{"id":50912,"date":"2026-09-04T05:29:01","date_gmt":"2026-09-04T05:29:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/50912\/"},"modified":"2026-09-04T05:29:01","modified_gmt":"2026-09-04T05:29:01","slug":"klimafluechtlinge-die-vertriebenen-vom-tschadsee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/50912\/","title":{"rendered":"Klimafl\u00fcchtlinge: Die Vertriebenen vom Tschadsee"},"content":{"rendered":"<p>    Inhalt<br \/>\n    <a class=\"article-toc__fullview z-text-button\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2021-10\/tschadsee-fluechtlinge-klimakrise-islamismus-boko-haram-tschad\/komplettansicht\" data-ct-label=\"all\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n        Auf einer Seite lesen<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>            Inhalt        <\/p>\n<p>Seite 1Die Vertriebenen vom Tschadsee<\/p>\n<p>                                            <a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2021-10\/tschadsee-fluechtlinge-klimakrise-islamismus-boko-haram-tschad\/seite-2\" data-ct-label=\"2\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                    Seite 2Die Sch\u00fcsse kamen fr\u00fch um f\u00fcnf<br \/>\n                <\/a><br \/>\n                                            <a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2021-10\/tschadsee-fluechtlinge-klimakrise-islamismus-boko-haram-tschad\/seite-3\" data-ct-label=\"3\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                    Seite 3Den Binnenfl\u00fcchtlingen geht es noch schlechter<br \/>\n                <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das Ufer des Tschadsees ist l\u00e4ngst nicht mehr zu erkennen. \u00dcber das Wasser spannt sich eine mehrere Zentimeter dicke Erdschicht, ein Teppich aus dichtem Matsch. Aus dieser Erdschicht sprie\u00dfen mannshohe Gr\u00e4ser in den Himmel. Ihre gr\u00fcnen, sichelartigen Spitzen sind noch in Hunderten Metern Entfernung zu erkennen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Wissenschaftler ordnen die Pflanzen, die auf dem Wasser wachsen, unter anderem der Gattung Typha zu, sie sprechen von einem Naturph\u00e4nomen. Die Menschen am Tschadsee bezeichnen sie als &#8222;schwimmendes Gras&#8220; und als Plage.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Wir haben hier fr\u00fcher gefischt&#8220;, sagt Nasiru Saidu. Kaum vier Jahre sei es her, dass hier, vor dem Ort Tagal im <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/tschad\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tschad<\/a>, Hunderte M\u00e4nner mit ihren Booten in See stachen und ihre Netze und Fallen auswarfen. &#8222;Aber auch Fische brauchen Luft zum Atmen&#8220;, sagt Saidu. Das Gras habe die Tiere unter sich erstickt. Die einzigen Boote, die jetzt noch am Ufer zu sehen sind, vergammeln in der feuchten Erde.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Rund um den Tschadsee entspinnt sich eine der vielschichtigsten Krisen unserer Zeit. Armut und Hunger sind extrem, die Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst rasant, bewaffnete Gruppen terrorisieren die Menschen, korrupte Regierungen beuten sie aus. Und in den vergangenen Jahrzehnten wurde die Natur lebensfeindlicher. Der Klimawandel gilt als Ursache daf\u00fcr. Er verst\u00e4rkt die bestehenden Probleme und er schafft neue, wie Typha. Steigende Temperaturen f\u00f6rdern es weiter. <\/p>\n<p>        Klimakrise &#8211; Wie extrem wird das Wetter noch?<br \/>\n        Hitzewellen, D\u00fcrre und Fluten nach Starkregen \u2013 was wir in den letzten Jahren erlebt haben, ist erst der Anfang der Klimakrise. Dieses Video erkl\u00e4rt, was uns bevorsteht.<br \/>\n        \u00a9\u00a0Foto:\u00a0ZEIT ONLINE<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Menschen am Tschadsee sind traditionell anpassungsf\u00e4hig, doch immer mehr verlieren ihre Existenzgrundlage. Immer mehr sehen in der Flucht ihren einzigen Ausweg. Seit Anfang 2020 hat sich die Zahl der Binnenvertriebenen im Tschad von kaum 200.000 auf mehr als 400.000 verdoppelt. Abertausende Fl\u00fcchtlinge aus Niger und <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/nigeria\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nigeria<\/a>, zwei anderen Anrainerstaaten des Tschadsees, suchen im Land ebenfalls ein besseres Leben. Oft vergeblich. Ein besseres Leben scheint es in diesem Teil der Welt nicht mehr zu geben. Die Menschen werden zu Heimatlosen, die nie zur Ruhe kommen.\n<\/p>\n<p>            Wie viele werden fliehen?            <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Am Tschadsee ist zu beobachten, was auf viele Regionen der Welt zukommen k\u00f6nnte. Gelingt es nicht, die globalen Emissionen erheblich zu senken, werden die Folgen laut eines Berichts der <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/weltbank\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Weltbank<\/a> bis zum Jahr 2050 mehr als 200 Millionen Menschen vertreiben. Die gro\u00dfe Frage ist, wohin. Seit Jahren treibt Migrationsexperten um, wie viele nach Europa kommen. Doch derartige Prognosen sind komplex und unsicher.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Man kann \u00fcber das schwimmende Gras gehen&#8220;, sagt Saidu. &#8222;Niemals stehen bleiben, sonst brichst du durch.&#8220; Zwei Jugendliche kommen vorbei. Sie ziehen ihre langen Hosen aus, dann laufen sie hinaus auf den Typha-Teppich. Bei jedem ihrer Schritte sinkt die d\u00fcnne Erdschicht unter ihren F\u00fc\u00dfen einige Zentimeter ab. Der Boden f\u00e4ngt an, Wellen zu schlagen. Die Jugendlichen passen sich dem Rhythmus dieser Wellen an, um m\u00f6glichst wenig Druck auf den fragilen Untergrund auszu\u00fcben. Sie tragen Speere, deren metallene Spitzen im Takt ihrer Schritte wie Metronome \u00fcber ihren K\u00f6pfen wippen.\n<\/p>\n<p>                            Speere zum Schutz vor Alligatoren und Flusspferden. Jugendliche am Ufer von Tagal, kurz bevor sie \u00fcber den Teppich aus Typha rennen            \u00a9\u00a0Issio Ehrich f\u00fcr ZEIT ONLINE<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Speere seien ein notwendiger Schutz, sagt Saidu. Er blickt den Jugendlichen lange nach. &#8222;Das ist kein Ort mehr f\u00fcr den Menschen&#8220;, sagt er. &#8222;Dieser Teil des Sees geh\u00f6rt jetzt Alligatoren und Flusspferden.&#8220; Tagal, sagt er, sei verloren. Und Saidu wei\u00df, wovon er spricht: Typha ist f\u00fcr ihn nur die j\u00fcngste in einer Serie von Plagen.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0Lea Dohle<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Was jetzt? \u2013 Der t\u00e4gliche Morgen\u00fcberblick<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Starten Sie mit unserem kurzen Nachrichten-Newsletter in den Tag. Erhalten Sie zudem freitags das digitale Magazin ZEIT am Wochenende.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Der Tschadsee war einst ein Paradies. Saidu stammt aus einer Fischerfamilie aus Nigeria, am westlichen Ende des Sees. In den Sechzigerjahren war er 25.000 Quadratkilometer gro\u00df. Ohne dieses gewaltige Wasservorkommen h\u00e4tte sich das menschliche Leben im Sahel, dem \u00dcbergang der Sahara-W\u00fcste im Norden <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/afrika\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Afrikas<\/a> in die feuchteren Gefilde des s\u00fcdlicheren Afrikas, nie derart entwickelt. Doch als Saidu 1976 zur Welt kam, befand sich dieses Naturwunder bereits in einem dramatischen Wandel. Eine Jahrhundertd\u00fcrre hatte den Sahel erfasst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt Auf einer Seite lesen Inhalt Seite 1Die Vertriebenen vom Tschadsee Seite 2Die Sch\u00fcsse kamen fr\u00fch um f\u00fcnf&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":50913,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[242],"tags":[365,19465,91,19466,19463,19467,19464,366,77,283,19468,364,19469],"class_list":["post-50912","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-tschad","tag-chad","tag-doron-baga","tag-europa","tag-klaus-hasselmann","tag-klimafluechtlinge","tag-luisa-neubauer","tag-nasiru-saidu","tag-niger","tag-nigeria","tag-politik","tag-tagal","tag-tschad","tag-typha"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@afrika\/117211126946414673","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50912","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50912"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50912\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media\/50913"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50912"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50912"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/afrika\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50912"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}