{"id":48550,"date":"2026-08-25T04:38:07","date_gmt":"2026-08-25T04:38:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/48550\/"},"modified":"2026-08-25T04:38:07","modified_gmt":"2026-08-25T04:38:07","slug":"afrikas-alternde-autokraten-neue-wege-fuer-den-machterhalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/48550\/","title":{"rendered":"Afrikas alternde Autokraten: Neue Wege f\u00fcr den Machterhalt"},"content":{"rendered":"<p>Macht kann verf\u00fchrerisch sein &#8211; und viele, die sie innehaben, wollen sie so lange wie m\u00f6glich behalten. Die Staatschefs von China und Russland zum Beispiel haben sich schon vor Jahren den Weg f\u00fcr weitere Amtszeiten geebnet, und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/trumps-traum-von-einer-dritten-amtszeit\/a-72104322\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">auch in den USA spricht der Pr\u00e4sident gelegentlich von einer weiteren Kandidatur<\/a>, obwohl diese in der Verfassung nicht vorgesehen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Aus der Perspektive von Paul Biya sind <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/xi-jinping-als-chinas-langzeitpr\u00e4sident-best\u00e4tigt\/a-64941125\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Xi Jinping<\/a>, <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/wladimir-putin\/t-17289915\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wladimir Putin<\/a> und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/donald-trump\/t-18901598\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Donald Trump<\/a> jedoch immer noch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig frisch im Amt: Der Pr\u00e4sident <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/kamerun\/t-18204424\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kameruns<\/a> steht seit 1982 an der Staatsspitze. <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/kamerun-verfassungsrat-best\u00e4tigt-paul-biya-als-pr\u00e4sident\/a-74511424\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">2025 trat er seine achte Amtszeit an<\/a>, die regul\u00e4r am 6. November 2032 und damit wenige Monate vor seinem 100. Geburtstag enden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ein Amtsverzicht des 93-J\u00e4hrigen steht weiter offiziell nicht im Raum; der neu geschaffene Posten eines Vizepr\u00e4sidenten ist noch immer unbesetzt. Und so ist Biya einer von mehreren afrikanischen Staatschefs, die in diesem Jahr weitere Anstrengungen unternommen haben, um ihren Zugriff auf die Macht weiter zu sichern.<\/p>\n<p>Paul Biya in Kamerun: Loyale F\u00fchrungsriege mit einer Schwachstelle<\/p>\n<p>Biya hat in seinen bisher 44 Amtsjahren ein stabiles Netzwerk loyaler Gefolgsleute aufgebaut, das die Gesch\u00e4fte selbst w\u00e4hrend einer historisch langen Abwesenheit am Laufen h\u00e4lt: Seit inzwischen zweieinhalb Monaten h\u00e4lt der 93-J\u00e4hrige sich im schweizerischen Genf auf, erl\u00e4sst von dort weiter Dekrete und setzt sogar Personalentscheidungen durch. Mitte Juni dementierte sein Sprecher Ger\u00fcchte, wonach Biya sich in einer Klinik befinde, und erkl\u00e4rte, er sei bei guter Gesundheit.<\/p>\n<p>&#8222;Es gibt Kontinuit\u00e4t, doch das bedeutet auch, dass es in der Regierung <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/kamerun-nach-der-wahl-keine-reformen-in-sicht\/a-75949985\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nur wenig Antrieb f\u00fcr Reformen<\/a> gibt&#8220;, sagt Beverly Ochieng, leitende Analystin der Beratungsfirma Global Risk, im DW-Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Und auch wenn der Biyasche Machtapparat die lange Abwesenheit des Staatschefs abfedert, hei\u00dft das keineswegs, dass die einflussreichsten Personen vor Ort alle an einem Strang ziehen w\u00fcrden. Schlie\u00dflich ist eine Zeit nach Biya absehbar, und mehreren seiner Gefolgsleute werden Ambitionen nachgesagt, ihn zu beerben. &#8222;Wenn alle in den Startl\u00f6chern stehen, Biya potenziell nachzufolgen, bedeutet das auch, dass sich die Eliten m\u00f6glicherweise gegenseitig anfechten&#8220;, sagt Ochieng. Das k\u00f6nne sogar gr\u00f6\u00dfere St\u00f6rungen bis hin zu einem Milit\u00e4rputsch nach sich ziehen.<\/p>\n<p>Auch der Analyst Levi Mboushou \u00e4u\u00dferte k\u00fcrzlich im Africalink-Podcast der DW Sorgen vor einem Putsch-Szenario. &#8222;Jeder sp\u00fcrt die Angst und die Unsicherheit, aber niemand wagt sich, hinzusehen, weil wir alle mit diesem repressiven Regime umgehen m\u00fcssen. Man sieht etwas, aber sagt nichts. Das ist momentan die Lage in Kamerun.&#8220;<\/p>\n<p>Yoweri Museveni in Uganda: Vorzeichen einer Dynastie?<\/p>\n<p>Nur wenig j\u00fcnger an Lebens- und Amtsjahren ist <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/uganda\/t-18456904\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ugandas<\/a> Staatschef Yoweri Museveni: Der 81-J\u00e4hrige ist seit 1986 Pr\u00e4sident und hat, genau wie Biya, <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/uganda-afrika-praesidentenwahl-yoweri-museveni-bobi-wine-wahlfaelschung-razzia-internetsperre-gewalt\/a-75551895\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">erst k\u00fcrzlich eine weitere Amtszeit angetreten<\/a>. Und auch seine Nachfolge ist ungekl\u00e4rt &#8211; auch wenn sein Sohn Muhoozi Kainerugaba als Chef des Milit\u00e4rs zuletzt viel Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat.<\/p>\n<p>Beverly Ochieng h\u00e4lt die Dynamiken in Uganda f\u00fcr komplex, nicht zuletzt, weil Milit\u00e4reliten und die Regierungspartei NRM ihre eigenen Machtdynamiken aufweisen. &#8222;Muhoozi ist vor allem deshalb die sichtbarste Figur geworden, weil er eine starke Pers\u00f6nlichkeit besitzt und stillschweigend von seinem Vater unterst\u00fctzt wird. Sein Aufstieg liegt aber nicht daran, dass er von der NRM oder der Milit\u00e4rf\u00fchrung unterst\u00fctzt worden w\u00e4re.&#8220;<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"60889518\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/60889518_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Muhoozi Kainerugaba in Milit\u00e4runiform; ein Mann und eine Frau stecken ihm die Rangabzeichen des Generalleutnanten an\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Vorzeichen einer Dynastie: L\u00e4sst Muhoozi Kainerugaba sich allm\u00e4hlich in Stellung bringen, um eines Tages die Amtsgesch\u00e4fte von seinem Vater zu \u00fcbernehmen?Bild: Joseph Kiggundu\/Photoshot\/picture alliance<\/p>\n<p>Kainerugaba tritt zunehmend auch politisch in Erscheinung, und zwar auch in Kompetenzbereichen jenseits des Milit\u00e4rs: <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/uganda-schwerer-schlag-gegen-die-medienfreiheit\/a-77781359\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Anfang Juli lie\u00df er mehrere Medienh\u00e4user schlie\u00dfen<\/a>. Eine Quelle aus einer internationalen Stiftung, die anonym bleiben wollte, sagte damals der DW: &#8222;Wir beobachten eine Macht\u00fcbergabe an den Sohn des Pr\u00e4sidenten.&#8220;<\/p>\n<p>So \u00e4hnlich l\u00e4sst es sich schon seit einigen Jahren in <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/\u00e4quatorialguinea\/t-18192817\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00c4quatorialguinea<\/a> beobachten, wo der seit 1979 regierende Teodoro Obiang Nguema Mbasogo offenbar schrittweise die Macht an seinen Sohn \u00fcbergibt. &#8222;Teodor\u00edn&#8220;, so sein Spitzname, ist seit 2016 Erster Vizepr\u00e4sident und kontrolliert inzwischen auch das Milit\u00e4r. Im Juni verk\u00fcndete er anstelle seines Vaters den R\u00fccktritt der gesamten Regierung. Dieser Schritt wurde von Beobachtern als Zeichen interpretiert, dass er allm\u00e4hlich auch zum Gesicht staatlichen Handelns werden soll.<\/p>\n<p>Ob Museveni in diesem Sinne seine Nachfolge tats\u00e4chlich zu Lebzeiten regeln w\u00fcrde, ist ungewiss. Beverly Ochieng k\u00f6nnte sich im Falle eines pl\u00f6tzlichen Machtvakuums vorstellen, dass es verfassungsgem\u00e4\u00dfe Neuwahlen gibt &#8211; oder eben, dass es zu einem \u00e4hnlichen Szenario kommt wie 2021 im <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/tschad\/t-17544312\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tschad<\/a>: Damals war Pr\u00e4sident Idriss D\u00e9by bei Gefechten mit Rebellen get\u00f6tet worden. Die Verfassung wurde ausgesetzt, <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/milit\u00e4rrat-\u00fcbernimmt-regierung-des-tschad\/a-57280729\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">sodass dessen Sohn Idriss Mahamat Deby Itno \u00fcbernehmen konnte<\/a>.<\/p>\n<p>Emmerson Mnangagwa in Simbabwe: Partei vor Volk<\/p>\n<p>In diesem Jahr wurde auch in <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/simbabwe\/t-18054905\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Simbabwe<\/a> die Verfassung ver\u00e4ndert, sodass Pr\u00e4sident Emmerson Mnangagwa eine Abwahl kaum mehr zu bef\u00fcrchten hat.<\/p>\n<p>Im Juni beschlossen beide Parlamentskammern die Anpassung, wonach die Amtszeiten von Parlament und Pr\u00e4sident k\u00fcnftig sieben statt f\u00fcnf Jahren betragen. Wohl noch grundlegender ist, dass der Pr\u00e4sident nun nicht mehr direkt vom Volk gew\u00e4hlt wird, sondern vom Parlament &#8211; in dem die unangefochtene Regierungspartei ZANU-PF \u00fcber komfortable Mehrheiten verf\u00fcgt. Im Juli unterzeichnete Pr\u00e4sident Emmerson Mnangagwa die Neufassung; allerdings argumentieren Opposition und einige Rechtsexperten, dass noch ein Referendum abgehalten werden m\u00fcsste. Aus Sicht der Regierung ist die Verfassungs\u00e4nderung jedoch abgeschlossen.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"66640093\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/66640093_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Ein Mann l\u00e4uft an einem Wahlplakat f\u00fcr Simbabwes Pr\u00e4sidenten Emmerson Mnangagwa vorbei\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Braucht k\u00fcnftig keinen R\u00fcckhalt der Bev\u00f6lkerung mehr: Emmerson &#8222;Ed&#8220; Mnangagwa warb 2023 noch mit Gro\u00dfplakaten f\u00fcr seine WiederwahlBild: Siphiwe Sibeko\/REUTERS<\/p>\n<p>&#8222;Wir sind nicht \u00fcberrascht&#8220;, sagte damals Chiedza Mlingwa, Vizesprecherin des Constitution Defenders Forum, im DW-Podcast Africalink. &#8222;Das Einzige, wor\u00fcber man \u00fcberrascht sein kann, ist die Dreistigkeit, sonst nichts. Wir haben seit der Unabh\u00e4ngigkeit 1980 dieses Muster beobachtet: ZANU-PF arbeitet daran, an der Macht zu bleiben. Die Partei glaubt nicht an Machtverzicht.&#8220;<\/p>\n<p>Beverly Ochieng erinnert daran, dass in den vergangenen Jahren auch in <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/togo\/t-18458132\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Togo<\/a> oder <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/c\u00f4te-divoire\/t-18504836\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">C\u00f4te d&#8217;Ivoire<\/a> Verfassungs\u00e4nderungen zum Machterhalt durchgef\u00fchrt wurden. Und auch im <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/senegal\/t-18463526\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Senegal<\/a> wird im Streit zwischen den einstigen Verb\u00fcndeten an der Staatsspitze, Pr\u00e4sident Bassirou Diomaye Faye und Parlamentspr\u00e4sident Ousmane Sonko (beide wesentlich j\u00fcnger als alle zuvor genannten Staatschefs), <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/machtkampf-im-senegal-eskaliert-\u00fcber-verfassungsreform\/a-77814865\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00fcber eine Verfassungs\u00e4nderung diskutiert<\/a>.<\/p>\n<p>&#8222;Selbst wenn es gesetzliche Leitplanken gibt: Wenn diese nicht so ausgestaltet sind, dass die Partizipation der B\u00fcrger, \u00f6ffentlicher Diskurs, zivilgesellschaftliches Engagement oder die Kontrolle durch andere Institutionen gew\u00e4hrleistet sind, dann zieht das nach sich, dass an der Staatsspitze einseitige Entscheidungen getroffen werden k\u00f6nnen&#8220;, meint Ochieng. Dass Institutionen geschliffen w\u00fcrden, damit Personen an der Macht bleiben k\u00f6nnten, sei kein afrikanisches, sondern ein weltweites Problem.<\/p>\n<p>Mitarbeit: Lucy Riley<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Macht kann verf\u00fchrerisch sein &#8211; und viele, die sie innehaben, wollen sie so lange wie m\u00f6glich behalten. 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