{"id":49036,"date":"2026-08-27T12:35:13","date_gmt":"2026-08-27T12:35:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/49036\/"},"modified":"2026-08-27T12:35:13","modified_gmt":"2026-08-27T12:35:13","slug":"davide-naggi-heks-landesverantwortlicher-fuer-uganda-und-suedsudan-berichtet-von-seiner-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/49036\/","title":{"rendered":"Davide Naggi, Heks-Landesverantwortlicher f\u00fcr Uganda und S\u00fcdsudan berichtet von seiner Arbeit."},"content":{"rendered":"\n<p>Uganda hat rund 1,95 Millionen Fl\u00fcchtlinge aufgenommen, die meisten aus dem S\u00fcdsudan und der Demokratischen Republik Kongo. Wie funktioniert das? <br \/>Davide Naggi: Uganda verfolgt eine Politik der offenen T\u00fcr: Fl\u00fcchtlinge, die meisten aus dem S\u00fcdsudan und der Demokratischen Republik Kongo, d\u00fcrfen arbeiten, erhalten Zugang zu sozialen Diensten und k\u00f6nnen Land pachten. Sie leben nicht in Lagern, sondern in Siedlungen, die mit den Gemeinden verbunden sind. Um die Siedlungen sind M\u00e4rkte und Arbeitspl\u00e4tze entstanden. Die Strategie bringt Uganda internationale Anerkennung und damit die Unterst\u00fctzung der EU sowie von institutionellen und privaten Gebern.<\/p>\n<p>Ist das reine Gastfreundschaft?<br \/>Offenheit geh\u00f6rt zur ugandischen Kultur, und die Politik der offenen T\u00fcr gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlingen steht \u00a0g\u00e4nzlich in dieser Tradition. Allerdings sind in der regionalen Politik und der Fl\u00fcchtlingspolitik auch strategische Interessen im Spiel. So verf\u00fcgen beispielsweise einige L\u00e4nder regional \u00fcber erheblichen Einfluss auf die Friedensprozesse im S\u00fcdsudan und in der Demokratischen Republik Kongo. Beobachter vermuten, dass eine anhaltende regionale Instabilit\u00e4t dazu f\u00fchren k\u00f6nnte, dass die milit\u00e4rische Pr\u00e4senz in der DR Kongo und im S\u00fcdsudan weniger unter die Lupe genommen wird.<\/p>\n<p>Wer profitiert davon? <br \/>Regionale Akteure haben oft eigene Interessen verfolgt, anstatt auf einheitliche L\u00f6sungsans\u00e4tze zu setzen. <br \/>Auf internationaler Ebene sind auch externe M\u00e4chte beteiligt, die weitgehend wirtschaftliche Interessen verfolgen. Organisationen wie die UNO und die EU beobachten die Entwicklungen, doch ihr Einfluss vor Ort bleibt begrenzt. Instabilit\u00e4t kann so auch einen Zweck erf\u00fcllen: Andauernde Konflikte mindern die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit. Diejenigen, die im Chaos agieren, k\u00f6nnen besser Ressourcen ausbeuten, ohne sich Fragen stellen zu m\u00fcssen.\u00a0<\/p>\n<p>Auch Stammesfeindschaften verhindern immer wieder den Frieden. Was sind die Gr\u00fcnde? <br \/>Im S\u00fcdsudan zum Beispiel gab es wiederholt Konflikte zwischen Hirtengemeinschaften um Wasser und Vieh. Als der S\u00fcdsudan 2011 seine Unabh\u00e4ngigkeit erlangte, gab es nie eine echte Einigung, wie die Macht verteilt werden soll. 2013 l\u00f6ste ein F\u00fchrungsstreit zwischen Pr\u00e4sident Salva Kiir (Dinka) und dem damaligen Vizepr\u00e4sidenten Riek Machar (Nuer) Gewalt aus, die entlang ethnischer Grenzen verlief und zu einem B\u00fcrgerkrieg eskalierte. \u00dcber die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung leidet heute unter Hunger.\u00a0<\/p>\n<p>Ist das nur ein ethnischer Konflikt? <br \/>Forscher warnen davor, den Konflikt einfach als \u00abDinka gegen Nuer\u00bb darzustellen, denn es geht dabei um politische Macht und die Kontrolle \u00fcber Ressourcen wie \u00d6l, Gold oder Holz. Die Ethnie wird von den Eliten daf\u00fcr instrumentalisiert.<\/p>\n<p>An den Lunchkinos in der ganzen Schweiz stellt Heks jeweils eines seiner Projekte vor, diesmal aus Uganda. Was macht Heks dort? <br \/>Wir unterst\u00fctzen Fl\u00fcchtlinge und lokale Gemeinschaften in Uganda und im S\u00fcdsudan, darunter mehrere Siedlungen f\u00fcr Vertriebene. Die Programme beinhalten Projekte zur Existenzsicherung, Landwirtschaft, Sanit\u00e4rversorgung und Konfliktbew\u00e4ltigung. Wir unterst\u00fctzen lokale Organisationen und Genossenschaften, darunter eine Frauengruppe in Bidi Bidi, die wiederverwendbare Damenbinden herstellt. Die meisten unserer 35 Mitarbeiter (allesamt Ugander) arbeiten eng mit lokalen Beh\u00f6rden, Gemeinden und anderen Akteuren zusammen.<\/p>\n<p>Was treibt Sie nach fast zwanzig Jahren humanit\u00e4re Hilfe noch an? <br \/>Der Unterschied, den wir bewirken, wenn wir gute Arbeit leisten. Ausserdem fasziniert mich die Region, politisch, auf humanit\u00e4rer Ebene, aber auch historisch: Kenia, \u00c4thiopien und Uganda gelten als Wiege der Menschheit. Es f\u00fchlt sich an, als kehrten wir zu unseren Urspr\u00fcngen zur\u00fcck, das ist ein starkes Gef\u00fchl.\u00a0<\/p>\n<p>Heks-Lunchkino. 3. September, Davos<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Uganda hat rund 1,95 Millionen Fl\u00fcchtlinge aufgenommen, die meisten aus dem S\u00fcdsudan und der Demokratischen Republik Kongo. 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