{"id":47277,"date":"2026-08-19T00:25:12","date_gmt":"2026-08-19T00:25:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/47277\/"},"modified":"2026-08-19T00:25:12","modified_gmt":"2026-08-19T00:25:12","slug":"textilarbeiterstreik-in-aegypten-ein-wendepunkt-im-nahen-osten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/47277\/","title":{"rendered":"Textilarbeiterstreik in \u00c4gypten: ein Wendepunkt im Nahen Osten"},"content":{"rendered":"<p>Am 9. August hat das Management des gr\u00f6\u00dften Textilkonzerns \u00c4gyptens, der Misr El Amria Spinning and Weavin Company, in Alexandria mehrere hundert Arbeiter ausgesperrt.<\/p>\n<p>Das Unternehmen behauptet, das Werk sei wegen \u201eRoutine-Wartungsarbeiten, Inventur und \u00dcberpr\u00fcfungen\u201c vor\u00fcbergehend geschlossen. Die Arbeiter wiesen dies zur\u00fcck und verurteilten die Aussperrung als Versuch, ihren seit dem 28. Juli andauernden Streik zu beenden. Der Grund f\u00fcr den Streik war die Weigerung des Managements, eine bereits zugesagte Lohnerh\u00f6hung zu bezahlen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/1968f950-60f1-45eb-8f1c-7ce0344f8461.jpeg\" style=\"max-height:100%\"\/>Protestierende Arbeiter der Misr El Amria Spinning and Weaving Company im Jahr 2020 <\/p>\n<p>Die Arbeiter fordern, dass die zw\u00f6lfprozentige Sonderzahlung, die durch das Gesetz Nr. 75 im Jahr 2026 eingef\u00fchrt wurde, auf der Grundlage ihres versicherten Lohns und nicht ihres \u2013 um ein Drittel niedrigeren \u2013 Grundgehalts berechnet wird.<\/p>\n<p>Sie fordern schriftliche Garantien vom Unternehmen, die pr\u00e4zisieren, wie die Zulage berechnet und ausgezahlt wird, sowie eine Erh\u00f6hung der monatlichen Teuerungszulage von 600 auf 1.300 \u00e4gyptische Pfund (von 10 auf 22 Euro), was auch dem Lohn bei anderen Textilkonzernen entspricht.<\/p>\n<p>Seit 2025 haben die Arbeiter mehrere Streiks wegen L\u00f6hnen, Risikozulagen und Lohnabz\u00fcgen organisiert. Jedes Mal beendeten die Gewerkschaften die Aktionen, nachdem das Management Zusagen machte, die es sp\u00e4ter nicht einhielt.<\/p>\n<p>Das Management hat nun mit der Einstellung des Betriebs und des Warenverkehrs reagiert und die Arbeiter aus der Fabrik ausgesperrt. Rund um das Werksgel\u00e4nde wurden Polizeikr\u00e4fte und Einheiten der zentralen Sicherheitskr\u00e4fte stationiert. Einige Arbeiter haben bereits Beschwerde bei den Arbeitsbeh\u00f6rden wegen der Aussperrung eingereicht.<\/p>\n<p>Der Konflikt ist Teil einer breiteren Entwicklung von Arbeiterunruhen in der \u00e4gyptischen Textilindustrie. Im Gouvernement Gharbia sind Arbeiter der Samannoud Textile and Rugs Company in den Streik getreten, weil die Krankenversicherung ausgesetzt wurde. Im Januar hatte die Samannoud Health Insurance Authority ihre medizinischen Leistungen f\u00fcr ihre Belegschaft ausgesetzt, weil das Unternehmen seine eigenen Beitr\u00e4ge nicht abgef\u00fchrt und auch die Beitr\u00e4ge, die den Arbeitern vom Lohn abgezogen wurden, zur\u00fcckgehalten hatte.<\/p>\n<p>Dem j\u00fcngsten Konflikt in Samannoud gingen Anfang des Jahres Streiks \u00fcber versp\u00e4tete Lohnzahlungen voraus, au\u00dferdem Ende letzten Jahres ein Streik wegen der Nichtauszahlung der j\u00e4hrlichen Boni und vor zwei Jahren ein Streik, weil der Mindestlohn nicht eingef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Im Jahr 2024 traten 3.700 Arbeiterinnen bei Mahalla al Kubra (Misr Spinning &amp; Weaving) in den Streik, nachdem sie von einer landesweiten Erh\u00f6hung des Mindestlohns ausgeschlossen wurden. Dies l\u00f6ste mehrere Streiks bei anderen Textilunternehmen aus. Die Beh\u00f6rden erzwangen schlie\u00dflich ein Ende des Streiks. Dreizehn Arbeiter wurden verhaftet, zwei davon befinden sich vermutlich noch in Haft.<\/p>\n<p>Die Textilbranche und die \u00e4gyptische Arbeiterklasse<\/p>\n<p>Die Baumwoll- und Textilbranche nehmen in der \u00e4gyptischen Wirtschaft eine Sonderstellung ein. Diese Branche umfasst die gesamte Wertsch\u00f6pfungskette vom Anbau und der Entk\u00f6rnung \u00fcber das Spinnen und Weben bis hin zur Herstellung von Bekleidung sowie Heim- und technischen Textilien. Der Sektor ist ein wichtiger Exporteur nach Europa und in die USA. Allein im Baumwollanbau arbeiten laut Sch\u00e4tzungen etwa 1,2 Millionen der etwa sieben Millionen \u00e4gyptischen Landarbeiter. Die Textilbranche ist der gr\u00f6\u00dfte Arbeitgeber in der verarbeitenden Industrie \u2013 mit etwa 1,5 Millionen Arbeitern in 7.000 Unternehmen, was 27 Prozent der \u00e4gyptischen Industrieproduktion und drei Prozent des BIP ausmacht.<\/p>\n<p>Die lukrativsten Bereiche konzentrieren sich auf die nachgelagerten, kapitalintensiven, privat gef\u00fchrten und exportorientierten Teile \u2013 vor allem Veredelung, Bekleidung, Heimtextilien und technische Textilien. Baumwollbauern und Arbeiter in den arbeitsintensiven staatseigenen Spinnerei- und Webereiunternehmen machen einen viel kleineren Anteil aus. Letztere haben oft mit veralteter Maschinerie und chronischen Verlusten zu k\u00e4mpfen, obwohl sie die Grundlage der Lieferketten bilden, von denen die lukrativeren, nachgelagerten Unternehmen abh\u00e4ngen. Ein Gro\u00dfteil des Werts wird noch weiter am Ende der Kette abgesch\u00f6pft, u.a. durch die internationalen Marken, die von \u00c4gyptens qualitativ hochwertiger Baumwolle und billigen Arbeitskr\u00e4ften profitieren.<\/p>\n<p>Seit jeher ist die Textilindustrie ein Epizentrum militanter Arbeitsk\u00e4mpfe und von politischem Aktivismus in \u00c4gypten. In der Periode von 1945 bis 1952 standen Textilarbeiter im Mittelpunkt der l\u00e4ngsten Streik- und Protestwelle in der modernen \u00e4gyptischen Geschichte. Ihre Erhebung trug zur Krise der pro-britischen Monarchie bei und gipfelte 1952 im Putsch der Freien Offiziere unter Oberst Abdul Nasser. Das neue Regime machte sich daran, den \u00e4gyptischen Kapitalismus zu retten und neu zu organisieren, w\u00e4hrend es die unabh\u00e4ngige Bewegung der Arbeiterklasse unterdr\u00fcckte.\u00a0<\/p>\n<p>Nasser lie\u00df sozialistische und kommunistische Anf\u00fchrer verhaften und verstaatlichte gleichzeitig die Textilfabriken und baute sie aus.\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ai.wsws.org\/?utm_source=wsws&amp;utm_medium=in-article-ad&amp;utm_campaign=socialism-ai-launch&amp;utm_content=de-top-third-banner\" class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw-75rem-m bg-black-05 mt3 center\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/25ec0a66-6196-494a-b37c-21128d5af4ea.png\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/757eb3bc-3c41-4c7f-a951-5eff14906863.png\"\/><\/a><\/p>\n<p>Mahalla wurde zum gr\u00f6\u00dften Industriekomplex in der arabischen Welt. Unabh\u00e4ngige Gewerkschaften wurden abgeschafft und die Egyptian Trade Union Federation (ETUF) mit einer vom Staat ernannten und \u00fcberpr\u00fcften F\u00fchrung als einzige legale Gewerkschaft aufgebaut. Ein korporatistisches Arbeitsregime wurde errichtet, in dem die organisierte Arbeiterschaft in die politische Ordnung eingebunden wurde, statt diese herausfordern zu k\u00f6nnen. Der Gewerkschaftsapparat wurde zum politischen Sto\u00dfd\u00e4mpfer und zur Polizeitruppe f\u00fcr das Regime \u2013 selbst wenn das Zugest\u00e4ndnisse an die Arbeiter erforderte.<\/p>\n<p>In den 1980ern, unter Pr\u00e4sident Hosni Mubarak, ver\u00e4nderte sich die Branche angesichts der Hinwendung zu neoliberaler Politik, der internationalen Konkurrenz aus Ostasien und der Einbindung in die globalisierte Produktion. Teile der weiterverarbeitenden Industrie wurden privatisiert, w\u00e4hrend die Zahl der privaten Textilfabriken und informellen Werkst\u00e4tten zunahm. Bis Ende der 1980er fiel die Zahl der Besch\u00e4ftigten in den gro\u00dfen staatlichen Werken und Fabriken von \u00fcber zwei Millionen auf etwa 1,8 Millionen. Dennoch blieb die Textilbranche der gr\u00f6\u00dfte Industriearbeitgeber \u00c4gyptens und nahm einen zentralen Platz in der Politik in Bezug auf die Arbeiterklasse ein. Gegen Streiks in Mahalla, Samanoud oder Alexandria wurden wiederholt Sicherheitskr\u00e4fte eingesetzt.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Im Jahr 2006 begannen Textilarbeiter des riesigen Werks der Misr Spinning and Weaving Company in El-Mahalla El-Kubra eine Welle von Arbeitsk\u00e4mpfen, die in den folgenden zwei Jahren eskalierten. Breite Teile der Arbeiterklasse forderten Lohnerh\u00f6hungen, um die massiv gestiegenen Lebenshaltungskosten auszugleichen. Diese K\u00e4mpfe, die sich anfangs in den staatseigenen Betrieben und dem \u00f6ffentlichen Dienst konzentrierten, breiteten sich auf die Privatwirtschaft aus und entwickelten sich zur gr\u00f6\u00dften Welle von Arbeitermilitanz seit den sp\u00e4ten 1940ern und fr\u00fchen 1950ern.\u00a0<\/p>\n<p>Die Arbeiter stellten nationale und politische Forderungen und agierten unabh\u00e4ngig von den verhassten Gewerkschaftsf\u00fchrern. Obwohl die Sicherheitskr\u00e4fte hart durchgriffen, Bereitschaftspolizei und Milit\u00e4r mobilisiert und Streikf\u00fchrer verhaftet und vor Gericht gestellt wurden, setzten die Arbeiter eine Erh\u00f6hung des nationalen Mindestlohns durch. Die Streikkomitees trugen dazu bei, die Grundlagen f\u00fcr eine gewerkschaftliche Organisierung an der Basis und f\u00fcr unabh\u00e4ngige Gewerkschaften au\u00dferhalb der Kontrolle des Staats zu schaffen.<\/p>\n<p>Textil- und andere Industriearbeiter spielten eine Schl\u00fcsselrolle bei dem Aufstand von 2011, der zum Sturz der verhassten Diktatur von Hosni Mubarak f\u00fchrte. Die Erfahrungen aus den Streiks in Mahalla von 2006 bis 2008 trugen zum Aufbau von militanten Betriebsnetzwerken bei und zeigten, dass Industriearbeiter Widerstand gegen Arbeitgeber und den Staat leisten k\u00f6nnen. Obwohl sie sich auf Nordafrika und \u00c4gypten konzentrierten, breiteten sich die Streiks auch international aus.<\/p>\n<p>Doch die politischen Errungenschaften der Arbeiterklasse aus den Jahren 2006 bis 2008 wurden nicht gefestigt. Der Aufstand im Jahr 2011 r\u00fcckte die Frage der politischen Macht in den Vordergrund. Ohne eine Kampfperspektive, die auf dem Sturz des kapitalistischen Systems und der sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft durch die Arbeiterklasse unter revolution\u00e4rer F\u00fchrung beruhte, wurden die Arbeiter vor den Karren diverser b\u00fcrgerlicher Kr\u00e4fte gespannt, die um die Nachfolge Mubaraks konkurrierten \u2013 Offiziere des Milit\u00e4rs, b\u00fcrgerlich-\u201eliberale\u201c Parteien und die Muslimbruderschaft \u2013, und schlie\u00dflich verraten. Im Juli 2013 \u00fcbernahm das Milit\u00e4r unter dem Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der Streitkr\u00e4fte, Abdel Fattah el-Sisi, die Macht und errichtete eine Diktatur, welche die Arbeiterklasse und die arme Landbev\u00f6lkerung r\u00fccksichtslos unterdr\u00fcckte.\u00a0<\/p>\n<p>Die Wirtschaftskrise befeuert eine neue Welle von Streiks und Protesten<\/p>\n<p>Seit 2022 befindet sich \u00c4gypten in seiner schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Nach mehreren Geldentwertungen und vom IWF unterst\u00fctzten Wirtschaftsprogrammen seit 2016 hat das \u00c4gyptische Pfund 82 Prozent seines Werts gegen\u00fcber dem Dollar verloren, was die Inflation auf ein beispielloses Niveau getrieben hat. Die Preise f\u00fcr Grundg\u00fcter sind um das Drei- oder sogar Vierfache gestiegen. Sowohl private als auch \u00f6ffentliche Arbeitgeber missachten fast durchweg den Mindestlohn, was zu einem drastischen Verfall der Reall\u00f6hne gef\u00fchrt hat, sodass die Arbeiterklasse und die Mittelschicht ihre Grundbed\u00fcrfnisse nicht mehr decken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Wirtschaftskrise ist eng mit den schweren regionalen Unruhen verkn\u00fcpft. Der Ukraine-Krieg, an dem mit Russland und der Ukraine zwei der gr\u00f6\u00dften Getreideexporteure der Welt beteiligt sind, hat massive Auswirkungen auf den Preis von Weizen, den \u00c4gypten zur Ern\u00e4hrung seiner 120 Millionen Einwohner braucht.\u00a0<\/p>\n<p>Israels anhaltender Vernichtungskrieg im Gazastreifen hat auch Auswirkungen auf die \u00e4gyptische Wirtschaft. Die Drohungen gegen die Schifffahrt durch die Huthi, die einen Gro\u00dfteil des Jemen und die K\u00fcste am Roten Meer kontrollieren, zur Unterst\u00fctzung der Pal\u00e4stinenser haben den Verkehr im Roten Meer beeintr\u00e4chtigt. Die Umleitung des Schiffsverkehrs um das Kap der Guten Hoffnung hat die Einnahmen aus dem Suezkanal von einem Rekordwert von 10,25 Milliarden Dollar im Jahr 2023 auf 3,99 Milliarden Dollar im Jahr 2024 sowie auf nur geringf\u00fcgig h\u00f6here Betr\u00e4ge im Jahr 2025 verringert.\u00a0<\/p>\n<p>Die Armutsquote ist seit el-Sisis Macht\u00fcbernahme im Jahr 2013 von etwa 25 Prozent der Bev\u00f6lkerung auf etwa 30 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind steigende Preise, stagnierende L\u00f6hne, hohe Arbeitslosigkeit und Unterbesch\u00e4ftigung, der Abbau von Subventionen sowie ein sehr beschr\u00e4nktes soziales Sicherungsnetz.<\/p>\n<p>Die offiziellen Statistiken erfassen das Ausma\u00df der Krise nicht. Zwar ist die Arbeitslosigkeit angeblich von dreizehn im Jahr 2013 auf sieben Prozent im Jahr 2024 gesunken, doch das ist darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass viele Menschen, vor allem Frauen und junge Menschen, nicht mehr nach Arbeit suchen. Umfragen der International Labour Organization der UN (ILO) zeigen, dass die Unterbesch\u00e4ftigung stark angestiegen ist, vor allem in der Landwirtschaft, w\u00e4hrend informelle, sowie Teilzeit- und Gelegenheitsarbeit Menschen in Arbeitspl\u00e4tze mit niedriger Produktivit\u00e4t und niedrigen L\u00f6hnen gebracht hat. Fast 50 Prozent der jungen Menschen sind arbeitslos. Daten zu Arbeitsgenehmigungen zeigen, dass immer mehr \u00c4gypter das Land verlassen, um im Ausland Arbeit zu suchen.<\/p>\n<p>Diese Entwicklungen f\u00fchrten im Jahr 2025 zu einer beispiellosen Protestwelle; das Egypt Protest Dataset des Open Data Tank (ODT) f\u00fcr 2025 verzeichnete 1.849 Protestveranstaltungen, verglichen mit lediglich 420 im Jahr 2024. Al Manassa dokumentierte 100 Arbeiterunruhen im Jahr 2025, geht allerdings davon aus, dass die tats\u00e4chliche Zahl viel h\u00f6her ist. \u00a0<\/p>\n<p>Der Bericht von Al Manassa erw\u00e4hnt, dass sich die Unruhen im Jahr 2025 versch\u00e4rften und der Staat seinen Sicherheitsapparat einsetzte, um sie \u201edurch Festnahmen, Inhaftierungen und Einsch\u00fcchterung einzud\u00e4mmen und die Mobilisierung der Arbeiter zu beenden\u201c, wof\u00fcr er zahlreiche Beispiele nannte. Die meisten Arbeiterproteste konnten die Forderungen der Arbeiter wegen \u201eschwacher Gewerkschaftsorganisation auf Betriebsebene\u201c nicht durchsetzen.\u00a0<\/p>\n<p>Auch dies bildet die Realit\u00e4t unzureichend ab, da die Gewerkschaftsf\u00fchrungen systematisch daran arbeiteten, Aktionen zu verz\u00f6gern, die Streiks und ihre militanten Anf\u00fchrer zu isolieren, die Koordination zwischen Fabriken zu unterbinden, Forderungen in b\u00fcrokratische Kan\u00e4le umzulenken, Verhandlungen zu versprechen und geringf\u00fcgige Zugest\u00e4ndnisse auszuhandeln, die selten umgesetzt werden. Auf diese Weise atomisiert der Gewerkschaftsapparat die Besch\u00e4ftigten und verhindert, dass sich die Streiks auf andere Betriebe ausweiten.<\/p>\n<p><a class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw-75rem-m bg-black-05 mt3 center\" href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/special\/pages\/international-mayday-online-rally-2026.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/11d17052-6cfe-4508-a369-0296defc96b6.png\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/4b19da99-80bf-4b7c-8443-cc2e6d33b6f6.png\"\/><\/a>\u00c4gypten: eine S\u00e4ule des US-Imperialismus im Nahen Osten<\/p>\n<p>\u00c4gyptens ist von enormer Bedeutung \u2013 als Land mit einer der gr\u00f6\u00dften Konzentrationen von Industriearbeitern, Besch\u00e4ftigten des \u00f6ffentlichen Dienstes und armer Stadtbev\u00f6lkerung in der Region sowie mit einer Geschichte militanter K\u00e4mpfe und antiimperialistischen Widerstands. F\u00fcr Washington hat Priorit\u00e4t, eine Wiederholung der Ereignisse von 2011 zu verhindern: Eine politisch mobilisierte \u00e4gyptische Arbeiterklasse w\u00fcrde die Interessen der USA vom Mittelmeer bis zum Persischen Golf bedrohen.<\/p>\n<p>Seit dem Abkommen von Camp David 1979, welches das Ende der milit\u00e4rischen Konfrontation zwischen \u00c4gypten und Israel markierte, hat Washington dem Land j\u00e4hrlich 1,3 Milliarden Dollar an Milit\u00e4rhilfe bereitgestellt. Im Gegenzug ist \u00c4gypten zu einer wichtigen S\u00e4ule in der regionalen Sicherheitsarchitektur der USA geworden. Washington st\u00fctzt sich auf \u00c4gypten, um Konflikte an mehreren Fronten einzud\u00e4mmen: in Libyen, dem Sudan, dem Gazastreifen und bei der Nukleardiplomatie mit dem Iran.<\/p>\n<p>El-Sisi spielte eine wichtige Rolle beim V\u00f6lkermord in Gaza, den er im Auftrag seiner Geldgeber erm\u00f6glichte und eind\u00e4mmte. W\u00e4hrend \u00c4gypten \u00f6ffentlich das Vorgehen Israels verurteilte und humanit\u00e4re Hilfe in den Gazastreifen lieferte, arbeiteten seine Geheimdienste eng mit den USA und Israel zusammen, um Waffenlieferungen zu unterbinden und islamistische Gruppen auf dem Sinai zu \u00fcberwachen. El-Sisi betrachtet die Hamas als verl\u00e4ngerten Arm der Muslimbruderschaft, die er 2013 gest\u00fcrzt hatte. Seine Kontrolle \u00fcber den Grenz\u00fcbergang Rafah \u2013 den einzigen Ausgang aus dem Gazastreifen, der nicht von Israel kontrolliert wird \u2013 ist entscheidend. Er lie\u00df die Grenze zu Israel weitgehend geschlossen, damit die Pal\u00e4stinenser nicht vor Israels Bombenangriffen fliehen konnten, und um die israelische Belagerung der Enklave aufrechtzuerhalten.<\/p>\n<p>Selbst nach israelischen Provokationen an der \u00e4gyptischen Grenze verhinderte Kairo eine Ausweitung des Kriegs im Gazastreifen zu einem regionalen Konflikt, isolierte die Pal\u00e4stinenser und verhinderte damit, dass an mehreren Fronten gleichzeitig Druck auf Israel ausge\u00fcbt wird. El-Sisi spielte eine aktive Rolle bei Waffenstillstandsverhandlungen und dem Abkommen von Sharm el-Scheich, bei dem er Gastgeber war. Damit erm\u00f6glichte er es Israel, die Freilassung der verbliebenen Geiseln sicherzustellen und gleichzeitig seine Angriffe auf Gaza mit verringerter Intensit\u00e4t fortzusetzen.<\/p>\n<p>Seine Unterdr\u00fcckung der Streiks der Arbeiterklasse, der Gewerkschaften und der politischen Opposition trug zur Stabilisierung der regionalen Ordnung bei, da sie die Entstehung einer massiven antiimperialistischen politischen Kraft im gr\u00f6\u00dften Land der arabischen Welt verhinderte. Mindestens 65.000 politische Aktivisten sitzen in \u00e4gyptischen Gef\u00e4ngnissen, darunter mehr als 1.000 Frauen.<\/p>\n<p>Die Lehren aus der \u00e4gyptischen Revolution von 2011\u20132013<\/p>\n<p>Angesichts der neuen Protestbewegung der m\u00e4chtigen \u00e4gyptischen Arbeiterklasse ergibt sich die Frage: Wie lassen sich die politischen Mechanismen \u00fcberwinden, welche die K\u00e4mpfe der Arbeiter wiederholt zersplittert und einged\u00e4mmt haben? Die zentrale Herausforderung bei den revolution\u00e4ren Erhebungen von 2011\u20132013 bestand darin, die politische Unabh\u00e4ngigkeit der Arbeiterklasse von allen b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4ften zu sichern, die um Mubaraks Nachfolge wetteiferten.<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche Fraktionen und Parteien der Bourgeoisie, wie auch ihre stalinistischen und pseudolinken Anh\u00e4ngsel, zeigten ihren im Grunde konterrevolution\u00e4ren Charakter. Sie kollaborierten mit den Imperialisten und verteidigten den \u00e4gyptischen Kapitalismus und seine Institutionen. Das galt f\u00fcr die Muslimbruderschaft, die mittlerweile unter Pr\u00e4sident Abdel Fattah el-Sisi ebenso verboten ist, wie unter Mubarak, als auch f\u00fcr die nasseristischen oder \u201eliberalen\u201c Parteien. Auch als die Bruderschaft in der Zeit vor dem Putsch Regierungspartei war, arbeitete sie heimlich mit dem Milit\u00e4r zusammen, verbot Streiks und Proteste und unterst\u00fctzte die imperialistischen Interventionen in Libyen und Syrien.<\/p>\n<p>Die zu Unrecht Revolution\u00e4re Sozialisten genannten RS spielten eine wichtige Rolle beim Verrat an der Arbeiterklasse. Sie sind Teil des kleinb\u00fcrgerlich-pseudolinken \u00e4gyptischen Milieus und vertreten die Interessen beg\u00fcterter Teile der oberen Mittelschicht. Im Jahr 2011 behaupteten die RS zun\u00e4chst, die Milit\u00e4rjunta, die Mubarak ersetzt hatte, w\u00fcrde Reformen durchf\u00fchren. Danach versuchten sie, den anhaltenden Widerstand der Arbeiterklasse vor den Karren der Moslembruderschaft zu spannen und behaupteten, deren Wahlsieg im Jahr 2012 sei ein \u201eSieg f\u00fcr die Revolution\u201c. Als der Widerstand der Arbeiterklasse gegen die Regierung von Pr\u00e4sident Mohammed Mursi im Jahr 2013 wuchs, stellten sich die RS hinter die neu gegr\u00fcndete Kampagne Tamarod (\u201eRebellion\u201c), die vom Milit\u00e4r- und Geheimdienstapparat finanziert und gef\u00f6rdert wurde, und gaben dies als \u201eWeg zur Vollendung der Revolution\u201c aus.<\/p>\n<p>Das ebnete dem Milit\u00e4r den Weg \u2013 unter F\u00fchrung von el-Sisi, damals Verteidigungsminister in Mursis Regierung, Oberbefehlshaber der Streitkr\u00e4fte und stellvertretender Premierminister, und im Juli 2013 wurde Mursi gest\u00fcrzt. Die RS begr\u00fc\u00dften el-Sisis Putsch, der eine Terrorherrschaft einleitete, als \u201ezweite Revolution\u201c.\u00a0<\/p>\n<p>Nur wenige Tage nach ihrer Macht\u00fcbernahme ver\u00fcbte die Milit\u00e4rjunta ein Massaker an mehr als 900 Gegnern des Putsches, darunter Frauen und Kinder, und schlug Proteste von Mursis Anh\u00e4ngern auf dem Rabaa-El-Adaweya-Platz in Kairo nieder. Hamdeen Sabahi, der Anf\u00fchrer der nasseristischen Egyptian Popular Current, verteidigte das Massaker \u00f6ffentlich und erkl\u00e4rte im Fernsehen: \u201eWir werden weiterhin zusammenstehen: die Bev\u00f6lkerung, das Milit\u00e4r und die Polizei.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Einer der Gr\u00fcnder der Egyptian Federation of Independent Trade Unions (EFITU), Kamal Abu Eita, wurde Arbeitsminister und war nach Mursis Sturz vom 16. Juli 2013 bis zum 1. M\u00e4rz 2014 im \u00dcbergangskabinett unter Premierminister Hazem el-Beblawi Minister f\u00fcr Arbeitskr\u00e4fte und Zuwanderung.<\/p>\n<p>Die entscheidende Lehre aus der \u00c4gyptischen Revolution von 2011\u20132013 ist die Notwendigkeit des Aufbaus einer unabh\u00e4ngigen revolution\u00e4ren F\u00fchrung vor dem Ausbruch von Massenk\u00e4mpfen. Nur auf diese Weise kann die Arbeiterklasse ihre politische Unabh\u00e4ngigkeit von der Bourgeoisie und deren kleinb\u00fcrgerlichen Verb\u00fcndeten sicherstellen, die Massenbewegung mit einem sozialistischen Programm bewaffnen und die Perspektive der permanenten Revolution entwickeln, die f\u00fcr den Sturz des Kapitalismus notwendig ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am 9. August hat das Management des gr\u00f6\u00dften Textilkonzerns \u00c4gyptens, der Misr El Amria Spinning and Weavin Company,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":47278,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[7],"tags":[54,55,18159,2586,2886,18158],"class_list":["post-47277","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-aegypten","tag-aegypten","tag-egypt","tag-misr-el-amria-spinning-and-weavin-company","tag-naher-osten","tag-streik","tag-textilarbeiter"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/117119334952684066","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/47277","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=47277"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/47277\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/47278"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=47277"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=47277"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=47277"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}