{"id":50795,"date":"2026-09-03T21:11:40","date_gmt":"2026-09-03T21:11:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/50795\/"},"modified":"2026-09-03T21:11:40","modified_gmt":"2026-09-03T21:11:40","slug":"mosambik-vor-grossen-herausforderungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/50795\/","title":{"rendered":"Mosambik vor gro\u00dfen Herausforderungen"},"content":{"rendered":"<p>Mosambik ist in jeder Regenzeit (Oktober bis M\u00e4rz) von zwei bis drei Zyklonen betroffen. Doch Idai hatte eine nie dagewesene Intensit\u00e4t, die durch den Klimawandel bedingt sein d\u00fcrfte. Der kurz darauf folgende Zyklon Kenneth richtete weitere Zerst\u00f6rungen an. Die Wucht von Idai ist mit der von Hurrikan Katrina vergleichbar, der 2005 New Orleans verw\u00fcstete.<\/p>\n<p>Der Sturm offenbarte auch die politischen und institutionellen Schw\u00e4chen, die das Ausma\u00df der Naturkatastrophe verst\u00e4rkten. So hatte der nationale Wetterdienst INAM bereits zwei Wochen vor Idai immer wieder auf die Gefahr eines Tropensturmes hingewiesen. In den n\u00f6rdlichen Provinzen Zambezia und Tete sowie in den Nachbarl\u00e4ndern Malawi und Simbabwe war es in dieser Zeit bereits zu Sch\u00e4den und ersten Opfern gekommen.<\/p>\n<p>Doch die Beh\u00f6rden bleiben unt\u00e4tig \u2013 selbst als INAM drei Tage vor der Katastrophe den Zyklon auf die Warnstufe Rot hob und die Stadt Beira als exakt den Ort benannte, an dem Idai auf Land treffen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Das nationale Katastrophenschutzzentrum INGC hat im Vorfeld der Katastrophe sowie in den ersten Tagen danach so gut wie keine Rolle gespielt. Das Zentrum, das in den Jahren nach der gro\u00dfen Flut von 2000 mit internationaler Hilfe \u2013 auch deutscher \u2013 erheblich ausgebaut worden war, scheint bis heute allenfalls in der Lage, mit kleineren Problemsituationen fertig zu werden.<\/p>\n<p>Seit 2016 ist das INGC massiv unterfinanziert. Dies d\u00fcrfte eine Folge jenes Korruptionsskandals sein, in den f\u00fchrende mosambikanische Politiker und Beamte verwickelt sind und der zu einer Einstellung der Budgethilfe seitens der Partner sowie einem Stopp der Beistandskredite seitens des Internationalen W\u00e4hrungsfonds gef\u00fchrt hat (siehe hierzu <a href=\"https:\/\/www.dandc.eu\/de\/article\/mosambiks-juengster-korruptionsskandal-zeigt-wohin-exzessive-abhaengigkeit-von\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kommentar von Gina dos Reis und J\u00fcrgen Kaiser in E+Z\/D+C e-Paper 2016\/09, Debatte<\/a>). Die Konsequenz sind drastische Einschnitte in allen Haushaltsposten.<\/p>\n<p>So kommt es nicht von ungef\u00e4hr, dass die allerersten Helfer vor Ort eine Gruppe von 22 Freiwilligen aus S\u00fcdafrika war. Sie waren bereits am 13. M\u00e4rz, also am Tag vor dem Eintreten der Katastrophe, mit sechs Gel\u00e4ndefahrzeugen von Johannesburg aus Richtung Beia aufgebrochen, wo sie am 14. M\u00e4rz ankamen und sofort mit Rettungsma\u00dfnahmen begannen. Zusammen mit dem Personal auf dem Tower des Flughafens bildeten sie so etwas wie ein erstes Koordinierungs- und Rettungszentrum in einer ansonsten gel\u00e4hmten Stadt.<\/p>\n<p>In Beira brachen Strom-, Wasser- und Gasversorgung sowie die Versorgung mit Lebensmitteln zusammen. 90 Prozent aller Geb\u00e4ude wurden besch\u00e4digt oder zerst\u00f6rt. Auch das Hinterland wurde durch den Zyklon verw\u00fcstet. Im Westen Beiras entlang der Fl\u00fcsse Pungue und Buzi entstand in wenigen Stunden ein Binnensee von 30 mal 120 Kilometern. Den Menschen in Beira, wie auch im Hinterland blieb nur die Flucht auf die D\u00e4cher ihrer H\u00e4user, auf B\u00e4ume oder h\u00f6her gelegene Orte, wie beispielsweise das Gebiet des Flughafens. Wegen der Zerst\u00f6rungen und \u00dcberflutungen werden rund 1,8 Millionen Menschen in Zentralmosambik noch f\u00fcr lange Zeit von Nahrungsmittelhilfe abh\u00e4ngig sein.<\/p>\n<p>Damit ist die grundlegende Problematik der Lage Beiras angesprochen. Als die Stadt um 1880 gegr\u00fcndet wurde, schien sie gut daf\u00fcr geeignet zu sein, ein paar tausend Menschen direkt am Indischen Ozean anzusiedeln. Heute hat Beira fast 600 000 Einwohner. Auf deutsche Verh\u00e4ltnisse \u00fcbertragen l\u00e4ge die Stadt am Ausgang der Weser in der Nordsee, teilweise im Wattenmeer, w\u00e4re nur zum Teil von mickrigen Deichen und D\u00e4mmen umgeben und von einem ineffizienten Drainagesystem unzureichend entw\u00e4ssert.<\/p>\n<p>Mit einer simplen Rekonstruktion der Stadt und ein paar kosmetischen Ma\u00dfnahmen an Deichen und D\u00e4mmen in den Flussgebieten des Hinterlandes ist es nicht getan. Die Herausforderung besteht darin, die Stadt dauerhaft vor dem Meer zu sch\u00fctzen. Es braucht eine neue, auf Resilienz zielende Stadt- und Umweltplanung.<\/p>\n<p>Friedrich Kaufmann ist Leiter der Deutschen Auslandshandelskammer in Maputo, Mosambik. Der Beitrag gibt seine pers\u00f6nliche Meinung wieder.<br \/><a href=\"https:\/\/www.dandc.eu\/de\/article\/mailto:friedrich.kaufmann@gmx.net\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">friedrich.kaufmann@gmx.net<\/a><\/p>\n<p>Winfried Borowczak ist Sozial\u00f6konom und freier Consultant mit den Schwerpunkten Privatsektorf\u00f6rderung und Organisationsentwicklung in Afrika und portugiesischsprachigen L\u00e4ndern.<br \/><a href=\"https:\/\/www.dandc.eu\/de\/article\/mailto:winborow@aol.com\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">winborow@aol.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mosambik ist in jeder Regenzeit (Oktober bis M\u00e4rz) von zwei bis drei Zyklonen betroffen. 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