{"id":47780,"date":"2026-08-21T11:33:08","date_gmt":"2026-08-21T11:33:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/47780\/"},"modified":"2026-08-21T11:33:08","modified_gmt":"2026-08-21T11:33:08","slug":"entsetzen-in-kamerun-mord-an-schwulem-mann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/47780\/","title":{"rendered":"Entsetzen in Kamerun &#8211; Mord an schwulem Mann"},"content":{"rendered":"<p>Der Mord an einem jungen schwulen Mann hat in der LGBTIQ+-Community der kamerunischen Wirtschaftsmetropole Douala Trauer und Emp\u00f6rung ausgel\u00f6st. Gleichzeitig sorgten homophobe Reaktionen in sozialen Netzwerken f\u00fcr zus\u00e4tzliche Best\u00fcrzung. Der Fall lenkt den Blick erneut auf die schwierige Lage Homosexueller in dem zentralafrikanischen Land \u2013 <a href=\"https:\/\/schwulissimo.de\/neuigkeiten\/trauriges-jubilaeum-kamerun-10-jahre-homophobes-hass-gesetz\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">seit zehn Jahren existiert ein radikales Anti-Homosexuellen-Gesetz, das hohe Haftstrafen f\u00fcr Lesben und Schwule vorsieht<\/a>. Die Folgen sind Stigmatisierung, Denunziation, \u00f6ffentliche Dem\u00fctigungen, Gewalt, Willk\u00fcr und Selbstjustiz ohne rechtliche Konsequenzen.\u00a0<\/p>\n<p>Das Wichtigste im \u00dcberblickMord in Douala: Paul G\u00e9rard wurde Mitte August tot in seiner Wohnung gefunden.Hauptverd\u00e4chtiger gesucht: Die Polizei fahndet nach G\u00e9rards Freund Liam Karl, der bislang nicht festgenommen wurde.Homophober Spott: In sozialen Netzwerken reagierten einige Menschen mit Mitgef\u00fchl, andere mit offen homophoben Kommentaren.Aufruf zur Gerechtigkeit: Menschenrechtler fordern eine umfassende Aufkl\u00e4rung des Mordes.In Kamerun stehen gleichgeschlechtliche Beziehungen weiterhin unter Strafe, seit zehn Jahren radikalisiert ein Anti-Homosexuellen-Gesetz die Lage f\u00fcr Lesben und Schwule.\u00a0Tragischer Tod zu Hause\u00a0<\/p>\n<p>Der 25-j\u00e4hrige Paul G\u00e9rard wurde Mitte August tot in einer Blutlache liegend in seinem Bett in seiner Wohnung entdeckt. Die Tat hatte sich in der Nacht zuvor im Stadtteil Logpom ereignet. Nach Angaben des Polizeiberichts war G\u00e9rard zuvor mit seinem Freund Liam Karl zu Hause gewesen. Karl gilt aktuelle als Hauptverd\u00e4chtiger und wird von der Polizei gesucht. Aufnahmen einer \u00dcberwachungskamera sollen zeigen, wie er gegen 6 Uhr morgens die Wohnung verlie\u00df. Eine gerichtsmedizinische Untersuchung ergab, dass G\u00e9rard geschlagen und erw\u00fcrgt worden war. Karl deaktivierte anschlie\u00dfend seine Social-Media-Konten und soll mehrere pers\u00f6nliche Gegenst\u00e4nde des Get\u00f6teten mitgenommen haben.<\/p>\n<p>G\u00e9rards Nachbarn und Freunde aus der LGBTIQ+-Community beschrieben ihn als gesellig, diskret, h\u00f6flich und hilfsbereit. Karl ist 33 Jahre alt und soll seit langem mit G\u00e9rard befreundet gewesen sein und ebenfalls der schwulen Community in Douala angeh\u00f6ren. Eine queere Organisation bot inzwischen \u00fcber Facebook eine Belohnung von 1 Million CFA-Francs (etwa 1.500 Euro) f\u00fcr Hinweise an, die zur Festnahme des Verd\u00e4chtigen f\u00fchren.\u00a0<\/p>\n<p>Hass-Kommentare im Internet\u00a0<\/p>\n<p>In den sozialen Netzwerken reichten die Reaktionen von Trauer und Anteilnahme bis zu offenem homophobem Spott. Ein Nutzer schrieb: \u201eIch h\u00e4tte nie gedacht, den Namen eines ehemaligen Klassenkameraden mit einer solch tragischen Angelegenheit verbunden zu sehen \u2026 Meine Gedanken sind beim Opfer, seiner Familie und allen, die von dieser Trag\u00f6die betroffen sind. M\u00f6ge Gerechtigkeit geschehen.\u201c Ein anderer mahnte: \u201eBevor man von \u201ader Geschichte eines schwulen Mannes\u2018 spricht, sollte man sich daran erinnern, dass er vor allem ein Mensch war \u2026 Paul war ein Sohn, ein Bruder, ein Freund. Sein Tod ist weder ein Sieg noch ein Witz.\u201c<\/p>\n<p>Daneben gab es leider auch viele deutlich abwertende Reaktionen. Ein Kommentar lautete: \u201eMan empfindet fast Mitleid mit ihm, aber was machen zwei M\u00e4nner \u00fcberhaupt nachts in einem geschlossenen Raum?!\u201c Weitere Kommentatoren beschimpften das Opfer direkt mit w\u00fcsten Spr\u00fcchen, machten sich \u00fcber den Tod lustig oder freuten sich direkt dar\u00fcber, dass es \u201eendlich wieder eine Schwuchtel\u201c erwischt hat. Ein Nutzer erkl\u00e4rte, es sei gut, wenn sich, wie vielleicht in diesem Fall m\u00f6glich, die \u201eSchwuchteln inzwischen gegenseitig abschlachten\u201c, dann m\u00fcsse man das \u201enicht mehr selbst tun.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>Die Emp\u00f6rung \u00fcber die Hass-Kommentare schlug daraufhin hohe Wellen, ein Kommentar erkl\u00e4rte stellvertretend f\u00fcr viele: \u201eWas ich in den sozialen Medien sehe, ist absto\u00dfend und zutiefst entmenschlichend. Ein Mensch wurde get\u00f6tet. Dennoch machen sich einige \u00fcber ihn lustig, schreiben ironische Kommentare und scheinen sich \u00fcber seinen Tod beinahe zu freuen, weil er schwul war. Wir sollten uns daran erinnern: Die Kriminalisierung bestimmter gleichgeschlechtlicher Beziehungen in Kamerun setzt die grundlegenden Rechte homosexueller Menschen nicht au\u00dfer Kraft. Sie gibt niemandem das Recht, sie zu dem\u00fctigen, anzugreifen oder ihr Leben und ihre W\u00fcrde zu verletzen. Sein Tod ist weder ein Sieg noch ein Witz!\u201c<\/p>\n<p>Menschenrechtler fordern Ermittlungen<\/p>\n<p>Der Menschenrechtsverteidiger Ebenezer Munkan forderte die Beh\u00f6rden zu umfassenden Ermittlungen auf: \u201eEin kamerunischer Staatsb\u00fcrger bleibt ein kamerunischer Staatsb\u00fcrger, LGBTIQ+ oder nicht. Paul G\u00e9rard verdient Gerechtigkeit. Jeder kamerunische Staatsb\u00fcrger verdient Schutz.\u201c Er wandte sich in einem offenen Brief unter anderem an den Justizminister, den Minister f\u00fcr Territorialverwaltung, den Verteidigungsminister und den Generaldelegierten f\u00fcr Nationale Sicherheit. Auch die Generalstaatsanw\u00e4lte der Regionen Littoral und Centre wurden aufgefordert, die Ermittlungen bis zum Abschluss zu f\u00fchren und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Mord an einem jungen schwulen Mann hat in der LGBTIQ+-Community der kamerunischen Wirtschaftsmetropole Douala Trauer und Emp\u00f6rung&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":47781,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[27],"tags":[222,163,18378],"class_list":["post-47780","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-kamerun","tag-cameroon","tag-kamerun","tag-trauer-ueber-ermordeten-schwulen-trifft-auf-puren-hass"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/117133286225794765","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/47780","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=47780"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/47780\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/47781"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=47780"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=47780"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=47780"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}