{"id":4776,"date":"2026-04-20T10:59:52","date_gmt":"2026-04-20T10:59:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4776\/"},"modified":"2026-04-20T10:59:52","modified_gmt":"2026-04-20T10:59:52","slug":"algerien-ausbau-der-energie-und-sicherheitskooperation-mit-italien-maghreb-post","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4776\/","title":{"rendered":"Algerien \u2013 Ausbau der Energie- und Sicherheitskooperation mit Italien Maghreb-Post"},"content":{"rendered":"<p>Der Besuch der italienischen Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni in Algier unterstreicht die beidseitigen Interessen: W\u00e4hrend Rom die Diversifizierung seiner Energieimporte vorantreibt, setzt Italien verst\u00e4rkt auf Algerien als diplomatischen Partner in Krisenregionen wie der Sahel-Zone und Osteuropa.<\/p>\n<p>Algier \u2013 Am Mittwoch, den 25. M\u00e4rz 2026, trafen sich der algerische Pr\u00e4sident Abdelmadjid Tebboune und die italienische Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni in Algier zu bilateralen Gespr\u00e4chen. Der Besuch, Melonis zweite Reise nach Algerien innerhalb ihrer bisherigen Amtszeit, verdeutlicht die aktuelle Priorit\u00e4tensetzung beider Regierungen.<\/p>\n<p>Im Kern geht es um eine pragmatische Allianz: Italien sucht nach dem Wegfall russischer Lieferungen langfristige Energiesicherheit, w\u00e4hrend Algerien seine Position als f\u00fchrender Energieexporteur im Mittelmeerraum festigt und Italien als prim\u00e4res Tor zum europ\u00e4ischen Markt ausbaut.<\/p>\n<p>Energiesicherheit und wirtschaftliche Realpolitik<\/p>\n<p>Die wirtschaftliche Zusammenarbeit konzentriert sich prim\u00e4r auf den Rohstoffsektor. Laut den offiziellen Erkl\u00e4rungen der Ministerpr\u00e4sidentin Meloni wird die Kooperation zwischen den Staatskonzernen ENI und Sonatrach intensiviert. Dabei stehen nicht nur klassische Erdgaslieferungen im Fokus, sondern auch die Exploration von Offshore-Vorkommen und Schiefergas. Diese Partnerschaft dient Algier auch dazu, Italien als strategisches Gegengewicht zu anderen europ\u00e4ischen Staaten wie Spanien zu etablieren, mit denen die Beziehungen aufgrund der Marokko-Politik und der Westsahara-Frage derzeit angespannt sind.<\/p>\n<p>Parallel dazu wird der \u201eMattei-Plan\u201c vorangetrieben, der \u00fcber den Energiesektor hinausgeht. Ein zentrales Projekt ist die gro\u00dffl\u00e4chige landwirtschaftliche Erschlie\u00dfung von W\u00fcstengebieten. In der Provinz Timimoun soll die Anbaufl\u00e4che f\u00fcr Getreide und H\u00fclsenfr\u00fcchte bis 2026 von 7.000 auf 13.000 Hektar erweitert werden. Flankiert werden diese Ma\u00dfnahmen durch die geplante Gr\u00fcndung eines gemeinsamen Handelsausschusses, um italienischen Unternehmen den Zugang zu Branchen wie der Pharmazie und der digitalen Infrastruktur in Algerien zu erleichtern.<\/p>\n<p>Tebboune positioniert Algerien in regionalen Konfliktfragen<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Tebboune nutzte die gemeinsame B\u00fchne mit der italienischen Regierungschefin, um Algeriens au\u00dfenpolitische Standpunkte deutlich zu markieren. In Bezug auf den Nahostkonflikt verurteilte er laut der Nachrichtenagentur APS die \u201eschwerwiegenden Verletzungen des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts\u201c im Gazastreifen. Er forderte die internationale Gemeinschaft auf, die Bem\u00fchungen f\u00fcr eine gerechte L\u00f6sung zu intensivieren, die dem pal\u00e4stinensischen Volk das Recht auf einen eigenen, unabh\u00e4ngigen Staat innerhalb der Grenzen von 1967 garantiert.<\/p>\n<p>Auch die Lage in Libyen und der Westsahara nahm in Tebbounes Statement einen breiten Raum ein. Er betonte die Notwendigkeit, die Einheit Libyens durch politische L\u00f6sungen ohne externe Einmischung zu sichern. Hinsichtlich der Westsahara bekr\u00e4ftigte der Pr\u00e4sident die traditionelle algerische Position. Hier zeigt sich jedoch ein diplomatisches Spannungsfeld: W\u00e4hrend Algerien weiterhin auf ein Referendum dr\u00e4ngt, hat sich der internationale Rahmen verschoben. Jahrzehntelang forderte die UNO im Rahmen der MINURSO-Mission die Abhaltung eines Referendums zur Zukunft der Westsahara. Doch seit der Resolution 2797 vom Oktober 2025 spielt das Referendum in den UN-Dokumenten faktisch keine Rolle mehr. Vielmehr soll der Konflikt im Rahmen einer Autonomie der Region unter marokkanischer Souver\u00e4nit\u00e4t gel\u00f6st werden, wobei Algerien neben Marokko, Mauretanien und der Frente Polisario als beteiligte Partei an den diskret abgehaltenen Verhandlungen teilnimmt.<\/p>\n<p>Meloni setzt auf algerische Vermittlung in der Sahel-Zone und Ukraine<\/p>\n<p>Ministerpr\u00e4sidentin Meloni erweiterte den Fokus der Gespr\u00e4che auf die globale Sicherheitsarchitektur. Sie hob die \u201eau\u00dfergew\u00f6hnliche Rolle\u201c hervor, die Algerien historisch und aktuell in der Sahel-Zone spielt \u2013 einer Region, die zunehmend durch Instabilit\u00e4t und terroristische Bedrohungen destabilisiert wird. Italien, das in der Region milit\u00e4risch und entwicklungspolitisch engagiert ist, sieht in der algerischen Diplomatie einen unverzichtbaren Partner, um die Ausbreitung des Dschihadismus einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p>Auch der Krieg in der Ukraine war Thema der Gespr\u00e4che. Meloni betonte die Notwendigkeit eines \u201egerechten und dauerhaften Friedens\u201c. Italien setzt hierbei auf Algerien als einflussreiche Stimme innerhalb der blockfreien Staaten und der Afrikanischen Union, um diplomatische Kan\u00e4le offen zu halten. Die Zusammenarbeit mit Algier soll dabei helfen, die wirtschaftlichen Schocks des Krieges, die insbesondere afrikanische Nationen treffen, durch stabile Energie- und Agrarpartnerschaften abzufedern.<\/p>\n<p>Migration und Sicherheit als gemeinsames Interesse<\/p>\n<p>Trotz unterschiedlicher diplomatischer Schwerpunkte fanden beide Seiten Konsens in Sicherheitsfragen. Meloni dankte Algerien ausdr\u00fccklich f\u00fcr die \u201evorbildliche Zusammenarbeit\u201c bei der Bek\u00e4mpfung der irregul\u00e4ren Migration. Die Reduzierung der Anlandungen an den italienischen K\u00fcsten wird in Rom als Erfolg dieser Partnerschaft gewertet. Die gemeinsame Priorit\u00e4t bleibt das Zerschlagen krimineller Netzwerke, die im Mittelmeerraum agieren. Einig war man sich zudem in der Einsch\u00e4tzung, dass wahre Stabilit\u00e4t nur durch wirtschaftliche Perspektiven vor Ort erreicht werden kann, was den Bogen zur\u00fcck zu den ambitionierten Investitionsprojekten des Mattei-Plans schlug.<\/p>\n<p class=\"brlbs-cmpnt-cb-description\">Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfl\u00e4che unten. 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