{"id":4719,"date":"2026-04-20T10:06:29","date_gmt":"2026-04-20T10:06:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4719\/"},"modified":"2026-04-20T10:06:29","modified_gmt":"2026-04-20T10:06:29","slug":"bundesregierung-lehnt-wiedergutmachungszahlungen-an-fruehere-kolonien-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4719\/","title":{"rendered":"Bundesregierung lehnt Wiedergutmachungszahlungen an fr\u00fchere Kolonien ab"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/namibia-deutsche-kolonialzeit-101.jpg\" alt=\"Mutma\u00dflich deutscher Soldat mit Gefangenen w\u00e4hrend des Kriegs gegen die Herero und Nama von 1904-1908\" title=\"Mutma\u00dflich deutscher Soldat mit Gefangenen w\u00e4hrend des Kriegs gegen die Herero und Nama von 1904-1908 | AFP\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 16.08.2025 \u2022 21:42 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Auch unter Schwarz-Rot wird es keine Zahlungen an ehemalige deutsche Kolonien geben. Die Regierung lehnt solche Wiedergutmachung ab und beruft sich dabei aufs V\u00f6lkerrecht. Das begangene Unrecht soll aber aufgearbeitet werden.\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Bundesregierung will die Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit vorantreiben, Wiedergutmachungszahlungen an ehemalige deutsche Kolonien lehnt sie aber weiterhin ab. Das geht aus einer Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage der Gr\u00fcnen hervor, \u00fcber die zuerst der Tagesspiegel berichtet hat.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zwar wolle die schwarz-rote Koalition &#8222;das unter deutscher Kolonialherrschaft begangene Unrecht&#8220; in den betroffenen L\u00e4ndern aufarbeiten &#8211; als &#8222;unbestrittener Teil der Erinnerungskultur in Deutschland&#8220;. Doch &#8222;der Begriff der Wiedergutmachung im V\u00f6lkerrecht ergibt sich aus der Verletzung einer internationalen Verpflichtung&#8220; &#8211; und die habe zur Zeit des begangenen Unrechts nicht existiert. Das Konzept der Wiedergutmachung sei daher im Zusammenhang mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands nicht anwendbar.<\/p>\n<p>    &#8222;Kann nicht unser Anspruch sein&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Gr\u00fcnen-Politikerin Claudia Roth, die die Anfrage gemeinsam mit ihren Parteifreundinnen Awet Tesfaiesus und Jamila Sch\u00e4fer gestellt hatte, kritisierte die Antwort der Bundesregierung. Das Erinnern an das von Deutschland begangene Unrecht sei die Voraussetzung f\u00fcr eine zukunftsf\u00e4hige Partnerschaft mit den vom Kolonialismus betroffenen L\u00e4ndern. &#8222;Daf\u00fcr braucht es Empathie und keine formaljuristische Verweigerung&#8220;, sagte Roth.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\u00c4hnlich \u00e4u\u00dferte sich Tesfaiesus im Tagesspiegel. &#8222;Es kann nicht unser Anspruch sein, uns hinter formaljuristischen Argumenten zu verstecken &#8211; gerade nicht in einer Republik, deren Grundgesetz die unantastbare Menschenw\u00fcrde ins Zentrum ihrer Staatlichkeit stellt.&#8220; Eine solche Argumentation reproduziere koloniale Hierarchien, &#8222;indem sie das Unrecht von damals unsichtbar macht&#8220;.<\/p>\n<p>    Noch ist kein Geld geflossen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Regierung befasst sich in ihrer Antwort auch mit dem Angebot, 1,1 Milliarden Euro an Namibia zu zahlen. 2021 hatte sich die damalige schwarz-rote Koalition nach jahrelangen Verhandlungen darauf verst\u00e4ndigt, mit dieser Summe das Land in den n\u00e4chsten 30 Jahren zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nun hei\u00dft es, davon sollten 1,05 Milliarden Euro f\u00fcr ein Programm f\u00fcr Wiederaufbau und Entwicklung und 50 Millionen Euro f\u00fcr ein Programm f\u00fcr Vers\u00f6hnung bereitgestellt werden. Bislang ist aber noch kein Geld geflossen. Die Gespr\u00e4che \u00fcber die Umsetzung der beiden Programme einschlie\u00dflich des zeitlichen Rahmens seien nicht abgeschlossen, hei\u00dft es.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Weitere Gelder w\u00fcrden aber auch in Projekte zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit flie\u00dfen. Zudem stehe die Bundesregierung mit einer Vielzahl von L\u00e4ndern zur Frage der R\u00fcckgabe von Kulturg\u00fctern und menschlichen \u00dcberresten aus kolonialen Kontexten im Kontakt.<\/p>\n<p>    Massenmord im heutigen Namibia<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Deutschland hatte sich ab 1884 Kolonien in Afrika, Ozeanien und Ostasien angeeignet. Die gewaltvolle Herrschaft f\u00fchrte zu Aufst\u00e4nden und Kriegen, im heutigen Namibia wurden von 1904 bis 1908 etwa 80 Prozent des Herero-Volkes und die H\u00e4lfte der Nama von deutschen Streitkr\u00e4ften get\u00f6tet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Gr\u00e4ueltaten dort werden inzwischen offiziell als V\u00f6lkermord bezeichnet. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es diesen juristischen Begriff noch nicht. Erst 1948 wurde V\u00f6lkermord durch eine Konvention der UN-Generalversammlung zum Straftatbestand. Die Konvention gilt aber nicht r\u00fcckwirkend. Deswegen ergaben sich f\u00fcr Deutschland keine rechtlichen Konsequenzen. Die Bundesregierung hatte bereits in der Vergangenheit betont, dass es aus ihrer Sicht keinen Rechtsanspruch auf Entsch\u00e4digung gebe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 16.08.2025 \u2022 21:42 Uhr Auch unter Schwarz-Rot wird es keine Zahlungen an ehemalige deutsche Kolonien geben. 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