{"id":49958,"date":"2026-09-01T17:32:08","date_gmt":"2026-09-01T17:32:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/49958\/"},"modified":"2026-09-01T17:32:08","modified_gmt":"2026-09-01T17:32:08","slug":"russland-vereitelt-putsch-in-niger-ein-dringend-benoetigter-erfolg-fuer-moskau-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/49958\/","title":{"rendered":"Russland vereitelt Putsch in Niger: Ein dringend ben\u00f6tigter Erfolg f\u00fcr Moskau &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das, was sich am Wochenende in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Niger\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Niger<\/a> ereignete, war eigentlich genau der Stoff, aus dem ein Putsch gemacht ist. Ein gestresstes Land in prek\u00e4rer Sicherheitslage, eine strauchelnde Regierung, eine Gruppe frustrierter Soldaten. Am Samstag erst\u00fcrmten Teile der Armee einen Luftwaffenst\u00fctzpunkt auf dem Flughafen der Hauptstadt Niamey, vor dem Pr\u00e4sidentenpalast des westafrikanischen Landes waren Sch\u00fcsse und Explosionen zu h\u00f6ren, der staatliche Fernsehsender wurde vor\u00fcbergehend abgeschaltet. Das Regime von General Abdourahamane Tiani, der sich 2023 selbst an die Macht geputscht hatte, wankte. Aber es fiel nicht.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zu verdanken hatte Nigers Pr\u00e4sident das in erster Linie dem Eingreifen von Soldaten des russischen <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Afrika\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Afrika<\/a>-Korps. Die S\u00f6ldner aus dem hohen Norden, bis Sommer 2025 als Wagner-Gruppe bekannt, waren ma\u00dfgeblich an der Niederschlagung des Aufstands beteiligt und retteten Tiani damit vor der Meuterei aus den eigenen Reihen. So stellte es hinterher nicht nur der Kreml dar, so sehen es auch viele internationale Experten. \u201eDas war ein koordinierter Angriff auf die Schaltzentralen des Landes\u201c, sagt Bakary Sambe, Leiter des Timbuktu Institute \u2013 African Center for Peace Studies in Senegal. \u201eDie Regierung war auf die russische Hilfe angewiesen.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/056a8c3a-c8ed-48a7-a85a-2e1ec5b0b606.jpg\"   alt=\"Offiziere und Religionsf\u00fchrer trauern um Angeh\u00f6rige der Pr\u00e4sidentengarde, die beim Putschversuch ums Leben kamen.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>Offiziere und Religionsf\u00fchrer trauern um Angeh\u00f6rige der Pr\u00e4sidentengarde, die beim Putschversuch ums Leben kamen.<\/p>\n<p>Niger Presidency\/via REUTERS<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der vereitelte Putschversuch in Niger enth\u00e4lt zwei Nachrichten, die einander auf den ersten Blick widersprechen. Die erste handelt vom scheinbar unaufhaltsamen Vormarsch der Islamisten in der Sahelzone, der die dortigen Milit\u00e4rregime immer weiter in die Ecke dr\u00e4ngt \u2013 so weit, dass aus Angst vor den Islamisten selbst die eigenen Streitkr\u00e4fte zur Bedrohung werden. Die zweite handelt von <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Russland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland<\/a>, der Schutzmacht dieser Regime, die nach Jahren peinlicher Fehlschl\u00e4ge pl\u00f6tzlich einen milit\u00e4rischen Erfolg in Afrika vermelden kann. Man fragt sich nun:\u00a0 Wie passen die beiden Nachrichten zusammen?<\/p>\n<p>2025 verzeichnete die Region mehr als die H\u00e4lfte aller Terrortoten weltweit<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Alle politischen Entwicklungen im Sahel in den vergangenen 15 Jahren lassen sich nur vor dem Hintergrund der sich stetig verschlechternden Sicherheitslage verstehen. Beg\u00fcnstigt vom Sturz Muammar al-Gaddafis und dem beginnenden Zerfall des libyschen Staates im Jahr 2011 machen islamistische Terrorgruppen seither immer mehr Boden in den L\u00e4ndern am S\u00fcdrand der Sahara gut. Sie haben den Sahel binnen weniger Jahre in das Zentrum des weltweiten <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Terrorismus\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Terrorismus<\/a> verwandelt. Im Jahr 2025 verzeichnete die Region mehr als die H\u00e4lfte aller Terrortoten weltweit. 2007 war es nicht einmal ein Prozent gewesen. So steht es <a href=\"https:\/\/www.economicsandpeace.org\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Global-Terrorism-Index-2026-Report.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">im j\u00fcngsten Global Terrorism Index<\/a>, den das australische Institute for Economics and Peace herausgibt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zun\u00e4chst stellten sich die damaligen Regierungen in Mali, Burkina Faso und Niger der Bedrohung aus der W\u00fcste mit Verst\u00e4rkung aus Europa in den Weg, vor allem durch die einstige Kolonialmacht Frankreich, aber auch mit Soldaten der Bundeswehr. Doch nennenswerte Erfolge blieben aus. Der Frust dar\u00fcber (sowie \u00fcber Korruption und wirtschaftliche Stagnation) entlud sich zwischen 2021 und 2023 in allen drei Staaten in einer Macht\u00fcbernahme durch das Milit\u00e4r, das die europ\u00e4ischen Partner umgehend feuerte \u2013 jeweils begleitet von einer ressentimentgeladenen antifranz\u00f6sischen Kampagne \u2013 und durch Russland ersetzte. Das Versprechen der Putschisten: Jetzt wird aufger\u00e4umt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Doch einzig Burkina Faso, wo Sch\u00e4tzungen zufolge einige Hundert Soldaten des russischen Afrika-Korps stationiert sind, hat dieses Versprechen inzwischen teilweise einl\u00f6sen k\u00f6nnen. Hatte das kleine Land 2023 und 2024 noch die meisten Terrortoten aller Staaten zu beklagen, fiel ihre Zahl 2025 deutlich \u2013 von 1532 auf 846.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Vor allem in Mali weist die Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung. Die Regierung in der Hauptstadt Bamako und ihre russischen Verb\u00fcndeten \u2013 mit gesch\u00e4tzt 1500 bis 2000 Soldaten k\u00e4mpft hier das gr\u00f6\u00dfte russische Kontingent in Afrika \u2013 erleben eine dem\u00fctigende Niederlage nach der anderen. Vergangenen Herbst gelang es der al-Qaida nahestehenden Gruppe Dschamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin (engl. JNIM), Bamako einzukreisen und durch eine Benzin-Blockade weitgehend lahmzulegen. Im April startete die Miliz dann gemeinsam mit Tuareg-Separatisten Angriffe im ganzen Land, bei denen unter anderem Malis Verteidigungsminister get\u00f6tet wurde. Das russische Afrika-Korps musste hinterher kleinlaut eingestehen, dass seine Soldaten vor den K\u00e4mpfen geflohen waren.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auch in Niger kommen die Einschl\u00e4ge aus Sicht des Regimes immer n\u00e4her. Der Flughafen der Hauptstadt Niamey war in diesem Jahr schon zwei Mal das Ziel islamistischer Angriffe, einmal durch eine Gruppe, die al-Qaida nahesteht, einmal durch einen Verb\u00fcndeten des \u201eIslamischen Staates\u201c. Der milit\u00e4rische Teil des Flughafens ist strategisch besonders bedeutsam, weil dort nicht nur das russische Afrika-Korps sein Hauptquartier hat. Auf Airbase 101 sollen \u00fcberdies 1000 Tonnen Uran lagern, die Nigers Regierung gerne exportieren w\u00fcrde, aber wegen eines Rechtsstreits mit dem franz\u00f6sischen Konzern Orano aktuell nicht darf.<\/p>\n<p>Viele Soldaten im Sahel wollen nicht mehr \u201eKanonenfutter\u201c im Kampf gegen die Islamisten sein<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der vereitelte Putschversuch am Wochenende war der dritte ernste milit\u00e4rische Zwischenfall auf dem Flughafen binnen eines Jahres. Doch dieses Mal kam die Gefahr f\u00fcr das Regime nicht von au\u00dfen, sondern von innen. Russland ebenso wie die Regierung Nigers raunten zwar von \u00e4u\u00dferer Einflussnahme, womit sie mutma\u00dflich Frankreich meinten. Internationale Experten verweisen dagegen auf Spannungen innerhalb der Armee infolge der islamistischen Dauerbedrohung. \u201eAusl\u00f6ser der Meuterei\u201c, <a href=\"https:\/\/x.com\/HannahRaeArms\/status\/2094364572018733168\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">schreibt Hannah Rae Armstrong<\/a>,\u00a0Sahel-Expertin des in Br\u00fcssel ans\u00e4ssigen Thinktanks International Crisis Group, \u201ewar \u2013 wie in der Sahelzone so oft \u2013 die Weigerung der Soldaten, weiterhin als Kanonenfutter zu dienen.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Dass Nigers Armee die Meuterei mutma\u00dflich nur dank russischer Unterst\u00fctzung ersticken k\u00f6nnte, ist f\u00fcr das Regime somit weniger ein Triumph als vielmehr ein Beleg seiner Entfremdung vom eigenen Volk und seiner wachsenden Abh\u00e4ngigkeit vom Afrika-Korps. Und es ist eine Warnung: Eine Wiederholung erscheint jederzeit m\u00f6glich.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">F\u00fcr Moskau wiederum ist es eine dringend ben\u00f6tigte Erfolgsmeldung aus Afrika, insbesondere nach dem schm\u00e4hlichen R\u00fcckzug in Mali Ende April. Russland l\u00e4sst sich die Entsendung seiner Soldaten nach Afrika in Bodensch\u00e4tzen teuer bezahlen, in Gold oder Diamanten. Doch dieses Gesch\u00e4ft kann nur bl\u00fchen, solange Moskau als schlagkr\u00e4ftiger Verb\u00fcndeter angesehen wird \u2013 was zunehmend weniger der Fall zu sein scheint. So gibt es wegen der desolaten Sicherheitslage schon seit vergangenem Jahr vermehrt Zeichen einer Wiederann\u00e4herung der Sahel-Staaten an die USA. Auch der n\u00f6rdliche Nachbar Algerien und die T\u00fcrkei werden als Partner Malis und Nigers immer wichtiger.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eRussland steht unter doppeltem Druck, sich als effektiver Partner zu erweisen\u201c, sagt der Sahel-Experte Bakary Sambe. \u201eSowohl gegen\u00fcber der \u00d6ffentlichkeit in den Sahel-Staaten als auch gegen\u00fcber anderen potenziellen Partnern der dortigen Regierungen.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Nun hat Russland in Niger immerhin eines unter Beweis stellen k\u00f6nnen: dass seine Soldaten in der Lage sind, ein Regime auf einem eng begrenzten Gebiet wie einem Flughafen zu sch\u00fctzen. Den Beweis aber, dass es im Kampf gegen Islamisten und Separatisten in der schier endlosen W\u00fcste der bessere Partner ist, bleibt Moskau nach wie vor schuldig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das, was sich am Wochenende in Niger ereignete, war eigentlich genau der Stoff, aus dem ein Putsch gemacht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":49959,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[243],"tags":[29,1995,1526,282,366,283,381,284,345],"class_list":["post-49958","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-niger","tag-afrika","tag-ausland","tag-islamismus","tag-leserdiskussion","tag-niger","tag-politik","tag-russland","tag-sueddeutsche-zeitung","tag-terrorismus"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/117196983031537170","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49958","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=49958"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49958\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/49959"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=49958"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=49958"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=49958"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}