{"id":4993,"date":"2026-04-20T14:12:47","date_gmt":"2026-04-20T14:12:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4993\/"},"modified":"2026-04-20T14:12:47","modified_gmt":"2026-04-20T14:12:47","slug":"wieso-terroristen-aus-dem-sahel-nach-der-kueste-greifen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/4993\/","title":{"rendered":"Wieso Terroristen aus dem Sahel nach der K\u00fcste greifen"},"content":{"rendered":"<p>Die <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/sahelzone\/t-66161192\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sahelzone<\/a> ist ein Brennpunkt des Terrorismus und andauernder Unruheherd:\u00a0Laut dem aktuellen Global Terrorism Index des Instituts f\u00fcr \u00d6konomie und Frieden entf\u00e4llt inzwischen rund die H\u00e4lfte aller\u00a0weltweiten Todesf\u00e4lle im Zusammenhang mit Terrorismus\u00a0auf die Krisenregion. In dem gef\u00e4hrlichen Gebiet breiten sich\u00a0zwei Dschihadistengruppen aus, die mit <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/al-kaida\/t-18184985\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Al-Qaida<\/a> verbunden sind.<\/p>\n<p>Jama&#8217;at Nusrat al-Islam wal Muslimeen (JNIM) und Verb\u00e4nde unter dem Dach des sogenannten Islamischen Staats (IS) stehen hinter der Terrorwelle in der Sahelzone, insbesondere in <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/burkina-faso\/t-18030005\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Burkina Faso<\/a>, <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/mali\/t-17601124\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mali<\/a> und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/niger\/t-18137154\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Niger.<\/a> Diese Gruppen weiten ihre Aktivit\u00e4ten\u00a0zunehmend nach S\u00fcden hin\u00a0aus und infiltrieren auch L\u00e4nder wie <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/benin\/t-18507141\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Benin<\/a>, <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/togo\/t-18458132\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Togo,<\/a> <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/c\u00f4te-divoire\/t-18504836\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">C\u00f4te d&#8217;Ivoire<\/a> und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ghana\/t-18504628\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ghana<\/a>.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>So sind in den n\u00f6rdlichen Grenzst\u00e4dten Benins Angriffe auf Milit\u00e4rposten und Zivilisten eine st\u00e4ndige Bedrohung. Im April 2025 t\u00f6teten JNIM-K\u00e4mpfer mindestens 54 Soldaten entlang der gemeinsamen Grenze zu Burkina Faso und Niger. Auch im benachbarten Togo ist ein \u00e4hnlicher Anstieg von Terroranschl\u00e4gen zu verzeichnen.<\/p>\n<p>Warum die K\u00fcste?<\/p>\n<p>Die lange K\u00fcstenlinie Westafrikas ist nicht nur ein Fluchtkorridor f\u00fcr Terrororganisationen vor milit\u00e4rischen Offensiven, sondern auch eine wichtige Handelsader und das Tor zu den Binnenl\u00e4ndern sowie ein Schl\u00fcsselpunkt f\u00fcr europ\u00e4ische Schifffahrtslinien.<\/p>\n<p>Eine zentrale Rolle spielt\u00a0jedoch der W-Arly-Pendjari-Komplex (WAP) aus Schutzgebieten und Parks, der sich \u00fcber Benin, Burkina Faso und Niger erstreckt und an Togo, Ghana und Nigeria grenzt. Experten sagen, dass er nicht nur einen &#8222;sicheren Puffer&#8220;\u00a0f\u00fcr Terroristen darstellt, sondern auch als Zone f\u00fcr Schmuggel und andere illegale wirtschaftliche Aktivit\u00e4ten dient.<\/p>\n<p>Gruppen wie JNIM haben sich in den ausgedehnten W\u00e4ldern verschanzt, von wo aus sie Angriffe entlang der Grenze zwischen Benin und Niger starten.<\/p>\n<p>&#8222;Viele Aktivit\u00e4ten von JNIM in Benin standen urspr\u00fcnglich in Zusammenhang mit ihren Operationen in Burkina Faso und dienten dazu, mehr Bewegungsfreiheit und M\u00f6glichkeiten zur Expansion zu erlangen und Burkina Faso weiter einzukreisen&#8220;, sagte\u00a0James Barnett, wissenschaftlicher Mitarbeiter des konservativen US-Thinktanks\u00a0Hudson Institute, zur\u00a0DW.<\/p>\n<p>Terroristische Gruppen, f\u00fcgte er hinzu, h\u00e4tten sich auch die illegalen Wirtschaftszweige in den Gebieten zunutze gemacht und versucht, in der Region neue Mitglieder zu rekrutieren.<\/p>\n<p>Ein Dominoeffekt<\/p>\n<p>In den letzten Jahren sind Terroristen aus der Sahelzone nach S\u00fcden in weitgehend unkontrollierte Gebiete Westafrikas vorgedrungen. Dort &#8222;befinden sich strategisch wichtige Mineralien und Rohstoffe wie Holz, die zu Finanzierungsquellen f\u00fcr den Terrorismus in diesem Korridor geworden sind&#8220;, sagte Oluwole Ojewale, Forscher am Institut f\u00fcr Sicherheitsstudien (ISS) in Dakar, zur DW.<\/p>\n<p>Die n\u00f6rdlichen Landgebiete\u00a0vieler K\u00fcstenl\u00e4nder der Region\u00a0sind d\u00fcnn besiedelt und unterentwickelt. Terroristische Gruppen, die neue Mitglieder rekrutieren wollen, nutzen oft die Frustration und das Gef\u00fchl der Vernachl\u00e4ssigung junger Menschen in diesen Regionen aus. Solche Gebiete &#8222;dienen auch in j\u00fcngster Zeit weiterhin als strategischer Knotenpunkt f\u00fcr terroristische Gruppen&#8220;, so Ojewale.\u00a0<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"74020527\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/74020527_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Mali Bamako 2025 | 2 Jahre nach der Gr\u00fcndung der AES\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>2023 gr\u00fcndeten Mali, Niger und Burkina Faso die Allianz der Sahel-Staaten (hier eine Szene aus Mali zwei Jahre danach) nach einem Staatsstreich in NigerBild: Makan Fofana\/DW<\/p>\n<p>Hinzu kommt der Zusammenbruch der Sicherheitszusammenarbeit zwischen den K\u00fcstenstaaten und den drei Binnenstaaten\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/experte-\u00fcber-anti-terror-kampf-in-mali-die-lage-in-gao-ist-schlecht\/a-64668301\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mali<\/a>, Burkina Faso und Niger, die seit 2020 nacheinander unter die Kontrolle von Milit\u00e4rregierungen gefallen sind.\u00a0Die drei Kernstaaten der\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/terror-im-sahel-kampf-gegen-die-dschihadisten\/a-64276827\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sahelzone<\/a>\u00a0brachen mit der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (ECOWAS) und gr\u00fcndeten ihre eigene Allianz der Sahelstaaten (AES). Experten zufolge hat das daraus resultierende Misstrauen eine L\u00fccke hinterlassen, die es erm\u00f6glicht, dass die Gewalt von der Sahelzone auf die K\u00fcste \u00fcbergreift.<\/p>\n<p>&#8222;Das ist der Grund, warum es f\u00fcr diese terroristischen Gruppen so einfach geworden ist, ihren Einfluss auf die K\u00fcstenstaaten auszuweiten&#8220;, sagte Ojewale. &#8222;Die grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit der Geheimdienste, insbesondere zwischen den zentralafrikanischen Sahelstaaten Burkina Faso, Niger und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/mali-st\u00e4ndiger-unruheherd-im-sahel\/a-66760776\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mali<\/a> und dem Rest Westafrikas, ist auf ein Minimum geschrumpft und reicht bei weitem nicht aus, um die grenz\u00fcberschreitende Infiltration terroristischer Gruppen einzud\u00e4mmen.&#8220;<\/p>\n<p>Viel Misstrauen zu \u00fcberwinden<\/p>\n<p>Eine Welle von Initiativen einzelner K\u00fcstenstaaten hat dazu gef\u00fchrt, dass Sicherheitskr\u00e4fte eingesetzt wurden, um die Grenzkontrolle in ihren fragilen n\u00f6rdlichen Gebieten zu gew\u00e4hrleisten. Benin hat rund 3.000 Soldaten entlang seiner Grenze zu Burkina Faso und dem Tschad stationiert, um \u00dcbergriffe einzud\u00e4mmen.\u00a0<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"70251128\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/70251128_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Mali Bamako | Sichergestellte Waffen nach Angriff auf Milit\u00e4rflughafen\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Sichergestellte Waffen nach einem Angriff auf den Milit\u00e4rflughafen in Bamako, f\u00fcr den eine mit Al-Kaida verbundene Terrorgruppe die Verantwortung \u00fcbernommen hatteBild: ORTM\/AFP<\/p>\n<p>Einige der K\u00fcstenstaaten haben bilaterale Sicherheitsabkommen geschlossen. Anfang dieses Jahres vereinbarten Benin und Nigeria eine Zusammenarbeit zur St\u00e4rkung der Grenzsicherheit.<\/p>\n<p>Laut Barnett reichen Ressourcen und Logistik allein nicht aus, um die Ausbreitung des Terrorismus einzud\u00e4mmen. Die K\u00fcsten- und Sahelstaaten m\u00fcssen ihr Misstrauen \u00fcberwinden und Informationen austauschen in einem Teil Afrikas, in dem die Bedrohungen von Land zu Land unterschiedlich sind, sagte er gegen\u00fcber der DW. &#8222;Ich glaube, es gibt viel Misstrauen in der Region &#8211;\u00a0sogar zwischen einigen dieser Staaten. Daran arbeiten die L\u00e4nder noch: Sie m\u00fcssen ausreichend Vertrauen und den politischen Willen zur Zusammenarbeit aufbauen.&#8220;<\/p>\n<p>Neben Sicherheitsma\u00dfnahmen seien auch sozio-\u00f6konomische Initiativen unerl\u00e4sslich, f\u00fcgte er hinzu. Die Elfenbeink\u00fcste hat eine Reihe von Sozialprojekten ins Leben gerufen, um Armut und Jugendarbeitslosigkeit zu bek\u00e4mpfen und gleichzeitig Vertrauen zwischen dem Milit\u00e4r und den Gemeinden aufzubauen. &#8222;Der Staat ist nicht nur dazu da, sporadisch in der Region f\u00fcr Ordnung zu sorgen &#8211; das f\u00fchrt oft zu dem Eindruck in der Bev\u00f6lkerung, dass sie ins Visier genommen oder schikaniert wird&#8220;, so Barnett.<\/p>\n<p>Vielmehr gehe es darum, durch die Auseinandersetzung mit gesell- und wirtschaftlichen\u00a0Problemen ein gewisses Ma\u00df an Akzeptanz zu erreichen. Und zwar\u00a0nicht nur in Sicherheitsfragen, sondern auch in anderen Bereichen als Partner aufzutreten, betont Barnett.<\/p>\n<p>Dieser Artikel wurde im Original auf Englisch ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Sahelzone ist ein Brennpunkt des Terrorismus und andauernder Unruheherd:\u00a0Laut dem aktuellen Global Terrorism Index des Instituts f\u00fcr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4994,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[243],"tags":[366],"class_list":{"0":"post-4993","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-niger","8":"tag-niger"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/116437447032119002","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4993","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4993"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4993\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4994"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4993"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4993"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4993"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}