{"id":48725,"date":"2026-08-25T19:41:48","date_gmt":"2026-08-25T19:41:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/48725\/"},"modified":"2026-08-25T19:41:48","modified_gmt":"2026-08-25T19:41:48","slug":"warum-deutschland-erdgas-aus-algerien-kauft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/48725\/","title":{"rendered":"Warum Deutschland Erdgas aus Algerien kauft"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/algerien-gas-102.jpg\" alt=\"Zwei Mitarbeiter stehen in der Anlage des Gasfelds in  Hassi Messaoud.\" title=\"Zwei Mitarbeiter stehen in der Anlage des Gasfelds in  Hassi Messaoud. | picture alliance \/ NurPhoto\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 07.03.2024 \u2022 11:50 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Die deutsche Politik setzt eigentlich auf gr\u00fcne Energie. Dennoch unterzeichnete jetzt erstmals ein deutscher Gash\u00e4ndler einen Vertrag in Algier &#8211; und manche fragen sich: warum?\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/kristina-boeker-103.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Kristina B\u00f6ker, SWR\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/boeker-kristina-101.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nichts als Sand und D\u00fcnen sind zu sehen &#8211; aber beim Flug \u00fcber die algerische Sahara blitzen Flammen auf. Hassi R-Mel, etwa 500 Kilometer s\u00fcdlich von Algier, ist eins der gr\u00f6\u00dften Gasfelder der Erde. Und f\u00fcr Algerien, den gr\u00f6\u00dften Gasexporteur Afrikas, geh\u00f6rt dieses Gasfeld zu seinen wichtigsten Wirtschaftsfaktoren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Hier starten die Pipelines nach Spanien und Italien. Von Beni Saf an der algerischen K\u00fcste bis Almeria an der spanischen K\u00fcste liegt die Pipeline unter dem Mittelmeer &#8211; gerade mal 200 Kilometer sind die K\u00fcsten dort voneinander entfernt. Und so deckt Spanien gut ein Drittel seines Gasbedarfs in dem nordafrikanischen Land.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr Deutschland ist Algerien bisher kein Top-Handelspartner: 2023 rangierte das Land laut der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) mit einem Handelsvolumen von 3,6 Milliarden Euro auf Platz 62.<\/p>\n<p>    Algerien profitiert von Energiekrise in Deutschland<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Tendenz aufw\u00e4rts? Angesichts der Energiekrise k\u00f6nnte Algerien wichtiger werden. Das fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte Land Afrikas hat auch gro\u00dfes Potenzial f\u00fcr Sonnenenergie und gr\u00fcnen Wasserstoff. Diesen Markt hatte der gr\u00fcne Wirtschaftsminister Robert Habeck auch <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/habeck-algerien-100.html\" title=\"Algerien und Deutschland wollen bei Wasserstoff kooperieren\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">bei seinem Besuch Anfang Februar in Algier<\/a> im Blick. Dass dann dort erstmals ein deutscher H\u00e4ndler einen Gasliefervertrag unterzeichnet hat, der Leipziger Gash\u00e4ndlers VNG, mag durch die deutsche Brille verwundern. Gas ist f\u00fcr Deutschland eher eine Br\u00fcckentechnologie.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr Algerien ist der Vertrag aber ein &#8222;historischer Deal&#8220;, frohlockt Choeib Boutamine, Energie-Consultant aus Algier. &#8222;Spanien und auch Italien profitieren schon jetzt stark vom algerischen Gas und stehen besser da als Deutschland. Deutschland sollte da mit einsteigen und die Zusammenarbeit mit uns hier bei Erdgas und Energie ausbauen.&#8220;<\/p>\n<p>    Gas &#8211; ein Rohstoff von gestern?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Andreas Goldthau forscht an der Uni Erfurt zu Energiesicherheit und Klimawandel. Erdgas werde durchaus noch \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum gebraucht, sagte er der tagesschau. Man m\u00fcsse aber sehen, wo. &#8222;In der EU wird die Gasnachfrage bis 2040 um etwa 50 Prozent nach unten gehen. Und danach schrittweise bis auf null.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In den aufstrebenden L\u00e4ndern Asiens zum Beispiel, aber auch in Afrika sei das andersherum: &#8222;Da wird die Gasnachfrage nach oben gehen, bis auch diese L\u00e4nder auf gr\u00fcne Energieformen umsteigen.&#8220; Goldthaus&#8216; Erkl\u00e4rung: Die L\u00e4nder, die erst sp\u00e4t mit der Industrialisierung begonnen haben, k\u00f6nnen dementsprechend sp\u00e4ter aus den fossilen Energien aussteigen.<\/p>\n<p>    Forum gasexportierender L\u00e4nder will weiter investieren<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aus welchen L\u00e4ndern Gas auf die Weltm\u00e4rkte flie\u00dft, wurde j\u00fcngst beim Forum der gasexportierenden L\u00e4nder (GECF) in Algier klar. Das Forum, 2001 im Iran gegr\u00fcndet, vereint zw\u00f6lf L\u00e4nder, die knapp 70 Prozent der weltweiten Erdgasreserven beherbergen. Abgesehen von Russland und Algerien sind das unter anderem Iran, Katar und Libyen. Nicht gerade die engsten politischen Freunde Europas also. Kein Mitglied im Forum: der weltgr\u00f6\u00dfte Gasproduzent USA, ebenso wenig China.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In ihrer &#8222;Algierer Erkl\u00e4rung&#8220; postulieren die L\u00e4nder die Notwendigkeit von Erdgas im Kampf gegen Energie-Armut und fordern weitere Investitionen in ihren Rohstoff. &#8222;Einseitige wirtschaftliche Beschr\u00e4nkungen\u201d verurteilt das Forum ebenso wie die argumentative Nutzung des Klimawandels zur Behinderung von Investitionen. Es ist also ein selbstbewusstes Votum f\u00fcr den fossilen Energietr\u00e4ger Erdgas und gegen Sanktionen. Mit Russland und dem Iran sind zwei L\u00e4nder im Forum, die auf der Sanktionsliste der EU gerade einen festen Platz haben.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Zum Forum der gasexportierenden L\u00e4nder (GECF) geh\u00f6ren zw\u00f6lf Staaten, die \u00fcber knapp 70 Prozent der weltweiten Gasreservoirs verf\u00fcgen.\n                    <\/p>\n<p>    Zwiespalt zwischen Wirtschaft und Politik<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kann Deutschland also bedenkenlos Gasgesch\u00e4fte mit Algerien machen? Einem Land, das in einem Ranking der Uni W\u00fcrzburg von 2021 zur Demokratiequalit\u00e4t auf Platz 125 von 177 landet und von Amnesty international wegen der Menschenrechtslage kritisiert wird? Experte Goldthau erkl\u00e4rt, der Gaseinkauf in Algier bedeute weder, dass Algerien Macht \u00fcber Deutschland aus\u00fcben k\u00f6nne, noch, dass die im Forum vereinten L\u00e4nder mit einem Kartell den Gasmarkt bestimmen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Dass man mit Staaten zu tun hat, deren Regierungsform weder demokratisch noch vielleicht politisch w\u00fcnschenswert ist, das kann man leider nicht \u00e4ndern.&#8220; Aber die Risiken, die damit einhergingen, die k\u00f6nne man abfedern: etwa, dass ein Lieferant zu dominant werde wie bei der fr\u00fcheren Gas-Gesch\u00e4ftsbeziehung Russland-Deutschland.<\/p>\n<p>    K\u00fcnftig eher W\u00fcsten-Wasserstoff im Fokus<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Unabh\u00e4ngig von solchen politischen \u00dcberlegungen: Langfristig will Deutschland in Algerien und auch in Marokko eher gr\u00fcnen Wasserstoff statt Gas einkaufen. Darauf zielt auch der j\u00fcngst geschlossene Liefervertrag des Leipziger Gash\u00e4ndlers VNG. &#8222;Neben Erdgas aus Algerien als wichtigem Rohstoff f\u00fcr die Energiewende ist es das langfristige Ziel, zuk\u00fcnftig gr\u00fcnen Wasserstoff aus Algerien nach Deutschland zu importieren\u201d, so der Vorstandsvorsitzende Ulf Heitm\u00fcller.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aber bis deutsche Investitionen in diese Technologie vor Ort produktionsreif werden, d\u00fcrften noch viele Jahre vergehen. Noch steht in den W\u00fcstenl\u00e4ndern Nordafrikas keine einzige Fabrik f\u00fcr gr\u00fcnen Wasserstoff. Erdgas &#8211; so scheint es &#8211; ist nicht nur heute ein wichtiger Rohstoff, sondern auch noch morgen und \u00fcbermorgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 07.03.2024 \u2022 11:50 Uhr Die deutsche Politik setzt eigentlich auf gr\u00fcne Energie. 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