{"id":47845,"date":"2026-08-21T15:28:12","date_gmt":"2026-08-21T15:28:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/47845\/"},"modified":"2026-08-21T15:28:12","modified_gmt":"2026-08-21T15:28:12","slug":"nothilfe-us-regierung-verlagert-risiko-nach-kenia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/47845\/","title":{"rendered":"Nothilfe \u2013 US-Regierung verlagert Risiko nach Kenia"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img324595\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/324595.jpeg\" alt=\"Kenianische Polizisten beseitigen die \u00dcberbleibsel einer Demo gegen die US-Quarant\u00e4nestation.\"\/><\/p>\n<p>Kenianische Polizisten beseitigen die \u00dcberbleibsel einer Demo gegen die US-Quarant\u00e4nestation.<\/p>\n<p>Foto: AFP\/Luis Tato<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weitere 242 Millionen US-Dollar werden die USA angesichts des Ebola-Ausbruchs in Zentralafrika f\u00fcr Sofortma\u00dfnahmen, Vorsorge in der Region und humanit\u00e4re Hilfe bereitstellen. Dies k\u00fcndigte das Au\u00dfenministerium in dieser Woche an. Rechnet man die Zusagen vom G7-Gipfel im Juni in Frankreich hinzu, summieren sich die Hilfsgelder Washingtons auf 512 Millionen US-Dollar.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit sind die USA der gr\u00f6\u00dfte Einzelgeldgeber in der aktuellen Ebola-Notlage. Zum Vergleich: Deutschland stockt laut einer j\u00fcngsten Ank\u00fcndigung von Entwicklungsministerin Alabali Radovan seine Hilfen um elf Millionen Euro f\u00fcr medizinische Ausr\u00fcstung, mobile Labore und PCR-Diagnostikkits auf. Zuvor stand eine Summe von 13 Millionen im Raum.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die versprochenen Hilfsgelder der USA haben trotz ihrer H\u00f6he einen mehr als faden Beigeschmack. Die ultrarechte Trump-Administration hat die Mitgliedschaft in der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beendet, wo man zuvor gr\u00f6\u00dfter staatlicher Zahler war, und weltweit gro\u00dfe Hilfsprogramme im Gesundheitsbereich zusammengestrichen oder ganz gestoppt. Experten halten dies f\u00fcr einen Faktor, warum der aktuelle Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik (DR) Kongo derartige Ausma\u00dfe nehmen konnte.<\/p>\n<p>Paradigmenwechsel in Washington<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass sich die US-Regierung bei Ebola nun stark engagiert, werten Kritiker als versp\u00e4tete Reaktion auf eine bereits eskalierte Krise. Das Finanzielle ist auch nur Teil eines Paradigmenwechsels in Washington im Umgang mit solchen Notlagen. Vordringliches Ziel der Trump-Leute ist es, den Ausbruch regional einzugrenzen und das Virus von den eigenen Grenzen fernzuhalten. Bereits im Mai schlossen die USA ihre Grenzen f\u00fcr Reisende aus den betroffenen L\u00e4ndern. Dies sorgte postwendend f\u00fcr Kritik von UN-Organisationen. Und der Chef der Gesundheitsbeh\u00f6rde der Afrikanischen Union, Jean Kaseya, bezeichnete die Ma\u00dfnahmen als inakzeptabel und \u00bbSchande\u00ab im Umgang westlicher Staaten mit afrikanischen L\u00e4ndern, da \u00bbbreite Reiseverbote die Wirtschaft sch\u00e4digen, die Zusammenarbeit behindern und wissenschaftlich nicht sinnvoll sind\u00ab. Die Regelung behinderte auch die Teilnahme Kongos an der Herren-Fu\u00dfball-WM.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Regierung rechtfertigt ihr Vorgehen in einer offiziellen Erkl\u00e4rung damit, \u00bbman k\u00f6nnte nicht erlauben\u00ab, dass Ebola-F\u00e4lle erneut die USA erreichen. W\u00e4hrend des Ausbruchs in Westafrika von 2014 bis 2016 gab es auch in den Staaten einzelne F\u00e4lle. Nat\u00fcrlich wurden diese schnell isoliert, und es bestand nie eine Gefahr f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung. Denn bisher geh\u00f6rten die USA zu den L\u00e4ndern mit den \u00bbweltweit fortschrittlichsten Bio-Containment-Kapazit\u00e4ten\u00ab, wie es Fachleute ausdr\u00fccken. Ob das angesichts der K\u00fcrzungen im Gesundheitsbudget unter Donald Trump noch gilt, ist unklar.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum ersten Mal \u00fcberhaupt in einer solchen Situation bezieht das Einreiseverbot auch alle US-B\u00fcrger mit ein, die aus der betroffenen Region kommen. Sie m\u00fcssen sich laut Verordnung zuvor mindestens drei Wochen in einem Drittstaat aufgehalten haben, bevor sie zur\u00fcckkehren d\u00fcrfen. Bei einem Arzt, der sich infiziert hatte, sprang ganz am Anfang der Ebola-Krise Deutschland ein \u2013 er wurde samt Familie in der Berliner Charit\u00e9 behandelt und unter Quarant\u00e4ne gestellt.<\/p>\n<p>Proteste in Kenia<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade die Sache mit dem Drittstaat sorgt f\u00fcr erhebliche internationale Verwerfungen. So hat sich Washington f\u00fcr eine dauerhafte L\u00f6sung ein befreundetes Land in Ostafrika unweit der DR Kongo ausgesucht: Kenia. Dabei geht es um den Plan, auf dem Gel\u00e4nde der Laikipia Air Base 200 Kilometer n\u00f6rdlich der Hauptstadt Nairobi eine Quarant\u00e4nestation mit 50 Betten f\u00fcr US-B\u00fcrger einzurichten. Die Furcht vor Einschleppung, aber auch \u00c4rger \u00fcber mangelnde Transparenz und Nichtbeteiligung der Bev\u00f6lkerung sorgten im Mai f\u00fcr massive Proteste in dem bislang ebolafreien Land. Bei Demonstrationen setzte die Polizei scharfe Munition und Tr\u00e4nengas ein, mindestens drei Menschen starben.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Klage der Menschenrechtsorganisation Katiba Institute vor dem Obersten Gerichtshof war dagegen erfolgreich. Das Quarant\u00e4nezentrum d\u00fcrfe nicht ohne Kontrolle durch Parlament, Gerichte und \u00d6ffentlichkeit umgesetzt werden, so das Urteil. Allerdings hielten sich die Beh\u00f6rden offenbar nicht daran. Und Pr\u00e4sident William Ruto verteidigte das Vorhaben: Kenia stehe bei Washington f\u00fcr jahrelange Unterst\u00fctzung und Hilfskredite in der Schuld. Mitte Juli wurde bekannt, dass in dem Quarant\u00e4nezentrum erstmals sieben US-amerikanische Mitarbeiter*innen der evangelikalen Hilfsorganisation Samaritan\u2019s Purse untergebracht wurden, die aus einem Ebola-Einsatz in Kongo zur\u00fcckkehrten. Von einem \u00bbabsoluten Skandal\u00ab sprach Katiba. Dies stelle eine \u00bbeklatante und gef\u00e4hrliche Missachtung der geltenden Anordnungen des Obersten Gerichtshofs dar\u00ab.<\/p>\n<p>Nothilfeeins\u00e4tze infrage gestellt<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in den USA gibt es massive Kritik am Vorgehen der Trump-Regierung, denn dieses stelle Nothilfeeins\u00e4tze, bei denen US-Gesundheitsfachleute bisher eine zentrale Rolle spielten, generell infrage. \u00bbEinsatzkr\u00e4fte an vorderster Front gehen erhebliche pers\u00f6nliche Risiken ein, wenn sie in Ausbruchsgebiete entsandt werden\u00ab, schreiben US-Mediziner um Krutika Kupalli von der University of Texas in einem Beitrag f\u00fcr das Fachblatt \u00bbThe Lancet\u00ab. Bei fr\u00fcheren Ebola-Ausbr\u00fcchen h\u00e4tten sie die Gewissheit gehabt, im Falle einer Erkrankung Zugang zu medizinischer Versorgung in spezialisierten US-Einrichtungen zu bekommen. \u00bbEine Abkehr vom \u203aRight-of-Return\u2039-Modell birgt die Gefahr, einen Eckpfeiler der Unterst\u00fctzung f\u00fcr Einsatzkr\u00e4fte zu schw\u00e4chen und gleichzeitig spezialisierte nationale Kapazit\u00e4ten zu vernachl\u00e4ssigen, die durch erhebliche \u00f6ffentliche Investitionen zur Versorgung von Patienten mit hochgef\u00e4hrlichen Infektionskrankheiten aufgebaut wurden.\u00ab Grundlage der Nothilfe sei bisher das Prinzip der Gegenseitigkeit gewesen, das nicht nur eine ethische Verpflichtung, sondern auch eine operative Notwendigkeit gewesen sei.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solche Grunds\u00e4tze sind der Trump-Administration nat\u00fcrlich fremd. Ihr einziges Bestreben ist, Ebola-Ausbr\u00fcche auf Afrika zu beschr\u00e4nken. Mehr als ein paar Gelder im Ernstfall ist von ihr nicht zu erwarten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kenianische Polizisten beseitigen die \u00dcberbleibsel einer Demo gegen die US-Quarant\u00e4nestation. 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