{"id":50890,"date":"2026-09-04T04:30:22","date_gmt":"2026-09-04T04:30:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/50890\/"},"modified":"2026-09-04T04:30:22","modified_gmt":"2026-09-04T04:30:22","slug":"maghreb-asylsuchende-darum-kommen-sie-in-die-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/50890\/","title":{"rendered":"Maghreb-Asylsuchende: Darum kommen sie in die Schweiz"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/1372099875454204.webp\" fetchpriority=\"high\" width=\"1280\" height=\"960\" alt=\"Teaserbild Maghreb\" data-image-id=\"1372099875454204\" class=\"watson-snippet__image block h-auto w-full bg-grey-10 \"\/><\/p>\n<p>Rayan* hat sein Herkunftsland vor f\u00fcnf Jahren verlassen \u2013 jetzt soll er zur\u00fcckgeschickt werden.Bild: watson\/Nina Stiefel<\/p>\n<p>Asylsuchende aus Maghreb-Staaten haben in Europa kaum eine Chance auf Asyl. Warum kommen sie trotzdem? Und wieso werden so viele straff\u00e4llig? Ein junger Algerier und ein Maghreb-Experte erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>04.09.2026, 05:5504.09.2026, 05:55<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/8133461377773282.webp\" alt=\"Hanna Hubacher\" width=\"50\" height=\"50\" loading=\"lazy\" class=\"h-auto w-14 rounded-full\"\/><\/p>\n<p>Folge mir<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Ein graues Geb\u00e4ude, umz\u00e4unt von Stacheldraht, Gitter vor den Fenstern, \u00dcberwachungskameras. In dieser Festung direkt hinter dem Flughafen Z\u00fcrich warten Menschen auf ihre Ausschaffung. <\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Hinter den Gem\u00e4uern des Ausschaffungsgef\u00e4ngnisses in Kloten sitzt Rayan, der eigentlich anders heisst und anonym bleiben m\u00f6chte, in einem kahlen Raum auf einem Stuhl. Er ist grossgewachsen, tr\u00e4gt ein helles T-Shirt und eine dunkle Hose. Der 24-J\u00e4hrige spricht bedacht, immer wieder stockt er, sucht nach den richtigen Worten auf Franz\u00f6sisch. Seit sechs Monaten befindet er sich in Administrativhaft. Davor hat er vier Monate wegen illegalen Aufenthalts in der Schweiz verb\u00fcsst.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\"><a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.watson.ch\/schweiz\/migration\/606131100-vier-von-fuenf-asylsuchenden-aus-dem-maghreb-in-der-schweiz-straffaellig\">Seit Mitte August gibt eine Zahl zu reden:<\/a> 80,5 Prozent der Asylsuchenden aus Maghreb-Staaten \u2013 aus Algerien, Tunesien und Marokko \u2013 sind 2024 w\u00e4hrend ihres Asylverfahrens oder nach einem negativen Entscheid mindestens einer Straftat beschuldigt worden. Das zeigt eine interne Auswertung des Staatssekretariats f\u00fcr Migration (SEM), die der <a target=\"_blank\" rel=\"follow nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.blick.ch\/politik\/blick-zeigt-exklusive-zahlen-80-prozent-der-nordafrikaner-sind-kriminell-id22194802.html\" class=\"\">Blick<\/a> publik gemacht hat.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Hinter dieser Zahl steht eine weitere: Die Schweiz bewilligt nur etwa ein Prozent der Asylgesuche von Personen aus Maghreb-Staaten. Warum verfolgen dennoch viele den Traum vom Leben in Europa und riskieren daf\u00fcr ihr Leben?<\/p>\n<p>Auf der Suche nach einem besseren Leben<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Rayan verliess mit 19 Jahren sein Heimatland Algerien. Er hatte dort als Kellner und Friseur gearbeitet. In Algerien sah er f\u00fcr sich keine Zukunft. Wie ein \u00abgrosses Gef\u00e4ngnis\u00bb sei ihm das Land vorgekommen.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Also entschloss sich Rayan, nach Europa aufzubrechen. Dort, war er sich sicher, warte ein neues Leben auf ihn. Er \u00fcberquerte das Mittelmeer und ging in Italien an Land. \u00dcber Umwege gelangte er in die Schweiz, wo er Ende 2022 ein Asylgesuch stellte. \u00abDie Schweiz erschien mir als ruhiges, friedliches Land, in dem man sich ein Leben aufbauen kann\u00bb, sagt Rayan. \u00abIch war jung und voller Hoffnungen.\u00bb<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Nach einigen Tagen in einem Westschweizer Asylzentrum habe er gemerkt: Um seine Chancen auf Asyl steht es schlecht. <\/p>\n<p>\u00abIch sah Menschen aus Nordafrika kommen und gehen. Niemand ist geblieben. Ich habe verstanden, dass wir in der Schweiz kein Asyl erhalten.\u00bb<\/p>\n<p>Rayan*<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Er kann das nicht nachvollziehen. \u00abWir wollen arbeiten, uns integrieren. Und dann stecken sie dich in ein Camp und schicken dich zur\u00fcck. Wir haben hier keine Chance.\u00bb<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/3695124214162122.webp\" loading=\"lazy\" width=\"2000\" height=\"1333\" alt=\"FILE - A dinghy lies on the shore after a shipwreck where two migrants were killed and eight were rescued, in Thermi, on the northeastern Aegean Sea island of Lesbos, Greece, on Wednesday, Jan. 10, 20 ...\" data-image-id=\"3695124214162122\" class=\"watson-snippet__image block h-auto w-full bg-grey-10 \"\/><\/p>\n<p>Mindestens 1900 Menschen kamen im Jahr 2025 bei ihrer Flucht \u00fcber das Mittelmeer ums Leben, gem\u00e4ss Zahlen der UNO-Fl\u00fcchtlingshilfe.Bild: AP<\/p>\n<p>Leben im Untergrund<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Einen Monat nach seiner Ankunft in der Schweiz wurde Rayan Opfer eines Gewaltverbrechens, wie er sagt. Er erlitt Br\u00fcche am ganzen K\u00f6rper. Der T\u00e4ter sei wegen schwerer K\u00f6rperverletzung verurteilt worden, erz\u00e4hlt Rayan. watson kann dies nicht \u00fcberpr\u00fcfen, ein medizinisches Gutachten, das seine Verletzungen belegt, liegt uns jedoch vor. Die k\u00f6rperlichen und psychischen Folgen des Vorfalls belasten den 24-J\u00e4hrigen bis heute.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Das Staatssekretariat f\u00fcr Migration (SEM) lehnte Rayans Asylgesuch ab. Als er aus dem Spital in die Unterkunft zur\u00fcckgekehrt sei, habe man ihm mitgeteilt, dass seine Abschiebung bevorstehe. \u00abIch war v\u00f6llig verzweifelt. Ich bin \u00fcber das Meer nach Europa gekommen. Und ich war nach meinem Unfall noch nicht genesen.\u00bb<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Rayan tauchte unter. \u00abIch hatte Angst, dass sie mich holen und zur\u00fcckschicken.\u00bb Er habe eine Weile \u00abdraussen\u00bb verbracht. Er kam bei Bekannten unter oder bei seiner Freundin, die er in der Schweiz kennenlernte.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Mit Gelegenheitsjobs habe er sich \u00fcber Wasser gehalten \u2013 bei der Weinernte oder bei Umz\u00fcgen. Das habe jedoch nicht ausgereicht. Eine Arbeit zu finden ohne Papiere sei schwierig gewesen. Familienangeh\u00f6rige in Frankreich h\u00e4tten ihm darum zus\u00e4tzlich Geld geschickt und die Ausgaben habe er mit seiner Freundin geteilt.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Bis er bei einer Polizeikontrolle in der Wohnung eines Freundes festgesetzt wurde. Vier Monate sei er inhaftiert worden wegen illegalen Aufenthalts. Danach kam er nach Kloten in Ausschaffungshaft. Insgesamt zehn Monate ist er bereits hinter Gittern. \u00abIch bin seit zehn Monaten im Gef\u00e4ngnis, nur weil ich keine Papiere habe\u00bb, sagt er. Seine Freundin besucht ihn alle zwei Wochen.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Wann genau seine Abschiebung geplant ist, wisse er nicht. Rayan hofft weiterhin darauf, bleiben zu k\u00f6nnen. Auch wegen seiner gesundheitlichen Probleme. \u00abIn Algerien habe ich keinen Zugang zur medizinischen Versorgung, die ich ben\u00f6tige.\u00bb<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">W\u00fcnscht er sich manchmal, er w\u00e4re in Algerien geblieben? \u00abNein. Ich habe dort nichts mehr.\u00bb Dass er jetzt, f\u00fcnf Jahre,  nachdem er sein Heimatland wider viele H\u00fcrden und Hindernisse verlassen hat, wieder zur\u00fcckgeschickt werden soll, l\u00e4sst ihn verzweifeln.<\/p>\n<p>\u00abHier habe ich mir ein Leben aufgebaut. Dort bin ich k\u00f6rperlich und psychisch verloren.\u00bb<\/p>\n<p>Rayan*<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/6649884066526735.webp\" loading=\"lazy\" width=\"1280\" height=\"960\" alt=\"Ausschaffungsgef\u00e4ngnis Kloten\" data-image-id=\"6649884066526735\" class=\"watson-snippet__image block h-auto w-full bg-grey-10 \"\/><\/p>\n<p>Das Ausschaffungsgef\u00e4ngnis am Flughafen Z\u00fcrich: Hier haben bis 130 Inhaftierte Platz.Bild: watson<\/p>\n<p>Europa als Verheissung<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Menschen, die in Europa ein besseres Leben suchen, werden im Maghreb \u00abHarraga\u00bb genannt. Die, die verbrennen. In Anlehnung daran, dass einige vor der Ausreise ihre Ausweispapiere verbrennen, um nicht zur\u00fcckgeschickt zu werden. Es gebe ein bestimmtes Profil derer, die ohne Visum aus den Maghreb-Staaten ausreisen, sagt Beat Stauffer zu watson. Er ist Journalist und Autor mehrerer B\u00fccher \u00fcber irregul\u00e4re Migration aus den Maghreb-Staaten in die Schweiz. <\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Es handle sich in den meisten F\u00e4llen um junge, teilweise minderj\u00e4hrige M\u00e4nner aus der unteren Mittelschicht oder aus der Unterschicht, die aus abgeh\u00e4ngten Regionen oder Vorst\u00e4dten grosser St\u00e4dte kommen. Viele h\u00e4tten keine Ausbildung und auch in ihrem Herkunftsland schlechte Chancen, eine Arbeit zu finden. Ein kleiner, aber zunehmender Teil seien Frauen oder Familien.<\/p>\n<p>Zur Person<\/p>\n<p>Beat Stauffer ist Autor, Journalist und Referent mit Fokus auf die Maghreb-Staaten und Migration aus dem Maghreb. Er ist Autor der B\u00fccher \u00abDie Sackgasse der irregul\u00e4ren Migration\u00bb und \u00abMaghreb, Migration und Mittelmeer\u00bb. Seit den 1980er-Jahren besucht er die Maghreb-Staaten regelm\u00e4ssig. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/3396868496436922.webp\" alt=\"infobox image\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Bild: \u00a9 Friedel Ammann<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Die wirtschaftliche Lage, die Lebensbedingungen und die fehlende Chance auf ein w\u00fcrdiges Leben trieben sie an, ihre Heimatl\u00e4nder zu verlassen. \u00abDie Frustration junger Menschen in Marokko, Algerien und Tunesien ist riesig und weit verbreitet\u00bb, sagt Stauffer. Zwar gebe es auch Versuche, politische Ver\u00e4nderungen zu bewirken. So etwa die Jugendprotestbewegung \u00abGenZ 212\u00bb in Marokko, die im vergangenen Jahr f\u00fcr soziale Reformen und bessere Gesundheitsversorgung gek\u00e4mpft hatte.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">\u00abViele junge Menschen haben jedoch den Eindruck, sie k\u00f6nnten in ihrem Land nichts ver\u00e4ndern und nichts erreichen\u00bb, sagt Stauffer. Das gelte nicht nur f\u00fcr Marokko, sondern auch f\u00fcr die anderen Maghreb-Staaten. \u00abPolitische Freiheiten fehlen, der gesellschaftliche und zum Teil auch der religi\u00f6se Druck sind stark.\u00bb<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Europa, das im Fall von Marokko teils nur wenige Kilometer entfernt liegt, wirke da wie eine Verheissung auf ein besseres Leben, zum Greifen nah. Dazu tr\u00fcgen Bilder und Videos auf den sozialen Medien derjenigen bei, die es \u00abgeschafft haben\u00bb. \u00abDiese Bilder haben eine unglaubliche Sogkraft auf junge Leute\u00bb, sagt Stauffer.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/3713998598045994.webp\" loading=\"lazy\" width=\"2000\" height=\"1333\" alt=\"epa12463194 Demonstrators hold up signs and wave a 'Jolly Roger' flag during a protest organized by the self-styled 'GenZ 212' collective in Rabat, Morocco, 18 October 2025. The gr ...\" data-image-id=\"3713998598045994\" class=\"watson-snippet__image block h-auto w-full bg-grey-10 \"\/><\/p>\n<p>Kundgebung der Bewegung \u00abGenZ 212\u00bb f\u00fcr Reformen im Gesundheits- und Bildungsbereich, aufgenommen im Oktober 2025 in Rabat, Marokko. Bild: EPA<\/p>\n<p>Um keinen Preis zur\u00fcck<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Wer aus dem Maghreb stammt und sich legal in Europa aufhalten will, braucht ein g\u00fcltiges Visum. Wer nicht der Oberschicht angeh\u00f6re, habe aber kaum Chancen auf einen legalen Aufenthalt, etwa durch ein Studium oder eine hochqualifizierte Arbeit, sagt Stauffer. Viele versuchen darum, \u00fcber den Weg eines Asylgesuchs einen legalen Aufenthaltsstatus zu erwerben.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Doch Asylgesuche von Menschen aus dem Maghreb w\u00fcrden in der Schweiz in den allermeisten F\u00e4llen abgelehnt. Denn kaum jemand k\u00f6nne eine Verfolgung aufgrund politischer oder religi\u00f6ser Gr\u00fcnde geltend machen. Das best\u00e4tigt auch das SEM gegen\u00fcber watson. Viele tauchen w\u00e4hrend ihres Asylverfahrens oder nach einem negativen Entscheid unter und versuchen, unter dem Radar zu bleiben. Wie viele, weiss das SEM nicht.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">In Europa angelangt laute die Hauptstrategie: <\/p>\n<p>\u00abWenn du einmal in Europa bist, gehst du nicht mehr zur\u00fcck.\u00bb<\/p>\n<p>Beat Stauffer<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Auch der Druck vonseiten der Familien auf die Migrantinnen und Migranten sei mitunter gross. Viele von ihnen sollen ihre Familien im Herkunftsland finanziell unterst\u00fctzen. Negative Erfahrungen w\u00fcrden Migrantinnen und Migranten vor der Familie und dem Freundeskreis h\u00e4ufig verschweigen. <\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">\u00abUnter Menschen, die aus dem Maghreb fl\u00fcchten, gibt diese Erz\u00e4hlung, dass es f\u00fcr diejenigen, die hartn\u00e4ckig und mutig sind, immer irgendeine M\u00f6glichkeit gibt\u00bb, sagt Stauffer. Mit dem EU-Asylpakt sei es f\u00fcr irregul\u00e4re Migrantinnen und Migranten jedoch schwieriger geworden, unter dem Radar zu bleiben oder etwa in mehreren L\u00e4ndern unter anderem Namen ein Asylgesuch zu stellen. <\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Vor diesem Hintergrund ordnet der Maghreb-Experte auch die hohe Zahl derer ein, die in der Schweiz w\u00e4hrend oder nach Ablauf ihres Asylverfahrens einer Straftat beschuldigt werden:<\/p>\n<p>\u00abDer Hauptgrund f\u00fcr diese extrem hohen Zahlen ist eine enorme Chancenlosigkeit.\u00bb<\/p>\n<p>Beat Stauffer<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Stauffer ist alarmiert, dass auch jene, die sich in einem laufenden Asylverfahren befinden, in der Schweiz h\u00e4ufig straff\u00e4llig werden: \u00abDas zeigt auf, dass sie gar nicht mehr an dieses Verfahren glauben.\u00bb<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Verst\u00f6sse gegen das Ausl\u00e4nder- und Integrationsgesetz \u2013 wie der illegale Aufenthalt in der Schweiz \u2013 gehen nicht in die Statistik ein, die der Blick k\u00fcrzlich publik machte. Das best\u00e4tigt das SEM gegen\u00fcber watson. Rayan z\u00e4hlt somit nach eigenen Angaben nicht zu den 80,5 Prozent der nordafrikanischen Asylsuchenden, die w\u00e4hrend ihres Asylverfahrens oder nach einem negativen Entscheid einer Straftat beschuldigt worden sind.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Wie erkl\u00e4rt sich der junge Algerier Rayan, dass so viele mit dem Gesetz in Konflikt geraten? \u00abViele haben Schwierigkeiten, das Gesetz zu verstehen\u00bb, sagt er. Rayan ist \u00fcberzeugt: \u00abDie Menschen m\u00f6chten das Gesetz gerne einhalten.\u00bb Doch ihnen fehlten legale Alternativen: <\/p>\n<p>\u00abEs gibt Menschen, die am Ende ihrer Kr\u00e4fte sind. Sie machen alle m\u00f6glichen Dinge, weil sie keine M\u00f6glichkeit haben, zu arbeiten.\u00bb<\/p>\n<p>Rayan*<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Und weiter: \u00abSie sitzen in einem Zentrum fest, ohne Arbeit und ohne Motivation. Sie essen und sie schlafen. Das ist kein Leben.\u00bb<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7212460903859923.webp\" loading=\"lazy\" width=\"2000\" height=\"1333\" alt=\"Ein Asylsuchender wird von einem Grenzwaechter im Innenraum des Bahnhofs Chiasso kontrolliert, am Donnerstag, 2. Februar 2023. (KEYSTONE\/Ti-Press\/Massimo Piccoli)\" data-image-id=\"7212460903859923\" class=\"watson-snippet__image block h-auto w-full bg-grey-10 \"\/><\/p>\n<p>Ein Asylsuchender wird von einem Grenzw\u00e4chter in Chiasso kontrolliert. Bild: KEYSTONE\/TI-PRESS<\/p>\n<p>Keine einfachen L\u00f6sungen<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">W\u00fcrden mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr einen legalen Aufenthalt f\u00fcr Menschen aus dem Maghreb Abhilfe schaffen? \u00abAuf jeden Fall\u00bb, sagt Stauffer. Doch:<\/p>\n<p>\u00abDie Nachfrage nach einer legalen Arbeitsstelle in Europa ist viel gr\u00f6sser als das Angebot.\u00bb<\/p>\n<p>Beat Stauffer<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Das kann aber laut Stauffer nur funktionieren, wenn gleichzeitig die irregul\u00e4re Migration aus diesen Staaten konsequent gestoppt wird.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">\u00abEs gibt keine einfachen L\u00f6sungen\u00bb, schlussfolgert Stauffer. Vielmehr brauche es ein \u00abGesamtpaket\u00bb: So sollte die Schweiz gem\u00e4ss dem Maghreb-Experten st\u00e4rker mit maghrebinischen Staaten zusammenarbeiten und in konkrete Projekte vor Ort investieren, etwa im Bildungsbereich. Zudem bef\u00fcrwortet Stauffer, dass die Schweiz das individuelle Asylrecht bei jenen einschr\u00e4nkt, deren Chancen auf Asyl sehr gering sind. Etwa durch ein Vorverfahren, auf das kein regul\u00e4res Asylverfahren folgt.<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">Im November 2023 f\u00fchrte das SEM 24-Stunden-Verfahren f\u00fcr \u00abaussichtslose Asylgesuche\u00bb von Personen aus nordafrikanischen Staaten ein. Im Rahmen der Asylstrategie 2027 soll vor einem Verfahren ausserdem neu gepr\u00fcft werden, ob \u00fcberhaupt Asylgr\u00fcnde vorgebracht werden. Eine grunds\u00e4tzliche Abschaffung des Rechts auf ein individuelles Asylverfahren lehnt Justizminister Beat Jans jedoch entschieden ab, wie er k\u00fcrzlich in einem Interview mit der <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/schweiz\/asylminister-beat-jans-kuendigt-haertere-gangart-an-wir-muessen-die-gesetze-verschaerfen-um-die-justiz-im-umgang-mit-intensivtaetern-zu-entlasten-ld.10019946\" class=\"\">NZZ<\/a> bekr\u00e4ftigte: \u00abDas w\u00fcrde die Menschenw\u00fcrde im Kern aush\u00f6hlen. Diese ist unver\u00e4usserlich, unabh\u00e4ngig von der Herkunft der Personen.\u00bb<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">F\u00fcr Rayan spielen diese Dinge keine Rolle. \u00abIch bin kein Politiker\u00bb, sagt er. Gegen Ende des Gespr\u00e4chs wirkt er ersch\u00f6pft. Er weiss um die Aussichtslosigkeit seiner Situation und sagt: \u00abWir sind alle Menschen. Aber wenn du keine Papiere hast, bist du nichts wert.\u00bb Was Rayan mit Sicherheit weiss: Er will um keinen Preis zur\u00fcck nach Algerien. Und: \u00abAuch wenn sie mich zur\u00fcckschicken \u2013 ich kehre zur\u00fcck.\u00bb<\/p>\n<p class=\"watson-snippet__text my-6 text-[16px] leading-normal md:w-3\/5 lg:text-[18px]\">(*Name ge\u00e4ndert)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Rayan* hat sein Herkunftsland vor f\u00fcnf Jahren verlassen \u2013 jetzt soll er zur\u00fcckgeschickt werden.Bild: watson\/Nina Stiefel Asylsuchende aus&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":50891,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[9],"tags":[93,92],"class_list":["post-50890","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-algerien","tag-algeria","tag-algerien"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/117210895260981230","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50890","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50890"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50890\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/50891"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50890"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50890"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50890"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}