{"id":49236,"date":"2026-08-28T17:57:14","date_gmt":"2026-08-28T17:57:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/49236\/"},"modified":"2026-08-28T17:57:14","modified_gmt":"2026-08-28T17:57:14","slug":"china-hat-eine-hauptrolle-doch-das-drehbuch-muss-afrika-schreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/49236\/","title":{"rendered":"China hat eine Hauptrolle \u2013 doch das Drehbuch muss Afrika schreiben"},"content":{"rendered":"<p>In Ugandas Hauptstadt Kampala ist China an jedem beliebigen Tag nicht zu \u00fcbersehen. Chinesische Superm\u00e4rkte, Restaurants und Gro\u00dfhandelsgesch\u00e4fte geh\u00f6ren sowohl im Stadtzentrum als auch in den schnell wachsenden Vororten l\u00e4ngst zum Stadtbild. Studierende besuchen Mandarin-Kurse am Konfuzius-Institut der Makerere-Universit\u00e4t, in der Hoffnung, dadurch Zugang zu Stipendien, Arbeitspl\u00e4tzen oder Gesch\u00e4ftsm\u00f6glichkeiten zu erhalten. Chinesische Motorr\u00e4der schl\u00e4ngeln sich durch den Verkehr auf Stra\u00dfen, die von chinesischen Firmen gebaut wurden, und hiesige Unternehmen sind auf Infrastruktur angewiesen, die mit chinesischen Krediten finanziert wurde.<\/p>\n<p>Nirgends in Afrika ist China mehr eine ferne Gro\u00dfmacht. Das Land ist Teil des Alltags. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Das bilaterale Handelsvolumen zwischen China und Afrika hat 2025 mit 348 Milliarden Dollar einen neuen H\u00f6chststand erreicht. Damit war China bereits das 17. Jahr in Folge Afrikas wichtigster bilateraler Handelspartner. Doch Chinas Einfluss reicht weit \u00fcber den Handel hinaus. Er zeigt sich in Infrastrukturprojekten, an Universit\u00e4ten, in diplomatischen Beziehungen und angesichts der sich wandelnden Weltordnung zunehmend auch in politischen Entscheidungen afrikanischer Regierungen.<\/p>\n<p>Chinas wachsender Einfluss birgt sowohl Chancen als auch Probleme. Er bietet afrikanischen L\u00e4ndern alternative Finanzierungs-, Handels- und Investitionsm\u00f6glichkeiten, wirft aber auch Fragen hinsichtlich Verschuldung und Abh\u00e4ngigkeit auf.<\/p>\n<p>Eine ver\u00e4nderte Wirtschaftslandschaft<\/p>\n<p>Chinesische Unternehmen sind heute zentrale Akteure in Bereichen, die fr\u00fcher von westlichen Bauunternehmen und multilateralen Institutionen dominiert wurden. Auf dem gesamten Kontinent haben sie Stra\u00dfen, Eisenbahnen, Flugh\u00e4fen und Energieanlagen in einem Umfang und mit einer Geschwindigkeit errichtet, die viele afrikanische Regierungen mit ihren traditionellen Partnern kaum h\u00e4tten erreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Uganda ist ein anschauliches Beispiel f\u00fcr diesen Wandel. Chinesische Unternehmen haben eine f\u00fchrende Rolle beim Bau gro\u00dfer Infrastrukturprojekte wie der Wasserkraftwerke Karuma und Isimba sowie der Schnellstra\u00dfe zwischen Kampala und Entebbe gespielt. Der Umfang dieser Projekte ist betr\u00e4chtlich. Das 2024 in Betrieb genommene Karuma-Wasserkraftwerk mit einer Leistung von 600 Megawatt beispielsweise kostete rund 1,7 Milliarden Dollar. Etwa 85 % davon wurden durch einen Kredit der chinesischen Exim-Bank finanziert.<\/p>\n<p>Die Hinwendung zu China erkl\u00e4rt sich auch dadurch, dass Peking bereit ist, gro\u00dfe Infrastrukturprojekte zu finanzieren. Kredite, Bauleistungen und Ausr\u00fcstung werden h\u00e4ufig \u00fcber staatlich unterst\u00fctzte Unternehmen geb\u00fcndelt angeboten, auch wenn China in den vergangenen zehn Jahren weniger direkte Kredite vergeben hat als zuvor. F\u00fcr Regierungen mit dringendem Entwicklungsbedarf ist dieses Modell attraktiv, weil es sichtbare Ergebnisse noch innerhalb einer politischen Amtszeit zutage f\u00f6rdert. Gleichzeitig gibt es jedoch Bedenken hinsichtlich Transparenz, Vergabeverfahren und langfristiger Schuldentragf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>Der Reiz der Nichteinmischung<\/p>\n<p>Afrikanische Politiker*innen begegnen diesen Sorgen h\u00e4ufig mit dem Hinweis, dass auf diese Weise Infrastrukturdefizite geschlossen w\u00fcrden, die westlich gepr\u00e4gte Ans\u00e4tze oft nicht beheben konnten. Ein wesentliches Merkmal des chinesischen Engagements ist die offiziell vertretene Politik der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten. Anders als viele westliche Geber kn\u00fcpft China seine Finanzierungen in der Regel nicht an Bedingungen in den Bereichen Regierungsf\u00fchrung oder Menschenrechte.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele afrikanische Regierungen ist das ein entscheidender Vorteil. Dort, wo westliche Auflagen als bevormundend oder als Hindernis wahrgenommen werden, erscheint Chinas Ansatz pragmatischer und respektvoller gegen\u00fcber staatlicher Souver\u00e4nit\u00e4t.<\/p>\n<p>Ugandas Pr\u00e4sident Yoweri Museveni, der das Land seit mehr als 40 Jahren regiert, betont regelm\u00e4\u00dfig die Bedeutung von Infrastrukturfinanzierungen ohne umfangreiche politische Bedingungen. F\u00fcr ihn ist die Partnerschaft mit China ein bevorzugter Weg, die Entwicklungsl\u00fccken Ugandas zu schlie\u00dfen.<br \/>Kritiker*innen sehen das anders. Sie argumentieren, dass sich ohne politische Auflagen mangelnde Rechenschaftspflichten und bestehende politische Strukturen verfestigten, w\u00e4hrend Anreize f\u00fcr Reformen wegfielen.<\/p>\n<p>Die Neue Seidenstra\u00dfe zwischen Entwicklung und Abh\u00e4ngigkeit<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Teil von Chinas Engagement in Afrika steht im Zusammenhang mit der <a href=\"https:\/\/www.dandc.eu\/de\/article\/das-hauptinstrument-von-chinas-langfristig-angelegter-entwicklungsstrategie-ist-die\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Belt and Road Initiative (BRI)<\/a>, der sogenannten Neuen Seidenstra\u00dfe. \u00dcber sie wurden Verkehrsnetze, H\u00e4fen, Energieprojekte und Industrieinfrastruktur auf dem gesamten Kontinent finanziert. Bef\u00fcrworter*innen argumentieren, diese Investitionen tr\u00fcgen dazu bei, Afrikas Infrastrukturdefizite zu verringern, die Unternehmenskosten zu senken und die Industrialisierung voranzutreiben. Kritiker*innen verweisen dagegen auf eine steigende Schuldenlast, auf die Dominanz chinesischer Unternehmen bei manchen Projekten sowie auf den teilweise begrenzten Transfer von Technologie und Fachwissen. Hinzu kommt die Sorge, manche L\u00e4nder k\u00f6nnten zu stark von chinesischer Finanzierung und chinesischen M\u00e4rkten abh\u00e4ngig werden.<\/p>\n<p>Einige Beobachter*innen sprechen deshalb sogar von neokolonialen Z\u00fcgen in Teilen des chinesischen Engagements. Dieser Vergleich ist umstritten. China regiert keine afrikanischen Gebiete und \u00fcbt auch keine direkte politische Kontrolle aus, wie sie mit einer Kolonialherrschaft verbunden ist. Allerdings pr\u00e4gen weiterhin Fragen zur Abh\u00e4ngigkeit, Verhandlungsmacht und dazu, ob die lokale Wirtschaft ausreichend von diesen Investitionen profitiert, die Debatte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Ugandas Hauptstadt Kampala ist China an jedem beliebigen Tag nicht zu \u00fcbersehen. 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