{"id":48504,"date":"2026-08-24T19:36:14","date_gmt":"2026-08-24T19:36:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/48504\/"},"modified":"2026-08-24T19:36:14","modified_gmt":"2026-08-24T19:36:14","slug":"bald-zehntausende-krank-wird-das-die-schlimmste-ebola-epidemie-aller-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/48504\/","title":{"rendered":"Bald Zehntausende krank: Wird das die schlimmste Ebola-Epidemie aller Zeiten?"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspCKpk tspCKpl\">Die <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/panorama\/ebola-im-kongo-bereits-mehr-als-5000-bestatigte-ebola-falle-im-kongo-15956209.html?icid=in-text-link_15961816\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">neuesten Zahlen zum Ebola-Ausbruch<\/a> in der Demokratischen Republik Kongo sind alarmierend. Nach dem aktuellen <a href=\"https:\/\/www.who.int\/emergencies\/disease-outbreak-news\/item\/2026-DON615\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">Bulletin der Weltgesundheitsorganisation WHO<\/a> breitet sich der Erreger schneller aus als bei jeder anderen der bislang 28 dokumentierten Epidemien mit dem Virus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/csm-passbild-hf-2022-aea50a3532.jpeg\"   alt=\"Hermann Feldmeier\" width=\"767\" height=\"767\" loading=\"lazy\" class=\"tspAYi1\"\/><\/p>\n<p class=\"tspC1qw\">Hermann Feldmeier ist Arzt f\u00fcr Mikrobiologie, Infektionsepidemiologie und Tropenmedizin. Er lehrt und forscht an der Charit\u00e9 Universit\u00e4tsmedizin Berlin.<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Innerhalb von drei Monaten erkrankten bereits 4665 Menschen, 2184 starben einen meist qualvollen Tod\u00a0\u2013 eine Sterberate von 47 Prozent. Mittlerweile hat sich das Virus, ausgehend von der Ituri-Provinz im \u00e4u\u00dfersten Nordosten des Landes, in weiteren f\u00fcnf Provinzen festgesetzt: Nord-Kivu, S\u00fcd-Kivu, Ober-U\u00e9l\u00e9, Unter-U\u00e9l\u00e9 und Tshopo.<\/p>\n<p> Bis zu 10.000 neue F\u00e4lle bis September? <\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Nach einer <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.15585\/mmwr.mm7522e1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">Modellrechnung des WHO Regional Office f\u00fcr Afrika in Brazzaville sind bis Ende September zwischen 7000 und 10.000 Neuerkrankungen zu erwarten<\/a>. Experten bef\u00fcrchten, dass die Epidemie \u00fcber kurz oder lang auch auf die Nachbarl\u00e4nder S\u00fcdsudan und Uganda \u00fcberspringt. In Einzelf\u00e4llen k\u00f6nnte der Erreger \u00fcber infizierte, aber noch nicht erkrankte Reisende nach Europa gelangen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesundheit\/tagebuch-aus-dem-ebola-einsatz-dieser-arzt-kampfte-gegen-eine-der-todlichsten-seuchen-der-welt-15867172.html?icid=single-topic_15961816___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspDDr7\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tagebuch aus\u00a0dem Ebola-Einsatz Dieser Arzt k\u00e4mpfte gegen eine der t\u00f6dlichsten Seuchen der Welt <\/a><\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Am 15. Mai, vor rund 100 Tagen, hatte das kongolesische Gesundheitsministerium die Welt\u00f6ffentlichkeit <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/lebensbedrohliches-virus-gesundheitsbehorde-ebola-ausbruch-im-kongo-15600067.html?icid=in-text-link_15961816\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">erstmals \u00fcber den Ebola-Ausbruch im Nordosten des Landes informiert<\/a>. Doch schon Monate vorher hatte sich das Virus \u2013 \u00e4hnlich einem unbemerkten Buschfeuer \u2013 in der Provinz Ituri bereits etabliert. <a href=\"https:\/\/www.science.org\/content\/article\/exclusive-congo-s-ebola-epidemic-started-least-4-months-it-was-detected\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">Zu dieser Schlussfolgerung kommt eine Gruppe von kongolesischen Anthropologen, Soziologen und Epidemiologen, deren Beobachtungen k\u00fcrzlich im Wissenschaftsmagazin \u201eScience\u201c ver\u00f6ffentlicht wurden.<\/a><\/p>\n<p>Das Bundibugyo-Virus traf auf eine durch 30 Jahre Vernachl\u00e4ssigung, Gewalt, Krieg, Unsicherheit und Ausbeutung traumatisierte Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p class=\"tspC8rp\">Amuda Baba, Panafrikanisches Institut f\u00fcr Gemeindegesundheit und Tropenmedizin, Bunia, Ituri, Demokratische Republik Kongo<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Die Forschenden interviewten 97 Personen, in deren Haushalt Ende Januar mindestens zwei Angeh\u00f6rige an Symptomen verstorben waren, die auf Ebola hindeuteten. Parallel dazu \u00fcberpr\u00fcften sie WhatsApp-Nachrichten und in den sozialen Medien gepostete Fotos von Beerdigungen sowie Notizen von Mitarbeitern der peripheren Gesundheitsversorgung.<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Dabei identifizierten sie rund 500 Personen, die teils schon Mitte Januar mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit an einem h\u00e4morrhagischen Fieber erkrankt waren und von denen etwa die H\u00e4lfte starb, ohne dass das \u00f6ffentliche Gesundheitswesen davon Kenntnis bekam. Unter den Toten waren Krankenschwestern, Hebammen und Mitarbeiter des kongolesischen Roten Kreuzes. Alle Krankheitsf\u00e4lle traten in der kleinen Stadt <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/das-virus-aus-den-horror-minen-europas-beitrag-zur-ebola-krise-in-afrika-15716803.html?icid=in-text-link_15961816\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mongbwalu auf, die etwa 50 Kilometer von der Provinzhauptstadt Bunia entfernt liegt, und in der seit Jahren in gro\u00dfem Stil Gold abgebaut wird<\/a>.<\/p>\n<p> Erste F\u00e4lle wohl schon im Januar <\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Durch personalisierte Interviews konnten die Wissenschaftler mehrere parallel verlaufende Infektionsketten identifizieren.<a href=\"https:\/\/www.science.org\/content\/article\/exclusive-congo-s-ebola-epidemic-started-least-4-months-it-was-detected\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\"> Eine dieser Infektketten<\/a> begann mit einer 50-j\u00e4hrigen Frau aus Mongbwalu, die am 25. Januar an starken inneren und \u00e4u\u00dferen Blutungen verstarb. Ihre Mutter verschied sechs Tage sp\u00e4ter, ein Neffe am 11. Februar. Die Toten wurden traditionell beerdigt, womit rituelles Waschen und damit Ber\u00fchrungen der Leichen einhergehen. Wenige Tage nach den Beerdigungen erkrankten mehrere Trauerg\u00e4ste, darunter ein Pastor, und verstarben nach kurzer Zeit.<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Die Wissenschaftler vermuten, dass der Indexfall \u2013 der erste infizierte Patient des aktuellen Ausbruchs \u2013 eine Person gewesen sein k\u00f6nnte, die ein mit dem Ebolavirus infiziertes Waldtier, vermutlich einen Affen, get\u00f6tet und als \u201eBushmeat\u201c an die Minenarbeiter in Mongbwalu verkauft hatte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/ebola-ausbruch-im-kongo.jpeg\"   alt=\"18.08.2026, Demokratische Republik Kongo, Bunia: Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens bespr\u00fcht einen Kollegen mit Desinfektionsmittel, nachdem dieser an der Beerdigung eines dreij\u00e4hrigen Kindes teilgenommen hatte, das an Ebola gestorben war. Foto: Dieudonne Dirole\/AP\/dpa +++ dpa-Bildfunk +++\" aria-labelledby=\"caption-15965826\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAYi1\"\/> Mit Desinfektionsmitteln versuchen sich Mitarbeiter des Gesundheitswesens der Demokratischen Republik Kongo in Bunia vor dem Ebolavirus zu sch\u00fctzen, nachdem sie an einer Beerdigung eines dreij\u00e4hrigen Kindes teilgenommen hatten, das an dem Virus gestorben war. <\/p>\n<p class=\"tspYfx\"> \u00a9 dpa\/Dieudonne Dirole <\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Doch warum dauerte es fast f\u00fcnf Monate, bis das Gesundheitsministerium in der Hauptstadt Kinshasa auf die mysteri\u00f6sen Todesf\u00e4lle aufmerksam wurde und der Ausbruch an die Weltgesundheitsorganisation gemeldet wurde? Und warum breitet sich die Bundibugyo-Ebola-Variante quasi unkontrolliert aus, obwohl seit Anfang Juni internationale Teams die lokalen Kr\u00e4fte unterst\u00fctzen?<\/p>\n<p> Komplexes Netzwerk von Ursachen <\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Nach Ansicht der Virologin Nancy Sullivan von der Boston University gibt es darauf keine einfache Antwort, vielmehr sei ein vielschichtiges Ursachennetzwerk verantwortlich, in dem zahlreiche Faktoren miteinander verzahnt seien, schreibt sie im <a href=\"https:\/\/www.nejm.org\/doi\/full\/10.1056\/NEJMra2607216\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">\u201eNew England Journal of Medicine\u201c<\/a>.<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Ituri, das Epizentrum des aktuellen Ausbruchs, ist eine von 26 Provinzen der Demokratischen Republik Kongo mit einer Einwohnerzahl von etwa 4,5 Millionen. Es gibt gro\u00dfe Goldvorkommen, die in zumeist illegalen Minen abgebaut werden. Dutzende rivalisierende bewaffnete Banden schaffen das Gold au\u00dfer Landes und drangsalieren die Bev\u00f6lkerung, darunter die von Ruanda gesteuerten M23-Rebellen, die f\u00fcr alle Arten von Gr\u00e4ueltaten bis hin zu extremer sexueller Gewalt ber\u00fcchtigt sind.<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\"><a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/ebola-ausbruch-virus-trifft-belastete-region-c8711479-0c46-4406-87b3-786d2f643a5b\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">Rund ein Drittel der Bev\u00f6lkerung ist auf der Flucht oder notd\u00fcrftig in Camps untergebracht<\/a>. Die H\u00e4lfte der 36 Gesundheitsdistrikte von Ituri wird von der Provinzregierung als gef\u00e4hrlich eingestuft. Diese Gebiete d\u00fcrfen von medizinischem Personal nur in Begleitung des kongolesischen Milit\u00e4rs aufgesucht werden. Das sch\u00fcrt Misstrauen bei der Bev\u00f6lkerung, die Uniformtr\u00e4ger mit Banditen gleichsetzt, die ihr die Lebensmittel stehlen. Die vorhandenen Lebensmittel reichen meist nur f\u00fcr wenige Tage, und selbst kleine Kinder bekommen nur eine Mahlzeit am Tag. Die existenziellen Probleme dr\u00e4ngen Fragen der Gesundheit in den Hintergrund.<\/p>\n<p> Anfangs malaria\u00e4hnliche  Symptome <\/p>\n<p class=\"tspCKpk\"><a href=\"https:\/\/www.nejm.org\/doi\/pdf\/10.1056\/NEJMc2608070\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">Eine gerade im \u201eNew England Journal of Medicine\u201c ver\u00f6ffentlichte Studie zeigt<\/a>, dass die Bundibugyo-Ebola-Variante in den ersten Krankheitstagen Symptome hervorruft, die denen von im Kongo h\u00e4ufigen Infektionskrankheiten wie Malaria, Affenpocken, Cholera oder Masern \u00e4hnlich sind. Die Erkrankten in den Goldminen dachten vermutlich, dass sie sich mit einem ihnen bekannten Erreger infiziert h\u00e4tten. Sie suchten deshalb kein Krankenhaus auf, sondern <a href=\"https:\/\/www.science.org\/content\/article\/exclusive-congo-s-ebola-epidemic-started-least-4-months-it-was-detected\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">gingen weiter ihrer Arbeit in den Minen nach<\/a>.<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Das \u00f6ffentliche Gesundheitssystem im Osten des Kongo ist seit Jahrzehnten defizit\u00e4r und h\u00e4ngt am Tropf ausl\u00e4ndischer Entwicklungshilfe, etwa von der US-Agentur f\u00fcr internationale Zusammenarbeit, USAID. Experten sch\u00e4tzen, dass <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/ebola-ausbruch-virus-trifft-belastete-region-c8711479-0c46-4406-87b3-786d2f643a5b\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">zwischen 50 und 70 Prozent der Kosten f\u00fcr Gesundheitsversorgung von USAID gedeckt wurden<\/a>. Mit der Aufl\u00f6sung von USAID durch die Trump-Regierung musste ein gro\u00dfer Teil des Personals entlassen werden. Essenzielle Gesundheitsdienstleistungen wurden eingeschr\u00e4nkt und Gesundheitseinrichtungen in den Provinzen geschlossen. Programme zur Behandlung von Menschen mit HIV und\/oder Tuberkulose wurden von heute auf morgen beendet und die Patienten ohne Versorgung zur\u00fcckgelassen.<\/p>\n<p> Eine Ursache: Fehlende USAID-Mittel <\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Die fehlende finanzielle Unterst\u00fctzung durch USAID f\u00fchrte zu Engp\u00e4ssen bei antiviralen, antiparasit\u00e4ren und anderen lebenswichtigen Medikamenten, etwa gegen Malaria. Wie der Ausbruch der Affenpocken in der Nachbarprovinz Nord-Kivu gezeigt hat, fehlt Laborkapazit\u00e4t, um fr\u00fchzeitig zu erkennen, ob Krankheitsausbr\u00fcche durch Viren bedingt sind und Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung einer Epidemie ergriffen werden m\u00fcssen. Mitarbeiter der Gesundheitsteams, die Tag f\u00fcr Tag ihr Leben bei der Identifizierung und Behandlung von Ebola-Patienten riskieren, erhalten seit Wochen kein Gehalt mehr, weil die Trump-Administration den Geldhahn zugedreht hat. Sie sind dementsprechend demotiviert oder gezwungen, ihren Lebensunterhalt anderweitig zu verdienen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/1787600174_514_ebola-ausbruch-im-kongo.jpeg\"   alt=\"18.08.2026, Demokratische Republik Kongo, Bunia: Menschen in Schutzkleidung bereiten sich darauf vor, den Sarg mit den sterblichen \u00dcberresten eines dreij\u00e4hrigen M\u00e4dchens, das an Ebola gestorben ist, in Bunia in der Provinz Ituri im Osten des Landes in ein Grab zu senken. Foto: Dieudonne Dirole\/AP\/dpa +++ dpa-Bildfunk +++\" aria-labelledby=\"caption-15965840\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAYi1\"\/> Nur drei Jahre alt wurde ein M\u00e4dchen, bevor es an Ebola starb und in Bunia in der Provinz Ituri im Osten der Demokratischen Republik Kongo beerdigt wurde. <\/p>\n<p class=\"tspYfx\"> \u00a9 dpa\/Dieudonne Dirole <\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Analysen fr\u00fcherer Ebola-Epidemien haben gezeigt, dass traditionelle Beerdigungspraktiken, die das Ber\u00fchren und Waschen des Verstorbenen beinhalten und an denen \u2013 je nach Bekanntheitsgrad des Verstorbenen \u2013 Dutzende von Personen teilnehmen, zu einem <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/superspreading-event-sturgis-motorcycle-rallye-was-ein-biker-treff-ueber-die-folgen-von-massenveranstaltungen-lehrt-56204.html?icid=in-text-link_15961816\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Superspreading-Ereignis<\/a> werden k\u00f6nnen. Doch ein beh\u00f6rdliches Verbot dieser Praktiken l\u00e4sst sich nicht durchsetzen. Die Menschen in Ituri leisteten aktiv Widerstand dagegen und verweigerten die Herausgabe ihrer verstorbenen Angeh\u00f6rigen und die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitspersonal. Dies wiederum erschwerte die Identifizierung und \u00dcberwachung von Kontaktpersonen Infizierter und f\u00fchrte zu einem quasi exponentiellen Anstieg der Krankheitszahlen in den ersten Epidemiewochen.<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Die Folge: Nur in 43 Prozent der 321 Erkrankungsf\u00e4lle, die zwischen dem 14. Mai und dem 31. Mai bekannt wurden, gelang es, Kontaktpersonen des Patienten bzw. des Verstorbenen zu ermitteln. Infektionsketten konnten deshalb nicht nachverfolgt werden, und das Infektionskarussell drehte sich immer schneller: Vom infizierten Patienten wird das Virus auf Familienangeh\u00f6rige oder Pflegepersonal \u00fcbertragen, die selbst zu Patienten werden und dann ihre Angeh\u00f6rigen und Pflegenden anstecken. Und so weiter.<\/p>\n<p> Kein Vertrauen in \u00c4rzte und Beh\u00f6rden <\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Seit Beginn der Epidemie wei\u00df die Bev\u00f6lkerung, dass es gegen das Bundibugyo-Virus keine wirksame Therapie gibt. Dementsprechend gering ist die Hoffnung, in einem der Behandlungszentren wirksame Hilfe zu bekommen: \u201eWarum sollte ich meine Familie verlassen und mich in einem aus Zelten bestehenden provisorischen Behandlungszentrum einsperren lassen\u201c, <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/ebola-ausbruch-virus-trifft-belastete-region-c8711479-0c46-4406-87b3-786d2f643a5b\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">zitiert ein Arzt einen Betroffenen<\/a>, \u201ewenn es keine Garantie gibt, dass ich dort geheilt werde?\u201c Schlimmer noch: Sie bef\u00fcrchten, sich in einem der Zentren anzustecken, da sich herumgesprochen hat, dass auch Mitarbeiter der medizinischen Teams am Ebola-Fieber erkranken und versterben.<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Das Misstrauen gegen\u00fcber der station\u00e4ren Versorgung hat durchaus eine Berechtigung. In den Ebola-Epidemien, die seit 1976 die Bev\u00f6lkerung des Kongo immer wieder wie biblische Plagen heimsuchten, waren Spit\u00e4ler zwar nicht der Ausl\u00f6ser eines Ausbruchs. Aber h\u00e4ufig verbreiteten sich die Viren dort schnell, nachdem sie von den ersten hilfesuchenden, aber noch nicht als Ebola-infiziert erkannten Erkrankten dort eingeschleppt worden waren. Sobald die Krankheit dann als Ebola erkannt wurde, verlie\u00dfen viele Patienten in Panik die Kliniken\u00a0\u2013 und verschleppten den Erreger in ihre Familien.<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Diese \u00c4ngste der Betroffenen erkl\u00e4ren auch die Angriffe auf Gesundheitsteams in den ersten sechs Wochen der Epidemie. Berichten zufolge verstecken sich die Einwohner, wenn sich die vermummten Seuchenbek\u00e4mpfer einem Dorf n\u00e4hern. In einem Fall wurden Patienten sogar mit Gewalt aus einem Notfallbehandlungszentrum herausgeholt und die aus Zelten bestehende Notklinik in Brand gesteckt.<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Auch die aufw\u00e4ndigen Rettungsaktionen erkrankter Europ\u00e4er oder Amerikaner haben das Vertrauen der Einwohner von Ituri in die Hilfsma\u00dfnahmen nicht verbessert. So war die mediale Aufmerksamkeit f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/ebola-patient-in-der-berliner-charite-weisses-haus-dementiert-abweisung-von-infiziertem-staatsburger-15611210.html?icid=in-text-link_15961816\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">US-amerikanischen Arzt, der im Mai im Rettungsflieger nach Berlin gebracht und in einer langen Kolonne von Sicherheitsfahrzeugen in die Charit\u00e9 eingeliefert wurde,<\/a> ungleich gr\u00f6\u00dfer als f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung von Ituri.<\/p>\n<p> Widerstand gegen Begr\u00e4bnisverbote <\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Die Menschen in Ituri unterlaufen die seuchenmedizinischen Ma\u00dfnahmen, weil sie jeden Glauben an Regierungsinstitutionen und das \u00f6ffentliche Gesundheitssystem verloren haben, warnen der kongolesische Mediziner Serge\u00a0Tonen-Wolyec und der franz\u00f6sische Arzt\u00a0Laurent\u00a0B\u00e9lec im \u201e<a href=\"https:\/\/www.nejm.org\/doi\/full\/10.1056\/NEJMp2607429\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">New England Journal of Medicine<\/a>\u201c. Beide arbeiten seit Langem in Ituri.<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">Ohne das Vertrauen der Bev\u00f6lkerung in die Gesundheitsbeh\u00f6rden und deren Methoden wird sich die Epidemie aber nicht eind\u00e4mmen lassen. Unter Experten besteht Einvernehmen, dass eine Ebolavirus-Epidemie nur durch ein B\u00fcndel miteinander verzahnter Ma\u00dfnahmen unter Kontrolle gebracht werden kann. Dazu z\u00e4hlt, jeden vermuteten Krankheitsfall mit automatisierten Testverfahren rasch zu best\u00e4tigen, die Erkrankten sofort zu isolieren und ihre Kontaktpersonen zu identifizieren und zu \u00fcberwachen.<\/p>\n<p>Mehr zum Ebola-Ausbruch im Kongo:<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/ebola-im-kongo-ebola-ausbruch-noch-lange-nicht-unter-kontrolle-15958168.html?icid=topic-list_15961816___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" data-hydrate-fingerprint=\"09740a54944caac75fd2c0c63fd5c5df\" 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Diese Ma\u00dfnahmen m\u00fcssten \u00fcber Vertrauenspersonen \u2013 Dorf\u00e4lteste, Lehrer, Pastoren etc. \u2013 vermittelt und nicht kommerziellen Medien \u00fcberlassen werden, wie es in Ituri in den ersten Wochen der Epidemie der Fall war. Keine dieser Voraussetzungen f\u00fcr eine effektive Seuchenbek\u00e4mpfung sei bisher erf\u00fcllt worden, warnt die Virologin Nancy Sullivan<a href=\"https:\/\/www.nejm.org\/doi\/full\/10.1056\/NEJMra2607216\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\"> in ihrer Analyse im \u201eNew England Journal of Medicine<\/a>\u201c.<\/p>\n<p class=\"tspCKpk\">\u201eDas Bundibugyo-Virus traf auf eine durch 30 Jahre Vernachl\u00e4ssigung, Gewalt, Krieg, Unsicherheit und Ausbeutung traumatisierte Bev\u00f6lkerung, die am Rande des Existenzminimums lebt\u201c, fasst Amuda Baba vom Panafrikanischen Institut f\u00fcr Gemeindegesundheit und Tropenmedizin der Ituri-Provinz die Situation zusammen. Nicht allein das Bundibugyo-Virus sei der Grund f\u00fcr das Ausma\u00df dieser Epidemie, das grundlegende Problem seien die seit Jahren bekannten desolaten Lebensverh\u00e4ltnisse in der Region.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die neuesten Zahlen zum Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo sind alarmierend. 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