutpaare gab und Ende der 1970er-Jahre noch 70.000, sind es inzwischen nicht mal mehr 10.000 &#8211; insgesamt.<\/p>\n<p>    Schutzzonen erweitert, Fischer protestieren<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Tierschutzorganisationen haben gerichtlich erzwungen, dass die s\u00fcdafrikanische Regierung die Schutzzonen um die Pinguinkolonien ausweitet, dort darf nicht gefischt werden. Diyaa-Uddeen De Maine wartet im Hafen von Gqeberha auf die R\u00fcckkehr seines Sardinen-Fangschiffs. Er findet die Vergr\u00f6\u00dferung der Fischereiverbotszonen unfair. Aus seiner Sicht ist nun ein zu weiter Teil der Bucht abgesperrt. Das gef\u00e4hrde die lokale Industrie, sein Schiff m\u00fcsse nun immer weiter raus. &#8222;Wir verbrauchen inzwischen 1.200 Liter Diesel statt 500 pro Nacht&#8220;, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Fischerei ist unter Druck &#8211; durch die Konkurrenz mit ausl\u00e4ndischen Fangflotten. Auch generell ist die wirtschaftliche Lage in S\u00fcdafrika schwierig, die Fischereijobs sind wichtig. De Maine und seine Kollegen merken aber ebenfalls, dass sich die Fischbest\u00e4nde durch den Klimawandel ver\u00e4ndern. Statt wie geplant Sardinen haben sie an diesem Tag nur Makrelen gefangen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Problem der schwindenden Fischvorkommen teilen sie also mit den Brillenpinguinen. Ob die Schutzzonen eine Trendwende f\u00fcr die Tiere bringen werden, ist noch unklar. Carl Havemann und Quaraesha Shaik setzen darauf, auch wenn aus ihrer Sicht weitere Ma\u00dfnahmen n\u00f6tig sind. Jeder Pinguin, den sie in der Auffangstation pflegen und anschlie\u00dfend auswildern, ist f\u00fcr sie ein kleiner Schritt zum Erhalt der Art.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Einige Tage sp\u00e4ter hat &#8222;AP165\u201c es geschafft und darf zur\u00fcck in die Wildnis. Rob Francis bringt ihn und einige andere mit seinem Katamaran zu einer der Kolonien in der N\u00e4he von Gqeberha. Ein kleiner Hoffnungsschimmer, findet der Skipper. F\u00fcr ihn w\u00e4re es &#8222;eine gro\u00dfe Schande, sie nur noch in Zoos zu sehen&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 06.01.2026 \u2022 04:39 Uhr In den 1950er-Jahren gab es vor der K\u00fcste S\u00fcdafrikas noch 140.000 Brutpaare, inzwischen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4712,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[1300,3015,44,43],"class_list":{"0":"post-4711","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-suedafrika","8":"tag-klimawandel","9":"tag-pinguine","10":"tag-south-africa","11":"tag-suedafrika"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116436448289966916","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4711","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4711"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4711\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4712"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4711"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4711"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4711"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}