{"id":48434,"date":"2026-08-24T13:14:12","date_gmt":"2026-08-24T13:14:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/48434\/"},"modified":"2026-08-24T13:14:12","modified_gmt":"2026-08-24T13:14:12","slug":"aktivisten-verlassen-kamerun-community-massiv-unter-druck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/48434\/","title":{"rendered":"Aktivisten verlassen Kamerun &#8211; Community massiv unter Druck"},"content":{"rendered":"<p>Die LGBTIQ+-Community in Kamerun erlebt eine beispiellose Krise. Der Weggang zahlreicher engagierter F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten, sinkende Finanzmittel und fehlende institutionelle Unterst\u00fctzung bedrohen das \u00dcberleben lokaler Initiativen und gef\u00e4hrdeten Erfolge, die \u00fcber Jahre hinweg erk\u00e4mpft worden seien, wie die queere Organisation 76crimes eindringlich warnt. Dazu kommt das <a href=\"https:\/\/schwulissimo.de\/neuigkeiten\/trauriges-jubilaeum-kamerun-10-jahre-homophobes-hass-gesetz\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">versch\u00e4rfte Anti-Homosexuellen-Gesetz, das Gef\u00e4ngnisstrafen von bis zu f\u00fcnf Jahren<\/a> vorsieht.\u00a0<\/p>\n<p>Das Wichtigste im \u00dcberblickViele f\u00fchrende Aktivisten der LGBTIQ+-Community haben Kamerun verlassen oder ihre Arbeit aufgegeben.Rund zehn LGBTIQ+-Rechtsaktivisten leben inzwischen in Europa und den USA, etwa zwanzig weitere haben ihre Funktionen in Yaound\u00e9, Douala und Bertoua niedergelegt.Nach einer Polizeirazzia wurde die Organisation Alternatives-Cameroun geschlossen. Rund 1.800 HIV-positive Menschen in Douala verloren dadurch den Zugang zu antiretroviraler Behandlung.Internationale und lokale F\u00f6rdermittel sind deutlich zur\u00fcckgegangen.Mehrere Organisationen mussten ihre Zentren schlie\u00dfen oder ihre Arbeit einstellen.Aktivisten warnen vor zunehmender Isolation, Gewalt und Stigmatisierung sowie einem R\u00fcckfall bei bereits erreichten Fortschritten.Gefordert werden unter anderem die Ausbildung neuer F\u00fchrungskr\u00e4fte, zus\u00e4tzliche Finanzierungsquellen und sichere Anlaufstellen.Aktivisten als S\u00e4ulen des Widerstands<\/p>\n<p>LGBTIQ+-Aktivisten seien die Stimmen, der Schutz und die treibende Kraft des Wandels gewesen, so der Verband weiter. Ihre Pr\u00e4senz vor Ort habe die Sichtbarkeit sexueller und geschlechtlicher Minderheiten, den Zugang zu Dialog- und Schutzr\u00e4umen sowie die M\u00f6glichkeit zur Interessenvertretung bei Institutionen gesichert. Ihr Weggang \u2013 h\u00e4ufig durch erzwungenes Exil, Ersch\u00f6pfung oder die Suche nach Sicherheit \u2013 hinterlasse eine erhebliche L\u00fccke in den Strukturen der Community. Zu den j\u00fcngsten Verlusten z\u00e4hlen rund zehn LGBTIQ+-Rechtsaktivisten, die inzwischen in Europa und den USA leben. Zudem h\u00e4tten etwa zwanzig Aktivisten ihre Funktionen aufgegeben, ohne Yaound\u00e9, Douala oder Bertoua zu verlassen. Dort hatten sie zuvor jahrelang f\u00fcr die Community gearbeitet.\u00a0<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr wurde nach einer Polizeirazzia au\u00dferdem die LGBTIQ+-Rechtsorganisation Alternatives-Cameroun geschlossen. Dadurch h\u00e4tten in Douala rund 1.800 HIV-positive Menschen den Zugang zu antiretroviraler Behandlung verloren. Infolge der Schikanen legten Aktivisten ihre Arbeit nieder, anschlie\u00dfend schloss die Organisation ihre T\u00fcren. \u201eWir haben wichtige Pers\u00f6nlichkeiten verloren, darunter die mutigen Mitglieder von Alternatives Cameroun und viele andere, die uns inspiriert und besch\u00fctzt haben. Heute f\u00fchlen sich junge Aktivisten allein und ohne Orientierung, und Angst durchdringt unsere R\u00e4ume\u201c, so Lobe, ein LGBTIQ+-Community-Leiter in Douala.<\/p>\n<p>Weniger Geld f\u00fcr die Arbeit<\/p>\n<p>Die Situation wird dem Bericht zufolge dar\u00fcber hinaus durch eine Finanzkrise versch\u00e4rft. Internationale und lokale F\u00f6rdermittel, die bislang f\u00fcr Gesundheits-, Aufkl\u00e4rungs- und Lobbyprojekte unverzichtbar gewesen seien, seien stark zur\u00fcckgegangen. Nach Angaben des Internationalen W\u00e4hrungsfonds sank die humanit\u00e4re Hilfe f\u00fcr Subsahara-Afrika 2025 gegen\u00fcber 2024 um etwa 42 Prozent. Frankreich reduzierte seine \u00f6ffentliche Entwicklungszusammenarbeit zwischen 2024 und 2025 um fast elf Prozent \u2013 ein R\u00fcckgang um 1,7 Milliarden US-Dollar. Organisationen h\u00e4tten zunehmend Schwierigkeiten, ihre Aktivit\u00e4ten aufrechtzuerhalten, und m\u00fcssten ihre M\u00f6glichkeiten zur Unterst\u00fctzung der Community drastisch einschr\u00e4nken.\u00a0<\/p>\n<p>Die queere Organisation Transigeance in Yaound\u00e9 schloss demnach ihr Zentrum wegen fehlender finanzieller Mittel. In Bafoussam verschwand der LGBTIQ+-Verband Association of Young People of the West.\u00a0\u201eDie Geldgeber ziehen sich nach und nach zur\u00fcck. Wir haben nicht mehr die Mittel, Workshops zu organisieren oder diejenigen zu unterst\u00fctzen, die festgenommen wurden. Die Community stirbt in aller Stille\u201c, betont Eko, ein LGBTIQ+-Community-Leiter in Yaound\u00e9 und erg\u00e4nzt: \u201eOhne Unterst\u00fctzung sind wir Gewalt und Stigmatisierung ausgesetzt. Die Finanzierung reicht nicht mehr aus, und viele geben den Kampf auf. Dabei h\u00e4ngt unser Leben von diesem Kampf ab.\u201c Als direkte Konsequenzen nennt der Bericht eine geschw\u00e4chte Interessenvertretung, weniger Angebote im Bereich Gesundheitsversorgung, Pr\u00e4vention und sichere R\u00e4ume sowie eine zunehmende Isolation. Mitglieder der Community f\u00fchlten sich verlassen und unsichtbar. Zudem seien die durch jahrelange K\u00e4mpfe erreichten Fortschritte von einem R\u00fcckschritt bedroht.<\/p>\n<p>Neue F\u00fchrungskr\u00e4fte und Geldquellen<\/p>\n<p>Um zu verhindern, dass die LGBTIQ+-Community verstummt, sei eine Strategie zur Wiederbelebung ihrer Strukturen notwendig, hei\u00dft es weiter. Zun\u00e4chst m\u00fcssten lokale Kapazit\u00e4ten gest\u00e4rkt und neue F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten ausgebildet werden. Workshops f\u00fcr junge Aktivisten k\u00f6nnten ihnen Kenntnisse in Interessenvertretung, Projektmanagement und Kommunikation vermitteln. Damit lie\u00dfe sich die L\u00fccke schlie\u00dfen, die durch ins Exil gezwungene Aktivisten entstanden sei. Zudem m\u00fcssten die Finanzierungsquellen st\u00e4rker diversifiziert werden, um die Abh\u00e4ngigkeit von traditionellen Geldgebern zu verringern. Neben internationalen F\u00f6rdermitteln k\u00f6nnten Partnerschaften mit lokalen Unternehmen, die sich f\u00fcr Menschenrechte einsetzen, oder Online-Spendenkampagnen f\u00fcr mehr finanzielle Stabilit\u00e4t sorgen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus seien dauerhafte Unterst\u00fctzungsstrukturen notwendig, um die Fortf\u00fchrung von Initiativen zu gew\u00e4hrleisten und Aktivisten zu sch\u00fctzen. Denkbar seien sichere Community-Zentren mit Treffpunkten, psychosozialer Unterst\u00fctzung und rechtlicher Beratung. Solche Einrichtungen k\u00f6nnten marginalisierten Menschen als Zufluchtsort und Anlaufstelle dienen. Schlie\u00dflich m\u00fcssten regionale und internationale Netzwerke gest\u00e4rkt werden, um die Arbeit vor Ort zu unterst\u00fctzen und den Druck auf Institutionen aufrechtzuerhalten. Transnationale B\u00fcndnisse k\u00f6nnten Lobbykampagnen mit afrikanischen und internationalen Organisationen koordinieren und zugleich technische und finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr lokale Organisationen bereitstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die LGBTIQ+-Community in Kamerun erlebt eine beispiellose Krise. 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