{"id":47947,"date":"2026-08-22T05:25:15","date_gmt":"2026-08-22T05:25:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/47947\/"},"modified":"2026-08-22T05:25:15","modified_gmt":"2026-08-22T05:25:15","slug":"lake-nyos-wie-ein-see-in-kamerun-mehr-als-1700-menschen-toetete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/47947\/","title":{"rendered":"Lake Nyos: Wie ein See in Kamerun mehr als 1700 Menschen t\u00f6tete"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/imticker.ch\" title=\"Home\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Home<\/a><br \/>\n\u00bb<br \/>\n<a href=\"https:\/\/imticker.ch\/category\/story\/\" title=\"Story\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Story<\/a><br \/>\n\u00bb<br \/>\nLake Nyos: Wie ein See in Kamerun mehr als 1700 Menschen t\u00f6tete<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Am 21. August 1986 wurde der Lake Nyos in <a href=\"https:\/\/imticker.ch\/category\/ausland\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kamerun<\/a> zum Schauplatz einer der ungew\u00f6hnlichsten Naturkatastrophen der Geschichte. Eine gewaltige Kohlendioxidwolke trat aus dem Kratersee aus und breitete sich \u00fcber die umliegenden T\u00e4ler aus. Mehr als 1700 Menschen und Tausende Tiere starben innerhalb weniger Stunden.<\/p>\n<p>Eine unsichtbare Gaswolke t\u00f6tete Tausende<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Es war ein Donnerstagabend und in der Region rund um Nyos herrschte reges Treiben. Nur wenige Kilometer vom gleichnamigen Dorf entfernt liegt der Lake Nyos, ein tiefblauer Kratersee inmitten gr\u00fcner H\u00fcgel. Bereits zuvor hatten Rinderhirten ungew\u00f6hnliche Blasen auf der Wasseroberfl\u00e4che beobachtet, ohne die m\u00f6gliche Gefahr zu erkennen.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Am sp\u00e4ten Abend begann der See pl\u00f6tzlich zu grollen. Das Ger\u00e4usch dauerte nur wenige Sekunden. Danach schoss eine grosse Font\u00e4ne aus dem Wasser, gefolgt von einer weissen Wolke. Was zun\u00e4chst wie ein ungew\u00f6hnliches Naturschauspiel wirkte, wurde zur t\u00f6dlichen Katastrophe.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Laut <a href=\"https:\/\/www.gmx.ch\/magazine\/wissen\/natur-umwelt\/see-1700-menschen-leben-kostete-42630474\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">GMX<\/a> und den im Bericht genannten Quellen bestand die Wolke aus hochkonzentriertem Kohlendioxid (CO2), das sich \u00fcber lange Zeit im Tiefenwasser des Sees angesammelt hatte. Das farb- und geruchlose Gas ist schwerer als Luft und str\u00f6mte deshalb durch die umliegenden T\u00e4ler.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Wer von der Gaswolke erreicht wurde, verlor das Bewusstsein. Mehr als 1700 Menschen starben, dazu Tausende Rinder und zahlreiche Wildtiere. Auch in gr\u00f6sserer Entfernung vom See wurden Menschen vom Gas getroffen. Im Dorf Nyos \u00fcberlebten nach den vorliegenden Berichten nur wenige Einwohner.<\/p>\n<p>Ein Kratersee mit einer gef\u00e4hrlichen Eigenschaft<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Die Ursache der Katastrophe liegt in der besonderen Geologie des Lake Nyos. Der See ist ein sogenannter Maarsee, der durch eine vulkanische Explosion entstanden ist. Er geh\u00f6rt zur Kamerun-Vulkanlinie, einer geologisch aktiven Zone, die sich durch Westkamerun bis zu den Inseln im Golf von Guinea erstreckt.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Der Lake Nyos ist rund 208 Meter tief. In den unteren Wasserschichten kann sich aufgrund des hohen Drucks grosse Mengen CO2 l\u00f6sen. Gleichzeitig verhindert die stabile Schichtung des Sees, dass sich das kalte Tiefenwasser regelm\u00e4ssig mit dem w\u00e4rmeren Oberfl\u00e4chenwasser vermischt.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Dadurch konnte sich \u00fcber lange Zeit immer mehr Kohlendioxid im Tiefenwasser sammeln. Das Prinzip l\u00e4sst sich vereinfacht mit einer verschlossenen Flasche Mineralwasser vergleichen: Solange der Druck erhalten bleibt, bleibt das Gas im Wasser gel\u00f6st.<\/p>\n<p>Was l\u00f6ste die Katastrophe aus?<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Was genau die t\u00f6dliche Gasfreisetzung am 21. August 1986 ausl\u00f6ste, wurde nach der Katastrophe intensiv untersucht. Als m\u00f6gliche Ausl\u00f6ser wurden unter anderem ein Erdrutsch, eine St\u00f6rung der Wasserschichten oder ein vulkanisches Ereignis diskutiert.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Eine Erkl\u00e4rung setzte sich schliesslich weitgehend durch: Eine sogenannte limnische Eruption hatte das im Tiefenwasser gespeicherte CO2 schlagartig freigesetzt. Dabei steigt CO2-reiches Wasser auf. Mit abnehmendem Druck entweicht immer mehr Gas, wodurch das Wasser weiter aufsteigt und eine Kettenreaktion entstehen kann.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Sch\u00e4tzungen zufolge entwichen bei der Katastrophe rund 1,6 bis 1,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Die Gaswolke breitete sich mit hoher Geschwindigkeit \u00fcber die T\u00e4ler aus. Weil Kohlendioxid unsichtbar und geruchlos ist, konnten die Menschen die Gefahr nicht erkennen.<\/p>\n<p>\ud83d\udea8 Breaking News direkt aufs Smartphone<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Verpasse keine Eilmeldung mehr \u2013 jetzt den imTicker WhatsApp-Kanal abonnieren:<br \/>\ud83d\udc49<a href=\"https:\/\/whatsapp.com\/channel\/0029VaoTEZ35Ui2ZEgdy802a\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> imTicker auf WhatsApp abonnieren<\/a><\/p>\n<p>Entgasung sollte eine neue Katastrophe verhindern<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Nach dem Ungl\u00fcck suchten Wissenschaftler nach einer M\u00f6glichkeit, die CO2-Konzentration im See dauerhaft zu reduzieren. Ein Team um den franz\u00f6sischen Wissenschaftler Michel Halbwachs entwickelte daf\u00fcr ein vergleichsweise einfaches Prinzip.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Ein Rohr wurde bis in die tiefen Wasserschichten gef\u00fchrt. CO2-reiches Wasser wurde dadurch nach oben geleitet. Beim Aufstieg nahm der Druck ab, das Kohlendioxid trat aus dem Wasser aus und das leichtere Wasser-Gas-Gemisch stieg weiter zur Oberfl\u00e4che.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Erste Experimente begannen bereits 1990. 1995 gelang ein erfolgreicher Test am Lake Nyos. Im Januar 2001 wurde das erste dauerhafte Entgasungsrohr in Betrieb genommen. Zwei weitere, gr\u00f6ssere Systeme folgten 2011.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Auch der nahe gelegene Lake Monoun wurde entgast. Dort hatte eine \u00e4hnliche CO2-Katastrophe bereits 1984 insgesamt 37 Menschen das Leben gekostet.<\/p>\n<p>Auch der Damm des Sees war eine Gefahr<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Nach der Gas-Katastrophe entdeckten Wissenschaftler ein weiteres erhebliches Risiko. Der nat\u00fcrliche Damm am Abfluss des Lake Nyos bestand aus lockerem vulkanischem Material und drohte langfristig instabil zu werden.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Ein Bruch h\u00e4tte nach wissenschaftlichen Sch\u00e4tzungen rund 50 Millionen Kubikmeter Wasser freisetzen k\u00f6nnen. Eine gewaltige Flut h\u00e4tte sich durch die umliegenden Gebiete ausbreiten und bis nach Nigeria reichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Der Damm wurde deshalb mit einer speziellen Technik stabilisiert. Beim sogenannten Jet Grouting wird Zement beziehungsweise Beton unter hohem Druck tief in den Untergrund eingebracht. Damit konnte die Stabilit\u00e4t des nat\u00fcrlichen Damms verbessert werden.<\/p>\n<p>Die \u00dcberlebenden k\u00e4mpften um Unterst\u00fctzung<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">F\u00fcr die \u00dcberlebenden endete die Katastrophe nicht mit dem Verschwinden der Gaswolke. Die Regierung liess die umliegenden D\u00f6rfer evakuieren und zahlreiche H\u00e4user wurden abgerissen. Viele Menschen wurden in Umsiedlungslager gebracht.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Dort fehlte es nach Berichten \u00fcber Jahre an grundlegender Infrastruktur. Schulen, medizinische Einrichtungen, Stromversorgung und sanit\u00e4re Anlagen waren teilweise unzureichend. Auch versprochene Entsch\u00e4digungen und finanzielle Unterst\u00fctzung sollen viele Betroffene nicht oder nur unvollst\u00e4ndig erhalten haben.<\/p>\n<p class=\"isSelectedEnd\">Heute gilt der Lake Nyos dank der jahrzehntelangen Entgasungsarbeiten und der Stabilisierung des Damms als deutlich sicherer. Die Katastrophe vom 21. August 1986 bleibt jedoch ein eindr\u00fcckliches Beispiel daf\u00fcr, wie sich nat\u00fcrliche Prozesse in einem scheinbar friedlichen See innerhalb weniger Minuten zu einer t\u00f6dlichen Gefahr entwickeln k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Home \u00bb Story \u00bb Lake Nyos: Wie ein See in Kamerun mehr als 1700 Menschen t\u00f6tete Am 21.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":47948,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[27],"tags":[222,163],"class_list":["post-47947","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-kamerun","tag-cameroon","tag-kamerun"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/117137501494658911","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/47947","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=47947"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/47947\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/47948"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=47947"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=47947"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=47947"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}