{"id":48134,"date":"2026-08-23T10:51:08","date_gmt":"2026-08-23T10:51:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/48134\/"},"modified":"2026-08-23T10:51:08","modified_gmt":"2026-08-23T10:51:08","slug":"frage-von-leben-und-tod-aegypten-riskiert-viel-mit-mega-projekten-in-der-wueste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/48134\/","title":{"rendered":"&#8222;Frage von Leben und Tod&#8220;?: \u00c4gypten riskiert viel mit Mega-Projekten in der W\u00fcste"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Frage von Leben und Tod&#8220;?\u00c4gypten riskiert viel mit Mega-Projekten in der W\u00fcste<\/p>\n<p>23.08.2026, 11:39 Uhr <\/p>\n<p>Artikel anh\u00f6ren(08:56 min)<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"Image_img__fQCi0 Image_Img_16_9__4BLfH widget-picture-inline_maximizable__t_E7h\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Blick-auf-einen-Kanal-der-in-der-Wueste-im-Norden-Aegyptens-im-Rahmen-des-neuen-Agrarprojekts-New-De.webp\" alt=\"Blick-auf-einen-Kanal-der-in-der-Wueste-im-Norden-Aegyptens-im-Rahmen-des-neuen-Agrarprojekts-New-Delta-gebaut-wurde-Aegyptens-Megaprojekte-in-der-Wueste-sollen-Allheilmittel-sein-bei-der-rasant-wachsenden-Bevoelkerung-und-immer-knapper-werdendem-Wasser\"\/>Blick auf einen Kanal, der in der W\u00fcste im Norden \u00c4gyptens im Rahmen des neuen Agrarprojekts &#8222;New Delta&#8220; gebaut wurde. (Foto: picture alliance\/dpa)<\/p>\n<p class=\"Typography_text-m__XI0da Typography_weight-bold__uT6mq storyline_lead_text_leadtext__q_wg8\">\u00c4gypten ist geradezu vernarrt in Megaprojekte in der W\u00fcste. Sie sollen Allheilmittel sein bei der rasant wachsenden Bev\u00f6lkerung und immer knapper werdendem Wasser. Neuestes Beispiel: das &#8222;New Delta&#8220;.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Tief in der beigefarbenen W\u00fcste sind riesige gr\u00fcne Kreise aufgetaucht, mitten im kargen Nirgendwo von \u00c4gypten. Auf Satellitenfotos ist aus dem Weltall zu sehen, dass hier kahle W\u00fcste in gr\u00fcnes, fruchtbares Land verwandelt werden soll &#8211; und mithilfe sogenannter Kreisberegnung entstehen kreisf\u00f6rmige Anbaufl\u00e4chen. Die Regierung feiert das im Mai eingeweihte &#8222;New Delta&#8220; als eines der gr\u00f6\u00dften Landwirtschaftsprojekte weltweit.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Weizen, Mais, Gem\u00fcse und Exportpflanzen wie Oliven und Feigen sollen hier wachsen auf einer Fl\u00e4che, die mehr als der zehnfachen Gr\u00f6\u00dfe Berlins entspricht. Gekostet hat das Projekt rund 15 Milliarden US-Dollar, mit dem Ziel, die Agrarfl\u00e4che des Landes um 15 Prozent zu erweitern.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"Image_img__fQCi0 Image_Img_16_9__4BLfH widget-picture-inline_maximizable__t_E7h\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/logo_grey.svg\" alt=\"Ein-undatiertes-Handout-zeigt-die-New-Delta-Wastewater-Treatment-Plant-in-Aegyptens-Wueste-die-zum-Zeitpunkt-der-Einweihung-im-Mai-2026-groesste-Anlage-weltweit-zur-Wiederaufbereitung-von-Abwasser-aus-der-Landwirtschaft-im-Rahmen-des-Wuesten-Agrarprojekts-New-Delta-Aufnahme-mit-einer-Drohne\"\/>Ein undatiertes Handout zeigt die New Delta Wastewater Treatment Plant in \u00c4gyptens W\u00fcste, die zum Zeitpunkt der Einweihung im Mai 2026 gr\u00f6\u00dfte Anlage weltweit zur Wiederaufbereitung von Abwasser aus der Landwirtschaft, im Rahmen des W\u00fcsten-Agrarprojekts &#8222;New Delta&#8220;. (Foto: picture alliance\/dpa\/Orascom Construction)<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Aber warum ausgerechnet hier, wo nichts w\u00e4chst und wo man zwischen Schnellstra\u00dfe und einer gelegentlichen Tankstelle das Gef\u00fchl hat, auf dem Mars unterwegs zu sein und nicht in Nordafrika? Und warum bauen \u00c4gypten und die Golfl\u00e4nder neben Agrarfl\u00e4chen auch neue St\u00e4dte und Tourismusgebiete in der W\u00fcste, wo es eigentlich kein Wasser und keinerlei Infrastruktur gibt?<\/p>\n<p>&#8222;W\u00fcsten-Tr\u00e4ume&#8220; \u00fcber Jahrzehnte<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Schon lang tr\u00e4umten \u00c4gyptens Herrscher davon, soziale und wirtschaftliche Probleme durch Entwicklung der W\u00fcste zu l\u00f6sen, hei\u00dft es in David Sims Buch &#8222;Egypt&#8217;s Desert Dreams&#8220;. Nur vier Prozent des Landes sind landwirtschaftlich nutzbar. Und die W\u00fcste auf beiden Seiten des Nils, die mehr als 95 Prozent der Landesfl\u00e4che ausmacht, erwecke den Eindruck der M\u00f6glichkeit f\u00fcr &#8222;grenzenloses Wachstum&#8220;. Mit Agrarfl\u00e4chen, St\u00e4dten und Vorst\u00e4dten und als &#8222;fast grenzenloser Trakt&#8220; f\u00fcr Autobahnen, Fabriken, Erholung und Tourismus.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">In \u00c4gypten ist die W\u00fcste damit eine Art Hoffnungstr\u00e4ger, um viele Probleme anzupacken. Auch in der Golfregion gab und gibt es teils gigantische Bau- und Agrarprojekte. Viele scheiterten als Geisterst\u00e4dte, die buchst\u00e4blich versandeten, und als Agrarfl\u00e4chen, die weit hinter erkl\u00e4rten Zielen zur\u00fcckblieben. Die politischen Ambitionen \u00fcberstiegen dabei oft das, was technisch machbar ist.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Auch finanziell sind die Projekte aus Sicht vieler \u00d6konomen eine Katastrophe. Denn \u00c4gypten kann sie in seiner schweren Wirtschaftskrise kaum finanzieren. Geld kam vielfach aus den reichen Golfstaaten, aber deren Bereitschaft f\u00fcr Investitionen in \u00c4gypten sinkt. Die Projekte haben die Auslandsverschuldung des Landes, derzeit bei \u00fcber 160 Milliarden Dollar, in die H\u00f6he schie\u00dfen lassen. Dabei ist es Kairo gelungen, mit umstrittenen Methoden mehr und mehr Kredite aufzunehmen. So gibt es immer neue Anl\u00e4ufe f\u00fcr W\u00fcsten-Projekte.<\/p>\n<p>Problem Nummer Eins: Bev\u00f6lkerung<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">\u00c4gypten z\u00e4hlt 109 Millionen Einwohner und Einwohnerinnen &#8211; im Jahr 2050 k\u00f6nnten es 160 Millionen sein. Weil Platz entlang des Nils und im Nildelta knapp wird, muss expandiert werden, argumentieren Regierungen seit Jahrzehnten. So entstanden auf W\u00fcstengebiet Planst\u00e4dte wie Nasr City, 6th of October, Sheikh Zayed und New Cairo, die heute vom Gro\u00dfraum Kairo mit mehr als 20 Millionen Einwohner verschluckt werden. Allerdings ist der Wohnraum hier f\u00fcr die meisten \u00e4gyptischen Familien unbezahlbar. Viele der neu gebauten St\u00e4dte &#8211; etwa 40 in den letzten 10 Jahren &#8211; blieben auch Jahre sp\u00e4ter meist unbewohnt.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Auch die Neue Verwaltungshauptstadt (NAC) mit gesch\u00e4tzten Kosten von 58 Milliarden US-Dollar soll das \u00fcberf\u00fcllte Kairo entlasten. Bisher zogen aber nur einige Zehntausend Menschen dorthin, angepeilt wurden sechs Millionen. Kritische Stimmen sehen vielmehr einen Versuch, \u00c4gyptens Machtapparat r\u00e4umlich vom Rest der Bev\u00f6lkerung zu trennen. Das Forschungsprojekt Built Environment Observatory (BEO) stellte schon 2016 fest, dass etwa das Nildelta \u00fcberhaupt nicht &#8222;\u00fcberf\u00fcllt&#8220; sei und dies vielmehr ein Vorwand sei f\u00fcr teure Megaprojekte in der W\u00fcste.<\/p>\n<p>Problem Nummer Zwei: Lebensmittel<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Um die schnell wachsende Bev\u00f6lkerung zu ern\u00e4hren, ist \u00c4gypten stark auf Importe angewiesen. Das Land ist beim Grundnahrungsmittel Weizen der gr\u00f6\u00dfte Importeur weltweit, auch Mais und Sojabohnen werden importiert als Futter f\u00fcr die Gefl\u00fcgel- und Viehwirtschaft. Mit dem &#8222;New Delta&#8220; oder dem gro\u00dfen Projekt Tuschka im S\u00fcden will \u00c4gypten unabh\u00e4ngiger werden und verhindern, dass etwa der Ukraine- oder der Iran-Krieg zu Importausf\u00e4llen f\u00fchren und \u00e4gyptische Familien deshalb nicht genug zu essen haben.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Die Entwicklung der neuen Gebiete sei &#8222;eine Frage von Leben und Tod&#8220;, sagt der Leiter des W\u00fcsten-Forschungszentrums (DRC) in Kairo, Hussam Schauki, der dpa. &#8222;Selbst, wenn man nur das Minimum an Lebensmitteln f\u00fcr diese Bev\u00f6lkerung sichern wolle, m\u00fcsse man horizontal expandieren&#8220;, sagt er. Das DRC f\u00fchrt Studien zur Beschaffenheit von W\u00fcstenboden, um zu testen, ob dieser etwa in landwirtschaftliche Fl\u00e4che verwandelt werden kann.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Saudi-Arabien lie\u00df schon in den 1980er Jahren auf riesigen Feldern in der W\u00fcste Weizen anbauen, um Lebensmittelsicherheit zu erreichen. Riad beendete das Programm 2008, weil nicht erneuerbares Grundwasser \u00fcbernutzt wurde &#8211; ein Risiko, das auch im &#8222;New Delta&#8220; droht. Inzwischen investiert das K\u00f6nigreich aber wieder Milliarden in neue Agrar-Technologie, etwa mit Hydrokulturen und K\u00fcnstlicher Intelligenz. Auch Katar verfolgt solche Pl\u00e4ne.<\/p>\n<p>Problem Nummer Drei: Wasser<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Das Leben in diesen W\u00fcstenregionen kreist um eine zentrale Herausforderung: Es gibt zu wenig Wasser. Die Golfstaaten und ihre in die W\u00fcste gebauten Metropolen Dubai oder Riad w\u00e4ren heute unbewohnbar ohne Hunderte Anlagen, mit denen Meerwasser unter hohem Energieverbrauch entsalzt und in Trinkwasser verwandelt wird. Wasser ist neben fehlender Finanzierung ein Grund, warum offen ist, ob Saudi-Arabiens futuristische Planst\u00e4dte &#8222;Neom&#8220; und &#8222;The Line&#8220; oder Tourismusprojekte am Roten Meer jemals gebaut werden.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Auch das vom Nil abh\u00e4ngige \u00c4gypten k\u00e4mpft mit extremer Wasserknappheit &#8211; und das &#8222;New Delta&#8220; ist ein Versuch, dem Problem etwas entgegenzusetzen. Abwasser aus der Landwirtschaft wird daf\u00fcr \u00fcber 170 Kilometer gepumpt &#8211; teils ist die Rede von einem &#8222;neuen Nil&#8220; &#8211; zu der nun weltgr\u00f6\u00dften Anlage ihrer Art. Sie kann unfassbare 7,5 Millionen Kubikmeter Wasser t\u00e4glich aufbereiten, also eine Wassermenge von etwa 3000 olympischen Schwimmbecken jeden Tag.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Viele Fragen bleiben. Werden Nil-Arme und Grundwasser-Reservoirs, die f\u00fcr das &#8222;New Delta&#8220; auch angezapft werden, nicht \u00fcberstrapaziert? Trifft das &#8211; wie bef\u00fcrchtet &#8211; kleinere Landwirte im Norden? Wird der Boden durch den schweren Einsatz von D\u00fcngemitteln, die in der por\u00f6sen, sandigen Erde notwendig sind, versalzen? Und steht der enorme Energieverbrauch wirklich f\u00fcr den Nutzen oder w\u00e4re es nicht viel effizienter, alte Agrargebiete zu modernisieren?<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Die W\u00fcste sei ein gef\u00e4hrliches Trugbild f\u00fcr Entwickler, sagte Stadtplaner Sims vor einigen Jahren bei einem Vortrag in Kairo &#8211; eine Fata Morgana im &#8222;Traum von der Moderne&#8220;.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-s__wu_cm Typography_weight-normal__pqUbH Typography_color-darkgrey__sZEnP article-detail-footer_source__KslPc\">Quelle: ntv.de, Johannes Sadek, dpa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Frage von Leben und Tod&#8220;?\u00c4gypten riskiert viel mit Mega-Projekten in der W\u00fcste 23.08.2026, 11:39 Uhr Artikel anh\u00f6ren(08:56 min)&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":48135,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[7],"tags":[54,7574,55,1499,4475,12396,3453],"class_list":["post-48134","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-aegypten","tag-aegypten","tag-architektur","tag-egypt","tag-international","tag-lebensmittel","tag-trinkwasser","tag-wuesten"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/117144445662779891","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48134","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=48134"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/48134\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/48135"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=48134"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=48134"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=48134"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}