{"id":50745,"date":"2026-09-03T19:39:57","date_gmt":"2026-09-03T19:39:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/50745\/"},"modified":"2026-09-03T19:39:57","modified_gmt":"2026-09-03T19:39:57","slug":"migration-was-bleibt-von-den-tunesien-besuchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/50745\/","title":{"rendered":"Migration: Was bleibt von den Tunesien-Besuchen?"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/mittelmeer-tunesien-migranten-100.jpg\" alt=\"Die tunesische K\u00fcstenwache versucht, Migranten an der \u00dcberfahrt zu hindern.\" title=\"Die tunesische K\u00fcstenwache versucht, Migranten an der \u00dcberfahrt zu hindern. | REUTERS\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 20.06.2023 \u2022 20:26 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Erst eine EU-Delegation, dann Bundesinnenministerin Faeser: Tunesien erlebt viel Reisediplomatie, auch wenn der Pr\u00e4sident zunehmend autokratisch regiert. Ist Europa dem Ziel n\u00e4hergekommen, Migration zu begrenzen?\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/kristina-boeker-103.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Kristina B\u00f6ker, SWR\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/boeker-kristina-101.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ameni Kochbati will sich ihren Traum erf\u00fcllen und ein neues Leben anfangen &#8211; weit weg von ihrer Heimat Tunesien, in Deutschland. Die 24-J\u00e4hrige hat Abitur und eine tunesische Ausbildung als Logistik-Technikerin. Jetzt hat sie sich \u00fcber ein deutsches Arbeitsmigrations-Programm f\u00fcr eine Ausbildung in Deutschland beworben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Vorstellungsgespr\u00e4ch daf\u00fcr ist in zwei Tagen. &#8222;Wenn es klappt, kann ich im September in Deutschland anfangen.&#8220; Kochbati spricht schon so gut Deutsch, dass sie mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser \u00fcber ihre Pl\u00e4ne plaudern kann.<\/p>\n<p>    Faeser will Arbeitsmigration erleichtern<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Arbeitsmigration erleichtern, das ist eine von Faesers Missionen beim Kurzbesuch in Tunis. Projektleiterin Stephanie Schrade berichtet, dass die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr internationale Zusammenarbeit (GIZ) in diesem Jahr bereits 200 Auszubildende nach Deutschland vermittelt hat, plus 70 Fachkr\u00e4fte.<\/p>\n<p>    18.500 Tunesier kamen 2022 nach Italien<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aber halten solche Projekte die jungen, von der miserablen Wirtschaftslage ihres Landes frustrierten Tunesier wirklich davon ab, sich auf die hochriskante Reise \u00fcbers Mittelmeer zu begeben? Jene, die keine Chance auf einen der wenigen Pl\u00e4tze in einem deutsch-tunesischen Arbeitsmarktprojekt haben?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">3200 Tunesier kamen bis April dieses Jahres laut UNHCR in Italien an, etwa 18.500 im gesamten Jahr 2022. Es ist fraglich, ob Geld und gute Worte aus der EU diese Menschen stoppen k\u00f6nnen. Zumal die jungen Tunesier, die es in Schlepperbooten nach Europa schaffen und dort &#8211; wenn sie Gl\u00fcck haben &#8211; Arbeit finden, gro\u00dfe Teile ihres Geldes in die Heimat \u00fcberweisen.<\/p>\n<p>    Kooperationswille gegen Geld<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Rund 2,5 Milliarden Euro flossen so nach Angaben der tunesischen Zentralbank im vergangenen Jahr von Tunesiern im Ausland auf tunesische Konten. Diese R\u00fcck\u00fcberweisungen seien in der aktuellen Wirtschaftskrise zu einer zentralen \u00dcberlebensstrategie tunesischer Familien geworden, so die Maghreb-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik, Isabelle Werenfels, im Deutschlandfunk.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Bei der Bev\u00f6lkerung ist der Wille, das zu bremsen, nicht sehr gro\u00df. Beim Pr\u00e4sidenten muss man sagen, der Kooperationswille ist bis zu einem gewissen Grade da: zu verhindern, dass mehr Personen abreisen&#8220;, sagt Werenfels. Aber dieser sei an Bedingungen gekn\u00fcpft. &#8222;Und die Bedingung ist in erster Linie, dass man Geld bekommt.&#8220;<\/p>\n<p>    Umstrittener Verhandlungspartner<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dabei geriete die Tatsache vollkommen in den Hintergrund, dass &#8222;man mit dem Pr\u00e4sidenten verhandelt, der in den vergangenen zwei Jahren die demokratischen Strukturen Tunesiens systematisch abgebaut hat&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ob diese heiklen Themen, Pr\u00e4sident Kais Saieds Regierungsstil und seine Rede, mit der er im Februar gegen Einwanderer aus L\u00e4ndern s\u00fcdlich der Sahara hetzte, Thema am Verhandlungstisch waren, ist unklar. Faeser berichtet, sie habe die Menschenrechte &#8222;sehr stark angesprochen&#8220;.<\/p>\n<p>    Wie geht es mit der R\u00fcckf\u00fchrung weiter?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Offen bleibt aber auch nach Faesers Besuch, wie es beim Thema R\u00fcckf\u00fchrung von Migranten weitergeht. Schwierig d\u00fcrfte es f\u00fcr die EU werden, jene Menschen nach Tunesien zur\u00fcckzuf\u00fchren, deren Heimat in anderen L\u00e4ndern ist, etwa s\u00fcdlich der Sahara.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Darauf zielte der Pr\u00e4sident vermutlich in seinem einzigen zur Ver\u00f6ffentlichung freigegebenen R\u00e9sum\u00e9 des Treffens mit Faeser ab: &#8222;Tunesien kann nur seine eigenen Grenzen sch\u00fctzen. Und wir werden nicht akzeptieren, ein Einwanderungsland zu werden.&#8220;<\/p>\n<p>    R\u00fcckf\u00fchrungen von Tunesiern funktioniere &#8222;nicht schlecht&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und was wird aus den Tunesiern, die aus der EU abgeschoben werden k\u00f6nnten? In der Praxis scheint es dabei zumindest keine un\u00fcberwindbaren Probleme zu geben. Insgesamt beantragten im vergangenen Jahr 1383 tunesische Staatsb\u00fcrger in Deutschland Asyl, bis Mai dieses Jahres waren es bereits 1095.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Gro\u00dfe Chancen auf Asyl oder \u00e4hnlichen Schutz in Deutschland haben Tunesier nicht. In diesem Jahr bekamen nur 1,5 Prozent der Antragsteller einen positiven Bescheid. Abgeschoben wurden aus Deutschland 2022 laut Bundesinnenministerium knapp 200 Tunesier. Vor der Corona-Pandemie waren es mehr gewesen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kanzlerin Angela Merkel hatte nach dem Attentat des Tunesiers Anis Amri auf dem Berliner Weihnachtsmarkt die Zusammenarbeit mit Tunesien bei Abschiebungen forciert. Maghreb-Expertin Werenfels erkl\u00e4rt: &#8222;Die R\u00fcckf\u00fchrungen von Tunesiern klappen gar nicht so schlecht. Wenn man sich das in Deutschland anschaut, da gibt es Charterfl\u00fcge zur\u00fcck. Das ist weniger das Problem, da kooperiert Tunesien auch.&#8220;<\/p>\n<p>    Keine Transitlager in Tunesien?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Was haben also die aktuellen diplomatischen Offensiven in Tunis gebracht? Johannes Kadura von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Tunis zieht eine gemischte Bilanz. Einerseits sei Tunesien jetzt auf der Priorit\u00e4tenliste und am Verhandlungstisch der Europ\u00e4er gelandet. Allerdings sei fraglich, ob die Besuche die erhofften Resultate bringen werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Saied habe schlie\u00dflich wiederholt erkl\u00e4rt, dass sein Land nur die eigenen Landesgrenzen \u00fcberwacht und keine Migranten aus anderen Nationen aufnehmen m\u00f6chte. &#8222;Damit schlie\u00dft er, zumindest in seiner offiziellen Rhetorik, Transitlager in Tunesien aus&#8220;, so Kadura. Tunesien habe zudem sehr schwer kontrollierbare Grenzen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es bleiben also viele offene Fragen. So klingt auch das R\u00e9sum\u00e9 der deutschen Innenministerin: Man habe jetzt Arbeitsstrukturen geschaffen, auf denen man aufbauen k\u00f6nne. Von einem Migrationsabkommen ist man offenbar noch weit entfernt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 20.06.2023 \u2022 20:26 Uhr Erst eine EU-Delegation, dann Bundesinnenministerin Faeser: Tunesien erlebt viel Reisediplomatie, auch wenn der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":50746,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[20],"tags":[19418,436,746,19417,211,212],"class_list":["post-50745","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-tunesien","tag-asylkompromiss","tag-eu","tag-migration","tag-nancy-faeser","tag-tunesien","tag-tunisia"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/117208811050917418","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50745","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50745"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50745\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/50746"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}