{"id":47373,"date":"2026-08-19T12:15:14","date_gmt":"2026-08-19T12:15:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/47373\/"},"modified":"2026-08-19T12:15:14","modified_gmt":"2026-08-19T12:15:14","slug":"weltmission-missio-muenchen-hilft-in-madagaskar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/47373\/","title":{"rendered":"Weltmission: missio M\u00fcnchen hilft in Madagaskar"},"content":{"rendered":"<p>Regensburg, 13. August 2026<\/p>\n<p>Das Bistum Regensburg ist im Jahr 2026 der offizielle Gastgeber f\u00fcr die zentralen Festlichkeiten zum Monat der Weltmission von missio M\u00fcnchen. Der H\u00f6hepunkt und bundesweite Abschluss, der Sonntag der Weltmission, findet am 25. Oktober 2026 unter dem Leitwort \u201eSei mutig und stark\u201c statt. Im Mittelpunkt der diesj\u00e4hrigen Aktion steht das Beispielland Madagaskar, aus dem wir hier in einer ersten Folge einer kleinen Reportageserie berichten. Denn im von heftigen D\u00fcrren geplagten S\u00fcdwesten Madagaskars k\u00e4mpfen die Menschen t\u00e4glich ums \u00dcberleben. Die Kirche h\u00e4lt mit vielen Projekten dagegen \u2013 und muss doch immer h\u00e4ufiger Nothilfe leisten. Es mangelt an vielem, aber nicht an Solidarit\u00e4t.<\/p>\n<p>22 Meter. Aber selbst das reicht nicht mehr aus. Einige Dorfbewohner haben sich mit Pfarrer Placide Lambert um den schlichten Brunnen versammelt, der einst mit Hilfe der Kirche in den harten Boden der kleinen Siedlung Behazomby getrieben wurde. Sie blicken ratlos in die Tiefe. Die einzige Wasserstelle im Umkreis versalzt zunehmend. Schuld ist der Grundwasserspiegel, den die D\u00fcrre t\u00e4glich weiter sinken l\u00e4sst. Dadurch entsteht ein Unterdruck, der das schwerere Meerwasser immer tiefer eindringen l\u00e4sst. Gleichzeitig f\u00e4llt kaum mehr Regen. Ein toxischer Kreislauf f\u00fcr Mensch und Natur.\u00a0<\/p>\n<p>Der Ort Behazomby liegt in K\u00fcstenn\u00e4he, tief im trockenen S\u00fcdwesten Madagaskars. Hier regnet es einmal im Jahr. Und immer h\u00e4ufiger auch keinmal. Und wenn es regnet, dann im Gep\u00e4ck eines tropischen Wirbelsturms, der alles zerst\u00f6rt. Wie 2023, als Zyklon Freddy tagelang w\u00fctete und ganze D\u00f6rfer dem Erdboden gleichmachte. Bis heute ist in Behazomby noch nicht alles wieder so, wie es fr\u00fcher war. Vermutlich wird es das auch nicht mehr werden, denn die Bewohner dieser Region trifft der Klimawandel mit voller H\u00e4rte.\u00a0<\/p>\n<p>Dar\u00fcber wollen sie heute sprechen. Auf dem weiten sandigen Platz zwischen den H\u00fctten haben Hunderte Platz genommen. Nur noch wenige alte B\u00e4ume spenden Schatten bei knapp 40 Grad Celsius. Selbst Bewohner entfernter Nachbargemeinden haben sich auf den Weg durch die sengende Sonne gemacht, um dabei zu sein. Viele der Familien stammen aus Regionen, die noch weiter im S\u00fcden liegen. Sie sind Klimagefl\u00fcchtete, haben ihre H\u00e4user und Felder verlassen, um zu \u00fcberleben. Doch selbst hier in den D\u00f6rfern der Gemeinde Efoetse ist die Lage inzwischen angespannt.\u00a0<\/p>\n<p>\u201eDas Wasser aus dem Brunnen macht uns krank\u201c, klagt Herr Fahandraza, der als einer der \u00c4lteren in der Gemeinschaft das Wort ergreift. \u201eAber wer hilft uns, wenn wir krank sind?\u201c Pfarrer Placide senkt den Blick. Er kennt die Sorgen der Menschen hier gut. Es sind seine eigenen. Sicher, manche der Pfarreien hier drau\u00dfen k\u00f6nnen sich etwas Strom \u00fcber Solarpanele sichern. Aber einen Wasseranschluss hat hier niemand. Gutes Trinkwasser muss gekauft werden, 20 Liter f\u00fcr umgerechnet 10 Cent. Mangob\u00e4ume, Papayastauden, alles ist inzwischen eingegangen. Zwar gibt es im 60 Kilometer entfernten Dorf Anakao eine kleine Privatklinik \u2013 aber die k\u00f6nnen sich nur die Touristen der Resorts entlang der K\u00fcste leisten. Geld ist hier immer knapp. Ebenso Bildungsm\u00f6glichkeiten.\u00a0<\/p>\n<p>Die Schule St. Th\u00e9r\u00e8se de l\u00b4Enfant de Jesus in Efoetse ist die einzige, die die Kirche anbieten kann. Knapp 150 Kinder erreicht sie. Es gibt Unterricht, f\u00fcr ein Schulessen fehlt das Geld. Die Kirche im Schulhof ist ein Provisorium, seit der letzte Zyklon das Dach abgedeckt und W\u00e4nde aus der Verankerung gerissen hat. Ein Leben am Limit. Vor einigen Jahren, erinnert sich P\u00e8re Placide, sei es so schlimm gewesen, dass die Bewohner der Region nicht einmal mehr die Fr\u00fcchte der roten Kakteen a\u00dfen \u2013 die Notnahrung in Zeiten heftiger D\u00fcrren \u2013 sondern die stacheligen Teile der Pflanze \u00fcber dem Feuer auskochten. \u201eEs war furchtbar.\u201c<\/p>\n<p>Nach der Versammlung l\u00e4dt Raedson Fiarena Pfarrer Placide und seine Begleiter in seine H\u00fctte ein. Hier lebt der 45-J\u00e4hrige mit seiner Frau, einige der f\u00fcnf Kinder und inzwischen sechs Enkelkinder finden hier auch immer wieder einen Platz. Vor wenigen Jahren kam die Familie aus Ampul, 140 Kilometer weiter im S\u00fcden. \u201eEines Tages sind wir einfach losgelaufen\u201c, erz\u00e4hlt Fiarena.\u00a0 \u201eEs gab nichts mehr zu essen.\u201c In Behazomby wurde die Familie gut aufgenommen. Platz gibt es gen\u00fcgend, und die geteilte und tief empfundene madagassische Identit\u00e4t hilft den verschiedenen Ethnien, miteinander klarzukommen. Aber das Auskommen sorgt den Familienvater nun wieder. Fischer wollte er sein, nachdem es als Bauer nicht mehr funktionierte. Doch der letzte Zyklon zerst\u00f6rte das m\u00fchsam angeschaffte Boot. Fiarena f\u00e4hrt nun jeden Morgen mit einer geliehenen Piroge aus und muss die H\u00e4lfte vom Fang abgeben.\u00a0<\/p>\n<p>Wenn \u00fcberhaupt etwas im Netz ist, denn das Fischen in der einst so artenreichen Stra\u00dfe von Mosambik wird schwieriger, berichtet Des Affaires Boto. Und Boto muss es wissen, fischt er doch seit seiner Kindheit und steht heute dem vor nicht allzulanger Zeit gegr\u00fcndeten Verband der Fischer in Anakao vor. T\u00e4glich muss er seine Familie mit acht Kindern ern\u00e4hren. \u201eWir m\u00fcssen uns organisieren\u201c, sagt Boto. Der Verband hat es geschafft, eine der gr\u00f6\u00dften Naturschutzorganisationen weltweit auf die K\u00fcste aufmerksam zu machen. Gemeinsam arbeitet man nun an Schutzzonen und Schonzeiten f\u00fcr die Fische. Madagaskars Buchten sind nicht unbekannt, gerade bei Tauchtouristen. Doch die gro\u00dfen Fischfabrik-Trawler aus China oder von den Philippinen k\u00fcmmern die Bem\u00fchungen wenig. \u201eWir sehen, wie nachts die Lichter n\u00e4herkommen\u201c, erz\u00e4hlt Boto. \u201eSie fischen alles ab.\u201c Und dann noch die Neuank\u00f6mmlinge aus dem S\u00fcden des Landes. \u201eEs gibt zu wenig Fische f\u00fcr uns alle\u201c, sagt Boto.<\/p>\n<p>Zu wenig ist es auch in der Hauptstadt des S\u00fcdwestens, in Toliara. Mit derzeit 170 000 Einwohnern eine der gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dte der Insel. Und sie w\u00e4chst weiter durch den Zuzug der Menschen aus dem S\u00fcden. Hier hat Erzbischof Gustavo Bombin Espino seinen Sitz. Seit 40 Jahren leistet der Spanier als Trinitarier-Missionar seinen Dienst in Madagaskar und kennt die Herausforderungen. Doch der weitl\u00e4ufige \u201eGrand Sud\u201c ist f\u00fcr ihn wie ein Brennglas. Ein Jahr braucht er, um mindestens einmal in jeder Gemeinde nach dem Rechten zu sehen \u2013 per Sammeltaxi durch den Busch, per Allrad \u00fcber Sandpisten oder mit dem Boot. Mehr als 40 000 km\u00b2 umfasst das Gebiet seiner Erzdi\u00f6zese, das alle N\u00f6te des Landes versammelt. \u201eWir sind am Rand der R\u00e4nder. Es ist hart, wenn man drau\u00dfen unterwegs ist. Die Lebensbedingungen entbehren oft jeder W\u00fcrde\u201c, sagt Bombin.\u00a0<\/p>\n<p>Die Kirche h\u00e4lt mit Projekten dagegen. Bombin hat ein Team f\u00fcr Entwicklung aufgestellt. Doch immer h\u00e4ufiger brauchen die Menschen hier die schnelle Hilfe der Kirche. Zum Beispiel im Zentrum f\u00fcr unterern\u00e4hrte Kinder mit ihren M\u00fcttern am Stadtrand. Dort gibt es nicht viele Pl\u00e4tze, aber die wenigen sind meistens voll. Die Frauen kommen \u00fcber das Netzwerk der Kirche, oft aus den umliegenden D\u00f6rfern, wie die Leiterin und Ordensschwester Marie No\u00ebline Ravaonirina erz\u00e4hlt.\u00a0<\/p>\n<p>So wie Mandignisoa mit ihrem einj\u00e4hrigen Sohn Andrien. Mandignisoa ist 20 Jahre alt und schon mehrfache Mutter. Vor knapp vier Wochen stand sie mit ihrem J\u00fcngsten vor der T\u00fcr. Der Kleine hatte \u00fcber lange Zeit an Durchfall und Fieber gelitten. Er war kurz davor, zu sterben. Im Zimmer nebenan ist Mutter Anita mit Martino (zehn Monate) untergebracht. Martino wiegt sechs Kilogramm. Normal w\u00e4ren neun. Ihre anderen Kinder hat sie mitgebracht. Sie haben Hunger. Andere im Zentrum k\u00e4mpfen zus\u00e4tzlich gegen Malaria.\u00a0<\/p>\n<p>Die meisten der betroffenen M\u00fctter sind kaum in der Lage, sich um sich selbst zu k\u00fcmmern. Sie sind sehr jung, haben bereits mehrere Kinder und kein Auskommen. Viele sind ohne Mann und damit auf sich gestellt. \u201eKinder und Frauen sind die Verlierer, wenn D\u00fcrre und Armut herrschen\u201c, sagt Schwester No\u00ebline. Im Ern\u00e4hrungszentrum der Kirche k\u00f6nnen sie bleiben, bis die Kinder ihr Normalgewicht erreicht haben. Viele der M\u00fctter schlafen hier zum ersten Mal in einem Bett mit Moskitonetz und haben Zugang zu sauberem Wasser. Die Schwestern lehren die Frauen, Mahlzeiten so zuzubereiten, dass die Kinder stabil bleiben. Alle wissen: Es gibt nicht viel. Aber Salz und etwas \u00d6l an den Reis zu geben, kann helfen.\u00a0<\/p>\n<p>Ein paar L\u00f6ffel Reis hat Andrien heute tats\u00e4chlich zum ersten Mal wieder zu sich genommen. Laufen kann er immer noch nicht. Er hat es nie gelernt. Noch ist er zu schwach und d\u00e4mmert den Tag \u00fcber vor sich hin. Aber es geht langsam bergauf. Die Schwestern wissen, dass zu Hause die R\u00fcckschritte lauern. Darum sollen die M\u00fctter in der Anfangszeit noch einmal pro Monat vorstellig werden.\u00a0<\/p>\n<p>\u201eAls Kirche hier im S\u00fcden haben wir nicht viel mehr als Hoffnung zu bieten\u201c, sagt Gustavo Bombin. Doch das stimmt nicht ganz. Der Erzbischof von Toliara ist heute unterwegs in die Pfarrei St. Fil. Im Gep\u00e4ck hat er Reis, f\u00fcr die schw\u00e4chsten Glieder der Gesellschaft: alleinstehende M\u00fctter, Alte und Kranke. Den wird er verteilen \u2013 wie das die Caritas jeden Samstag tut, an unterschiedlichen Orten in der Gegend. Mal gibt es Reis, ein andermal Bohnen oder \u00d6l. Am Monatsanfang wird sogar ein geringer Betrag an Geld ausgezahlt. Wer nicht zur Verteilung kommen kann, bekommt den Reis \u00fcber andere nach Hause gebracht. \u201eWir haben keinen Zauberstab, um es regnen zu lassen oder die vielen hungrigen Kinder satt zu machen\u201c, sagt Bombin. \u201eAber wir gehen mit den Menschen diesen Weg und ermutigen sie durch unsere Solidarit\u00e4t.\u201c<\/p>\n<p>Text: Kristina Balbach<\/p>\n<p>(sig)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Regensburg, 13. 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